Die Kinderzimmerrente: Minimalistisch wohnen mit Kind

2017 erblickte unser Sohn das Licht der Welt. Seitdem ist vieles anders. Unsere Wohnung jedoch ist immer noch dieselbe. 48,5 Quadratmeter verteilt auf 3 Zimmer. Genug Platz für 2 Erwachsene, einen rasant wachsenden Fünfjährigen und einen Hasen.

Wie wir uns auf wenig Raum eingerichtet haben und durch eine niedrige Miete die Grundlage für unser Lebensmodell geschaffen haben, ist Thema dieses Beitrags. Minimalistisch wohnen mit Kind ist für uns dabei keine Ode an den Verzicht, sondern eine von unseren Lebensumständen geprägte Entscheidung.

Minimalistisch wohnen mit Kind: Stofftiere hängen von der Zimmerdecke

Unsere Motivation: Warum wir minimalistisch wohnen

Als ich meine Frau kennengelernt habe, waren wir beide mitten im Studium. Damals hat sie bereits in unserer heutigen Wohnung gemeinsam mit ihren beiden Hasen gelebt.

Nach der Auflösung meiner damaligen WG, bin ich zu ihr gezogen. Die Wohnung war vom Platz her ausreichend und mit einer Kaltmiete von 200 Euro pro Monat genau das richtige für ein Pärchen im Studium.

2017 erblickte unser Sohn das Licht der Welt. Parallel dazu habe ich mich selbständig gemacht und meinen Nebenjob gekündigt. Das Geld wurde noch knapper wodurch sich die Frage nach einer größeren Wohnung von selbst erledigte.

Schnell merkten mir, dass wir auch zu dritt in unserer Dachgeschosswohnung gut zurecht kamen. Mehr noch: Wir genossen die Nähe.

Als sich unser Budget vergrößerte, reinvestierte ich den Großteil des Geldes in meine Selbständigkeit, um schneller voranzukommen. Zudem ermöglichte es uns die geringe Miete, mit nur einem Einkommen auszukommen. Obwohl meine Frau keiner Erwerbstätigkeit nachging, konnte ich Stück für Stück meine Arbeitszeit reduzieren. Dadurch blieb uns viel Zeit für unseren Sohn.

Dass ich so viele schöne Momente mit meinem Sohn verbringen darf, ist ein Privileg, das gegen nichts aufzuwiegen ist. Als ich einer Tante, die ich länger nicht gesehen hatte, erzählte, dass wir von nur einem Einkommen leben, war ihre Antwort „das muss man sich leisten können“. Leisten können wir uns das, weil wir bis heute wie Studenten wohnen.

Zwischenzeitlich zogen wir für einige Tage in eine größere Wohnung, die mir sehr gefallen hat. Allerdings war unsere neue Untermieterin der Meinung, dass Kinder keinen Lärm machen dürfen. Den Stress wollten wir uns nicht antun und zogen innerhalb kürzester Zeit wieder zurück – eine Entscheidung, die vor allem mir schwerfiel.

Die Entscheidung, in unsere kleinere Wohnung zurückzuziehen, lehrte mich eindrucksvoll, wie schwierig es ist, einen einmal gewonnenen Lebensstandard wieder aufzugeben.

Heute ist unser Sohn 5,5 Jahre alt und hat immer noch kein Kinderzimmer. Er hat auch noch nie nach einem gefragt.

Die Aufteilung unserer Dachgeschoss-Wohnung

  • Flur,
  • Bad,
  • ein kleines Zimmer für Schränke und unseren Hasen (einer ist leider verstorben),
  • Schlafzimmer
  • Wohnzimmer mit Wohnküche

Kernelement des Schlafzimmers ist unser 2×2 Meter Familienbett. Es besteht aus einer Matratze, die direkt auf den Boden gelegt werden kann. Das hatte in den Babyjahren den Vorteil, dass die Gefahr einer Verletzung, sollte unser Sohn herauskullern, minimiert wurde. Ungefähr sechs Monate hat es gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte, meine Frau auch nachts zu „teilen“. Heute genieße ich es sehr, mit meinem Sohn und meiner Frau in einem Bett zu liegen. Es graut mir vor dem Tag, an dem unser Sohn an diesem Zustand etwas ändern möchte.

Neben Schränken für Kleidung fand sich im Schlafzimmer auch noch Platz für ein Zelt, in dem wir uns mit unserem Sohn verstecken konnten. Mittlerweile haben wir es weggeräumt, um mehr Platz zum Toben zu haben.

Das Wohnzimmer besteht aus:

  • Große Couch & Fernseher
  • Selbstgebaute Werkbank
  • einem Schrank für Spielsachen
  • Küche, die wir in die Wohnung eingepasst haben
  • Runder Esstisch, welcher sich ausziehen lässt

Ein großer Gewinn war es, als wir uns einen neuen schmalen Fernseher gekauft haben und diesen an die Wand gehängt haben. Seitdem sieht unser Wohnzimmer deutlich aufgeräumter aus als zu den Zeiten unseres alten Fernsehers, welcher klobig auf dem Schrank stand.

Minimalistisch wohnen mit Baby: Wir brauchen kein Kinderzimmer

In den ersten beiden Lebensjahren hat unser Sohn vor allem eins gesucht: Unsere Nähe.

In keiner Sekunde haben wir gespürt, dass er sich nach der „Ruhe“ eines eigenen Kinderzimmers gesehnt hat.

Ein Kinderzimmer und ein Kinderbett wäre in diesem Lebensabschnitt vor allem für uns Eltern gewesen, um Momente der räumlichen Trennung zu schaffen und so vielleicht besser zur Ruhe kommen zu können. Allerdings haben auch wir ein Kinderzimmer in dieser Zeit nicht vermisst.

Minimalistisch wohnen mit Kind: Das Kinderzimmer bleibt optional

Mit zunehmendem Alter und dem zunehmendem Einsatz von Spielzeug wird das „Kinderzimmer-Thema“ relevanter. Immer öfter stolpern wir Abends über Spielzeug. Die LEGO-Ninjago Armee unseres Sohnes erobert weite Teile unserer Wohnung.

Auch konsequentes Aufräumen ist schwierig, wenn der Sohn möchte, dass die Eisenbahnstrecke einige Tage stehen bleibt. Unzählige Male haben wir mit unseren Füßen Zugbrücken „eingerissen“ und wieder aufgebaut.

Auf der einen Seite wachsen die Argumente für ein Kinderzimmer, auf der anderen Seite ist es wundervoll, dass ich beim Kochen meinem Sohn und meiner Frau beim Spielen zuschauen kann. Immer wieder kommt es dabei dazu, dass mir mein Sohn spontan beim Kochen helfen möchte.

Aufgrund der Nähe spürt man genau das: Nähe

Jetzt, wo unser Sohn 5,5 Jahre alt ist, nehme ich ein Kinderzimmer immer noch als etwas optionales wahr. Er fordert es immer noch nicht ein und schaut komisch, wenn wir von Umzug sprechen. Dennoch nehmen die Momente zu, in denen sich ein Kinderzimmer bewähren würde, beispielsweise wenn unser Sohn Besuch hat.

Die Kinderzimmerrente: Was wir durch den Verzicht auf ein Kinderzimmer gespart haben

Für unsere minimalistische Wohnung zahlen wir 250 Euro kalt und 200 Euro Wohnnebenkosten pro Monat.

Umziehen werden wir voraussichtlich um den sechsten Geburtstag unseres Sohnes herum, da sich eine tolle Gelegenheit ergeben hat. Die neue Wohnung wird etwa doppelt so groß sein und etwa 1.200 Euro warm pro Monat kosten.

Wir zahlen dann 750 Euro mehr jeden Monat für eine größere Wohnung mit Kinderzimmer. Im Jahr sind das 9.000 Euro Mehrkosten. Wären wir gleich zu seiner Geburt in eine solche Wohnung gezogen, hätten wir bis zu seinem sechsten Geburtstag 54.000 Euro mehr aufbringen müssen, wenn wir von einem konstanten Kostenunterschied ausgehen.

Hätten wir die 750 Euro Ersparnis monatlich konsequent über die 6 Jahre in ein Depot eingezahlt, um diese dann für weitere 34 Jahre bis zum Beginn unseres Ruhestands bei einem Ertrag von 6 Prozent pro Jahr liegen zu lassen, stünde uns ein Endkapital von 470.000 Euro zur Verfügung.

Das ist das Rezept der Kinderzimmerrente. Ergänzt du diese noch durch >Fahrrad-Rente, >Leitungs-Wasser-Rente und >Fleischrente steht einem finanziell soliden Ruhestand wenig im Wege.

In der Praxis haben wir für die Verwendung unserer Mietersparnis einen Mix gewählt aus:

  • Sparen / Depoteinzahlung
  • Reinvestition in die Finanzküche
  • Arbeitszeitreduktion

Und selbstverständlich haben wir uns bei den variablen Ausgaben weniger Gedanken gemacht. Von perfekten Minimalisten sind wir weit entfernt.

Vorteile einer kleinen Wohnung

Minimalistisch wohnen mit Kind hat viele Vorteile. >Wir sparen Geld, schaffen Nähe und haben einen kleineren ökologischen Fußabdruck. Wobei gerade der erste Punkt jede Menge Sekundäreffekte mit sich bringt.

Durch unsere günstige Wohnung müssen wir weniger Arbeitszeit aufbringen, um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten. Alternativ können wir in anderen Bereichen mehr Geld ausgeben. Das schafft – obwohl wir uns auf den ersten Blick einschränken – interessanterweise das Gefühl von Fülle.

Abgesehen davon wäre meine >Selbständigkeit, so wie ich sie aufgezogen habe, ohne unsere minimalistische Wohnweise kaum möglich gewesen.

Nachteile einer kleinen Wohnung

Selbstredend bringt eine kleine Wohnung Nachteile mit sich.

Offensichtlich ist der fehlende Platz. Ich habe genau einen PAX-Schrank für meine Sachen. Wobei die beiden unteren Auszugfächer durch die Schuhe aller Familienmitglieder belegt sind. Wenn ich Kleidungsstücke suche, die ich selten brauche, kann es dazu kommen, dass ich den ganzen Schrank leerräumen muss, bevor ich fündig werde. Von Ordnung kann da keine Rede sein.

Auch in der Küche ist es schwer, Ordnung zu halten, wenn alles übereinander gestapelt werden muss. Gerade bei Töpfen und Pfannen spiele ich den halben Tag Tetris. Einmal wurde ich von einem Nudelglas erschlagen, welches wir oben auf einem Schrank abgestellt hatten. Die Folge war eine ordentliche Platzwunde über dem Auge und der Schalk meiner Frau.

Generell ist es schwer, eine Wohnung mit wenig Platz aufgeräumt zu halten. Kleine Nachlässigkeiten führen direkt zu Chaos.

Etwas besser im Griff haben wir die Wohnungsordnung, seitdem wir regelmäßig Sachen aussortieren. Mit Kind sammeln sich immer wieder Dinge an, die nicht mehr genutzt werden. Glücklicherweise haben wir bei meiner Oma Platz Sachen einzulagern. Gäbe es diese Möglichkeit nicht, gibt es aber mittlerweile ausreichend Anbieter, bei denen man sich kleine Lagerräume anmieten kann. Ein entscheidender Baustein ist auch unser Kellerabteil, dessen Stauraum wir bis zur Decke ausnutzen.

Privatsphäre ist ebenfalls ein herausforderndes Thema, gerade wenn die Abendgestaltung mal abweicht. Sich abends zur Arbeit zu motivieren ist ungleich schwerer, wenn der Partner oder die Partnerin einen Meter entfernt den Fernseher an hat.

Am meisten stört mich allerdings, dass unsere Wohnung kein Ort des Zusammenkommens ist. Es fehlt schlicht der Platz, um Freunde und Familie einzuladen. Für jede noch so kleine Feier müssen wir uns woanders einquartieren. Das fehlende Kinderzimmer ist da schon fast ein untergeordneter Punkt, auch wenn dieser mit zunehmenden Alter des Kindes immer schwerer wiegt.

Wann vergrößern wir uns?

Voraussichtlich um den sechsten Geburtstag unseres Sohnes herum werden wir in eine größere Wohnung ziehen. Dann bekommt unser Sohn ein Kinderzimmer. In der neuen Küche wird ausreichend Platz sein, um Nudelgläser sicher zu verwahren. Vor allem können wir zukünftig alle gleichzeitig kochen und backen, ohne uns gegenseitig über den Haufen zu laufen.

Notwendig wäre der Umzug nicht, aber die neue Wohnung ist zu schön, um den Schritt nicht zu gehen.

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Resümee: Ab welchem Alter ist ein Kinderzimmer sinnvoll?

Minimalistisch wohnen mit Kind ist für uns ein Ergebnis unserer Lebensumstände.

Unser Plan war nie, mit einem Fünfjährigen auf 48,5 Quadratmetern zu wohnen. Es hat sich einfach ergeben.

Rückblickend würden wir es wieder so machen, da es unseren Lebensweg überhaupt erst möglich gemacht hat. Die späte Vergrößerung unseres Wohnraums ist auch Ausdruck unserer Haltung, unsere Ausgaben langsamer zu steigern als unsere Einnahmen. Das ist ein Grundpfeiler unserer soliden finanziellen Situation.

Sinnvoll ist ein Kinderzimmer aus meiner Sicht dann, wenn es sich richtig anfühlt. Auch wenn ein Baby kein Kinderzimmer braucht, kann es für Eltern emotional wichtig sein.

Für uns ist der späteste Zeitpunkt für ein Kinderzimmer der, an dem unser Sohn den Wunsch nach einem eigenem Raum äußert.

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

Portrait vom Autor dieses Artikels
Über Christoph Geiler

Als Finanzberater bin ich auf die Themen Finanzplanung, Geldanlage und Altersvorsorge spezialisiert. Als Finanzkoch bin ich konzeptionell tätig und erstelle Inhalte. In meiner Freizeit schwinge ich den Kochlöffel, treibe Sport und spiele mit meinem Sohn.