Warum sich aktives Investieren nur lohnt, wenn du stinkreich bist

Ich rufe in den Zeugenstand:

Die Opportunitätskosten

Opportunitätskosten entstehen, wenn du eine Handlungsalternative nicht wahrnimmst. Wenn du in der Woche 10 Stunden für deine Geldanlage aufwendest, statt zu arbeiten, entstehen dir Kosten in Höhe deines fiktiven Arbeitslohns.

Zur Verdeutlichung betrachten wir die Geschwister Karl und Carla. Karl ist begeisterter Börsianer. Regelmäßig setzt er sich auf seinen Hosenboden und analysiert den Aktienmarkt. Das verschafft ihm gegenüber Carlas passivem ETF-Depot eine jährliche Überrendite von 2 Prozent und eine ordentliche Portion Stolz.

Regelmäßig zieht er seine Schwester damit auf – bis es ihr reicht und sie ihm eine Wette anbietet. Sie wettet, dass sie eher 500.000 Euro zusammen hat als Karl. Die Bedingungen sind:

  • Beide investieren wie bisher 400 Euro pro Monat
  • Startkapital: 5.000 Euro
  • In der Zeit, in der Karl Aktien analysiert, geht Carla arbeiten. Der Minijob bringt ihr 450 Euro, die sie zusätzlich jeden Monat investiert
  • Wer zuerst 500.000 Euro hat, gewinnt ein Eis

 

Die Eisdiele

Nach 21 Jahren und einem Monat treffen sich Karl und Carla auf ein Eis …

Karl bezahlt.

Während Carla bereits 500.000 Euro zusammen hat, steht Karls Depot noch bei knapp 320.000 Euro. Nachrechnen kannst du hier: Sparplan berechnen

 

Aktives Investieren lohnt sich nicht

Zugegeben, das kleine Rechenspiel hat viele Variablen. Die Höhe der Sparrate, das Anfangskapital oder die Zeit, die für die Aktienanalyse aufgewendet wird. Steuern sind gar nicht berücksichtigt. Aber es wird deutlich, dass ein paar Prozent extra für den Otto-Normalsparer den Aufwand nicht wert sind …

Zumal in Frage steht, ob es überhaupt möglich ist, den Markt zuverlässig zu schlagen. Dazu bei der Frankfurter Allgemeinen im Gespräch: Eugene Fama – Niemand ist schlauer als der Markt

Erst wenn du ein ansehnliches Vermögen hast, brauchst du über aktives Investieren nachzudenken.

Unsere Carla verdient mit ihrem Minijob 5.400 Euro zusätzlich pro Jahr. Das entspricht 2 Prozent Rendite auf 270.000 Euro … risikofrei! Erst nachdem Karl 270.000 Euro zusammen hatte, hätte er seine Zeit in die Aktienanalyse investieren dürfen. Dann wäre er vor Carla am Ziel gewesen.

 

Definiere dein Ziel und schau dann welchen Weg du wählst

Wir stecken so in unserem Alltag fest, dass wir blind für einfache Lösungen sind. Wir nehmen uns nicht die Zeit, einen Schritt zurückzutreten, um das Bild in seiner Gesamtheit zu betrachten. In der Folge laufen wir einfach los. Wir laufen los, ohne genau zu wissen, wo wir hin wollen.

Doch wie sollen wir wissen, ob der Weg, den wir eingeschlagen haben, der Richtige ist, wenn wir das Ziel nicht kennen?

Damit wir uns nicht verlaufen, müssen wir uns Zeit nehmen. Abschalten. Augen schließen. Das Ziel sehen. Unsere Vorstellungskraft unterscheidet uns von den Tieren. Benutzen wir sie. Los geht’s …

Wenn ich die Augen schließe, sehe ich saftiges, grünes Gras. Die Sonne scheint. Ich sitze an einer langen Tafel – Um mich herum meine Familie. Es duftet nach Essen. Die Kinder toben herum. Ich bin nicht älter als 40 und verschwende keinen Gedanken an Geld. Ich habe meine eigenes Beratungsunternehmen und es läuft gut. So gut, dass ich nebenbei ein Restaurant führen kann. Dort sitzen wir gerade alle zusammen.

Kurz und knapp. Ich will

  • eine eingeschworene Familie
  • ein Finanzberatungsunternehmen, dass seine Kunden in den Mittelpunkt stellt
  • und ein eigenes Restaurant.

Seit ich mein Ziel kenne, fließt in mein Depot kein Geld mehr. Mein bereits investiertes Geld ist passiv angelegt. Selbst wenn ich glauben würde, den Markt schlagen zu können – meine Zeit ist woanders besser aufgehoben. Die Opportunitätskosten sind zu hoch …

 

Fazit

Vor jedem Investment steht die Frage: Was möchte ich erreichen und wie hilft es mir dabei?

Dabei gilt: Aktives Investieren lohnt sich nur, wenn du stinkreich bist und eine zuverlässige Überrendite erwirtschaften kannst.

Was denkst du über aktive Anlagestrategien? Was sind deine Ziele? Lass es mich im Kommentarbereich wissen.

 

PS:

„Stinkreich“ ist keineswegs negativ behaftet. Es gibt mehrere Erklärungen für die Herkunft dieser Redewendung. Eine ist, dass die Färber im Mittelalter aus der Färberwaid (Pflanze) Farbpulver gewonnen haben. Damit dieses Pulver die richtige Farbe bekommt, muss es mit Urin angereichert werden. Es bedarf nicht viel Vorstellungskraft, sich auszumalen wie die Mischung mit der Zeit gestunken haben muss …

Da Färber zu dieser Zeit ein hohes Einkommen hatten, waren sie im wahrsten Sinne des Wortes „stinkreich“.[wysija_form id=“8″]

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

Bildquelle: © tonidalmases – fotolia

 

Portrait vom Autor dieses Artikels
Über Christoph Geiler

Als Finanzberater bin ich auf die Themen Finanzplanung, Geldanlage und Altersvorsorge spezialisiert. Als Finanzkoch bin ich konzeptionell tätig und erstelle Inhalte. In meiner Freizeit schwinge ich gern den Kochlöffel, treibe Sport und spiele mit meinem Sohn.