Was kostet m-ein Kind? (mehrere 100.000 Euro)

Von Zeit zu Zeit werde ich von angehenden Eltern gefragt, was man finanziell für ein Kind einplanen sollte. Meine Antwort ist, dass es darauf ankommt. Je nachdem wie du dein Kind großziehen möchtest und welche Standards du ansetzt, variieren die Ausgaben enorm.

Im Folgenden nähern wir uns der Frage Was kostet ein Kind? dennoch an. Wobei wir uns zunächst die „offiziellen“ Durchschnittskosten für ein Kind anschauen, um danach individueller zu werden und auf die Kosten für unseren Sohn, der mittlerweile stolze 4,5 Jahre misst, zu sprechen kommen.

Was kostet ein Kind? Mädchen voller Körpermalfarbe schaut in den Himmel.

Was kostet ein „Durchschnittskind“ bis zum 18. Lebensjahr?

Die Ausgaben für Kinder hat das Statistische Bundesamt in seinem Tabellenband >Konsumausgaben von Familien für Kinder untersucht. Unter Konsumausgaben fallen unter anderem:

  • Wohnen
  • Essen
  • Bekleidung
  • Gesundheit
  • Bildung
  • Freizeit
  • Kommunikation & Verkehr

Die Daten stammen aus den Jahren 2008 und 2013. Gedanklich können wir dank Inflation ein paar Euro aufaddieren, um auf für uns heute realistische Zahlen zu kommen.

Im Jahr 2013 haben Paare aus der untersuchten Stichprobe 660 Euro/Monat für ihre Kinder ausgegeben. Dabei variieren die Ausgaben je nach Alter:

  • Für Kinder unter 6 Jahre: 587 Euro/Monat
  • Für Kinder von 6-12 Jahren: 686 Euro/Monat
  • Für Kinder von 13-18 Jahren: 784 Euro/Monat

Mit 612 Euro/Monat sind die Kosten, die Alleinerziehende für ihre Kinder schultern, nur etwas niedriger.

Kinder fallen bei der eigenen Finanzplanung erheblich ins Gewicht. Wenn wir die 660 Euro/Monat, die Paare im Schnitt für ihre Kinder berappen, auf 18 Jahre hochrechnen, landen wir bei gut 142.000 Euro. Finanziell scheint es nicht meine cleverste Idee gewesen zu sein, Vater zu werden. Dass das zweite und dritte Kind jeweils etwas günstiger werden, ist ein Tropfen auf den heißen Stein.

Finanzielle Förderungen für Familien

Den Kosten für unseren Nachwuchs stehen >finanzielle Förderungen für Familien entgegen. Beispielsweise gibt es Elterngeld in der Anfangszeit der Elternschaft und Mutterschaftsleistungen, wenn du während der Schwangerschaft nicht arbeiten darfst. Allerdings sorgen diese Leistungen gerade einmal dafür, dass das Einkommen nicht komplett wegbricht. Um die oben skizzierten Kosten zu senken, taugen die Leistungen nicht.

Was für Eltern tatsächlich auf der Haben-Seite steht, im Vergleich zu ihren kinderlosen Pendants, ist das Kindergeld.

Kindergeld & Kinderfreibetrag

Das Kindergeld für das erste und zweite Kind beträgt 2021 monatlich 219 Euro und wird mindestens bis zum 18. Lebensjahr ausgezahlt. Somit summiert es sich über die Laufzeit auf mindestens 47.304 Euro. Die durchschnittlichen Kosten für ein Kind bis zum 18. Lebensjahr fallen dadurch auf etwa 95.000 Euro.

Gut zu wissen: Das Finanzamt prüft automatisch, ob für dich das Kindergeld oder der Kinderfreibetrag attraktiver ist.

Finanzielle Hilfen für Familien mit geringem Einkommen

Für Familien mit niedrigem Einkommen gibt es zusätzliche finanzielle Unterstützung wie Kinderzuschlag und Hilfen für Bildung und Teilhabe. Über die einzelnen Leistungen kannst du dich auf dem >Familienportal des Bundesministeriums für Familie informieren.

An dieser Stelle will ich vor allem auf Anlaufstellen abseits des Staates aufmerksam machen. Wir haben damals finanzielle Unterstützung im Rahmen der Baby-Erstausstattung vom Verein >pro familia erhalten, wofür wir heute noch unendlich dankbar sind. Es ist sinnvoll, auch links und rechts des Weges zu schauen, von wo du Unterstützung bekommen kannst, wenn es finanziell knapp ist.

Unser Kind: Ein finanzielles Leichtgewicht?

Unser Sohn hat im Februar 2017 das Licht der Welt erblickt. Nur wenige Monate vorher habe ich meinen Nebenjob gekündigt und mich voll auf meine Selbständigkeit fokussiert – wobei ich parallel auf eigene Kosten meinen Abschluss zum Fachberater für Finanzdienstleistungen forciert habe. Meine Frau steckte zu dieser Zeit im zweiten Studium und hat das Mindestelterngeld von 300 Euro/Monat bekommen.

Zusammen mit dem Kindergeld haben uns kaum 1.000 Euro/Monat zur Verfügung gestanden, um die Ausgaben unserer 3-köpfigen Familie zu bestreiten. Teilweise war das Geld so knapp, dass es beim Lebensmitteleinkauf eng geworden ist.

Die Ausgaben für unseren Sohn sind dabei kaum ins Gewicht gefallen.

Auf ein Kinderzimmer und ein Kinderbett haben wir verzichtet. Als unser Sohn im Anmarsch war, haben wir unser altes Bett entsorgt und eine 2×2 Meter Matratze gekauft, die wir auf den Boden legen konnten. Das hat den praktischen Vorteil, dass die Fallhöhe gering ist, wenn der Nachwuchs herauspurzelt. Bis heute schlafen wir zu dritt auf der Matratze. Auch unserer Dachgeschosswohnung, die 46 qm² misst, halten wir bisher die Treue – wobei das kein Zustand für die Ewigkeit ist.

Das Kindergeld reichte aus, um die Ausgaben für unseren Sohn zu kompensieren.

Auch wenn unsere Einnahmen zu dieser Zeit so bescheiden waren, dass wir Anspruch auf staatliche Hilfen gehabt hätten, ist es sich immer ausgegangen. Unser Beispiel zeigt, dass ein Kind fast immer ins Budget passt. Es hängt ganz davon ab, welche Vorstellungen du hast. Soll es ein nigelnagelneuer Kinderwagen sein oder wählst du das simple Tragetuch? Wünschst du dir ein Kinderzimmer für dein Baby oder kann das warten, bis es größer ist? 16 Tipps für einen dickeren Geldbeutel habe ich im Beitrag >Sparen mit Baby zusammengetragen.

Was wir für unseren 4,5-jährigen Sohn ausgeben

Viele Ausgaben, die wir im Namen unserer Babys vornehmen, tätigen wir eigentlich für uns. Sie selbst benötigen in dieser Zeit vor allem körperliche Nähe, Wärme und Nahrung. Wenn sie größer werden, ändert sich das.

Heute hat unser Sohn konkrete Wünsche und ein wachsendes Autonomiebedürfnis. Dadurch steigt auch das Budget an, mit welchem er die Haushaltskasse „belastet“. Die Zeiten, in denen das Kindergeld ausgereicht hat, um die Ausgaben zu kompensieren, sind vorbei. Das sieht mit seinen 4,5 Jahren in etwa so aus:

  • Wohnnebenkosten: 20 Euro/Monat
  • Essen/Trinken: 150 Euro/Monat
  • Bekleidung: 40 Euro/Monat
  • Mobilität: 20 Euro/Monat
  • Gesundheit: 20 Euro/Monat
  • Freizeit: 20 Euro/Monat
  • Urlaub: 50 Euro/Monat
  • Spielzeug & Sonstiges: 40 Euro/Monat
  • Kindergarten: 116 Euro/Monat (mit 3,5 Jahren ist er >in die Kita gekommen)
  • Gesamt: 476 Euro

Damit sind wir gut 110 Euro/Monat günstiger als beim Durchschnittskind. Wenn wir die 219 Euro Kindergeld berücksichtigen, landen wir bei einer monatlichen Belastung von 257 Euro. Genau genommen schrumpft diese noch, da der Kindergartenbeitrag steuerlich abziehbar ist.

Auch wenn unser Sohn unbestreitbar Geld „kostet“, bin ich mir nicht sicher, dass wir mehr ausgeben als ein vergleichbares Paar ohne Kinder. Der kleine Mann ist eine echte Ausgabenbremse. Die Abende, an denen wir im Jahr „ausgehen“, können wir an einer Hand abzählen. Ohne Kinder wäre unsere Freizeitgestaltung sicherlich kostenintensiver.

Und doch kostet unser Sohn einen sechsstelligen Betrag

Schwerer als die Ausgabenseite wiegt in unserem Fall die Einnahmenseite. Das Studium meiner Frau verzögert sich um drei Jahre und ich bringe weniger Stunden mit meiner Arbeit zu. Allein wenn ich das Einstiegsgehalt meiner Frau bei 40.000 Euro ansetze, haben wir durch den späteren Berufseinstieg bisher 120.000 Euro brutto an Opportunitätskosten produziert.

Bei solchen Zahlen kann einem schnell schwindelig werden. Allerdings haben wir dafür eine tolle Zeit. Mit jedem Atemzug bereichert unser kleiner Mann nicht nur unser Leben – er prägt es. Mit allen Höhen und Tiefen. Unser Ziel ist nicht die Maximierung unseres Vermögensstatus. Wir wollen unser Leben nach unseren Vorstellungen gestalten. Ein Kind gehört dazu.

Was muss ich finanziell für ein Studium einplanen?

Die Ausbildungskosten für Kinder variieren stark. Das beginnt schon in der Schulzeit. Während du für eine staatliche Schule kein größeres Budget einplanen musst, kann ein Elite-Internat im Monat mit mehreren tausend Euro zu Buche schlagen. Das Schulgeld für >Schloss Salem beginnt beispielsweise bei 3.600 Euro/Monat.

Entscheidet sich dein Nachwuchs nach der Schulzeit für ein Studium, geht das fast immer ins Geld – gerade wenn er fern der Heimat studiert.

Der Durchschnittstudent hat in einem Studium über 10 Semester (Bachelor & Master) Ausgaben von >etwa 50.000 Euro. Und diese Zahlen sind von 2016.

Allerdings musst du die Ausgaben als Elternteil nicht in jedem Fall allein stemmen. Bleibst du unter gewissen Verdienstgrenzen, kann dein Kind >Bafög beantragen. Zudem hängen die finanziellen Auswirkungen davon ab, inwieweit sich dein Kind das Studium selbst finanziert.

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Resümee: Was kostet ein Kind?

Wir halten fest: Kinder kosten Geld. Allerdings ist die Bandbreite groß – je nachdem welche Vorstellungen du vom Leben hast.

Unser Sohn war unter Berücksichtigung des Kindergelds in seinen ersten Lebensjahren ein „Nullsummenspiel“. Mit mittlerweile 4,5 Jahren lässt sich allerdings nicht mehr leugnen, dass er im Budget ein zusätzlicher Ausgabenposten ist.

Dabei greift die Betrachtung der Ausgaben zu kurz. Die eigentliche finanzielle Belastung entsteht bei uns auf der Einnahmenseite. Hier werden sich die Opportunitätskosten über die Jahre auf eine mittlere sechsstellige Summe aufsummieren – wobei wir ein Extrembeispiel sind. Unser Sohn hat beispielsweise erst mit >dreieinhalb Jahren einen Kindergarten betreten, wodurch sich unsere berufliche Entwicklung deutlich verzögert.

Letztlich ist die finanzielle Frage im Zusammenhang mit unserem Sohn und etwaigen weiteren Kindern für uns eine Randnotiz. Finanziell geht es immer, vor allem wenn man eine funktionierende Partnerschaft hat. Ja, wir geben weniger Geld für Autos, Wohnen und Urlaub aus – aber das ist eine Frage der Prioritäten.

Interessant ist für mich darüber hinaus die Frage:

Sollte man die finanzielle Dimension aufmachen, wenn man über Kinder nachdenkt und die Entscheidung davon abhängig machen oder wird damit die moralische Grenze des Marktes überschritten?

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

Portrait vom Autor dieses Artikels
Über Christoph Geiler

Als Finanzberater bin ich auf die Themen Finanzplanung, Geldanlage und Altersvorsorge spezialisiert. Als Finanzkoch bin ich konzeptionell tätig und erstelle Inhalte. In meiner Freizeit schwinge ich den Kochlöffel, treibe Sport und spiele mit meinem Sohn.