PKV vs. GKV: Warum die Angst vor der Privaten Krankenversicherung unbegründet ist

Die Private Krankenversicherung ist immer wieder Thema in den Tageszeitungen. Dabei wird oft die Furcht vor unbezahlbaren Prämien geschürt. Ob diese gerechtfertigt ist, kläre ich in diesem Beitrag. Zudem greife ich weitere wichtige Themen auf, wie die Rückkehrmöglichkeiten in die GKV und die kostenlose Familienversicherung.

Da das Thema Krankenversicherung komplex ist, habe ich mir kompetente Hilfe geholt. Im Beitrag interviewe ich Versicherungsmakler Torsten Priesemann. Torsten ist spezialisiert auf Private Krankenversicherungen und Berufsunfähigkeitsversicherungen.



PKV vs. GKV: Warum die Angst vor der Privaten Krankenversicherung unbegründet ist


PKV vs. GKV: Warum die Angst vor der Privaten Krankenversicherung unbegründet ist

 

Private Krankenversicherung: Warum es sich lohnt, frühzeitig über einen Wechsel nachzudenken

Hallo Torsten, ist es als junger Selbständiger für mich sinnvoll, über die Private Krankenversicherung nachzudenken?

Natürlich ist es sehr sinnvoll frühzeitig über die PKV nachzudenken, da sich die Versicherer immer für deinen Gesundheitszustand interessieren. Ohne den Teufel an die Wand zu malen: In der Regel nimmt dein Gesundheitsstatus mit zunehmendem Alter ab, sodass Vorerkrankungen den Wechsel in die PKV erschweren. Das ist ähnlich wie bei der Berufsunfähigkeitsversicherung. Es gilt:

Je gesünder, desto besser.

 

Also wenn ich viele Vorerkrankungen habe, ist mir die Private Krankenversicherung eigentlich verschlossen?

Das kann man so sagen. Die Private Krankenversicherung arbeitet mit einer sogenannten Risikoprüfung. Das heißt, die Versicherung interessiert sich für meine Krankengeschichte. Das kann dazu führen, dass ein Risikozuschlag erhoben wird. Das bedeutet:

  • Ich muss mehr bezahlen als ein gesunder Versicherter, der in den Tarif eintritt
  • oder es wird in seltenen Fällen mit einem Leistungsausschluss gearbeitet

 

Es gibt auch in der Privaten Krankenversicherung Leistungsausschlüsse?

Sehr, sehr selten. Es lässt sich später schwer darstellen, wenn eine Folgeerkrankung auftritt, diese auf die genaue Ursache zurückzuführen. Es werden also maximal Behandlungsmaßnahmen ausgeschlossen. Stell Dir vor, Du hast gerade eine Desensibilisierungsmaßnahme wegen einer Heuschnupfenerkrankung, dann könnte die Versicherung sagen:

Die Desensibilisierung zahlen wir erst einmal nicht, aber alles Weitere ist im Versicherungsschutz inbegriffen.

 

Ist eine Rückkehr in die Gesetzliche Krankenversicherung möglich?

Was kann einem PKV-versicherten Selbständigen passieren, der seine Tätigkeit aufgeben muss?

Wenn Du laut Gesetzes nicht versicherungspflichtig bist und in die Private Krankenversicherung wechselst, ist das ein Schritt, der in der Regel keine Rückkehr ermöglicht. Dabei gibt es Ausnahmen.

Gerade wenn Du Deine Selbständigkeit aufgeben musst, weil sie sich beispielsweise nicht lohnt und im Anschluss wieder eine Anstellung mit Verdienst unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze antrittst,  wärst Du wieder automatisch Mitglied in der Gesetzlichen Krankenkasse.

 

Was ist die Jahresarbeitsentgeltgrenze?

Das ist ein Schwellenwert. Wenn du mit deinem Verdienst darunter liegst, bist du in der Gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert. Verdienst Du darüber, darfst du in die Private Krankenversicherung wechseln.

 

Was bedeutet das für einen privatversicherten Angestellten, der unter die Jahresarbeitsentgeltgrenze rutscht?

Dann ist er wieder kraft Gesetzes in der GKV pflichtversichert. Wenn er das nicht möchte, kann er sich auf Antrag von der Versicherungspflicht befreien lassen. Das bedeutet allerdings, dass er auf Dauer aus der gesetzlichen Krankenversicherung ausgetreten ist. Ein Zurück gibt es nicht mehr.

 

Zusammenfassend kann man damit sagen, dass ein Wechsel von der PKV in die GKV unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist?

So ist es. Ein kleiner Hinweis dazu:

Bei der Auswahl des Privaten Krankenversicherers sollte man darauf achten, dass dieser sich in den Bedingungen dazu verpflichtet, dem Versicherten bei Rückkehr in die GKV eine Private Zusatzversicherung anzubieten. So kannst du dir bei Rückkehr in die GKV beispielsweise Zahnzusatzleistungen sichern, ohne neue Gesundheitsfragen zu beantworten.

 

Finanzielle Schwierigkeiten? Diese Möglichkeiten hast du, um deine Beiträge zur PKV im Zaum zu halten

Bei der gesetzlichen Krankenversicherung passt sich der Beitrag meinem Einkommen an. Der Beitrag zur Privaten Krankenversicherung ist fix. Was sagst du jemandem, der Angst davor hat, dass er sich seine PKV nicht mehr leisten kann, wenn das Einkommen einmal niedrig ist?

Stimmt, bei der Privaten Krankenversicherung gibt es eine Beitragsanpassung nach unten analog der Gesetzlichen Krankenversicherung nicht. Dafür hat die Gesetzliche Krankenversicherung die Möglichkeit, die Leistungen nach unten anzupassen. In den letzten 30 Jahren gab es immer wieder Kürzungen bei den gesetzlichen Krankenkassen, beispielsweise:

  • im Zahnbereich,
  • bei den Sehhilfen,
  • Zuzahlungen für Medikamente,
  • oder stationäre Aufenthalte,

um nur einige zu nennen.

Vergleicht man die Beitragssteigerungen in der Privaten Krankenversicherung mit den Beitragssteigerungen in der gesetzlichen Krankenversicherung, erkennt man, dass diese nahezu identisch sind. Die durchschnittliche Steigerungsrate in der GKV beträgt 3,2 Prozent und in der PKV 3 Prozent.

Das ist jetzt das große Bild, wenn man Beitragsanpassungen in der GKV und in der PKV miteinander vergleicht. Hier bekommst du nur ein unvollständiges Bild, wenn du dich ausschließlich auf Prämienentwicklungen konzentrierst, da die Leistungskürzungen in der GVK ausgeblendet werden. Aber welche Möglichkeiten haben Menschen, die sich in finanziellen Notlagen befinden und deren Beiträge zur PKV sich nicht mit nach unten anpassen?

Bei der Wahl des Krankenversicherers solltest du schauen, dass du Wechselmöglichkeiten innerhalb des Tarifes hast. Das bedeutet, dass du deinen Versicherungsschutz kürzen und damit auf Leistungsbausteine verzichten kannst. Das führt dazu, dass deine Prämie sinkt. Einige Versicherer bieten die Möglichkeit einer erneuten Anhebung auf das ursprüngliche Leistungsniveau ohne Risikoprüfung, wenn es dir finanziell wieder besser geht.

Wenn es finanziell noch schlechter um dich steht, gilt: Der Private Krankenversicherer darf dir nicht kündigen, auch wenn du keine Beiträge zahlst.

Wenn du allerdings bis zu 6 Monate keine Beiträge überweist, rutschst du automatisch in den Notlagentarif. Dann zahlst du nur noch einen Beitrag um die 90 Euro im Monat, bekommst aber auch nur noch Nothilfeleistungen, wie akute Schmerzbehandlung und Versorgung von Schwangeren. Wenn es dir finanziell wieder besser geht, besteht die Möglichkeit, wieder in den alten Tarif zu wechseln, ohne Risikoprüfung. Lediglich die 6 Monate Beitrag musst Du nachzahlen. Wichtig:

Die Versicherungspflicht gilt nicht für das Krankentagegeld! Hier solltest Du auf jeden Fall die Prämie zahlen, sonst fällst du raus.


ARD Dokumentation: PKV vs. GKV – Vor- und Nachteile:



Familienversicherung: Wann du dein Kind gegen Beitrag in der PKV versichern musst

Ein weiterer Punkt ist die kostenlose Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Mein Sohn ist kostenlos bei meiner Partnerin mitversichert. Was passiert, wenn ich in die Private Krankenversicherung wechsle?

Für das Thema Kinderversicherung gibt es klare gesetzliche Regelungen. Solange du nicht verheiratet bist, musst du dir keine Gedanken machen. Dein Sohn ist dann über deine Partnerin versichert.

 

Und was gilt bei Eheleuten?

Dann stellt sich die Frage nach deren Einkommen. Wenn der privatversicherte Elternteil über der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt und regelmäßig mehr verdient als sein Partner, muss für das Kind ebenfalls ein Beitrag entrichtet werden. Die kostenlose Familienversicherung entfällt. Ob das Kind in der GKV oder der PKV gegen Beitrag versichert wird, obliegt der Entscheidung der Eltern.

Wenn beide Elternteile privat versichert sind, muss das Kind unabhängig vom Einkommen privat versichert werden.

 

Wie verhält es sich, solange beide Elternteile unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegen?

Dann greift die kostenlose Familienversicherung.

 

Die Angst vor steigenden Prämien im Alter

In letzter Zeit gab es deutliche Beitragssteigerungen für Privatversicherte. Wie begründet ist die Angst, seine Beiträge im Alter nicht mehr zahlen zu können?

Das Thema wird in den Medien stark forciert. Einzelfälle von Privatversicherten, die einen extrem hohen Beitrag zahlen, werden aufgebauscht und dann als Schockwarnung vor der PKV herangezogen.

In den Prämien zur PKV sind bereits erhebliche Altersrückstellungen einkalkuliert. Diese Altersrückstellungen werden verwendet, um die Prämien im Alter bezahlbar zu halten. Dann wird ab dem 21ten Lebensjahr generell ein Altersentlastungszuschlag erhoben, der dazu dient, die Beiträge im Alter zu limitieren. Zudem gibt es wieder die Möglichkeit, innerhalb der Tarifpalette des Versicherers zu wechseln. Damit ist es möglich, auf Leistungsbausteine zu verzichten, um Prämien einzusparen. So braucht man im Alter, beispielsweise kein Krankentagegeld mehr zu versichern.

Wenn das nicht reicht, hast du als Altversicherter (Vertragsabschluss vor dem 31.12.2008) die Möglichkeit, in den Standardtarif und als Neuversicherter in den Basistarif zu wechseln. Das sind verbandsübergreifende Tarife, die ein ähnliches Absicherungsniveau bieten wie die Gesetzliche Krankenversicherung und auch nicht mehr kosten dürfen als eine GKV.


PKV erklärt: Die Berechnung der Beiträge in der Privaten Krankenversicherung:


Resümee: GKV vs. PKV

Wie ist dein Fazit? Ist ein Wechsel in die Private Krankenversicherung sinnvoll?

Das demographische Problem gilt für alle. Wir haben eine Entwicklung im Gesundheitssystem, welche permanent zu Kostensteigerungen führt. Doch ich möchte noch einmal auf die Vorzüge der PKV eingehen.

Gesetzlich Versicherten wird die Teilhabe am medizinischen Fortschritt oft vorenthalten, bzw. wesentlich später der Zugang ermöglicht, da erst in langen Prüfverfahren die Kostenübernahme vom gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) genehmigt werden muss. Privatversicherte sind hier klar im Vorteil. Modernste Diagnose- und Therapieverfahren, sowie Medikamente mit neuen Wirkstoffen, welche weniger Nebenwirkungen haben oder schnellere Behandlungserfolge erzielen, stehen ihnen zu Verfügung.

Auch Anhänger der alternativen Medizin sind in der PKV besser aufgehoben. Schließlich werden auch Behandlungen und verordnete Medikamente von staatlich anerkannten Heilpraktikern erstattet. Wer möchte nicht schnellst möglich wieder gesund werden?

Nun zurück zum monetären Gedanken. Die gesetzlichen Krankenversicherer reagieren auf die Kostensteigerungen mit Zusatzbeiträgen und/oder Leistungskürzungen. Die Privaten Versicherer haben nur die Möglichkeit der Beitragsanpassung. Dafür wissen Privatversicherte durch die Leistungsgarantie heute schon, auf welche Leistungen sie immer zurückgreifen können. Diese Sicherheit fehlt gesetzlich Versicherten. Um die Beitragsentwicklung im Zaum zu halten, ergreifen die Privaten Krankenversicherer zudem verschiedene Maßnahmen, wie:

  • tarifliche Altersrückstellungen
  • den 10%igen Altersentlastungzuschlag
  • Beitragsentlastungstarife
  • Wechselmöglichkeiten innerhalb der eigenen Tarifpalette
  • Zugang zum Standard-/ bzw. Basistarif

Abschließend bleibt zu sagen, dass die Wahl des Privaten Krankenversicherers eine sehr weitreichende Entscheidung ist, welche sich, wenn überhaupt, nur schwer revidieren lässt. Daher sollte man sich für die Auswahl des richtigen Versicherers ausreichend Zeit nehmen. Wenn man das macht, stehen die Chancen gut, dass sich ein Wechsel in die Private Krankenversicherung langfristig bezahlt macht.

 

Danke Torsten für das Interview.

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Jetzt interessiert mich deine Sichtweise: Was denkst du über die Private Krankenversicherung und welche Erfahrungen hast du gemacht?

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

 

PKV vs. GKV: Private Krankenversicherungen sind des Spezialgebiet von Torsten PriesemannÜber Torsten Priesemann

Torsten Priesemann ist seit 1990 in der Finanzbranche tätig. Als Versicherungsmakler hat er sich auf die Beratung zu den Themen Private Krankenversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung spezialisiert.

Mehr über Torsten Priesemann erfährst du auf: http://www.torstenpriesemann.de/

 

 

 

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Kommentare

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12 Kommentare

  1. Melanie
    Reply Juni 30, 09:05 #1 Melanie

    Für alle Anleger und Immobilienbesitzer – Vergesst nicht die Krankenversicherungsbeiträge im Alter:
    „Wer zu 90 Prozent der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens gesetzlich versichert war, darf in die Krankenversicherung der Rentner“
    und
    „Ein Vorteil der KVdR ist, dass auf private Einkünfte wie Mieteinnahmen, Privatrenten oder Zinsen keine Krankenkassenbeiträge zu zahlen sind.“
    Quelle: http://www.finanztip.de/gkv/krankenversicherung-der-rentner/
    D.h. Privatversicherte müssen für alle Einkünfte Versicherungsbeiträge zahlen, gesetzlich Versicherte nur für die Rente.

    • Finanzkoch
      Reply Juni 30, 09:25 Finanzkoch Author

      Hallo Melanie,

      dass ist so nicht ganz korrekt.

      „D.h. Privatversicherte müssen für alle Einkünfte Versicherungsbeiträge zahlen, gesetzlich Versicherte nur für die Rente.“ –> das gilt nur für freiwillig gesetzlich versicherte Rentner. Das betrifft alle, die sich erst spät dafür entscheiden, in die gesetzliche Krankenversicherung zurückzukehren (weniger als 9/10 der zweiten Hälfte ihres Erwerbslebens gesetzlich versichert).

      Für Privatversicherte gilt, dass sie ihre individuelle Versicherungsprämie zahlen und diese ist völlig unabhängig vom Einkommen. Für deren Berechnung spielen Mieteinkünfte, Kapitalerträge usw. also keine Rolle.

      Herzliche Grüße
      Christoph

    • Torsten
      Reply Juni 30, 21:18 Torsten

      Privatversicherte müssen auch keine Beiträge auf Betriebsrenten, Renten aus Versorgungswerken und Abfindungen zahlen. Betriebsrenten und Versorgungswerke werden jedoch für Mitglieder der KVdR verbeitragt!

  2. Evi
    Reply Juni 29, 22:16 #2 Evi

    Die PKV meines Mannes hat dieses Jahr 52 Prozent aufgeschlagen.
    Weiteter Kommentar überflüssig.
    Herzliche Grüsse
    Evi

    • Torsten
      Reply Juni 30, 21:11 Torsten

      Die Frage, die sich stellt: 52% wovon? Von 250€ oder 600€? Wenn ich statt 3000€ jetzt 4000€ verdienen sollte, darf ich auch 33% Mehrbeitrag in der GKV zahlen.

  3. Finanznarr
    Reply Juni 28, 19:28 #3 Finanznarr

    Hallo Christoph,

    sehr wertvoller Beitrag mit sehr viel Input für alle die sich mit dem Thema PKV beschäftigen wollen. Ich persönlich bin seit mehreren Jahren bereits in der PKV und bin klarer Fürsprecher für die PKV. Auch wenn, wie Dummerchen schreibt, ein PKV-Vermittler die Versicherung eher immer in einem positiven Licht darstellt, kann ich die beschriebenen Inhalte definitiv bestätigen. Als PKV-Patient habe ich in vielerlei Hinsicht oft deutlich bessere medizinische Behandlung erfahren, als der GKV-Patient. Zusätzlich übernimmt meine Versicherung im Gegensatz zur GKV bestimmte Behandlungsmethoden die ein GKV-Patient entweder gar nicht angeboten bekommt oder sich sehr teuer erkaufen muss.
    Kurzum: Wenn jemand die Möglichkeit hat in die PKV zu wechseln, empfehle ich einen neutralen Honorarberater mit entsprechender Spezialisierung hinzuzuziehen. Dann ist zumindest die Chance sehr hoch bei der Auswahl des Versicherers nicht ins Klo zu greifen 😉

    Beste Grüße
    Daniel

    • Finanzkoch
      Reply Juni 29, 14:59 Finanzkoch Author

      Hallo Daniel,

      mit der Honorarberatung im Bereich PKV ist es aktuell noch schwierig, da kaum eine Gesellschaft Honorartarife anbietet –> sprich: Du kannst dich zwar von einem Honorarberater beraten lassen, musst dann aber im Anschluss zu einem Vermittler gehen und den Vertrag dort abschließen, sodass das du letztlich doppelt bezahlst.
      Hier wird der Gesetzgeber vermutlich bald nachsteuern, sodass Versicherungsberater Provisionen an ihre Mandanten weiterleiten dürfen (bisher ist auch das verboten).

      Herzliche Grüße
      Christoph

  4. Dummerchen
    Reply Juni 28, 15:44 #4 Dummerchen

    Hallo Christoph,

    interessanter Artikel bzw. interessantes Interview. Ich stehe selbst gerade vor dem „Problem“, ob ein Wechsel in die PKV (trotz meines biblischen Alters ;-)) bei mir sinnvoll ist und habe mich deswegen auch ein wenig mit der Materie befasst.

    Ich finde es immer etwas schwierig einzuschätzen, in wie fern persönliche Interessen an der öffentlichen Meinungsmache beteiligt sind. Ein PKV-Vermittler profitiert von einem Vertragsabschluss und wird daher das PKV-System immer so darstellen, dass es besser ist als die GKV. Mir hat ein Vermittler erklärt, dass in „seiner“ PKV das Beitragsniveau deshalb recht stabil sei, da es nicht verschiedene Tarife gäbe, die alle z.B. 5 Jahre neu aufgelegt werden und daher der Versichertenpool sowohl sehr junge als auch ältere Versicherte enthält. Bei anderen Versicherungen hingegen würden die Versicherten in einem dieser Tarife mit kleineren Pools immer gleichmäßig älter werden und somit die Kosten immer weiter steigen. Stimmt das?

    Beim PKV-erklärt-Video musste ich übrigens herzhaft auflachen als die Verzinsung der Rückstellungen angesprochen wurde. Das Video muss vor vielen, vielen Jahren produziert worden sein, vermute ich.

    Ganz unabhängig von der Frage, ob GKV oder PKV besser ist, finde ich es aus Sicht der Solidargemeinschaft problematisch, dass sich einige (auch ich) aus der vermeintlichen „Holzklasse“ GKV herauskaufen können. Erinnert mich schwer an die Zweiklassengesellschaft bei einigen alternativen Vorsorgegemeinschaften (Künstler, Apotheker, Juristen, Beamte, …)

    Darüber hinaus können Ärzte an PKV-Patienten das x-fache verdienen und hier verstehe ich nicht, warum die gleiche Arbeit unterschiedlich viel Wert sein kann, wenn man sie bei einem GKV- oder PKV-Patienten ausübt.
    (Ich vermute ein PKV-Befürworter wird hier argumentieren, dass die „günstigeren“ GKV-Gebühren nur durch die Quersubventionierung durch PKV-Gebühren möglich sind.)

    Für mich bleibt das Thema schwierig – auch wenn ich vermutlich bald ebenfalls der PKV-Fraktion angehören werde.

    Liebe Grüße
    Dummerchen

    • Torsten
      Reply Juni 29, 17:22 Torsten

      Hallo Dummerchen!
      Ich kann Dein Misstrauen gegenüber dem PKV-Vermittler durchaus nachvollziehen. Schließlich kann er mit einem Abschluss sehr gutes Geld verdienen. Leider hatte das in der Vergangenheit im Vertrieb zu Exzessen geführt, unter dessen Folgen heute ein verantwortungsbewusst arbeitender Vermittler zu leiden hat.
      Der verantwortungsbewusste Vermittler hat das Wohl des Kunden im Sinn. Und dazu gehört in jedem Fall dessen Gesundheit. Leider ist auch dieses kostbare Gut an den schnöden Mammon gebunden. Es garantiert nicht, dass man gesund wird, aber es eröffnet einem wesentlich mehr Chancen auf Genesung. Und das Video zur Recherche des ARD-Teams beweist doch, dass es eine Zwei-Klassen-Medizin gibt. Die gibt es übrigens auch in GB, obwohl dort das Gesundheitswesen staatlich finanziert wird. Wer Geld hat, wird besser behandelt. Schluss, aus!
      Nun meine Antwort zur Aussage Deines Vermittlers:
      Dessen Erklärung ist so nicht ganz richtig, aber auch nicht ganz falsch.
      Wenige Tarife nebeneinander sind beitragsstabilisierend. Soweit korrekt. Jedoch werden sogenannte Alterskohorten bei Eintritt gebildet. Das heißt ich bin mit meinem Eintrittsalter in einem Tarif in einer Kohorte. Die z.B. 5 Jahre älteren Versicherten sind eine andere Alterskohorte innerhalb des gleichen Tarifs. Beide können sich durch unterschiedliche Schadenhäufigkeit unterschiedlich entwickeln, positiv oder negativ.

      Wenn die Versicherung jedoch viele Paralleltarife entwickelt, ändert sich die Anzahl der Versicherten innerhalb einer Kohorte, weil Versicherte den Tarif verlassen. Sind es die Gesunden, ist es für die Verbliebenen ungünstig, da wenige, große Schadenfälle vom mittlerweile kleineren Kollektiv (Kohorte) getragen werden müssen. Es fehlt der Risikoausgleich. Sollten es die Kranken sein, geht nur, wenn der Zieltarif schlechtere Leistungen hat, dann ist es gut für die Verbleibenden. Jedoch wird der Zieltarif stärker belastet, da hier keine Risikoprüfung gemacht werden kann.

      Fazit: Wenig Paralleltarife sind für die Beitragsstabilität gut. Jedoch können andererseits die Bedingungen mies sein. Und wenn diese nicht durch sogenannte „auslösende Faktoren“ zu „bestandswirksamen Bedingungsanpassungen“ führen, verbleibt man in einem schlechten Bedingungswerk.

      Da sind sie wieder, die zwei Seiten einer Medaille.

      Gruß Torsten

    • Finanzkoch
      Reply Juli 04, 13:48 Finanzkoch Author

      Hallo Dummerchen,

      wer weiß. was die Versicherer noch an langlaufenden Altanleihen haben … aber Spaß beiseite, die sinkende Verzinsung der Altersrückstellungen ist ein akutes Problem und wird bis auf weiteres ein Preistreiber bei den Versicherungsprämien bleiben.

      Das es eine Trennung zwischen PKV und GKV gibt, halte ich ebenfalls für problematisch. Mit Solidargemeinschaft und Sozialgedanken hat das nix zu tun. Selbst bei akuten Beschwerden wartet man als GKV-Patient zum Teil deutlich länger als ein PKV-Patient auf einen Termin.

      Allerdings und da bin ich ehrlich: Solange es beide Systeme gibt und ich in der Lage bin, frei zu wählen, werde ich das System nutzen, dass mir die bessere Versorgung zusichert und das ist aktuell die PKV.

      Entscheidend ist es dabei, dass man die Prämien, die man Anfangs im Gegensatz zur GKV vielleicht spart, nicht verlebt, sondern zurücklegt, um eventuelle Beitragssteigerungen in der Zukunft ausgleichen zu können. Dann kommt man später auch nicht in finanzielle Nöte.

      Liebe Grüße aus Leipzig
      Christoph

  5. Torsten
    Reply Juni 28, 15:20 #5 Torsten

    Danke Christoph für das Interview. Wir haben mal versucht das Thema stichpunktartig zum Umreißen.
    Die Komplexität erfordert es, sich von einem Spezialisten beraten zu lassen. Denn nicht nur das Versicherungsvertragsrecht, sondern auch das Sozialrecht müssen berücksichtigt werden. Von den Musterbedingungen der Krankheitskosten und Krankentagegeldversicherung ganz zu schweigen.

    • Finanzkoch
      Reply Juni 29, 14:48 Finanzkoch Author

      Hallo Torsten,

      ich habe zu Danken.
      „Die Komplexität erfordert es, sich von einem Spezialisten beraten zu lassen.“ Als Spezialist musst du das ja sagen 😉 aber ich gebe dir völlig Recht.

      Herzliche Grüße
      Christoph

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