Ich lebe noch! – Ruhestandsplanung in der Republik der Greise

Ein alter Mann mit grauem Haar sitzt entspannt auf seiner Veranda. Den Blick lässt er zufrieden über seinen Garten schweifen. Kinderlachen streift seine Ohren und in der Luft liegt der Duft von gebratenem Fleisch. Noch vor einigen Jahrzehnten hätte er das Lachen lauter wahrgenommen und der Geruch des Essens wäre intensiver gewesen, doch er möchte und kann sich nicht beschweren. In seinem Alter ist es normal, dass die Sinne langsam nachlassen.
Statt Wehmut angesichts der vergangenen Jahre umgibt ihn Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, die Kinder seiner Urenkel noch bestaunen zu dürfen.

Heute sind sie alle zu Besuch. Die ganze Familie hat sich zusammengefunden, um seinen 100sten Geburtstag zu feiern. Hätte ihm das jemand vor 50 Jahren erzählt, er hätte es nicht geglaubt …

Du willst wissen, wie auch du ein zufriedener und glücklicher Greis werden kannst? Dann bist du hier richtig – Ein Artikel über die Herausforderungen der Ruhestandsplanung.



Ich lebe noch! – Ruhestandsplanung in der Republik der Greise


Die Auswirkungen der steigenden Lebenserwartung auf die Ruhestandsplanung sind enorm

Die 100-Jährigen gehören zu der am stärksten wachsenden Bevölkerungsgruppe Deutschlands. Bald wird der Bundespräsident aufhören müssen, jedem zu seinem 100sten Geburtstag ein Glückwunschschreiben zu schicken. Der erhöhte Aufwand an Briefpapier verblasst jedoch hinter den anderen Herausforderungen, die eine immer weiter steigende Lebenserwartung für jeden Einzelnen mit sich bringt.

Wenn wir mit 100 Jahren ein zufriedenes und weitestgehend selbstständiges Leben führen wollen, brauchen wir vor allem zwei Dinge …

  • eine intakte Familie
  • und Geld

Ohne Hilfe geht es für die meisten 100-Jährigen nicht. In zahlreichen Bereichen des Lebens benötigen sie Beistand. Sei es die Unterstützung im Haushalt, bei Arztbesuchen oder bei Einkäufen. Auch wenn die Familie vielleicht einige Aufgaben übernehmen kann, stößt sie irgendwann an ihre Grenzen und muss Hilfe zukaufen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn der Pflegefall eintritt. Betreuung, Reha und Arznei –  all das will bezahlt werden. Hinzu kommen Umbaukosten für die eigenen 4-Wände.

Stellt sich die Frage: Woher sollen wir das Geld nehmen?

Darauf gibt es drei mögliche Antworten:

  1. vom Staat
  2. aus dem eigenen Vermögen
  3. von der Familie

Da wir davon ausgehen können, dass die Leistungen vom Staat in Zukunft eher weniger werden und die Wenigsten der Familie zu Last fallen möchten, muss das eigene Vermögen herhalten. Damit stellt sich eine enorme Herausforderung:

 

Wie schaffen wir es, dass das Geld bis zu unserem Einzug in Walhalla reicht?

Diese Aufgabe lässt sich grob in 2 Phasen gliedern. In der Ansparphase bauen wir ein Vermögen auf, welches in der Phase des Vermögensverzehrs sinnvoll aufgeteilt werden muss. Dabei ist es optimal, wenn wir zeitgleich mit der Ausgabe des letzten Euros den letzten Atemzug tätigen. Daneben gibt es noch die Möglichkeiten, dass

  1. am Ende des Geldes noch Leben übrig ist,
  2. oder am Ende des Lebens noch Geld übrig ist.

Die erste Option klingt wenig charmant. Bei der zweiten nutzen wir zwar unsere Konsummöglichkeiten nicht voll aus, können aber unseren Erben noch eine Freude machen.

Unsere Aufgaben lauten also wahlweise:

  • Stelle sicher, dass am Ende des Lebens noch Geld übrig ist

Oder

  • Stelle sicher, dass das Geld genauso lange reicht, wie du lebst.

 

Unsere statistische Lebenserwartung – Festlegung des Planungshorizonts

Im ersten Schritt bietet es sich an, einen Mindestplanungshorizont festzulegen. Dafür werfen wir einen Blick in die Sterbetafeln des Statistischen Bundesamts (2011) und der deutschen Aktuarvereinigung (DAV 2004R).
Betrachten werden wir exemplarisch die Altersgruppen der heute 50-, 60-, und 70-Jährigen, da mir hierzu die Daten bereits vorliegen und die Schätzungen der Sterbetafeln umso unsicherer werden, je jünger ein betrachteter Jahrgang ist. Auch bei der Schätzung der Lebenserwartung gilt:

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.

Tab. 1 Restlebenserwartung in Jahren von Männern und Frauen ausgewählter Altersgruppen1

Männer Frauen
Alter Restlebenserwartung D. h. bis Alter: Restlebenserwartung D. h. bis Alter:
50 32,9 (37,2) 82,9 (87,2) 36,0 (41,6) 86,0 (91,6)
60 23,4 (27,1) 83,4 (87,1) 26,3 (31,1) 86,3 (91,1)
70 15,0 (17,8) 85,0 (87,8) 17,2 (21,1) 87,2 (91,1)

 

Ein heute 50-jähriger Mann wird laut statistischem Bundesamt im Schnitt 82,9 Jahre alt. Die deutsche Aktuarvereinigung räumt demselben Mann eine Lebenserwartung von 87,2 Jahren ein (Wert in der Klammer).
Frauen werden dank ihres guten Gemüts deutlich älter. Hier liegt die Lebenserwartung einer heute 50-Jährigen bei 86 bzw. 91,6 Jahren.

Mit diesen Werten können wir noch nichts anfangen. Denn gemäß dem Fall, dass wir vom Durchschnitt abweichen möchten, haben wir möglicherweise ein Problem. Nämlich immer dann, wenn wir älter werden als der Durchschnitt. Viel interessanter als die durchschnittliche Lebenserwartung ist daher die Wahrscheinlichkeit, mit der wir ein bestimmtes Alter erreichen.

Hierzu Tabelle 2:

Tab.2 Wahrscheinlichkeit ausgewählter Altersgruppen, ein bestimmtes Alter zu erreichen²

Männer Frauen
Alter Wahrscheinlichkeit 90 zu werden (%) Wahrscheinlichkeit 95 zu werden (%) Wahrscheinlichkeit 90 zu werden (%) Wahrscheinlichkeit 95 zu werden (%)
50 30,9 (44,9) 13,2 (23,2) 40,4 (63,3) 16,8 (40,0)
60 28,5 (42,0) 11,5 (20,5) 38,6 (59,8) 15,4 (36,0)
70 28,4 (40,7) 10,8 (18,8) 38,3 (57,3) 14,7 (32,7)

 

Ein heute 50-jähriger Mann erreicht mit einer Wahrscheinlichkeit von 13,2 (Statistisches Bundesamt) bzw. 23,2 Prozent (deutsche Aktuarvereinigung) das biblische Alter von 95 Jahren. Für Frauen gibt die Deutsche Aktuarvereinigung sogar eine Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent an, die 95 Jahre zu erreichen.

Glaubst du nicht?

Ich lange Zeit auch nicht. Schuld daran ist der sogenannte „Anker-Effekt“. Wir schauen darauf, wie alt unsere Eltern und Großeltern geworden sind und wenden diese Erfahrungswerte auf die Gegenwart an. Damit laufen wir Gefahr unsere Lebenserwartung dramatisch zu unterschätzen.
Tatsache ist, dass seit 1840 unsere Lebenserwartung aller 10 Jahre um 2,5 Jahre gestiegen ist3. Ein Abbremsen des Anstiegs lässt sich bisher nicht nachweisen. Wer sich an seinen 50 Jahre älteren Großeltern orientiert, läuft unbewusst Gefahr seine Lebenserwartung um etwas 12,5 Jahre zu unterschätzen. Für die Ruhestandsplanung kann der Ankereffekt eine verheerende Wirkung haben.

 

Unsere Lebensweise hat enorme Auswirkungen auf unsere Lebenserwartung

In der Vergangenheit lagen die Schätzungen sowohl des Statistischen Bundesamtes als auch der deutschen Aktuarvereinigung regelmäßig zu niedrig. Es kann also ratsam sein, noch einen Sicherheitspuffer aufzuschlagen. Das ist aus meiner Sicht immer dann der Fall, wenn du

  • nicht rauchst
  • kein Übergewicht hast
  • und dich regelmäßig bewegst.

Kurz gesagt, wenn du gesund lebst.

Die FrankfurterRundschau schreibt zum Rauchen:

Rauchen verringert die Lebenserwartung von Frauen um mehr als zehn Jahre. Die Wahrscheinlichkeit für Raucherinnen, im Alter zwischen 50 und 80 zu sterben, ist dreimal so hoch wie für Frauen, die niemals geraucht haben.

Focus Online zu Übergewicht:

Dicke sterben zehn Jahre früher – Fettleibigkeit verringert die Lebenserwartung genauso wie Rauchen, stellt eine Studie fest. Das gilt vor allem für stark Übergewichtige.

Welche Lebenserwartung du letztlich für dich annimmst, ist allein deine Entscheidung. Schließlich musst du auch die Konsequenzen allein tragen.

Für den weiteren Artikel möchte ich für einen gesunden Menschen einen Mindestplanungshorizont bis zum Alter von 95 Jahren vorschlagen. Alles darunter ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Spiel mit dem Tod.

 

Die Herausforderungen einer langen Ruhestandsphase

Nachdem wir den Zeitraum für die Ruhestandsplanung abgesteckt haben, ist die Herausforderung klar. Sie besteht schlicht darin, für mindestens 30 Jahre Geld vorzuhalten.

Dabei gilt:

Wer die Ansparphase im Erwerbsleben verschläft, hat jetzt keinen Handlungsspielraum mehr.

Das gilt es unter allen Umständen zu vermeiden. Selbst wenn die gesetzliche Rente anfangs ausreichen mag, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, wird die Inflation dafür sorgen, dass sich das nach und nach ändert. Wenn die Inflation nur 2 Prozent über den Rentensteigerungen liegt, halbiert sich die Kaufkraft in 30 Jahren nahezu.

In Zahlen:

Die Kaufkraft von anfänglich 1500 Euro Rente beträgt bei einer Inflation von 2 Prozent nach 30 Jahren 828 Euro.

Damit lautet unsere erste Herausforderung:

Stelle sicher, dass deine Geldanlage die Inflation ausgleicht

Das typische Vermögen eines wohlhabenden Rentners besteht aus einer selbst genutzten Immobilie, dem Barwert der Rentenansprüche und dem freien Vermögen. Da gesetzliche und betriebliche Rente in der Regel unzureichend vor Inflation geschützt sind, kommt speziell dem freien Vermögen die Aufgabe zu, den Kaufkraftverlust auszugleichen. Um Aktien kommst du dabei nicht ganz herum. Bei einem Anlagehorizont von 30 Jahren ist das Risiko in der Regel jedoch vertretbar.

Neben dem Ausgleich der Inflation muss sichergestellt werden, dass das Vermögen nicht vorzeitig aufgebraucht ist. Dabei lohnt es sich zunächst zu unterscheiden welches Vermögen vererbt und welches verbraucht werden soll.

Erinnern wir uns an die beiden grundsätzlichen Aufgaben der Ruhestandsplanung:

  • Stelle sicher, dass am Ende des Lebens noch Geld übrig ist

Oder

  • Stelle sicher, dass das Geld genauso lange reicht, wie du lebst.

Im Grunde unterscheiden sich beide Optionen in dem Wunsch, der Nachwelt etwas zu hinterlassen oder eben nicht. Die Entscheidung für das Vererben hat in der Ruhestandsplanung einen praktischen Vorteil:

Das Vermögen, welches vererbt werden soll, bildet einen natürlichen Puffer. Falls du noch lebst, wenn das zum Verbrauch bestimmte Vermögen zur Neige geht, kannst du das Erbe nach und nach auflösen. So musst du keine Einbußen im Lebensstandard hinnehmen.

Wenn du nichts vererben möchtest, stellt sich eine ganz andere Frage …

 

Wie hole ich den maximalen Nutzen aus meinem Vermögen, ohne es vorzeitig aufzubrauchen?

Hier bietet es sich an, zumindest den grundlegenden Bedarf langfristig über eine Versicherung abzudecken. Dann kannst du das restliche Vermögen so verteilen, dass es bis zu einem festgelegten Alter reicht. Solltest du älter werden als geplant, brauchst du keine Angst zu haben, deinen Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten zu können.

Welchen Weg du auch wählst, wichtig ist, dass du jederzeit an einen Teil deines Vermögens herankommst. Wenn die Gesundheit nicht mitspielt, können hohe Investitionen nötig sein, um beispielsweise Umbauten am Haus vorzunehmen. Eventuell kann eine Pflegeversicherung sinnvoll sein.

Damit ergeben sich 3 Anforderungen an die Vermögensanlage im Alter4:

  • Liquidität
  • Rendite oberhalb der Inflation
  • Sicherstellung eines lebenslangen Zahlungsstroms

Die Ausgestaltung der Vermögensanlage unterscheidet sich natürlich je nach individueller Situation und Vorlieben. Grundsätzlich sollte sie sich im Alter aber an diesen 3 Punkten orientieren.

 

Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Testament runden die Ruhestandsplanung ab

Du hast dir Gedanken darüber gemacht, wie du im Alter leben möchtest und wie du dein Vermögen aufteilst? Dann bist du fast den ganzen Weg gegangen. Entscheidend ist jetzt, dass du dir nicht nur Gedanken darüber machst, sondern frühzeitig alles rechtssicher festhältst. Testament, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht stellen nicht nur sicher, dass alles nach deinem Willen abläuft, falls du einmal nicht mehr selbst entscheiden kannst, sondern verhindern auch Streitigkeiten innerhalb der Familie.

Mehr dazu findest du hier: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

 

Fazit

Die steigende Lebenserwartung stellt jeden Einzelnen bei der Ruhestandsplanung vor enorme Herausforderungen. Dabei gilt es, verschiedenste Fragen zu beantworten. Zum Beispiel:

  • Wie strukturiere ich mein Vermögen?
  • Wie lange soll mein Vermögen reichen?
  • Möchte ich etwas Vererben?
  • Was passiert im Pflegefall?
  • Wer entscheidet über mein Vermögen, wenn ich nicht mehr in der Lage dazu bin?

Wie du diese Fragen auch für dich beantwortest …

Wenn du derartige Entscheidungen treffen darfst, hast du vermutlich dein Leben lang Geld zurückgelegt und investiert. Sprich, du hast auf Konsum verzichtet. Logisch, dass du Stolz auf das Erreichte bist. Völlig normal auch, wenn es dir schwer fällt, deine Ersparnisse zu verbrauchen. Sie sind schließlich Teil deines Lebenswerks.

Aber mach dir klar, dass jetzt die richtige Zeit ist, dir etwas zu gönnen. Bereise die Welt, gehe neuen Hobbys nach, erfülle dir lang gehegte Wünsche und kümmere dich vor allem anderen um deine Familie und deine Freunde.

Genieße einfach dein Leben! Dann stehen die Chancen gut, ein zufriedener und glücklicher Greis zu werden.

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

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Quellen

Bildquelle: © pressmaster – fotolia

1* Ruhestandsplanung – neuer Beratungsansatz für die Zielgruppe 50plus, Dirk Schiereck, Torsten Haupt, Olaf Neuenfeldt, S. 28
2* Ruhestandsplanung – neuer Beratungsansatz für die Zielgruppe 50plus, Dirk Schiereck, Torsten Haupt, Olaf Neuenfeldt, S. 29
3* vgl. Ruhestandsplanung – neuer Beratungsansatz für die Zielgruppe 50plus, Dirk Schiereck, Torsten Haupt, Olaf Neuenfeldt, S. 17
4* vgl. Ruhestandsplanung – neuer Beratungsansatz für die Zielgruppe 50plus, Dirk Schiereck, Torsten Haupt, Olaf Neuenfeldt, S. 10

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