Welche Qualifikationen sollten Finanzberater haben? Ein Erfahrungsbericht.

Nachdem ich die Prüfungen zum Fachberater für Finanzdienstleistungen wegen der Geburt meines Sohnes um ein halbes Jahr verschoben hatte, war es letzte Woche endlich soweit:

Ich habe die 4 schriftlichen Prüfungen abgelegt und gehe einfach mal davon aus, dass ich bestanden habe. In gut 6 Wochen folgt noch die mündliche Prüfung, dann habe ich den Abschluss in der Tasche.

Parallel absolviere ich bereits die Seminare zum Fachwirt für Finanzberatung. Hier folgen im Februar die Abschlussprüfungen. Dann habe ich meinen kleinen Weiterbildungsmarathon geschafft.

Zeit, ein Zwischenfazit zu ziehen und die Frage zu klären:

Welche Qualifikation sollte ein Finanzberater haben?



Welche Qualifikationen sollten Finanzberater haben? Ein Erfahrungsbericht.


Qualifikation Finanzberater



Warum die Mindestqualifikation von Vermittlern und Beratern angehoben werden muss

Um als Versicherungsvermittler nach § 34d GewO oder als Versicherungsberater nach § 34e GewO tätig sein zu dürfen, brauchst du die Mindestqualifikation:

Versicherungsfachmann.

Als Finanzanlagenvermittler nach § 34f GewO und als Honorar-Finanzanlagenberater nach § 34h GewO benötigst du die Mindestqualifikation:

Finanzanlagenfachmann.

Ich habe sowohl die Sachkundeprüfung zum Versicherungsfachmann als auch die zum Finanzanlagenfachmann abgelegt. Und was soll ich sagen?

Bei beiden Sachkundeprüfungen handelt es sich um Kreuzeltests, auf die du dich problemlos mit gekauften Prüfungsfragen aus dem Netz vorbereiten kannst. Mit ein bisschen Vorbildung wirst du die Tests nach 2 Wochen Selbststudium problemlos bestehen können. Bei den anschließenden mündlichen Prüfungen in Form eines 20-minütigen Beratungsgesprächs will man eigentlich nur sehen, dass du dich ordnungsgemäß mit Hinweis auf deine rechtliche Stellung vorstellen kannst.

Das einzig Positive an der Einführung der Sachkundeprüfungen ist, dass sie den Markteintritt für Vermittler und Berater erschweren. Neben dem überschaubaren Lernaufwand musst du noch ein paar 100 Euro für Vorbereitungsmaterialien und Prüfungsgebühr in die Hand nehmen. Der fachliche Anspruch ist gering. Bedeutet:

Ein Berater mit Sachkundenachweis verfügt nicht automatisch über fundiertes Fachwissen.

Der größte Witz ist aber:

Versicherungsvertreter, für die eine Versicherung, Bank oder Vertriebsgesellschaft die Haftung übernimmt, benötigen nicht einmal einen Sachkundenachweis …

Wenn die Politik den Verbraucherschutz stärken möchte, muss sie hier ansetzen und die Ausbildungsstandards erhöhen. Der Hebel ist deutlich größer als bei der Diskussion um Provision und Honorar.

 

Was sind sinnvolle Qualifikationen für Finanzberater?

Die Sachkundeprüfungen zum Versicherungsfachmann und Finanzanlagenfachmann reichen nicht aus, um eine gute Beratungsqualität sicherzustellen. Als Qualifikation von Finanzberatern sollten zumindest der Versicherungskaufmann oder der Fachberater für Finanzdienstleistungen vorgeschrieben sein.

Aufgrund des dürftigen fachlichen Anspruchs der Sachkundeprüfungen habe ich mich zügig dafür entschieden, weitere Ausbildungen zu absolvieren. Zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen kann ich dabei nichts sagen, da ich ihn übersprungen habe und mit dem Fachberater für Finanzdienstleistungen weitergemacht habe.

Der Fachberater ist der Grundlagenteil des Fachwirts für Finanzberatung und konzentriert sich auf die Privatkundenberatung. Er beinhaltet die 4 Prüfungsbereiche:

  1. Organisation und Steuerung
    • Hier geht es um Marketing, Vertriebssteuerung, etwas BWL/VWL und die verschiedenen Vermittler- und Beratertypen
  2. Geld- und Vermögensanlagen
    • Dieser Abschnitt beinhaltet die verschiedenen Anlageprodukte, die Aufgaben der EZB und Bafin und die rechtlichen Rahmenbedingungen der Anlageberatung
  3. Immobilien/Finanzierungen
    • In diesem Themengebiet geht es um den Ablauf beim Immobilienerwerb und die dazugehörige Finanzierung
  4. Versicherungen
    • Hier liegt der Fokus auf den Inhalten der verschiedenen Privatversicherungen und deren rechtlichen Grundlagen (PKV/Unfall/PHV/VHV usw.). Auch unser Sozialsystem wird beleuchtet.

Für die Weiterbildung habe ich mir einen Bildungsträger gesucht, da der Fachberater fachlich deutlich tiefer und breiter angelegt ist, als die Sachkundeprüfungen. Besonders interessant waren für mich die rechtlichen Grundlagen beispielsweise im Sozialgesetzbuch, Versicherungsvertragsgesetz, Bürgerlichen Gesetzbuch und deren Wechselwirkungen mit den verschiedenen Privatversicherungen.

Die 4 schriftlichen Prüfungen für den Fachberater für Finanzdienstleistungen von je 120 Minuten haben wir an zwei Prüfungstagen abgelegt. Prüfungsort war Zwickau. Für mich hieß das, 2 Tage in Folge früh um 5 Uhr aufstehen, um pünktlich um 8:30 Uhr mit der Beantwortung der Fragen beginnen zu können. Im Gegensatz zu den Sachkundeprüfungen wurde im Freitext geantwortet. In einigen Wochen folgt noch die mündliche Prüfung, die ein Beratungsgespräch simuliert, dann habe ich es geschafft.

Meine Mitprüflinge (etwa 15 an der Zahl) kamen ausschließlich von den TARGO Versicherungen. Damit keimt in mir der Hoffnungsschimmer, dass man zumindest bei der TARGOBANK die Beratungsqualität anheben möchte. Ansonsten lässt sich sagen, dass die Teilnehmerzahl gemessen an den rund 225.000 registrierten Versicherungsvermittlern im ganzen Bundesgebiet überschaubar war.

Hinzu kommt, dass nur ein Teil der Absolventen den Fachwirt für Finanzberatung on top setzt. Aus- und Weiterbildung scheint in der Finanzbranche keinen besonders hohen Stellenwert zu haben …

 

Fachberater und Fachwirt allein machen keinen guten Finanzberater, sind aber eine gute Grundlage

Der Fachberater für Finanzdienstleistungen bietet im Gegensatz zu den Sachkundeprüfungen eine gute fachliche Grundlage für eine hochwertige Privatkundenberatung. Der Fachwirt für Finanzberatung gibt dem Berater darüber hinaus das Rüstzeug an die Hand, um gewerbliche Kunden beraten zu können.

Kommen zu dem soliden theoretischen Fundament Erfahrung, Marktkenntnis und kundenorientiertes Denken, hat man als Mandant einen guten Vermittler oder Berater an der Hand.

 

Resümee

Die Sachkundeprüfungen als Mindestqualifikation für Vermittler und Berater sollten von der Politik dringend überdacht werden. Ausnahmen von Bildungsstandards, wie sie für Vermittler von einigen Strukturvertrieben, Banken und Versicherungen gelten, müssen abgeschafft werden.

Klar, Weiterbildungen kosten Geld. Begonnen mit den Sachkundeprüfungen, über den Fachwirt, bis hin zum Fachwirt für Finanzberatung habe ich knapp 10.000 Euro investiert und da haben wir über den zeitlichen Aufwand noch gar nicht gesprochen …

Aber mit der Anhebung der Mindestqualifikation auf den Kaufmann für Versicherungen und Finanzen oder den Fachberater für Finanzdienstleistungen wäre in punkto Beratungsqualität viel gewonnen. Ist das erreicht, kann man sich immer noch über Interessenskonflikte, wie sie bei Provisionsberatungen aufkommen können, unterhalten.

Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist, als Bildung, keine Bildung.

 

John F. Kennedy

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Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

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Kommentare

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2 Kommentare

  1. Torsten
    Reply September 20, 17:17 #1 Torsten

    Hallo Christoph!
    Dann wollen wir mal optimistisch sein, dass Du alle Prüfungen bestehst. Mich wundert, dass zum theoretischen Teil des Fachberaters für Finanzdienstleistungen nichts zu den Themen Steuern und Recht steht? VWL und BWL waren bei mir recht umfangreich.
    Thema Mindestqualifikation: Hier hast Du eine Spezies komplett vergessen: Die Verbraucherschützer. Auch hier sind keine Mindeststandards an Qualifikation gefordert. Offenbar, weil hier auch keine Gewerbezulassung vonnöten ist. Aber beraten wird auch, und das ohne Haftung, trotz fehlender Sachkenntnis.
    Ich empfehle an der Petition des Berufskollegen Frank Dietrich bei change.org teilzunehmen:
    https://www.change.org/p/verbraucherschutz-wann-endlich-lebt-er-seinen-namen-und-haftet-daf%c3%bcr-verbraucherschutz-wann-lebt-er-endlich-seinen-namen-und-haftet-daf%c3%bcr

    • Finanzkoch
      Reply September 20, 21:45 Finanzkoch Author

      Hallo Torsten,

      vielleicht hätte ich den Artikel erst veröffentlichen sollen, wenn ich die Ergebnisse habe 😉

      Recht und Steuern hat in alle Themenbereiche mit reingespielt. Ich hatte zur Prüfung eine Sporttasche voll mit Gesetzesbüchern dabei 😉

      Zum Thema Verbraucherschutz: Ich finde es wichtig, dass es ihn gibt. Ein Nachweis, dass die notwendige Kompetenz für einen ordentlichen Ratschlag gegeben ist, wäre schön … aber jetzt mal ehrlich:

      Da draußen laufen unzählige Makler unter der „Alten-Hasen-Regelung“ rum, die noch nie den Nachweis erbracht haben, dass sie die notwendige Kompetenz für eine Beratung mitbringen.

      Hier muss man auf breiter Front etwas tun. Da hilft es nicht, sich nur einen Marktteilnehmer herauszugreifen und diesen mit Steinen zu bewerfen. Ausnahmen darf es beim Thema Bildung nicht geben.

      Ich bin trotzdem gespannt, was bei der Petition herauskommt. Irgendwo muss man ja mal anfangen 🙂

      Liebe Grüße
      Christoph

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