Notgroschen: Darf es auch eine Nummer kleiner sein?

Wenige Dinge werden unter Bloggern so kontrovers diskutiert, wie der Notgroschen. Dabei stehen verschiedenste Fragen im Raum. Wie wichtig ist er? Welche Höhe soll er haben? Und wie viel Rendite kostet er mich? – um nur einige zu nennen.

Ich bin gerade auf meinen Notgroschen angewiesen. Daher ist es für mich der richtige Zeitpunkt, dass Thema zu reflektieren und dir zu zeigen, warum ich denke, dass er auch ruhig eine Nummer kleiner ausfallen darf.

Notgroschen: Ein großes Sparschwein unter vielen kleinen.

Darf der Notgroschen auch eine Nummer kleiner sein?

 

Was ist ein Notgroschen?

Der Notgroschen hilft dir unvorhergesehene Ausgaben abzudecken. Mit ihm ersetzt du die kaputte Waschmaschine und lässt das unentbehrliche Auto reparieren. Im schlimmsten Fall muss er groß genug sein, um mehrere dieser Schäden parallel auszugleichen.

Er ist also eine Art Versicherung für kleine bis mittlere Schäden. Seine optimale Größe hängt davon ab, welchen Risiken du ausgesetzt bist. Hast du kein Auto, kann auch keines kaputt gehen.

Da er für unerwartete Ausgaben gedacht ist, muss er jederzeit verfügbar sein. Es kommen also nur liquide Anlagen in Betracht, die geringen Schwankungen unterliegen. Auf dem Tagesgeldkonto ist der Notgroschen gut aufgehoben. Schließlich wäre es ärgerlich, wenn du mitten in einem Börsencrash deine Aktien vorzeitig verkaufen müsstest.

 

Wie groß soll der Notgroschen sein?

An dieser Frage scheiden sich die Geister. Oft werden pauschal drei bis sechs Nettogehälter empfohlen. Ein Punkt wird dabei häufig vergessen:

Die Gesamtsituation entscheidet.

Klar ist, hast du hohe Ausgaben, brauchst du eine große Reserve. Hast du niedrige Ausgaben, brauchst du eine kleine Reserve. Das gilt aber nur, solange du kein Vermögen hast. Wenn du bereits ein Portfolio aus einem risikobehafteten Anteil (z.B. Aktien) und einem risikolosen Anteil (z.B. Tagesgeld, kurzlaufende Bundesanleihen) besitzt, brauchst du keine Reserve. Du hast sie bereits.

Der risikolose Teil deines Portfolios erfüllt alle Voraussetzungen, die ein Notgroschen mitbringen muss. Er ist liquide und unterliegt geringen oder keinen Schwankungen.

Verkaufst du Anleihen, fallen Gebühren an. Daher ist es ratsam, einen Teil deines risikolosen Portfolios in Form von Tagesgeld zu deponieren. Zumal kurzlaufende Bundesanleihen derzeit kaum Zinserträge versprechen. Sie sind nur interessant, wenn deine Geldwerte die gesetzliche Einlagensicherung übersteigen.

 

Ein Beispiel aus der Praxis

Vor gut einem Jahr habe ich die Entscheidung gefällt, mich als Honorarberater selbständig zu machen. Seitdem kommen ständig ungeplante Ausgaben auf mich zu. Die Folge: Das Tagesgeldkonto schrumpft gemütlich vor sich hin.

Alles halb so schlimm dachte ich mir vor kurzem, als ich die Prüfung zum Finanzanlagenfachmann hinter mich gebracht hatte. Endlich war alles erledigt. Noch ein bisschen Papierkram und die Registrierung zum Honorarfinanzanlagenberater ist perfekt. So die Theorie …

Ein Telefonat mit der zuständigen Sachbearbeiterin hat mich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. 900 Euro für den Zulassungsprozess. Das hatte ich nicht auf dem Schirm.

Für mein Tagesgeldkonto heißt das:

Arschbacken zusammenkneifen. Noch so ein Ding und es wird eng.

Eng wird es aber nur für mein Tagesgeldkonto. Ich kann trotz bescheidener Börsenkurse ohne größere Verluste meine alten Anleihebestände verkaufen. So kann ich diese Hürde ohne finanzielle Probleme meistern.

Das Risikoprofil meines Portfolios verschiebt sich natürlich. Doch das kann ich in den nächsten Monaten wieder korrigieren.

 

Der Notgroschen ist kein Renditekiller

Ich habe in letzter Zeit Rechnungen gesehen, die zeigen, wie hoch die Kosten sind, die durch den Notgroschen entstehen. Die Rechnungen sahen in etwa so aus:

Ein 30-jähriger legt 5000 Euro in Aktien an. Über die nächsten 37 Jahr erwirtschaftet er eine Rendite von 8 Prozent. Danach stehen ihm gut 86.000 Euro zur Verfügung (Steuern habe ich nicht betrachtet).

Legt er 5000 Euro auf das Tagesgeldkonto zu einem Prozent an, stehen ihm nach 37 Jahren nur gut 7000 Euro zur Verfügung. Das sind fast 80.000 Euro weniger. Halleluja …

Ich finde die Rechnung legitim, aber nicht zielführend. Sie setzt voraus, dass du dein komplettes Vermögen in Aktien investierst. Trifft das zu? Wenn nicht, kannst du unvorhergesehene Ausgaben mit deinem risikolosen Portfolioanteil abfedern. Die Frage nach dem Notgroschen, ist damit eine Frage nach der Risikoausrichtung des Gesamtvermögens.

 

Wie der Notgroschen deine Versicherungsbeiträge reduziert

Ein positiver Nebeneffekt des Notgroschens ist, dass er es dir ermöglicht, bei Versicherungen mit Selbstbehalten zu arbeiten. Dadurch sinken deine Versicherungsbeiträge. Kleinere Schäden zahlst du in Zukunft einfach aus eigener Tasche.

Ohnehin solltest du Versicherungen nur für mittlere bis größere Schäden nutzen. Reichst du jede noch so kleine Rechnung ein, wird dir der Versicherer irgendwann kündigen und du stehst ohne Versicherungsschutz da. Einen neuen Versicherer wirst du kaum finden, da die Schadenhistorie im Antragsprozess abgefragt wird …

Und stehst du im Ernstfall ohne existentielle Versicherungen wie der Privathaftpflichtversicherung da, ist das mehr als nur ärgerlich.

 

Fazit

Der Notgroschen ist eine Versicherung gegen unvorhergesehene Ausgaben. Die richtige Höhe hängt von deiner persönlichen Situation ab. Beginnst du gerade mit dem Vermögensaufbau, ist der Notgroschen das erste Ziel. Erst wenn du deinen Notgroschen zusammen hast, macht es Sinn, dass du dich nach renditeträchtigen Anlagen umschaust.

Hast du bereits Vermögen, darf der Notgroschen gerne eine Nummer kleiner sein. Geringen finanziellen Risiken kannst du mit deinem risikolosen Portfolioanteil entgegentreten.

Es verhält sich wie bei jeder Finanzentscheidung:

Betrachte immer dein Gesamtvermögen.

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Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

Bildquelle: © psdesign1 – fotolia

Portrait vom Autor dieses Artikels
Über Christoph Geiler

Als Finanzberater bin ich auf die Themen Finanzplanung, Geldanlage und Altersvorsorge spezialisiert. Als Finanzkoch bin ich konzeptionell tätig und erstelle Inhalte. In meiner Freizeit schwinge ich gern den Kochlöffel, treibe Sport und spiele mit meinem Sohn.