Rabeneltern? Warum mein kleiner Sohn kein eigenes Depot bekommt

Über die Gemütslage von sorgenden Eltern ist sich die Finanz- und Versicherungsbranche im Klaren und hat „passgenaue“ Produkte entworfen. Von Babysparbüchern über Ausbildungsversicherungen bis hin zu Tabaluga- und Biene Maya– Policen ist alles im Sortiment vertreten. Wir Eltern brauchen nur zuzugreifen …

Dabei haben die Produkte mit ihren bunten Prospekten eines gemein:

Wären sie Bestandteil eines leckeren Fischs, sie wären die Gräten. Und für die gilt …

Können beim Verzehr im Halse stecken bleiben.

Das ist unangenehm und führt im besten Fall zu ungewolltem Aufstoßen.

Die Lösung?

Finger weg von den bunt verpackten Mogelpackungen der Finanzbranche.

Halte es einfach. Strukturierte Produkte wie Versicherungen solltest du mit Vorsicht genießen, wenn du für dein Kind sparst. In diesen Policen lässt sich nur schwer nachvollziehen, was mit deinem eingezahlten Geld passiert. Fragen wie:

  • Welchen Anteil des Sparbeitrags macht die Versicherungsprämie aus?
  • Wie hoch sind die Kosten?
  • Und vor allem: Welcher Teil des Sparbeitrags wird tatsächlich zur Vermögensbildung genutzt?

können (oder wollen) die meisten Banken und Versicherungen selbst kaum beantworten …

Wenn du böse Überraschungen vermeiden willst, ist das Depot die richtige Wahl. Nur so bekommst du volle Kontrolle über Anlagestrategie und Kosten.

Es gibt keinen vernünftigen Grund, dass du Geld für deine Kinder grundlegend anders anlegst als für dich selbst.

Die Frage, die sich mir als Vater gestellt hat, war also weniger, welche Produkte ich für meinen Sohn kaufe, sondern in wessen Namen das Ganze geschehen soll …

 

Soll das Depot in meinem Namen laufen oder im Namen meines Stammhalters?

Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, Investitionsentscheidungen nicht hauptsächlich von Steuerfragen abhängig zu machen – und ein Depot auf den Namen meines Kindes wäre genau das:

Eine steueroptimierende Entscheidung, um die Freibeträge unseres kleinen Mannes einzusacken (auch ihm stehen 801 Euro steuerfreie Kapitalerträge pro Jahr zu).

Er hat kein eigenes Depot bekommen. Alle Überschüsse fließen weiter in mein Depot. Das hat Gründe:

  • Ich kann unser Geld weiterhin effizient investieren. Bei einem weiteren Depot würden zusätzliche Orderkosten anfallen und ich hätte für meinen Sohn aufgrund der geringen Sparrate auf eine einfachere Depotzusammensetzung umschwenken müssen
  • Ich muss mir keine Gedanken über die Höhe der Sparrate fürs Kind machen
  • Ich kann mir zu gegebenem Zeitpunkt Gedanken darüber machen, mit welchen Summen ich meinen Sohn unterstützen will
  • Muss ich – aus welchem Grund auch immer – zwischendurch an das Geld, ist das ohne Bürokratie und Nachversteuerung möglich
  • Mein Spross verwirkt nicht jeden Anspruch auf Bafög und andere staatliche Zuschüsse, weil er größere Vermögenswerte besitzt (Gerade bei vom Einkommen der Eltern unabhängigen Leistungen kann das ärgerlich sein.)
  • Und: Mit 18 geht das Kapital nicht automatisch auf den kleinen Mann über. Ich behalte mein Mitspracherecht

Gerade der letzte Punkt ist wichtig für mich. Trotz bester Erziehung können junge Erwachsene auf komische Ideen kommen und komische Ideen gepaart mit ordentlich Startkapital können seltsame Blüten treiben …

Vielleicht braucht unser kleiner Mann nach seiner Volljährigkeit noch ein paar Jahre, um sich auszutoben?

Mit 18 ist es völlig normal, dass man sich ausprobieren möchte:

  • Feiern mit Kumpels
  • Die Welt bereisen
  • Ins Casino gehen
  • Ein schickes Auto
  • Einfach mal die Sau rauslassen und das Leben genießen …

All das klingt für gerade Volljährige verlockender, als für später vorzusorgen. Und das ist gut so, ansonsten kommt später vielleicht das Gefühl auf, etwas verpasst zu haben.

Noch wertvoller sind solche „Findungsphasen“, wenn man sie sich selbst finanziert, anstatt auf das Ersparte seiner „Oldies“ zurückzugreifen.

Hat dein Spross seinen Weg gefunden, kannst du ihm immer noch finanziell unter die Arme greifen. Mit einem Depot in seinem Namen verlierst du jeden Handlungsspielraum.

 

Fazit

Mein Sohn hat kein eigenes Depot. Unsere Überschüsse werden gebündelt investiert. Das ist effizienter und wir können zu gegebenem Zeitpunkt entscheiden, wie wir unseren Nachwuchs unterstützen.

Wie hältst du es? Sparst du für deine Kinder? Und wenn ja, wie?[wysija_form id=“8″]

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

Bildquelle: © Maruba – fotolia

Portrait vom Autor dieses Artikels
Über Christoph Geiler

Als Finanzberater bin ich auf die Themen Finanzplanung, Geldanlage und Altersvorsorge spezialisiert. Als Finanzkoch bin ich konzeptionell tätig und erstelle Inhalte. In meiner Freizeit schwinge ich gern den Kochlöffel, treibe Sport und spiele mit meinem Sohn.