Sparen, Investieren, Verlieren: Wenn das Risiko zuschlägt

Risiko hat zwei Gesichter:

• Gefahr
und
• Chance

In den letzten Jahren hat sich vor allem das hübsche Gesicht – die Chance – in Form von steigenden Kursen gezeigt. Wenn du seit 2009 an den Aktienmärkten unterwegs bist, hast du das hässliche Pendant – die Gefahr – kaum zu sehen bekommen. Und doch ist es da. Es wartet darauf, an die Oberfläche zu kommen und deinen Depotwert mit einem fiesen Grinsen in den Keller zu drücken …



Sparen, Investieren, Verlieren: Wenn das Risiko zuschlägt


Zwei Zahlen, die verdeutlichen, mit welcher Wucht Risiko an den Kapitalmärkten zuschlagen kann:

  • 13 – Dreizehn Jahre hat der MSCI World Index gebraucht, um nach der geplatzten Dotcom-Blase im Jahr 2000 seinen Ausgangswert wiederzuerlangen*¹
  • 37 – Siebenunddreißig Prozent hat ein Investment in den MSCI World Index im Jahr 2008 an Wert verloren

Der MSCI World Index bildet die Wertentwicklung von über 1600 Einzelaktien aus 23 Industrienationen ab. Trotz der breiten Streuung ist es zu solch drastischen Negativentwicklungen gekommen.

 

Was du tun kannst, um das Risiko der Kapitalmärkte in den Griff zu bekommen:

I. Stelle dich noch breiter auf

Weltweit gibt es rund 33.000 börsennotierte Unternehmen. Davon solltest du möglichst viele berücksichtigen (solange das effizient möglich ist). Ein Portfolio, welches beispielsweise auf dem MSCI World Index und dem MSCI Emerging Markets Index basiert, hätte sich in der Vergangenheit deutlich robuster gezeigt, als der MSCI World Index allein.

Im Gegensatz zur Nullrendite des MSCI World Index, hat es der MSCI Emerging Markets Index im Zeitraum von 2000 bis einschließlich 2012 auf eine durchschnittliche Rendite von 6,6 Prozent gebracht.*²

Der S&P Global REIT Index hatte im selben Zeitraum eine durchschnittliche Rendite von 9,6 Prozent.*³ Er hätte die Schwächephase des MSCI World Index in deinem Portfolio zusätzlich abgefedert. Es macht also Sinn, weitere Anlageklassen wie Immobilien in Betracht zu ziehen.

Bemerkung:

Wir haben hier nur einen Zeitabschnitt betrachtet. In anderen Marktphasen hat der MSCI World Index besser abgeschnitten als beispielsweise der MSCI Emerging Markets Index. Daher macht es keinen Sinn, Anlageklassen aus deinem Portfolio zu entfernen, nur weil diese gerade eine Schwächephase erleben.

Das Gegenteil ist der Fall: Schwach gelaufene Anlagen sollten nach festen Regeln aufgestockt werden, um die ursprüngliche Portfoliozusammensetzung wiederherzustellen. So wird zum einen die ursprüngliche Risikostruktur beibehalten und zum anderen der Effekt der Regression zur Mitte ausgenutzt (mehr dazu findest du hier: Rebalancing).

 

II. Beschäftige dich mit deiner Fähigkeit, Risiko zu tragen

Egal wie breit du dich aufstellst, risikobehaftete Anlagen wie Aktien werden immer schwanken.

Wenn du davon ausgehst, dass dein Aktienanteil jederzeit um 50 Prozent einbrechen und die Erholungsphase gut 10 Jahre andauern kann, hast du einen soliden Ausgangspunkt, um dein Portfolio entsprechend deiner Risikoneigung auszurichten.

 

3 Punkte solltest du bei der Risikoausrichtung deines Portfolios betrachten:

1. Risikobedarf

Hier gilt es zu schauen, wie viel Vermögen du ansammeln musst, um dein Ziel zu erreichen. Stark vereinfachtes Beispiel:

Wenn du im Ruhestand 30 Jahre lang jeden Monat 1000 Euro extra haben möchtest, musst du ein Vermögen von 360.000 Euro aufbauen.

 

2. Risikotragfähigkeit

Die Risikotragfähigkeit fragt: Ab welchem Verlust kommst du in finanzielle Schwierigkeiten?

Gerade bei der Ruhestandsplanung ist das eine existentielle Frage. Rentner sind in der Regel auf ihr Erspartes angewiesen. Wenn sich das mal eben halbiert, kann es zu ernsthaften Problemen kommen.

 

3. Risikobereitschaft

Hier heißen die Fragen: Wie viel Risiko möchtest du eingehen?

Und vor allem: Wie viel Risiko gibt dein Nervenkostüm her?

Wenn dir ruhiger Schlaf wichtig ist, solltest du zunächst vorsichtig einsteigen. Wenn du die ersten Kurseinbrüche erlebt hast, kannst du die Aktienquote immer noch erhöhen.

 

Was du nicht tun solltest:

I. Produktivkapital gänzlich meiden

Bereits ein Aktienanteil von 10 Prozent am Gesamtvermögen kann dich vor Inflation schützen und deinen Vermögensaufbau vorantreiben.

Statt gänzlich auf Aktien zu verzichten, solltest du dich daher wie oben beschrieben mit deiner Risikobereitschaft beschäftigen.

 

II. Schutz in den Garantieversprechen der Lebensversicherungen suchen

Lebensversicherer machen grob gesagt auch nichts anderes, als dein Geld an den Kapitalmärkten zu investieren. Sie sind ebenfalls Kapitalmarktrisiken ausgesetzt, nur dass sie diese allzu oft mit Garantieversprechen versehen. Ob sie diese Versprechen halten können, ist ungewiss …

Das zeigt aktuell die Niedrigzinsphase, die es den Versicherungen nahezu unmöglich macht, die alten Garantiezinsen von über 3 Prozent zu erwirtschaften.

Die Folge, falls die Zinsen weiterhin derart niedrig bleiben:

Entweder die Garantieversprechen werden einkassiert, oder es wird Übernahmen und Pleiten geben.

 

Resümee

Es gibt kein angeborenes Recht auf steigende Kurse. An den Kapitalmärkten kann es jederzeit nach unten gehen und das für eine ganze Weile …

Verlustphasen können ein Jahrzehnt und länger dauern.

Du kannst dich darauf vorbereiten, indem du:

  • Dich breiter aufstellst als die meisten Menschen es dir empfehlen würden
  • Dich mit Deiner Fähigkeit beschäftigst, Risiko zu tragen und dein Vermögen dementsprechend strukturierst
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Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

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Kommentare

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6 Kommentare

  1. Schnewittchen
    Reply April 23, 10:48 #1 Schnewittchen

    Hi,
    netter Artikel. Die 13 Jahre beziehen sich aber doch auf den Kurs-Index, oder? EIgentlich wäre hier doch der Performance-Index relevant – wann ich wieder genauso viel Vermögen hatte wie zu Zeit der Dotcom Blase. Zudem Werden nur weniger auf einen SChlag direkt vor der Blase investiert haben. Das entspannt also auch, dass durch den Cost-Average-Effekt – niemals das ganze Kapital so einen großen Verlust erfährt. Und dann kann kann man darüber nachden, welche Rendite man eingefahren hat, wenn man weiterhin nach dem Platzen der Blase sturr weiter investiert hat. Risiko ist also vorhanden – aber summa Sumarum kommt es gar nicht so schlimm, wie die stets gezeichneten Maximalszenarien. Dennoch, wer sich auf diese emotional vorbereitet, hält auch durch, wenn es noch dicker kommt (keine sagt ja, dass die Dotcom-Blase die größtmögliche war…
    Grüße,
    Tobias

    • Finanzkoch
      Reply April 25, 11:01 Finanzkoch Author

      Hallo Tobias,

      die Daten beziehen sich auf den MSCI World Index (Brutto-Dividende, Euro). Die Dividenden sind also ohne Abzüge eingerechnet.

      Gerade für Ruheständler sind diese Szenarien interessant, da sie sich nicht mehr in der Ansparphase befinden – aber auch für alle, die schon länger Geld anlegen, da sich ihre Anlage immer mehr wie eine Einmalanlage verhält.

      Ich gebe dir aber völlig recht, man braucht schon eine ordentliche Portion Pech, um den Worst-Case zu erwischen. Damit zu rechnen, kann aber nicht schaden 🙂

      LG aus Leipzig

      Christoph

  2. Vermögensanleger
    Reply April 20, 22:00 #2 Vermögensanleger

    Hi Christoph,

    mir gefällt besonders der Hinweis, dass bereits 10 Prozent Aktienanteil am Gesamtvermögen helfen können, um einen Werterhalt zu erreichen. Ich glaube, dass sich viele dessen gar nicht so bewusst sind, dass diese verhältnismäßig geringe Quote schon viel bewirken kann.

    In vielen Finanzblogs wird massiv die Werbetrommel für Aktieninvestments gerührt – ich muss mich da ausdrücklich einschließen. Auch wird zwar auf Durstrecken hingewiesen, aber dass jemand nochmal ausdrücklich formuliert, dass diese Durststrecken sehr sehr lang sein können, find ich wichtig. Es wird oftmals ein wenig heruntergespielt, habe ich das Gefühl.

    Vielleicht hängt es damit zusammen, dass viele Finanzblogger selbst als Anleger noch keine Phase wie 2008 aktiv miterlebt haben (auch hier kann ich mich nicht ausnehmen) oder daran, dass der aktuelle Bullenmarkt jetzt schon sehr lange läuft. Kommt mir persönlich wie eine Ewigkeit vor. Wenn ich mir vorstelle, eine negative Phase könnte ebenfalls so lange dauern, habe ich schon gehörigen Respekt.

    Trotzdem traue ich mir zu, auch in solchen Zeiten gute und richtige Entscheidungen zu treffen. Ich würde mir wünschen, dass es dann nicht wieder bei vielen Menschen zu einem herben Vertrauensverlust in Aktieninvestments kommen wird, sondern dass die Finanzblogszene durch Aufklärungsarbeit einen Beitrag leisten kann, dass weniger Leute mit hohen Verlusten der Börse für immer den Rücken kehren.

    Viele Grüße
    Marco

    • Finanzkoch
      Reply April 21, 13:30 Finanzkoch Author

      Hallo Marco,

      ich zähle mich auch zu den Aktientrommlern. Das richtige Maß ist wie immer entscheidend.

      Wenn wir als Finanzblogger dazu beisteuern können, dass Anleger die nächste Abwärtsbewegung ohne schlaflose Nächte überstehen, haben wir viel erreicht.

      Herzliche Grüße aus Leipzig

      Christoph

  3. Der Finanzfisch
    Reply April 20, 16:28 #3 Der Finanzfisch

    Moin Christoph,
    super Artikel. Ich finde es gut, dass Du in Erinnerung rufst, dass trotz der sehr guten Zeit (oder gerade deshalb) es irgendwann und jederzeit wieder abwärts gehen könnte.

    Wenn man die nähere Vergangenheit betrachtet hat man schnell das Gefühl, dass es nur aufwärts gehen könnte und vergisst das Risiko.

    Ich finde Deinen Artikel sehr konstruktiv. Statt „raus aus Aktien“ gibst Du gute Ratschläge, wie man mit Risiko umgeht anstatt es zu meiden. Weiter so!

    • Finanzkoch
      Reply April 21, 13:27 Finanzkoch Author

      Hallo Tobias,

      danke 🙂

      „Wenn man die nähere Vergangenheit betrachtet hat man schnell das Gefühl, dass es nur aufwärts gehen könnte und vergisst das Risiko.“

      Das ist auch, was ich in verschiedenen Gesprächen mitbekommen habe. Genau deswegen habe ich den Artikel geschrieben.

      LG aus Leipzig

      Christoph

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