Wir können nicht mit Sicherheit vorhersagen, wie Aktienmärkte auf bestimmte Ereignisse reagieren. Bricht irgendwo ein Krieg aus, erwarten wir, dass Chaos an den Märkten ausbricht und die Kurse fallen. Je länger ein Krieg geht, desto schlimmer könnte der Absturz sein. Oder etwa nicht?!
Wir begeben uns wieder auf Spurensuche zurück in die Vergangenheit. Anhand von fünf größeren Konflikten schauen wir uns an, wie die Aktienmärkte in den USA und in Deutschland reagierten und was wir uns als Anlegerinnen und Anleger daraus mitnehmen können.

Inhaltsverzeichnis
Der Dow Jones und deutsche Aktienmarktindizes
Für unsere kleine Untersuchung haben wir den Dow Jones ausgewählt, um den US-amerikanischen Markt anzuschauen. Den Dow Jones gibt es – inklusive Vorgängerversion – bereits seit 1884. Seit 1896 wird er als Dow Jones Industrial Average veröffentlicht und enthält zu diesem Zeitpunkt 12 Unternehmen aus Landwirtschaft und Industrie.
Heute sind im Index 30 der bedeutendsten Unternehmen der USA gelistet. Er wird als Kursindex geführt. Das bedeutet, dass Ausschüttungen nicht enthalten sind. Er zeigt also nicht das vollständige Bild. Gewählt haben wir ihn, weil er der älteste Index ist und die Datenreihen sehr weit zurückreichen. Die Performance-Version des Dow Jones gibt es erst seit 1987.
Für Deutschland ist die Suche nach verlässlichen Zahlen nicht so einfach. Der Dax wird 1988 eingeführt und bis 1959 zurück gerechnet. Zunächst sind 30 Unternehmen gelistet, später wird er auf 40 Unternehmen erweitert. Für die Zeit davor sind die Daten teilweise unverlässlich oder wir ziehen andere amtliche Indizes hinzu. Für die historischen Ausschnitte, die wir gewählt haben, ist dies ausreichend, um die Entwicklung während dieser großen Ereignisse zu erläutern.
Der Dax ist ein Performanceindex. Er beinhaltet demnach Ausschüttungen. Es gibt ihn auch in der Version des Kursindex. Im Beitrag beziehen wir uns auf ersteren.
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Der erste Weltkrieg 1914 bis 1918
Der erste Weltkrieg beginnt am 28. Juli 1914 mit dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau. In der Folge breitet sich der bewaffnete Konflikt auf Europa, Asien und Afrika aus. Auf der einen Seite stehen die Ententemächte Frankreich, Großbritannien und Russland. Auf der anderen die Mittelmächte Österreich-Ungarn und das deutsche Kaiserreich. Ab 1917 treten auch die USA in den Krieg ein auf Seiten der Entente.
Die USA
Die Auswirkungen des Krieges lassen sich in den USA bereits bei Ausbruch feststellen. Zwei Tage nach dem Attentat schließt die New York Stock Exchange und eröffnet erst wieder am 12. Dezember 1914. Damit sollten Panikverkäufe verhindert werden, denn auch in den USA wussten niemand wie es weiter gehen würde.
Der Dow Jones schloss am 30. Juli 1914 mit 52,3197 Punkten und eröffnete im Dezember mit 54,62 Punkten. Das heißt aber nicht, dass ein Aktienhandel in der Zwischenzeit nicht möglich war. Es bildete sich innerhalb von zwei Wochen ein florierender Ersatzmarkt („New Street“). Der Spread (oder Geld-Briefspanne) war zwar größer als an der New Yorker Börse, doch der Markt sorgte für genügend Liquidität für Investoren.
An der ersten Grafik können wir dann nachverfolgen wie nach der Wiedereröffnung der Börse die Kurse steigen und innerhalb eines Jahres einen neuen Höchstwert von 99 Punkten im Dezember 1915 erreicht.
Warum steigt der Dow Jones während Europa im Krieg versinkt?

Zu Beginn des Krieges glauben die meisten, dass dieser recht schnell wieder vorbei gehen würde. Die USA hat zunächst eine neutrale Position eingenommen, was US-Investoren als positives Zeichen sehen. Gleichzeitig läuft die Industrieproduktion an, um Frankreich und Großbritannien mit Munition und anderen Gebrauchsmitteln zu unterstützen.
1916 nehmen die Spannungen mit Deutschland zu. Im April 1917 treten die USA schließlich in den Krieg ein. Wie wir am obigen Chart sehen, reagieren Investoren negativ auf dieses Ereignis, obwohl die Wirtschaft stabil ist. Der Index sinkt bis Ende 1917 auf 72,65 Punkte. Damit verliert er mehr als 26 Punkte beziehungsweise über 26 Prozent gegenüber seines Höchstwertes von 99 Punkten. Die Ungewissheit und Unsicherheit, die damit einhergeht, wirkt sich auf die Märkte aus.
Hinzu kommen Zinssteigerungen: Kurzfristige Schuldverschreibungen steigen von >3,45 Prozent im Jahr 1915 auf 6,22 Prozent im Jahr 1918. Eisenbahnanleihen steigen von 4,5 auf 5,41 Prozent. Auch der Kauf von Staatsanleihen wird beliebter. Das Finanzministerium legt die sogenannten Liberty Bonds auf. Diese langlaufenden Anleihen haben einen Zins von 3,5 Prozent und werden heftig beworben, um Geld in die Staatskassen zu spülen. Für Anleger werden Anleihen damit attraktiver und sie ziehen ihr Geld teilweise aus dem Aktienmarkt ab.
Erst im folgenden Jahr steigen die Kurse wieder. Es hat eine Weile gedauert bis die Produktion hochgefahren wurde. 1918 ist sie schließlich im vollen Gange und ein Ende des Krieges absehbar. Der Waffenstillstand vom 11. November 1918 läutet schließlich das Ende des Krieges ein. Unmittelbar danach beginnen die Zinsen auf kurz laufende Anleihen zu sinken.
Deutsches Kaiserreich
Für den deutschen Staat ist es schwer belastbare Aktienmarktdaten zu erhalten. Hier schließen die Börsen mit Ausbruch des Krieges. Erste amtliche Kursfeststellung gibt es Ende 1916. Bis dahin wird der Wertpapierhandel erschwert. Investoren sollen lieber Anleihen kaufen, um die Kriegsausgaben zu finanzieren.
Erst Anfang 1918 wird der amtliche Aktienhandel wieder aufgenommen. Aus einer Rückrechnung des Statistischen Reichsamts 1922 wird für Ende 1913 der deutsche Aktienindex auf 100 Punkte festgelegt. Einige Monate nach Wiederaufnahme des Aktienhandels liegt der Index bei 138 Punkten. Mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens sinkt der Index auf 85 Punkte beziehungsweise um über 38 Prozent.
Der zweite Weltkrieg 1939 bis 1945
Der Krieg beginnt mit dem Überfall Deutschlands auf Polen am 1. September 1939 und endet am 2. September 1945 mit der Kapitulation Japans. Die Alliierten (Frankreich, Großbritannien, Russland und USA) gehen als Sieger hervor.
Die USA
Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 treten die USA offiziell in den Krieg ein. An der Entwicklung des Dow Jones Index können wir ein ähnliches Marktgeschehen wie im ersten Weltkrieg sehen. Nach Kriegseintritt sinken die Kurse bis zum Tiefpunkt und steigen bis Kriegsende wieder an.
Zu Beginn des Krieges 1939 kommen die USA gerade aus einer wirtschaftlichen Rezessionsphase. Der letzte Aktienmarktcrash liegt 2 Jahre zurück. Ab 1940 wird die Wirtschaft schrittweise auf Kriegswirtschaft umgestellt, um auf einen eventuellen Eintritt vorbereitet zu sein. Die Wirtschaft beginnt zu florieren. Warum also der Crash?

Wieder spielt sich das Hauptgeschehen eher am Anleihemarkt ab. Um die Rezession zu beenden kauft die US-amerikanische Zentralbank Staatsanleihen auf. Damit fließt zum einen Geld in die Wirtschaft, zum anderen stabilisiert sich der Wert der Staatsanleihen und damit die Anleihe-Portfolien, die die Banken selbst halten.
Für die Kriegswirtschaft wird allerdings wieder Geld benötigt. Ab Mitte 1941 legt das Finanzministerium erneut Kriegsanleihen auf. Für eine 10-jährige Anleihe gibt es zwar nur >2,9 Prozent Zinsen, dennoch sind Anleihen für viele Amerikaner ein wichtiges Investment. Bis zur Einstellung der Kriegsanleihen 1946 erwerben Privatanleger Anleihen im Wert 185 Milliarden Dollar. Teilweise werden sie direkt vom Lohnzettel abgezogen.
Auch Banken erwerben Kriegsanleihen. Bis zum Ende halten sie immerhin 24 Milliarden Dollar in Form von Anleihen.
Hinzu kommt eine Wende im Kriegsverlauf. Mit dem Einmarsch Deutschlands in Frankreich und der darauf folgenden Kapitulation verschlechtern sich die Aussichten an der US-amerikanischen Börse. Für den Handel der USA mit Europa stellen solche Besetzungen ein klares Hindernis dar und das sehen die Marktteilnehmer.
Im September 1939 steht der Dow Jones bei 152,54 Punkten, sinkt bis Mai 1941 auf 116,22 Punkte, erholt sich kurz und sinkt dann bis April 1942 auf einen neuen Tiefstand von 95,35 Punkten – einem Verlust von rund 37,5 Prozent bezogen auf den Höchststand. Der Kriegseintritt der USA ist bereits eingepreist gewesen und die schlechten Nachrichten aus Europa sorgen für Pessimismus an den Märkten.
Das Blatt wendet sich erst im Juni 1942 als die USA eine entscheidende Schlacht gegen Japan für sich verbuchen können. Deutschland muss zudem immer mehr Niederlagen einstecken (unter anderem in Stalingrad). Das Blatt wendet sich und damit kehrt auch der Optimismus an die Börsen zurück. Bis Ende 1942 steigt der Dow Jones wieder auf 119,40 Punkte und setzt den Trend bis zum Ende des Krieges fort.
Deutsches Reich
Seit den 1920er Jahren wird in der Weimarer Republik und anschließend im Deutschen Reich ein amtlicher Aktienindex geführt. In der Grafik können wir die Entwicklung des Index bis 1937 nachvollziehen. Nach der Weltwirtschaftskrise ab 1929 geht es in den 1930er Jahren für die deutsche Wirtschaft bergauf.
Geld wird in die Wirtschaft gepumpt, die Aufrüstung forciert. Dies schlägt sich in steigenden Kursen nieder. Der Index steigt von knapp 70 Punkten zu Beginn 1933 auf knapp 120 Punkten Ende 1937 – also ein Anwachs von rund 70 Prozent. Und so geht es weiter bis 1941. Bis Juni des Jahres steigt der Index um weitere 25 Prozent auf über >150 Punkte. Dann kommt die Zäsur.

Zunächst wird im Juni 1941 eine Dividendenabgabeverordnung beschlossen, die kurzfristig für weitere Kurssteigerungen sorgt. Es kommen jedoch weitere Verordnungen hinzu, die den Aktienmarkt zunehmend in die Zentralverwaltungswirtschaft eingliedert. Verordnungen zur Kurskontrolle und 1943 eine Verordnung zum Kursstopp sorgen dafür, das sich am Aktienmarkt kaum etwas bewegt.
Der Index erreicht bis zu Beginn 1943 einen Stand von gut 158 Punkten und schwankt von da an durchschnittlich weniger als 1 Prozent. Zu Jahresmitte wird die Berechnung des Index komplett eingestellt.
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Der Vietnamkrieg 1955 bis 1975
Im Vietnamkrieg stehen sich Nordvietnam (Vietcong) und Südvietnam mit Unterstützung der USA gegenüber. Die USA helfen zunächst indirekt mit Waffen und der Ausbildung südvietnamesischer Agenten. Ab 1964 treten sie aktiv in den Krieg ein. Mit der Unterzeichnung des Pariser Abkommens 1973 wird das Ende des Kriegs eingeläutet.
Die USA
Im Chart sehen im Zeitraum von 1955 bis 1975 drei Auffälligkeiten: 1957, 1962 und 1974. Ist der Vietnamkrieg an diesen Crashs schuld? Eher nein.
1957 bewegt sich die US-amerikanische Wirtschaft in eine Rezession. Einer drohenden Inflation wird mit Zinssteigerungen begegnet. Hinzu kommt eine globale Grippepandemie, die allein in den USA 70 bis 100.000 Menschen das Leben kostet. Solche Extremereignisse haben direkte Auswirkungen auf die Märkte (wir kennen das ja aus der Coronapandemie). Der Dow stürzt in dem Jahr von 503 auf 435 Punkte, also um gut 13,5 Prozent. Vietnam scheint die Märkte hier eher nicht zu berühren.
Fünf Jahre später, 1962, sieht die wirtschaftliche Lage der USA ganz anders aus. Die Rezession ist lange überstanden, die Wirtschaft blüht. Eigentlich gibt es keine wirkliche Erklärung für den plötzlichen Rückgang an den Aktienmärkten. Im Nachhinein wird es als Kennedy Slide oder Flash Crash betitelt (Kennedy war zu diesem Zeitpunkt Präsident), einen konkreten Auslöser scheint es aber nicht zu geben.
Auch die Börsenaufsicht untersucht den Fall und kommt zum Schluss, dass es sich hierbei nicht um Marktmanipulation handelt, sondern um einen Mix aus rational und emotional begründeten Handlungen. Einer der Gründe dafür ist die Annahmen, dass der rasante Anstieg der Aktienpreise über die vergangenen Jahre zu aufgeblähten Kursen geführt hat. Erinnerungen an die Krise von 1929 werden wach, die Marktteilnehmer erwarten ein Platzen dieser vermeintlichen Blase und ziehen Gelder ab. Die selbsterfüllende Prophezeiung sorgt für einen Rückgang um mehr als 23 Prozent von 731 auf 561 Punkte. Der Absturz bleibt von kurzer Dauer.
Für die Krise 1974 gibt es ebenfalls Erklärungen abseits des Vietnamkriegs. Die USA befinden sich in einer lang andauernde Inflationsphase, die Mitte der 60er Jahre beginnt. Die Ölkrise von 1973 befeuert die Inflation. Wirtschaftlich gesehen befinden sich die USA in einer Stagflationsphase (hohe Inflation, geringes Wirtschaftswachstum, hohe Arbeitslosigkeit). Dazu gesellt sich die Watergate-Affäre, die Nixon schließlich 1974 sein Amt kostet. Die Anleger kostet es 40 Prozent Rendite.
Dieser Mix sorgt für Ungewissheit und Pessimismus an den Märkten.

Der Vietnamkrieg scheint demnach keinerlei Auswirkungen auf die Aktienmärkte zu haben. Das überrascht rückblickend wenig. Der Konflikt ist lokal begrenzt, auch wenn die Angst besteht, er könne sich auf die umliegenden Länder ausdehnen. Der Konflikt zieht sich zwar länger hin als die Weltkriege, doch er verschlingt weniger Ressourcen. Vietnam ist zudem kein bedeutender Handelspartner für die USA wie es damals Frankreich und Großbritannien waren. Die wichtigen Absatzmärkte liegen woanders.
Nicht mal der aktive Eingriff der USA in den Vietnamkonflikt sorgt für größere Bewegungen an den Märkten.
Bundesrepublik Deutschland
Für Deutschland gilt ähnliches. Das Land war weder aktive von passive Kriegspartei im Vietnamkrieg. Der Knick im Dax 1962 lässt sich mit dem parallel stattfindenden Flash Crash erklären. Auch der deutsche Markt vermutet eine Blasenbildung und erinnert sich an den Börsencrash von 1929.
Der Einbruch 1966/67 hat dagegen wirtschaftliche Gründe. Zum ersten Mal seit Kriegsende schwächelt die Konjunktur. eine übertriebene Krisenangst führt zu sinkenden Kursen.

Der Irakkrieg 2003
Der Irakkrieg dauert anderthalb Monate, das Land bleibt bis 2011 besetzt. Am 20. März 2003 marschiert die USA ein, angeblich um einer Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen zu begegnen. An ihrer Seite steht Großbritannien.
Die USA
Zwischen 2002 und 2003 sehen wir in der Grafik zwei Kurseinbrüche. Ursache hierfür ist vordergründig das Platzen der Dotcom-Blase ab 2000. Viele neu an der Börse gelisteten Technologieunternehmen zeigen, dass sie kein nachhaltiges Geschäftsmodell haben und verschwinden nach und nach wieder. Die Euphorie über die Geburt des Internet lässt abrupt nach und die Kurse stürzen ein. Das zieht sich bis 2003. Erst dann kommt langsam die Erholung.
Der Einmarsch in den Irak hinterlässt im Chart kaum Spuren. Ab Februar 2003 setzt bereits eine Aufwärtsbewegung ein. Wie beim Vietnamkrieg handelt es sich auch hier um einen lokal begrenzten Konflikt. Der Irak ist zwar ein wichtiges Öl produzierendes Land, aber kein bedeutender Handelspartner.
In den USA sind die Marktteilnehmer damit beschäftigt, sich von der Dotcom-Krise zu erholen, die deutlichere Spuren im Dow Jones Index und Verluste von 34 Prozent hinterlassen hat.

Deutschland
Für den Dax gilt genau das Gleiche. Die Marktteilnehmer konzentrieren sich eher auf den Verkauf von Telekomaktien als auf den Konflikt am Golf.

Der Ukrainekrieg ab 2022
Der Ukrainekrieg, der mit dem Angriff Russlands auf seinen Nachbarn im Februar 2022 startet, hinterlässt Spuren auf den Aktienmärkten – aber nicht so sehr wie es hier den Anschein hat. Der Einbruch (minus 21 Prozent im Dow Jones und über 24 Prozent im Dax), die wir in beiden Graphen zwischen März und Oktober 2022 sehen können, hat nur am Rande mit dem Krieg zu tun.
Hauptursache für die Kursrückgänge ist die Zinspolitik der US-amerikanischen und der europäischen Zentralbank. Seit 2021 wachsen die Inflationsraten weltweit. Um dieser zu begegnen, beschließt die Fed ab März den Leitzins anzuheben. Schrittweise steigt er auf über 4 Prozent. Die EZB zieht fast sofort nach.
Die steigende Inflation und die Zinsen führen zu Rezessionsängsten und fallenden Kursen. Handelshemmnisse durch den Krieg spielen hier mit rein, aber in einer untergeordneten Rolle. Gegen Jahresende steigt der Index wieder. Die Inflationsraten sinken. Zumindest in den USA steigt die Wirtschaftsleistung.
Entwicklungen im Bereich Künstliche Intelligenz lösen an den Märkten einen Boom aus, die Marktteilnehmer erwarten Zinssenkungen. Optimismus macht sich unter Anlegern breit.

Dow Jones, nominale Renditen 2021 bis 2025, Quelle: macrotrends.net
In Deutschland sieht es 2022 nicht so gut aus. Das Wirtschaftswachstum sinkt seit 2021 kontinuierlich. Dennoch erholt sich auch der Dax schnell vom Abschwung. Das liegt vor allem daran, dass der Dax sich aus Unternehmen zusammensetzt, die zu einem großen Teil Export orientiert produzieren. Die internationale Nachfrage hat daher größeren Einfluss als die sinkende inländische Nachfrage. Darauf spekulieren auch Anleger.

Resümee
Unser Blick in die Vergangenheit hat uns einige Erkenntnisse liefern können. Aktienmärkte reagieren auf alle möglichen Ereignisse, aber sie reagieren unterschiedlich.
Wenn wir uns globale Konflikte wie den ersten und zweiten Weltkrieg anschauen, sehen wir, dass diese deutliche Spuren an den Märkten hinterlassen. Wichtige Handelsbeziehungen können belastet werden, Absatzmärkte wegbrechen. Die inländische Wirtschaft erfährt einen größeren Umbau. Der Staat braucht schnell viel Geld und löst dies Vorzugsweise über Anleihen.
Diese Faktoren sorgen bei Investoren für positive oder negative Zukunftserwartungen beziehungsweise attraktivere Anlagemöglichkeiten als Aktien. Auch auf Unsicherheiten und Ungewissheiten reagieren die Märkte.
Bei lokalen Konflikten sehen wir, dass diese eher weniger Einfluss auf die Aktienmärkte haben. Die örtliche Begrenztheit sorgt für weniger Unsicherheit. Handelsnetzwerke werden nicht so sehr belastet. In inländische wirtschaftliche Lage und andere globale Ereignisse sorgen eher für Bewegungen an den Finanzmärkten.
Eine weitere Erkenntnis aus unserer Analyse ist, dass Aktienmärkte nicht nur negativ auf Kriege reagieren. Aufrüstung kann zu Wirtschaftswachstum führen und positive Signale an Investoren senden.
Die wichtigste Erkenntnis können wir aus den folgenden beiden Grafiken ableiten.


Egal ob Dow Jones oder Dax – der Trend geht langfristig nach oben. Auf lange Sicht sind Märkte resilient.
Krisen ziehen sich durch die Geschichte der Märkte. Egal ob es sich hierbei um kriegerische Konflikte oder Weltfinanzkrisen handelt, nach dem Absturz kommt der Aufschwung. Wir können nur nicht vorhersehen wie lange diese Phasen dauern. Und das ist die eigentliche Herausforderung für uns als Anlegerinnen und Anleger: trotz Ungewissheit an der gewählten Anlagestrategie festhalten.
