Warum du deine Aktien verkaufen solltest

Gastbeitrag von Claudius Thelen

Die Börse ist ein hartes Pflaster. Deine Gewinne der letzten Monate können innerhalb weniger Tage wieder zunichte gemacht werden. Das Depot ist dunkelrot. An diesem Punkt fragen viele Anleger, ob es nicht besser ist der Börse den Rücken zu kehren. Sie wollen Ihre Aktien verkaufen.

Vielleicht ging es dir ja auch schon einmal so oder bist du eher der gelassene Buy-an-Hold Anleger?

Egal ob Talfahrt oder neue Höchststände, in diesem Artikel erfährst du, wie du unabhängig vom Kurs rationale Verkaufsentscheidungen fällst und warum das für dich wichtig ist.



Warum du deine Aktien verkaufen solltest


Jeden Monat durchsuchen durchschnittlich 22.000 Menschen Google auf der Suche nach Tipps und Informationen rund um das Thema „Aktien kaufen“. Nur ca. 800 interessieren sich hingegen dafür, wann man „Aktien verkaufen“ sollte.

Ist es folglich sinnlos, sich mit der Frage zu befassen, wann oder unter welchen Umständen man seine Aktien verkaufen sollte? Ich denke nicht und das hat einen ganz einfachen Grund:

Aktien sind Investitionen

Und Investitionen sind, mathematisch ausgedrückt, Zahlungsreihen, an deren Anfang eine Auszahlung steht und der mehrere Einzahlungen (und gegebenenfalls Auszahlungen) folgen.
Investitionen Gastbeitrag
Einfach gesagt: Das Ziel einer Investition ist es Einnahmen zu generieren. Tut sie das nicht, spricht man von einer Fehlinvestition. In diesem Fall solltest du den Tatsachen ins Auge sehen und deine Aktien früher oder später verkaufen.

Aber auch wenn deine Aktie abgeht wie eine Rakete, musst du diesen Gewinn irgendwann realisieren. Denn was bringt dir eine Top-Aktie, wenn die Rendite nur auf dem Papier existiert? Aktien sind wie Geld kein Selbstzweck. Sie sollen dir auf deinem Weg zu Glück und finanzieller Freiheit helfen. Einen schönes Heim für deine Familie oder deine Rente kannst du nicht mit Aktien bezahlen. Dafür brauchst du Geld. Und um an dieses Geld zu kommen, musst du irgendwann Aktien verkaufen. Klingt doch plausibel, oder?

Doch es gibt zwei Ausnahmen – Anlagestrategien um die es hier und heute nicht gehen wird:

1. Die Dividendenstrategie

Im Dax zahlen fast alle Unternehmen eine Dividende. Mehr als die Hälfte der 30 DAX-Unternehmen zahlen jedoch nur eine Dividende von weniger als 1 Prozent. Hast du in ein solches Unternehmen investiert, so dauert es ganze 70 Jahre, bis du deinen Einsatz durch die Dividendenzahlungen wieder raus hast. Diesen Zeitraum solltest du durch Transaktionskosten nicht noch verlängern. Bei der Dividendenstrategie solltest du keine Aktien verkaufen. Du bist ja an einem passiven Einkommen interessiert. Dabei ist zu viel Wechsel im Depot kontraproduktiv.

2. Spekulationen

Wenn du kurzfristig auf steigende oder fallende Kurse spekulierst, werden die Erkenntnisse aus diesem Artikel ebenfalls nicht auf dich zutreffen. Du solltest deine Verkaufsentscheidung in diesem Fall von deinem Spekulationsziel abhängig machen.

Wir smarten Anleger investieren und spekulieren nicht. Auch wenn unsere Devise „Buy and hold“ lautet, musst du für den Ernstfall gewappnet sein und rechtzeitig erkennen, wann du deine Aktien verkaufen solltest.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Aktien zu verkaufen?

Das kann dir niemand sagen. Viele werden es trotzdem versuchen. Lass dich davon nicht beeinflussen.

Es gibt aber durchaus Anzeichen, an denen du erkennst, dass du deine Aktien verkaufen solltest. Zumindest solltest du dir dann deine eigenen Gedanken machen:

Dein Unternehmen befindet sich auf dem absteigenden Ast

Von den 30 DAX-Werten der ersten Stunde, sind bis heute nur noch 12 im Index geblieben.

Die anderen 18 Unternehmen

  • wurden entweder wie Karstadt und Kaufhof von der Börse genommen,
  • fusionierten wie VIAG und VEBA zu E.ON
  • oder stiegen wie Nixdorf und MAN in einen anderen Index ab.

Das alles in 27 Jahren. Und wie lang ist dein Anlagehorizont? Länger? Dann sollte spätestens jetzt dein Interesse geweckt sein.

Während Fusionen für uns Aktionäre nicht per se schlecht sind, haben Delistings einen schlechten Ruf. Bei einem Delisting wird die Aktie eines Unternehmens schlicht und ergreifend von der Börse genommen. Die sogenannte Macrotron-Entscheidung sollte uns Aktionäre dabei schützen und verlangte vor einem Delisting einen Hauptversammlungsbeschluss und ein Abfindungsangebot für uns Aktionäre. Diese Regelung hob der Bundesgerichtshof 2013 auf. Ein einfacher Vorstandsbeschluss reicht heute für ein Delisting aus.

Das Argument: Das Delisting habe keinen Einfluss auf den Wert der Aktie.

Das Problem: Durch das Delisting wird die Aktie nicht mehr an der Börse handelbar.

Dann sitzt du auf deinen Aktien. Die Aktien verkaufen? Fehlanzeige! Großaktionären macht das nichts. Sie sind am Unternehmen interessiert. Ihnen ist es egal, ob ihre Aktien jederzeit handelbar sind. Als Kleinaktionär aber wirst du faktisch enteignet.

Weiteres Problem: Du erhältst oft nicht einmal einen Brief, wenn eines deiner Aktienunternehmen ein Delisting durchführen will. Du musst dich selbst informieren, wie es um das Unternehmen steht.

Wie kann Ich mich schützen?

Pauschal lässt sich sagen, dass die Gefahr eines Delistings bei kleinen Unternehmen größer ist. Ein gut diversifiziertes Depot ist ebenfalls empfehlenswert.

Jetzt bist du gewarnt. Ein Delisting kann theoretisch von heute auf morgen entschieden werden. Bis dahin ist hinter den Fassaden aber schon einiges geschehen. Wieso auch sonst sollte ein Unternehmen einfach so von der Börse gehen? Es will doch mit dem Geld der Aktionäre wachsen und expandieren (Ergänzend: siehe Kommentarbereich). Manche Unternehmen erreichen aber irgendwann einen Punkt, an dem sie nicht mehr wachsen. Sie schrumpfen wieder und verlieren an Bedeutung.

Woran liegt das?

Die Weltwirtschaft insgesamt wächst zwar, aber die Akteure sind allesamt austauschbar.

Unternehmen sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Für Produkte gibt es schon lange das Konzept eines Produktlebenszyklus. Die letzte Phase dieses Zyklus nennt sich Degeneratiosphase. Der Markt schrumpft und die Umsätze gehen zurück. Dieses Konzept lässt sich auch auf Unternehmen anwenden. Fehlen Innovationen und eine Umstrukturierung, dann steigt das Unternehmen vielleicht in einen anderen Index ab. Ein gutes Zeichen ist das nicht. Im schlimmsten Fall steht am Ende sogar eine Insolvenz. Zum Glück bleibt dieses Szenario vielen Unternehmen erspart. Viel wahrscheinlicher ist folgendes:

Deine Rendite lässt zu wünschen übrig

Hier lohnt es sich ab und zu mal einen Blick auf die Opportunitätskosten zu werfen.

  • Opportunitätskosten sind die Kosten, die dir entstehen, wenn du die beste Handlungsalternative nicht auswählst.

Ist eine Rendite von 3% gut, wenn der Markt 7% schafft? Nein. Du machst keinen Verlust aber du hast indirekte Kosten: Opportunitätskosten.

Wie erkenne Ich meine Opportunitätskosten?

Das geht, indem du die passende Benchmark wählst. Eine Benchmark ist ein Vergleichswert. Du bist Aktionär eines DAX-Unternehmens? Dann vergleiche die Renditen von DAX und deinem Unternehmen in den letzten Jahren. Dein Unternehmen erzielt kontinuierlich eine Unterrendite? Vielleicht solltest du diese Aktien verkaufen. Ein Turnaround ist zwar jederzeit möglich, doch wieso sollte es sprunghaft aufwärts gehen? Hast du Anhaltspunkte für diese Vermutung?

Du weißt jetzt, wann und unter welchen Umständen du Aktien verkaufen solltest. Am Ende möchte Ich dir noch erklären, wann und unter welchen Umständen die meisten Leute Ihre Aktien verkaufen:

Der tägliche Blick ins Depot. Augen zu und durch… Mist! Schon wieder alles rot. Der sechste Tag in Folge. Wie soll das nur enden? Geht die ganze Wirtschaft den Bach runter? Schließlich habe Ich mittlerweile schon gut 650€ verloren. Vielleicht sollte Ich lieber aussteigen, solange Ich noch kann. Vielleicht sollte Ich die Aktien verkaufen…

Warum du Aktien nicht einfach verkaufen solltest, wenn die Kurse fallen

Fallende Kurse alleine sind noch kein Indiz dafür, dass du Aktien verkaufen solltest. Du musst untersuchen, worin die Gründe für den Kursrückgang liegen. Meist handelt es sich nämlich nur um kurz- bis mittelfristige Schwankungen.

Jetzt auszusteigen ist so, als hättest du mit einer Münze drei Mal hintereinander Kopf geworfen und würdest aussteigen, weil du Angst hast, dass ein viertes Mal Kopf fällt. Die Chance dazu liegt bei exakt 50%. Du kannst nicht sagen, was als nächstes passieren wird. Langfristig aber wird sich das Verhältnis von Kopf und Zahl ausgleichen.

Fazit

Lehne dich zurück und verfolge lieber weiterhin die Unternehmenszahlen deiner Aktienunternehmen. So bleiben dir unangenehme Überraschungen erspart.

Auch Buy-and-hold Anleger machen Fehler. Sogar Warren Buffett. Wichtig ist es, sich die eigenen Fehler einzugestehen und nicht stur auf der alten Strategie zu verharren. Nieten haben in deinem Depot nichts zu suchen. Du musst nach vorne Blicken.

Schlussbemerkung

Ich möchte mit diesem Artikel nicht dazu auffordern wie wild zu traden. Ich möchte dir auch keine Angst machen oder dich verunsichern. Vielmehr möchte Ich mit diesem Artikel eine Frage beantworten, die sich viel zu selten gestellt wird. „Wann sollte Ich Aktien verkaufen?“ Denn wenn du dir diese Frage nicht stellst, wirst du früher oder später verunsichert und wer verunsichert ist, macht Fehler.

Oder was meinst du? Schreib es mir in die Kommentare.

Dein Gastautor
Claudius Thelen

Claudius ist Programmierer, Online-Marketer und Gründer von Plutosblog. Dort zeigt er dir, wie du dir Schritt für Schritt ein passives Einkommen aufbauen kannst.

Titelbildquelle: © James Thew – fotolia

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Kommentare

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7 Kommentare

  1. Hans
    Reply November 27, 20:34 #1 Hans

    Das nicht jede Aktien in einem Index in diesem für immer verbleiben muss, muss nicht zwangsläufig schlecht sein. Denn wenn man in den ganzen Index, z.B. über einen ETF, investiert kann es gut sein, dass ein nicht mehr rentables Unternehmen durch ein rentableres Unternehmen ersetzt wird.
    Zudem muss ich Jannes zustimmen. Über die Zeit wird die Dividendenrendite immer größer. Zudem sollte man nicht alle gekauften Aktien einfach blind im Depot liegen lassen. Es versteht sich von selbst, dass man jedes Unternehmen regelmäßig neu bewertet und sich auch immer von Anfang an auf eine Exitstrategie festlegt.

  2. Jannes
    Reply Oktober 01, 17:49 #2 Jannes

    Hallo Claudius, Hallo Christoph,

    Vorab: Sehr interessanter Artikel. Ich finde es immer spannend, wenn auch mal kontroverse Themen angerissen werden.

    Ich stimme dem völlig zu, dass man eine Aktie objektiv beurteilen sollte, wenn man sich entscheidet, aktiv und in Einzelaktien zu investieren. Dabei sollte man Veränderungen des Werts der Aktie und zufällige Kursschwankungen unterscheiden – oder es zumindest versuchen.

    Allerdings möchte ich bei der grundlegenden Intention des Artikels einhaken, da ich da anderer Meinung bin.

    „Aber auch wenn deine Aktie abgeht wie eine Rakete, musst du diesen Gewinn irgendwann realisieren. Denn was bringt dir eine Top-Aktie, wenn die Rendite nur auf dem Papier existiert? […]

    Im Dax zahlen fast alle Unternehmen eine Dividende. Mehr als die Hälfte der 30 DAX-Unternehmen zahlen jedoch nur eine Dividende von weniger als 1 Prozent. Hast du in ein solches Unternehmen investiert, so dauert es ganze 70 Jahre, bis du deinen Einsatz durch die Dividendenzahlungen wieder raus hast. “

    So einfach und logisch, wie es hier dargestellt, sehe ich den Verkauf von Aktien nicht. Denn das Rechenbeispiel hat einen zentralen „Rechenfehler“ bzw. stellt nur die halbe Wahrheit dar.

    Hier wird angenommen, dass die Wertsteigerung der Aktie 0% p.a. über 70 Jahre beträgt. Die Aktien des DAX sind im Durchschnitt über die letzten 40 Jahre allerdings um 7% p.a. gestiegen. Ziehen wir 1% an Dividenden ab, ist das immer noch eine Wertsteigerung von 6% p.a.

    Nehmen wir also an, meine Aktie zahlt eine konstante Dividende in Höhe von 1% (wie im Beispiel genannt, wobei auch da schon eine unterdurchschnittliche Dividendenrate angenommen wird) und ich kaufe sie heute, im Jahre 2015, für 100€.

    Bei einer durchschnittlichen Kurssteigerung von 6% p.a. beträgt der Kurs meiner Aktie in 70 Jahren 5.808€. Jetzt beträgt also, bei immer noch der gleichen Dividendenrate von 1%, die Dividende – nur im Jahre 2085 – ganze 58,08€ – bei meinem Anfangsinvestment von 100€.
    Die ingesamt erhaltenen Dividendenzahlungen von 70 Jahren übersteigen mein Anfangsinvestment dann also um ein Vielfaches.

    Ganz zu schweigen von dem 58-fachen Wert, den diese Aktie dann als finanzielle Sicherheit bietet. Außerdem würde ein Dividendeninvestor wohl kaum Aktien mit einer Dividendenrate von unter 1% wählen, wodurch die Summe der Dividenden bei Aktien mit höherer Dividendenrenditen ebenfalls deutlich höher wäre.

    Hier wird also angenommen, dass wir eine extrem schlechte Aktie finden (Wertsteigerung + Dividende von 1% p.a.), indem die Wertsteigerung außer Acht gelassen wird, die unsere Dividende stetig erhöht.

    Und mit den Zahlen inklusive der durchschnittlichen Wertsteigerung sieht der Sinn des Verkaufens schon ganz anders aus und zeigt, warum auch ohne das Verkaufen von Aktien enorm profitiert werden kann – nämlich durch die Dividendenzahlungen.

    Mir ist klar, dass es hier nicht um die Dividendenstrategie geht, aber da die Wichtigkeit des Verkaufens gerade damit begründet wird, dass die Wertsteigerung auf dem Papier oder eine Dividendenstrategie nichts bringt (überspitzt formuliert), wollte ich dazu nochmal meine Meinung abgeben und sagen, warum ich der Meinung bin, dass man eben nicht zwangsläufig verkaufen muss.

    Nichtsdestotrotz, wie gesagt, ein interessanter Artikel und ich finde es gerade deshalb so spannend, weil ich da eine andere Meinung zu habe. Aber wie gesagt, WENN man Aktien verkaufen möchte, ist das eine Kunst für sich und hier wurden einige Fallstricke sehr gut aufzeigt.

    Viele Grüße,
    Jannes

    • Finanzkoch
      Reply Oktober 03, 09:03 Finanzkoch Author

      Hallo Jannes,

      danke für den super Kommentar. Die Wertsteigerung der Aktie ist tatsächlich unter den Tisch gefallen. So betrachtet, macht selbst eine Dividende von einem Prozent eine Menge aus.

      Als kleine Ergänzung möchte ich noch auf die Inflation hinweisen. Bei einer angenommenen realen Inflation von 4 Prozent vervierfacht sich der Wert der Aktie bei 6 Prozent Wertentwicklung p.a. nur (reale Kaufkraft beträgt dann ca. 400 €). Das ändert nichts an deiner Grundaussage. Ich möchte nur noch einmal die riesige Zahl von 5800 € (beim ersten lesen ist mir kurz schwindelig geworden) nach 70 Jahren in das richtige Maß bringen. Wobei sich hier mit den Prozenten beliebig hin und her jonglieren lässt.

      Wie du, finde ich es schwierig Ratschläge zum Verkaufen von Aktien zu geben. Letztendlich setzt das voraus, dass man davon ausgeht, schlauer als der Markt zu sein. Der Kurs einer Aktie spiegelt meiner Meinung nach jedoch zu jedem Zeitpunkt die bestmögliche Schätzung des tatsächlichen Wertes wieder.

      Herzlichen Dank,
      Christoph

  3. Investment Amad€
    Reply September 07, 18:27 #3 Investment Amad€

    Endlich klärt jemand auf, dass auch bei der Buy and Hold Strategie die Aktien irgendwann verkauft werden sollten!

  4. chris
    Reply September 01, 15:43 #4 chris

    Wer Aktien kauft sollte so oder so nicht auf kurzfristige Spekulation aus sein. Dann ist ein Delisting auch egal, der Eigentum an dem Unternehmen geht dann nämlich NICHT verloren. Das einzigste was passiert ist das die Handelbarkeit eingeschränkt wird. Der Wert der Aktie sinkt dabei nicht unbedingt. Du kannst außerbörslich trotzdem einen Käufer finden, der dir die Aktien abkauft. Man wird also nicht enteignet. Grund für ein Delisting kann sein, dass die Anforderungen für die Bilanzen zu teuer sind und es sich nicht lohnt an der Börse gelistet zu sein. Anderer Grund kann sein, dass auf andere Finanzierungsmöglichkeiten gesetzt wird. Den Artikel würde ich nochmal überarbeiten.

    • Finanzkoch
      Reply September 01, 16:27 Finanzkoch Author

      Hallo Chris,

      danke für deinen kritischen Kommentar. In der Tat kann ein Delisting verschiedene Gründe haben. Einen möchte ich noch ergänzen:
      Ein Großaktionär, der Kleinaktionäre aus dem Unternehmen drängen möchte.

      Das ändert allerdings meiner Ansicht nach nichts daran, dass ein Delisting weitreichende Folgen hat. Die Handelbarkeit der Anteile wird stark eingeschränkt. Damit nimmt die Liquidität stark ab und die Anlage wird aus Sicht des magischen Dreiecks deutlich unattraktiver.

      Zudem findet die Preisfindung nach einem Delisting über ein Wertgutachten statt. Das wird vom Käufer in Auftrag gegeben. Das der an einem möglichst niedrigen Preis interessiert ist, liegt nahe.

      Wie sieht die Realität aus?
      Unternehmensanteile verlieren nach der Ankündigung eines Delistings in der Regel deutlich an Wert. Dazu heißt es in einem Artikel auf finanzen.net:

      Da wundert es nicht, dass die Aktien, bei denen die Einstellung des Handels noch bevorsteht, seit der Ankündigung im Schnitt 16,4 Prozent verloren haben. […] Auf der Strecke bleibt, wer den Absprung nicht schafft. Was also tun? Am besten bleibt der Verkauf über die Börse, auch wenn die Kurse wegen der eingeschränkten Liquidität unbefriedigend sein werden. Zudem sollte die erste Verkaufslawine nach der Delisting-Ankündigung abgewartet werden. Oft erholen sich die Notierungen wieder. […] Letzter Ausweg nach dem Delisting sind Plattformen wie Valora, die den Handel einiger nicht mehr börsennotierter Wertpapiere anbieten. Transparenz und Liquidität lassen jedoch oft zu wünschen übrig.

      Von einer Enteignung zu sprechen, ist damit fachlich vielleicht nicht ganz korrekt, aber abwegig ist es auch nicht.

      Herzliche Grüße
      Christoph

    • Claudius
      Reply September 04, 00:05 Claudius

      Hallo Chris,

      du hast Recht: dein Eigentum an dem Unternehmen bleibt auch nach einem Delisting prinzipiell erhalten. Enteignet werden kannst du aber trotzdem, wenn es zu einem Squeeze-out kommt. Am besten, du liest hier mal dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Squeeze-out.

      Der Wert der Aktie muss auch nicht zwangsweise sinken aber er tut es in den allermeisten Fällen. Das ist ja auch logisch. Der Preis einer Aktie richtet sich nach dem Angebot und der Nachfrage. Unmittelbar vor einem geplanten Delisting werden nur wenige Menschen eine Aktie nachfragen, die sie später schwer wieder loswerden. Die Mehrheit der bestehenden Aktionäre wird verunsichert sein und verkaufen.

      Danke für die Ergänzung zu den möglichen Gründen für ein Delisting. Das hätte Ich noch ergänzen können.

      Gruß,

      Claudius

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