Gehören Rohstoffe ins Depot?

Möchtest Du Dir ein Portfolio zusammenstellen, stehst Du zwangsläufig vor der Frage: Was soll da überhaupt rein? Aktien? Anleihen? Immobilien? Oder gar Rohstoffe?

In diesem Artikel widme ich mich der Frage nach den Rohstoffen.



Gehören Rohstoffe ins Depot?


Damit du zum Schluss nicht enttäuscht bist, enttäusche ich dich gleich zu Anfang:

Die Frage, ob Rohstoffe einen sinnvollen Depotbaustein darstellen, lässt sich nicht abschließend klären. Selbst wissenschaftliche Studien bieten kein klares Bild. So kommen Claude B. Erb/Campbell R. Harvey*1 zu folgender Einschätzung:

Haben durchschnittliche Commodity Futures aktienähnliche Renditen? Unsere Ergebnisse kommen zu dem Schluss, dass dies nicht der Fall ist. Die durchschnittlichen Renditen einzelner Commodity Futures-Konrakte waren nicht von Null zu unterscheiden. Könnten Portfolios aus Commodity Futures aktienähnliche Renditen haben? Die Antwort lautet definitiv vielleicht.

Weiter heißt es:

Die Herausforderung liegt für Investoren darin, dass obwohl Spot- und rollierende Renditen in der Zukunft hoch sein können, es wirklich keinerlei Bestätigung in den historischen Aufzeichnungen gibt, welche den Investor dahingehend beruhigen könnten, dass zukünftige Spotrenditen und rollierende Renditen wirklich positiv werden.

Dazu kurz einige Erläuterungen:

Commodity = Rohstoff

Future = Zukunft

Rohstoff-Future = Irgendetwas mit Rohstoffen in der Zukunft. Genauer: Die Bedingungen für ein Rohstoffgeschäft in der Zukunft werden heute schon festgelegt. Rohstoff-Futures haben praktischen Nutzen für die direkt Beteiligten. Der Bauer weiß heute schon, zu welchem Preis er seine Ernte morgen verkaufen kann. Und der Bäcker weiß heute schon, zu welchem Preis er morgen sein Mehl kaufen kann. Das bringt beiden Parteien Planungssicherheit.

Spotrendite = Rendite durch Änderung des Rohstoffpreises. Ich kaufe einen Rohstoff zu 100 und verkaufe ihn zu 110.

Rollrendite: Willst du beispielsweise in Öl investieren, stehst du vor einem Problem … wo sollst du die Fässer lagern? Dafür gibt es eine einfache Lösung: Die bereits besprochenen Futures. Du schließt heute einen Rohstoffdeal ab, Bezahlung und Lieferung erfolgen erst zu einem festgelegten Termin in der Zukunft. Bevor der Abwicklungstermin ansteht, verkaufst du deinen alten Kontrakt und investierst in einen neuen Future. Diesen Übergang von einem Terminkontrakt in den nächsten, nennt man rollen. Dabei entstehen entweder Rollverluste oder Rollgewinne (je nach Entwicklung der Terminpreiskurve).



Warum interessieren wir uns überhaupt für Rohstoff-Futures?

Zum einen, weil sie es uns ermöglichen, Rohstoffe zu handeln, ohne sie lagern zu müssen und zum anderen, weil Investoren sich von Rohstoff-Futures höhere Renditen versprechen als von Direktinvestments. Höhere Erträge sind wünschenswert, weil die langfristigen Renditen von Rohstoffen in ihrer Reinform ernüchternd niedrig waren. Über alle Rohstoffgruppen hinweg lag die reale Preissteigerung in den letzten 150 Jahren zwischen 0 und 0,7 Prozent pro Jahr. Wobei Energierohstoffe etwas besser abgeschnitten haben als Agrarrohstoffe. *2 Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass die höheren Renditen bei Futures wohl nur entstehen, wenn eine Investition in mehrere Futures auf unterschiedliche Rohstoffe erfolgt, da so eine zusätzliche Diversifikationsrendite entstehen kann. Was das genau bedeutet, schauen wir uns später noch an.



Zwischenfazit:

  • Direktinvestments in Rohstoffe lohnen sich für Privatanleger aufgrund zu erwartender niedriger Renditen und problematischer Lagerhaltung eher nicht
  • Rohstoff-Futures lösen die Lagerproblematik und versprechen bei einer Streuung über mehrere Futures höhere Renditen
  • Ob ein Rohstoffportfolio aus Futures tatsächlich höhere Renditen erwarten lässt, ist höchst umstritten

 

Gehören Rohstoffe ins Depot oder nicht?

Um die Frage zu beantworten, habe ich zwei Kriterien aufgestellt, die ein Investment erfüllen muss, um in Betracht zu kommen (in Betracht bedeutet: Weitere Recherchen können sich lohnen):

  1. Die historischen Daten müssen positive Erträge ausweisen
  2. Die Erträge müssen auch für die Zukunft zu erwarten sein

Punkt 1 kann wohl bejaht werden, wobei es bei den Renditemessungen Probleme gibt. Rohstoffindizes sind noch vergleichsweise jung und so „basteln“ sich die Autoren von Studien immer wieder eigene Indizes zusammen. Im ersten Schritt müsste man also bei jeder Studie die Konstruktionskriterien der verwendeten Indizes hinterfragen. Das allein macht es schon schwer, die Aussagekraft der Studien zu bewerten. Nichtsdestotrotz unterstelle ich an dieser Stelle die oft beschworenen aktienähnlichen Renditen von Rohstoffindizes und möchte Punkt 2 (die logische Erklärbarkeit der Renditen) anschauen. Dabei betrachten wir folgende Renditequellen:

  • Zins (resultiert daher, dass zu Beginn eines Futures eine Sicherheitsleistung verlangt wird, welche bis zur Fälligkeit des Futures angelegt wird)
  • Spotrendite
  • Rollrendite
  • Diversifikationsrendite

Zins

Das Zinsniveau für kurzlaufende Staatsanleihen ist aktuell nahe Null (oder darunter). Das bedeutet, aus dieser historischen Quelle ist zumindest in naher Zukunft kein positiver Renditebeitrag zu erwarten.


Spotrendite

Langfristig bewegt sich die reale Wertentwicklung über alle Rohstoffgruppen hinweg nahe Null. Ein positiver Renditebeitrag ist daher nicht zu erwarten.


Rollrenditen

Bei Rollrenditen bekommen wir es mit Begriffen wie Contango und Backwardation zu tun. Der Privatanleger hat die Begriffe >> hier << sehr schön aufgearbeitet. Wichtig für uns an dieser Stelle: Ob Anleger von positiven Rollrenditen ausgehen können, ist höchst umstritten. Ich schließe mich der Einschätzung der bereits weiter oben zitierten Claude B. Erb/Campbell R. Harvey an: „Für ein breit diversifiziertes Commodity Futures-Portfolio sollte ein risikoaverser Investor am besten eine zukünftige rollierende Rendite von Null (oder weniger) annehmen.“


Diversifikationsrendite

Die verschiedenen Rohstoffe hatten in der Vergangenheit eine niedrige Korrelation untereinander. Das bedeutet, ihre Wertentwicklung verlief unabhängig voneinander. Mal ist Getreide im Preis gestiegen und Öl gefallen, ein anderes Mal war es umgekehrt. Allein durch die regelmäßige Anpassung des Portfolios an die ursprüngliche Gewichtung der Rohstoffe entsteht so eine zusätzliche Diversifikationsrendite, da tendenziell „unterbewertete“ Rohstoffe eine höhere Gewichtung bekommen und irgendwann zu ihrem fairen Preis zurückkehren (Regression zur Mitte).

Ke Tang und Wei Xiong sind 2012 zu dem Schluss gekommen, dass die Korrelation zwischen Rohstoff-Futures untereinander stark zugenommen hat. *3 Ein Grund liegt vermutlich darin, dass durch die Schaffung geeigneter Produkte Rohstoff-Investments der breiten Masse zugänglich gemacht worden. Ein kleiner Hinweis für das gestiegene Interesse ist dieser Artikel. Vor 20 Jahren hätte kaum ein Privatanleger über eine Investition in Rohstoffe nachgedacht. Zusätzlich problematisch ist, dass Anleger immer öfter einen breiten Korb an Rohstoffen halten, was die Korrelation weiter nach oben treibt. Durch die höhere Korrelation wird die Diversifikationsrendite in Zukunft vermutlich kleiner ausfallen als in der Vergangenheit. Im gleichen Atemzug ist die Korrelation von Rohstoffen zu anderen Anlageklassen wie Aktien gestiegen, was ein Investment in Rohstoffe zusätzlich unattraktiver erscheinen lässt.



Resümee

Investments in ein breit gestreutes Portfolio aus Rohstoff-Futures erscheinen im Rückspiegel betrachtet als eine interessante Möglichkeit, sein Gesamtportfolio auf ein robusteres Fundament zu stellen. Dafür sprechen aktienähnliche Renditen und geringe Korrelationen zu anderen Anlageklassen. Allerdings solltest du die Vergangenheitsbetrachtung mit Vorsicht genießen:

  • Indizes auf Rohstoff-Futures haben eine kurze Historie
  • Alleine die Zins- und Diversifikationserträge erscheinen als verlässliche Renditequelle. Beide werden in naher Zukunft ihr früheres Niveau kaum erreichen können
  • Die Korrelation zu anderen Anlageklassen ist gestiegen

Hinzu kommt, dass Rohstoffinvestments schwer zu verstehen sind, was uns zu der Antwort auf die Ausgangsfrage Gehören Rohstoffe ins Depot? bringt:

Definitiv vielleicht. Das in der Zukunft positive Renditen zu erwarten sind, können wir weder mit Sicherheit ausschließen noch bestätigen.

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Dein Finanzkoch
Christoph Geiler


Quellen

*1 https://faculty.fuqua.duke.edu/~charvey/Research/Chapters/C30_Ertragsquellen_und_zu.pdf
*2 vgl. Kommer (2015) „Souverän investieren mit Indesfonds & ETFs“ S.229
*3 https://www.princeton.edu/~wxiong/papers/commodity.pdf

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Kommentare

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9 Kommentare

  1. Geldanlage Vergleich
    Reply November 02, 09:17 #1 Geldanlage Vergleich

    Ich habe auch keine Rohstoffe in meinem Depot und das aus zwei Gründen.
    Der erste Grund ist, dass ich mich viel zu wenig mit Rohstoff-Futures beschäftigt habe und mich aus diesem Grund damit auch nicht auskenne. Der zweite Grund ist, dass nach meiner Meinung das Risiko viel zu hoch ist. Um mit Rohstoffen zu handeln muss man sich mit dem Thema Rohstoffen sehr intensiv auseinander setzen um Genügend Informationen zu bekommen. Da ich Rohstoffe aber als langweilig empfinde habe ich darauf keine Lust. Aus diesem Grund ist das Risiko für mich zu hoch.
    Wer aber Rohstoffe interessant findet, für denjenigen kann ein Investment zur Depoterweiterung sinnvoll sein. Sollte sich aber sehr intensiv mit dem Thema beschäftigen.

    Gruß Klaus-Dieter

  2. Schneewittchen
    Reply November 01, 20:53 #2 Schneewittchen

    Hallo,
    Danke für den Artikel – ich habe ja schon lange darauf gewartet und entsprechend will ich ihn auch kommentieren. Ich finde es schön, welches Niveau du vorausgesetzt hast – Informationen zum Rollen, etc. kann man wirklich woanders nachlesen – und dass du Rohstoffinvest in Futures und ein Goldinvestmet (also Spotpreiswette in einen Rohstoff) nicht innerhalb eines Artikels zusammenwirfst. Das sind wirklich unterschiedliche Sachen, auch wenn beides in Rohstoff(e) investiert.
    Neugierig wäre ich, wie du es bei deinem „definitivem Vielleicht“ im Fazit nun mit deinem privaten Geld hältst. Aus deinen anderen Artikeln kann man ja rauslesen, ob du z.B. eher passiv oder aktiv investierst. Entsprechend des Artikels würde ich vermuten, du selbst kochst ohne Rohstoffe – aber stimmt das?
    Nun zu deinem Artikel: Zunächst eine Frage: Warum gehst du von einem Spotpreisentwicklung von 0 aus und oben beschreibst du, dass sich dieser pro ROhstoff zwischen 0 und 0,7 bewegt. Dann würde ich fairer Weise auf 0,5% aufrechnen. Ich selbst habe in Erinnerung von einer Rendite des Spotpreises nahe der Inflationsrate auszugehen – was mir unter der Annahme (was aber natürlich von Zeit zu Zeit sehr unterschiedlich ausfallen kann) dass steigender Bedarf und Fortschritte bei der Gewinnung sich in etwa die Waage halten werden. Sind die von dir angegebenen Rohstoffrenditen auf den Spotpreis also schon Inflationsbereinigt (dann ist es nämlich ein Unterschied wenn man es beispielsweise mit Rentenpapieren vergleicht und man muss aufpassen, dass man im Kopf die Inflation nicht zweimal abzieht). Ich nehme mir einen ersten Nachrechercheauftrag mit.
    Ähnlich verspreche ich mir bei den kurzfristig laufenden Zinsen entsprechend den Signalen der FED eine Rendite der Kurzläufer von 0,5% und hoffe, dass es mehr wird, wenn sich auch wieder Anleihen mehr lohnen – aber natürlich kommt dann auch wieder Währungsrisiko mit dem Dollar hinzu. Und dann die Diversifikationsrendite – da erhoffe ich mir in der Tat mehr, und dein Beitrag lässt mich nochmal aufhorchen und lädt mich zum zweiten Nachrechercheauftrag ein.

    Ich selbst bin in Rohstoffe zu 12% investiert und überlege es sogar auf 15% aufzustocken. Meine Überlegung ist dabei wie folgt: Rohstoffe haben, was Schwankungen angeht sicherlich die gleiche Risikoklasse, aber es ist, was die Korelation angeht eben sicher nicht das gleiche Asset. Entsprechend, sträube ich mich dagegen, es immer als Ersatz für den Aktienteil zu sehen. Vielmehr frage ich mich, ob Rohstoffe auf 30 Jahre nicht lohnender sein können als sichere Anleihen (um Rebalancingmöglichkeiten in Krisen zu haben). Und hier komme ich auf diesen langen Zeitraum zu einer positiven Einschätzung. Sicher wird es dann Krisen geben, in denen mir die Rohstoffe nichts bringen, weil sie genauso wie die Aktien einbrechen. Aber genügend andere bleiben, in denen Aktien crashen und Rohstoffe boomen oder stabil bleiben. Dann kann ich in diesen Krisen Aktien günstig einkaufen, weil ich beim Rebalancing über ein bisschen mehr Kapital außerhalb des Aktienassets verfügen werde. Langfristig glaube ich, nach Auseinandersetzung mit der Materie, fest daran, dass sich Rohstoffe (als breit gefächerter ETF in Future) besser entwickeln werden, als so mancher Staatsanleihen ETF.
    Von einigen mag ich jetzt gesteinigt werden, weil ich Äpfel mit Birnen vergleiche. Rohstoffe mit sicheren Staatsanleihen? Mir ist klar, dass beides unterschiedliche Risiko/Schwankung aufweist – aber nochmal: mir geht es darum in den meisten Aktienkrisen ausreichend Kapital für das Rebalancing zu haben – und das erfüllen Rohstoffe mit großer Wahrscheinlichkeit genauso wie sichere Staatsanleihen. Statt einem Portfolio mit 75% Aktien und 25% Anleihen halte ich dann stattdessen lieber ein Portfolio mit 70% Aktien, 12% Rohstoffe und 18% Anleihen und glaube damit in 30 Jahren mehr Rendite (bei leicht größerer Schwankung) aufzuweisen (Ich habe REITs durch ETFs übergewichtet, die ich hier der Einfachheit zu den Aktien dazugerechnet habe).
    Ich will umgekehrt fragen: Was habe ich zu verlieren, wenn ich anstelle von Rohstoffe in sichere Staatsanleihen investiere. Naja, weniger Schwankung – aber über die nächsten 30 Jahre gehe ich von einer Rendite von mindestens 3% (0,5+0,5+0(Rollrendite)+2 (Diversifikationsrendite)) aus – vielleicht reiche ich auch wieder mal an die schon beschriebene Historische Rendite ran, wenn Rollrenditen oder andere Komponenten besser dastehen. Gegenüber den sicheren Anleihen lässt sich das auf 30 Jahre schon sehen. Problematisch ist, dass man mit längeren Bären und Bullenmärkten als bei Aktien rechnen darf. Also kann man auch nicht so einfach die „bleibe 15 Jahre investiert und du wirst trotz Krisen und Schwankung schon nicht weniger haben als zuvor“-Beruhigungspille des Aktienmarktes schlucken kann.

    Zwei Fragen quälen mich weiterhin bzgl. meiner Rohstoffanleihe
    – Welche ETF ist der Beste (der Vergleich erscheint mir ungleich schwerer als bei Aktien-ETFs, weil man wirklich verschiedene Aspekte beachten kann (Zusammensetzung, Kosten, Einkaufskosten (Spread ist teilweise erheblich), Güte der Indexnachbildung, etc.) und die ganze Sache nicht immer so transparent ist. Danke Finanzkoch, du hattest mal an anderer Stelle gefragt: „wer den Längsten“ hat und damit die Absurdität des Chartvergleichs beschrieben, wenn einem selbst das Wissen ausgeht (zumindest schreibe ich es deinem Blog zu, ohne jetzt nochmal recherchiert zu haben). Ich ertappe mich bei Rohstoff-ETFs dabei und denke dann immer an deinen Beitrag.

    – Wie groß ist der Frontrunning-Effekt oder andere Versteckte Kosten, die ich nicht sehe. Da wird es Unterschiede zu den Aktien geben, aber ich kann über Ausmaß nur spekulieren. Also könnte es sein, dass für einen Großinvestor Rohstoffinvestments Sinn machen, ein Rohstoff-ETF für einen Privatanleger allerdings nicht.

    Nochmal vielen Dank für den Artikel und in der Hoffnung um eine spannende Diskussion unter allen Lesenden. Viele Grüße,
    Tobias

    • Finanzkoch
      Reply November 02, 13:56 Finanzkoch Author

      Hallo Schneewittchen,

      ich koche mit Rohstoffen 🙂 Bei der Geldanlage verzichte ich darauf. Für mich sind es zu viele Unwägbarkeiten.

      Die Spotpreisentwicklung ist inflationsbereinigt. Bei Wertentwicklungen bin ich generell vorsichtig. Ich denke, mit einer Annahme von 0 Prozent Rendite macht man nichts falsch (ob 0,5% mehr oder weniger sollte bei der Entscheidung nicht ausschlaggebend sein).

      „Rohstoffe haben, was Schwankungen angeht sicherlich die gleiche Risikoklasse“
      Die Frage ist, ob Rohstoffe dann auch ähnliche Renditeerwartungen haben wie Aktien?
      Nur dann würde sich ein Investment lohnen. Dahinter steht aus meiner Sicht ein großes Fragezeichen.

      „Langfristig glaube ich, nach Auseinandersetzung mit der Materie, fest daran, dass sich Rohstoffe (als breit gefächerter ETF in Future) besser entwickeln werden, als so mancher Staatsanleihen ETF.“ Ich werfe mal den Stein 🙂

      “ Welche ETF ist der Beste“ puh … vielleicht „outen“ sich hier noch Rohstoffanleger?

      Liebe Grüße
      Christoph

      (Wenn du neues zur Diversifikationsrendite herausfindest, möchte ich es wissen 🙂 )

      • Schneewittchen
        Reply November 10, 11:06 Schneewittchen

        Hi,
        ein bisschen mehr habe ich zu den Diversifikationsrenditen herausbekommen (und du wolltest es wissen). Ich gehe von einem Durchschnitt von 2-2,5% aus und Übertreibe mit der Schätzung sicherlich nicht.
        Überzeugend fand ich die Rehcnungen hier:
        http://www.wertpapier-forum.de/topic/47086-diversifikationsrendite-eines-fiktiven-ew-commodityindex-1991-2015/page__p__972607__hl__diversifikationsrendite__fromsearch__1#entry972607

        und der Artikel von Morningstar, der von
        http://www.morningstar.de/de/news/133491/warum-konventionelle-rohstoff-indizes-sehr-wahrscheinlich-entt%c3%a4uschen-werden.aspx

        Sonstige Aussagen, die ich gefunden habe, gingen in die gleiche Richtung.
        Relevant ist dabei, wieviele Rohstoffe im ETF enthalten sind.

        Die SChätzungen der Diversifikationsrendite beziehen sich übrigens auf genau jene Zeiträume, die Ke Tang und Wei Xiong 2012 untersucht haben – und auch nach Sichtung dieses Artikels, sehe ich die Aussage (Vergleich von zwei Dekaden räumen die Autoren selbst als Problematisch ein) eher darin, dass es weiterhin eine Diversifikationsrendite in Rohstoffinvestments gibt (jedoch es gut sein könnte, dass auch diese (ähnlich wie die Rendite der T-Bills) weniger ist als noch in den 60er bis 90er, so dass keine Aktienähnliche Rendite insgesamgt mehr erreicht werden).

        Vorsichtig geschätzt kann man also von einer LANGFRISTIGEN(!) Rendite von mind. 3-3,5% + Inflationsrate sicherlich gut annehmen – vielleicht reicht man aber über den nächsten 30-JAhreszeitraum auch an die positiven aktienähnliche Renditen (der Vergangenheit) heran. Da 90% in kurzlaufende Anleihen (leider in Dollar) investiert sind, dürften aufgrund
        1. von leicht steigernder Spotpreisentwicklung (mindestens entsprechend der Inflation) und
        2. der Diversifikationsrendite
        nicht nur geschätzt sondern auch LOGISCH HERGELEITET: Die Rendtite der Rohstoff-ETFs über der Rendite von kurzlaufenden, sicheren Anleihen liegen – bei zugegebenem höherer Schwankung. In der Vergangenheit war die Risiko/Rendite-Relation besser als bei Anleihen.

        Du antwortest mir: „Die Frage ist, ob Rohstoffe dann auch ähnliche Renditeerwartungen haben wie Aktien? Nur dann würde sich ein Investment lohnen.“

        Wenn sich nur dann ein Investment lohnt, muss man von Rohstoffen abraten. Ich (und wohl auh andere) halte es für wahrscheinlich, dass Rohstoffe in Zukunft ein bisschen weniger Rendite, bei ähnlich großen Kursschwankungen wie Aktien haben werden.
        Allerdings deine Schlussfolgerung „Nur dann würde sich ein Investment lohnen.“ verstehe ich nicht. Warum?
        Das Rendite/Risko-Verhältnis von Anleihen ist nachgewiesener Maßen schlechter, als das von Aktien. Dennoch empfielst du eine Beimischung zur Stabilität des Depots – und um an einer höheren Diversifikationsrendite im Depot zu profitieren (in Crashs ist mehr Kapital zum Nachkaufen von Aktien vorhanden. Warum gilt das bei Rohstoffen nicht. Auch da kann ich doch ein schlechteres Rendite/Risiko-Verhältnis in Kauf nehmen um mehr Stabilität und zusätzliche Diversifikationsrendite für das Depot zu erhalten.

        Generell (nicht deine Argumentation) scheint mir in der Finanzbloggerszene und in den Kommentaren oft mitzuschwingen: ROHSTOFF(investments) sind so kompliziert und wegen der unvorhersehbarkeit zukünftiger Entwicklung (Vergangenheit hat keine Aussage) sehr SPEKULATIV. Ich lehne sie daher ab.

        Aber ist es nicht gerade jene Haltung, welche wir der „unaufgeklärten Riester-Bevölkerung“ vorwerfen wenn es um Aktien geht (und die ich noch vor 10 Jahren selbst gegenüber Aktien hatte)?
        AKTIEN sind so kompliziert und wegen der unvorhersehbarkeit zukünftiger Entwicklung (Vergangenheit hat keine Aussage) sehr SPEKULATIV. Ich lehne sie daher ab.

        Nach Sichtung aller Argumente überwiegen für mich weiterhin die Argumente für eine geringe Beimischung von Rohstoffen – übrigens so wie es auch Kommar oder Weber empfehlen, deren Argumentation ich nachvollziehen kann.

        Viele Grüße,
        Tobias

        • Finanzkoch
          Reply November 14, 19:44 Finanzkoch Author

          Hallo Tobias,

          danke für Deine Ausführungen. Ich kann verstehen, dass Du in Rohstoffe investierst. Sie sind für mich ein „kann“-Investment. Ich habe mich dagegen entschieden, weil sie aus meiner Sicht nur vielleicht ähnlich gut abschneiden wie Aktien. Aktien schneiden aber mit Sicherheit so gut ab wie Aktien.

          Zu Anleihen: Anleihen sind für mich ein Risikopuffer. Sie sollen gar keinen nennenswerten Renditebeitrag bringen. Dafür ist der Aktienanteil des Portfolios zuständig. Sie durch Rohstoffe zu ersetzen, macht für mich keinen Sinn, weil der risikobehaftete Teil meines Portfolios in einem Maß steigen würde, mit dem ich mich nicht wohl fühlen würde.

          Herzliche Grüße
          Christoph

  3. Michael
    Reply November 01, 13:01 #3 Michael

    Da schließe ich mich dem Portfoliomanager an,

    ich habe selber auch keine Rohstoffe im Depot und das aus mehreren Gründen. Rohstoff futures sind nichts für Anfänger und daher finder weg!

    Gold ist (und bleibt wahrscheinlich) eine Krisenwährungen.

    Dabei ist Gold kein Industriemetall (oder nur in sehr geringen maßen) und wird z.B. sehr stark von der indischen Privatnachfrage, Zentralbanken, usw. beeinflusst. Alles Faktoren, die ein Privatanleger einfach nicht im Blick hat.

    War trotzdem interessant wieder in diesen Themenbereich einzutauchen :-).

    • Finanzkoch
      Reply November 02, 12:42 Finanzkoch Author

      Hallo Michael,

      ich Frage mich immer, ob Gold wirklich die beste Lösung für eine Krise ist. Für mich erscheint ein Kartoffelacker attraktiver 🙂

      Liebe Grüße
      Christoph

  4. Der Portfoliomanager
    Reply November 01, 09:11 #4 Der Portfoliomanager

    Ich selbst habe keine Rohstoffe im Depot, da ich ihre tote Eigenschaft nicht leiden kann – denn sie erwirtschaften nichts. Ich habe im Laufe meiner akademischen Laufbahn auch recht viel quantitative Arbeit zu Cross-Asset-Korrelationen verrichtet, doch die wünschenswerten Diversifikationseigenschaften wiegen für mich den oben genannten Nachteil einfach nicht auf.

    Was ich aber durchaus mache, ist eher vorsichtigen und besorgten Anlegern, die vielleicht gar an eine ganz große Krise glauben, Edelmetalle zu empfehlen. Diese Anleger beruhigt es ungemein, 5 oder 10 Prozent ihres Vermögens in Gold oder Silbermünzen zu halten. Der negative Cashflow-Effekt ist bei einer solch geringen Allokation ja auch wirklich überschaubar.

    • Finanzkoch
      Reply November 02, 12:39 Finanzkoch Author

      Hallo Portfoliomanager,

      empfiehlst du dabei physische Edelmetalle oder greifst du auf andere Darstellungsformen zurück?

      Liebe Grüße
      Christoph

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