Warum du deine Aktien verkaufen solltest

Jeden Monat durchsuchen durchschnittlich 22.000 Menschen Google auf der Suche nach Tipps und Informationen rund um das Thema „Aktien kaufen“. Nur ca. 800 interessieren sich hingegen dafür, wann man „Aktien verkaufen“ sollte.

Ist es folglich sinnlos, sich mit der Frage zu befassen, wann oder unter welchen Umständen man seine Aktien verkaufen sollte? Ich denke nicht und das hat einen ganz einfachen Grund:

Aktien sind Investitionen

Und Investitionen sind, mathematisch ausgedrückt, Zahlungsreihen, an deren Anfang eine Auszahlung steht und der mehrere Einzahlungen (und gegebenenfalls Auszahlungen) folgen.
Investitionen Gastbeitrag
Einfach gesagt: Das Ziel einer Investition ist es Einnahmen zu generieren. Tut sie das nicht, spricht man von einer Fehlinvestition. In diesem Fall solltest du den Tatsachen ins Auge sehen und deine Aktien früher oder später verkaufen.

Aber auch wenn deine Aktie abgeht wie eine Rakete, musst du diesen Gewinn irgendwann realisieren. Denn was bringt dir eine Top-Aktie, wenn die Rendite nur auf dem Papier existiert? Aktien sind wie Geld kein Selbstzweck. Sie sollen dir auf deinem Weg zu Glück und finanzieller Freiheit helfen. Einen schönes Heim für deine Familie oder deine Rente kannst du nicht mit Aktien bezahlen. Dafür brauchst du Geld. Und um an dieses Geld zu kommen, musst du irgendwann Aktien verkaufen. Klingt doch plausibel, oder?

Doch es gibt zwei Ausnahmen – Anlagestrategien um die es hier und heute nicht gehen wird:

1. Die Dividendenstrategie

Im Dax zahlen fast alle Unternehmen eine Dividende. Mehr als die Hälfte der 30 DAX-Unternehmen zahlen jedoch nur eine Dividende von weniger als 1 Prozent. Hast du in ein solches Unternehmen investiert, so dauert es ganze 70 Jahre, bis du deinen Einsatz durch die Dividendenzahlungen wieder raus hast. Diesen Zeitraum solltest du durch Transaktionskosten nicht noch verlängern. Bei der Dividendenstrategie solltest du keine Aktien verkaufen. Du bist ja an einem passiven Einkommen interessiert. Dabei ist zu viel Wechsel im Depot kontraproduktiv.

2. Spekulationen

Wenn du kurzfristig auf steigende oder fallende Kurse spekulierst, werden die Erkenntnisse aus diesem Artikel ebenfalls nicht auf dich zutreffen. Du solltest deine Verkaufsentscheidung in diesem Fall von deinem Spekulationsziel abhängig machen.

Wir smarten Anleger investieren und spekulieren nicht. Auch wenn unsere Devise „Buy and hold“ lautet, musst du für den Ernstfall gewappnet sein und rechtzeitig erkennen, wann du deine Aktien verkaufen solltest.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Aktien zu verkaufen?

Das kann dir niemand sagen. Viele werden es trotzdem versuchen. Lass dich davon nicht beeinflussen.

Es gibt aber durchaus Anzeichen, an denen du erkennst, dass du deine Aktien verkaufen solltest. Zumindest solltest du dir dann deine eigenen Gedanken machen:

Dein Unternehmen befindet sich auf dem absteigenden Ast

Von den 30 DAX-Werten der ersten Stunde, sind bis heute nur noch 12 im Index geblieben.

Die anderen 18 Unternehmen

  • wurden entweder wie Karstadt und Kaufhof von der Börse genommen,
  • fusionierten wie VIAG und VEBA zu E.ON
  • oder stiegen wie Nixdorf und MAN in einen anderen Index ab.

Das alles in 27 Jahren. Und wie lang ist dein Anlagehorizont? Länger? Dann sollte spätestens jetzt dein Interesse geweckt sein.

Während Fusionen für uns Aktionäre nicht per se schlecht sind, haben Delistings einen schlechten Ruf. Bei einem Delisting wird die Aktie eines Unternehmens schlicht und ergreifend von der Börse genommen. Die sogenannte Macrotron-Entscheidung sollte uns Aktionäre dabei schützen und verlangte vor einem Delisting einen Hauptversammlungsbeschluss und ein Abfindungsangebot für uns Aktionäre. Diese Regelung hob der Bundesgerichtshof 2013 auf. Ein einfacher Vorstandsbeschluss reicht heute für ein Delisting aus.

Das Argument: Das Delisting habe keinen Einfluss auf den Wert der Aktie.

Das Problem: Durch das Delisting wird die Aktie nicht mehr an der Börse handelbar.

Dann sitzt du auf deinen Aktien. Die Aktien verkaufen? Fehlanzeige! Großaktionären macht das nichts. Sie sind am Unternehmen interessiert. Ihnen ist es egal, ob ihre Aktien jederzeit handelbar sind. Als Kleinaktionär aber wirst du faktisch enteignet.

Weiteres Problem: Du erhältst oft nicht einmal einen Brief, wenn eines deiner Aktienunternehmen ein Delisting durchführen will. Du musst dich selbst informieren, wie es um das Unternehmen steht.

Wie kann Ich mich schützen?

Pauschal lässt sich sagen, dass die Gefahr eines Delistings bei kleinen Unternehmen größer ist. Ein gut diversifiziertes Depot ist ebenfalls empfehlenswert.

Jetzt bist du gewarnt. Ein Delisting kann theoretisch von heute auf morgen entschieden werden. Bis dahin ist hinter den Fassaden aber schon einiges geschehen. Wieso auch sonst sollte ein Unternehmen einfach so von der Börse gehen? Es will doch mit dem Geld der Aktionäre wachsen und expandieren (Ergänzend: siehe Kommentarbereich). Manche Unternehmen erreichen aber irgendwann einen Punkt, an dem sie nicht mehr wachsen. Sie schrumpfen wieder und verlieren an Bedeutung.

Woran liegt das?

Die Weltwirtschaft insgesamt wächst zwar, aber die Akteure sind allesamt austauschbar.

Unternehmen sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Für Produkte gibt es schon lange das Konzept eines Produktlebenszyklus. Die letzte Phase dieses Zyklus nennt sich Degeneratiosphase. Der Markt schrumpft und die Umsätze gehen zurück. Dieses Konzept lässt sich auch auf Unternehmen anwenden. Fehlen Innovationen und eine Umstrukturierung, dann steigt das Unternehmen vielleicht in einen anderen Index ab. Ein gutes Zeichen ist das nicht. Im schlimmsten Fall steht am Ende sogar eine Insolvenz. Zum Glück bleibt dieses Szenario vielen Unternehmen erspart. Viel wahrscheinlicher ist folgendes:

Deine Rendite lässt zu wünschen übrig

Hier lohnt es sich ab und zu mal einen Blick auf die Opportunitätskosten zu werfen.

  • Opportunitätskosten sind die Kosten, die dir entstehen, wenn du die beste Handlungsalternative nicht auswählst.

Ist eine Rendite von 3% gut, wenn der Markt 7% schafft? Nein. Du machst keinen Verlust aber du hast indirekte Kosten: Opportunitätskosten.

Wie erkenne Ich meine Opportunitätskosten?

Das geht, indem du die passende Benchmark wählst. Eine Benchmark ist ein Vergleichswert. Du bist Aktionär eines DAX-Unternehmens? Dann vergleiche die Renditen von DAX und deinem Unternehmen in den letzten Jahren. Dein Unternehmen erzielt kontinuierlich eine Unterrendite? Vielleicht solltest du diese Aktien verkaufen. Ein Turnaround ist zwar jederzeit möglich, doch wieso sollte es sprunghaft aufwärts gehen? Hast du Anhaltspunkte für diese Vermutung?

Du weißt jetzt, wann und unter welchen Umständen du Aktien verkaufen solltest. Am Ende möchte Ich dir noch erklären, wann und unter welchen Umständen die meisten Leute Ihre Aktien verkaufen:

Der tägliche Blick ins Depot. Augen zu und durch… Mist! Schon wieder alles rot. Der sechste Tag in Folge. Wie soll das nur enden? Geht die ganze Wirtschaft den Bach runter? Schließlich habe Ich mittlerweile schon gut 650€ verloren. Vielleicht sollte Ich lieber aussteigen, solange Ich noch kann. Vielleicht sollte Ich die Aktien verkaufen…

Warum du Aktien nicht einfach verkaufen solltest, wenn die Kurse fallen

Fallende Kurse alleine sind noch kein Indiz dafür, dass du Aktien verkaufen solltest. Du musst untersuchen, worin die Gründe für den Kursrückgang liegen. Meist handelt es sich nämlich nur um kurz- bis mittelfristige Schwankungen.

Jetzt auszusteigen ist so, als hättest du mit einer Münze drei Mal hintereinander Kopf geworfen und würdest aussteigen, weil du Angst hast, dass ein viertes Mal Kopf fällt. Die Chance dazu liegt bei exakt 50%. Du kannst nicht sagen, was als nächstes passieren wird. Langfristig aber wird sich das Verhältnis von Kopf und Zahl ausgleichen.

Fazit

Lehne dich zurück und verfolge lieber weiterhin die Unternehmenszahlen deiner Aktienunternehmen. So bleiben dir unangenehme Überraschungen erspart.

Auch Buy-and-hold Anleger machen Fehler. Sogar Warren Buffett. Wichtig ist es, sich die eigenen Fehler einzugestehen und nicht stur auf der alten Strategie zu verharren. Nieten haben in deinem Depot nichts zu suchen. Du musst nach vorne Blicken.

Schlussbemerkung

Ich möchte mit diesem Artikel nicht dazu auffordern wie wild zu traden. Ich möchte dir auch keine Angst machen oder dich verunsichern. Vielmehr möchte Ich mit diesem Artikel eine Frage beantworten, die sich viel zu selten gestellt wird. „Wann sollte Ich Aktien verkaufen?“ Denn wenn du dir diese Frage nicht stellst, wirst du früher oder später verunsichert und wer verunsichert ist, macht Fehler.

Oder was meinst du? Schreib es mir in die Kommentare.

Dein Gastautor
Claudius Thelen

Claudius ist Programmierer, Online-Marketer und Gründer von Plutosblog. Dort zeigt er dir, wie du dir Schritt für Schritt ein passives Einkommen aufbauen kannst.

Titelbildquelle: © James Thew – fotolia

Portrait vom Autor dieses Artikels
Über Christoph Geiler

Als Finanzberater bin ich auf die Themen Finanzplanung, Geldanlage und Altersvorsorge spezialisiert. Als Finanzkoch bin ich konzeptionell tätig und erstelle Inhalte. In meiner Freizeit schwinge ich gern den Kochlöffel, treibe Sport und spiele mit meinem Sohn.