Sparen, Investieren, Verlieren: Wenn das Risiko zuschlägt

Zwei Zahlen, die verdeutlichen, mit welcher Wucht Risiko an den Kapitalmärkten zuschlagen kann:

  • 13 – Dreizehn Jahre hat der MSCI World Index gebraucht, um nach der geplatzten Dotcom-Blase im Jahr 2000 seinen Ausgangswert wiederzuerlangen*¹
  • 37 – Siebenunddreißig Prozent hat ein Investment in den MSCI World Index im Jahr 2008 an Wert verloren

Der MSCI World Index bildet die Wertentwicklung von über 1600 Einzelaktien aus 23 Industrienationen ab. Trotz der breiten Streuung ist es zu solch drastischen Negativentwicklungen gekommen.

 

Was du tun kannst, um das Risiko der Kapitalmärkte in den Griff zu bekommen:

I. Stelle dich noch breiter auf

Weltweit gibt es rund 33.000 börsennotierte Unternehmen. Davon solltest du möglichst viele berücksichtigen (solange das effizient möglich ist). Ein Portfolio, welches beispielsweise auf dem MSCI World Index und dem MSCI Emerging Markets Index basiert, hätte sich in der Vergangenheit deutlich robuster gezeigt, als der MSCI World Index allein.

Im Gegensatz zur Nullrendite des MSCI World Index, hat es der MSCI Emerging Markets Index im Zeitraum von 2000 bis einschließlich 2012 auf eine durchschnittliche Rendite von 6,6 Prozent gebracht.*²

Der S&P Global REIT Index hatte im selben Zeitraum eine durchschnittliche Rendite von 9,6 Prozent.*³ Er hätte die Schwächephase des MSCI World Index in deinem Portfolio zusätzlich abgefedert. Es macht also Sinn, weitere Anlageklassen wie Immobilien in Betracht zu ziehen.

Bemerkung:

Wir haben hier nur einen Zeitabschnitt betrachtet. In anderen Marktphasen hat der MSCI World Index besser abgeschnitten als beispielsweise der MSCI Emerging Markets Index. Daher macht es keinen Sinn, Anlageklassen aus deinem Portfolio zu entfernen, nur weil diese gerade eine Schwächephase erleben.

Das Gegenteil ist der Fall: Schwach gelaufene Anlagen sollten nach festen Regeln aufgestockt werden, um die ursprüngliche Portfoliozusammensetzung wiederherzustellen. So wird zum einen die ursprüngliche Risikostruktur beibehalten und zum anderen der Effekt der Regression zur Mitte ausgenutzt (mehr dazu findest du hier: Rebalancing).

 

II. Beschäftige dich mit deiner Fähigkeit, Risiko zu tragen

Egal wie breit du dich aufstellst, risikobehaftete Anlagen wie Aktien werden immer schwanken.

Wenn du davon ausgehst, dass dein Aktienanteil jederzeit um 50 Prozent einbrechen und die Erholungsphase gut 10 Jahre andauern kann, hast du einen soliden Ausgangspunkt, um dein Portfolio entsprechend deiner Risikoneigung auszurichten.

 

3 Punkte solltest du bei der Risikoausrichtung deines Portfolios betrachten:

1. Risikobedarf

Hier gilt es zu schauen, wie viel Vermögen du ansammeln musst, um dein Ziel zu erreichen. Stark vereinfachtes Beispiel:

Wenn du im Ruhestand 30 Jahre lang jeden Monat 1000 Euro extra haben möchtest, musst du ein Vermögen von 360.000 Euro aufbauen.

 

2. Risikotragfähigkeit

Die Risikotragfähigkeit fragt: Ab welchem Verlust kommst du in finanzielle Schwierigkeiten?

Gerade bei der Ruhestandsplanung ist das eine existentielle Frage. Rentner sind in der Regel auf ihr Erspartes angewiesen. Wenn sich das mal eben halbiert, kann es zu ernsthaften Problemen kommen.

 

3. Risikobereitschaft

Hier heißen die Fragen: Wie viel Risiko möchtest du eingehen?

Und vor allem: Wie viel Risiko gibt dein Nervenkostüm her?

Wenn dir ruhiger Schlaf wichtig ist, solltest du zunächst vorsichtig einsteigen. Wenn du die ersten Kurseinbrüche erlebt hast, kannst du die Aktienquote immer noch erhöhen.

 

Was du nicht tun solltest:

I. Produktivkapital gänzlich meiden

Bereits ein Aktienanteil von 10 Prozent am Gesamtvermögen kann dich vor Inflation schützen und deinen Vermögensaufbau vorantreiben.

Statt gänzlich auf Aktien zu verzichten, solltest du dich daher wie oben beschrieben mit deiner Risikobereitschaft beschäftigen.

 

II. Schutz in den Garantieversprechen der Lebensversicherungen suchen

Lebensversicherer machen grob gesagt auch nichts anderes, als dein Geld an den Kapitalmärkten zu investieren. Sie sind ebenfalls Kapitalmarktrisiken ausgesetzt, nur dass sie diese allzu oft mit Garantieversprechen versehen. Ob sie diese Versprechen halten können, ist ungewiss …

Das zeigt aktuell die Niedrigzinsphase, die es den Versicherungen nahezu unmöglich macht, die alten Garantiezinsen von über 3 Prozent zu erwirtschaften.

Die Folge, falls die Zinsen weiterhin derart niedrig bleiben:

Entweder die Garantieversprechen werden einkassiert, oder es wird Übernahmen und Pleiten geben.

 

Resümee

Es gibt kein angeborenes Recht auf steigende Kurse. An den Kapitalmärkten kann es jederzeit nach unten gehen und das für eine ganze Weile …

Verlustphasen können ein Jahrzehnt und länger dauern.

Du kannst dich darauf vorbereiten, indem du:

  • Dich breiter aufstellst als die meisten Menschen es dir empfehlen würden
  • Dich mit Deiner Fähigkeit beschäftigst, Risiko zu tragen und dein Vermögen dementsprechend strukturierst

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

*1 Dimensional – MATRIX BOOK 2016 Historical Returns Data-Euro, S.12
*2 Dimensional – MATRIX BOOK 2016 Historical Returns Data-Euro, S.16
*3 Dimensional – MATRIX BOOK 2016 Historical Returns Data-Euro, S.17

Portrait vom Autor dieses Artikels
Über Christoph Geiler

Als Finanzberater bin ich auf die Themen Finanzplanung, Geldanlage und Altersvorsorge spezialisiert. Als Finanzkoch bin ich konzeptionell tätig und erstelle Inhalte. In meiner Freizeit schwinge ich gern den Kochlöffel, treibe Sport und spiele mit meinem Sohn.