Hilfe, die Welt geht unter!

Schuldenkrise. Eurokrise. Immobilienblase. Aktienblase. Anleiheblase. Wahlweise Deflation oder Inflation. Krisen sind hip. Krisen sind schick.

Wirtschaftsexperten und alle, die es werden wollen, haben eine Kunst daraus gemacht, mit unseren Ängsten zu spielen. Mittlerweile erinnere ich mich an kein Jahr mehr, in dem die Welt nicht kurz vor dem Abgrund stand. Und was soll ich sagen? Allen Unkenrufen zum Trotz, steht sie noch …

Mann steht in einer dunklen Welt und schaut in eine sonnige.

Der Zusammenbruch unserer Wirtschaftsordnung?

Wir stehen vor einem gewaltigen Berg aus Problemen. In vielen Eurostaaten nimmt die Jugendarbeitslosigkeit dramatische Ausmaße an. Parteien des linken und rechten Spektrums drängen an die Macht. Die Briten wollen raus aus der EU – zumindest die Älteren. Die jungen Wähler wären mehrheitlich gerne in der EU geblieben. Was sie davon abgehalten hat, zur Wahlurne zu gehen, bleibt ihr Geheimnis. Die Wahlbeteiligung der 18 bis 24-Jährigen lag bei gerade einmal 36 Prozent. Von den über 55-Jährigen, die mehrheitlich für den Brexit stimmten, traten über 80 Prozent den Gang zur Wahlurne an. Und die Moral von der Geschicht?

Wer nicht wählen geht, läuft Gefahr in einer Welt zu erwachen, die ganz und gar nicht seinen Vorstellungen entspricht.

Wie dem auch sei. Der Brexit kommt – und mit ihm eine neue Unbekannte, die Krisenpropheten in die Hände spielt. Bringt euer Geld in Sicherheit. Kauft Gold. Kauft Silber. Oder gleich eine abgeschiedene Hütte samt Acker zur Selbstversorgung? Sicher ist sicher …

Krisen verkaufen sich gut. Buch- und Zeitungsauflagen schnellen in die Höhe. Weltuntergangs-Websites finden regen Andrang. Und dramatische Nachrichten sind seit jeher ein Publikumsmagnet im Fernsehen.

Dumm nur, wenn die nächste Krise noch Jahre auf sich warten lässt. Dann steckt das eigene Geld in einer Bretterbude im Nirgendwo und glitzerndem Metall, das im besten Falle vor sich hinglitzert. Im schlimmsten Fall flattert eine diebische Elster vorbei und findet deine private Münzsammlung wäre woanders besser aufgehoben.

 

Die Inflation des Krisenbegriffs

In den letzten 100 Jahren hatten wir zwei Weltkriege, in denen kein Stein auf dem anderen geblieben ist. Während des ersten Weltkriegs setzten in Deutschland die Börsen den regulären Handel aus. Als sie wieder öffneten, waren 90 Prozent des Aktienvermögens vernichtet … Die menschliche Tragödie hinter diesen Ereignissen ist bis heute einmalig – und das wird sie hoffentlich auch bleiben.

Heute brechen wir in Panik aus, wenn die Briten ihr Kreuz anders setzen als erwartet. Hey, die Briten sind noch da! Die Insel trotzt wie eh und je der rauen See. Vielleicht wird das Importieren und Exportieren komplizierter. Vielleicht gibt es aber auch positive Auswirkungen auf die Binnennachfrage? Kommt Zeit, kommt Rat.

Dann hätten wir da noch den Großangriff auf den deutschen Sparer. Milliarden werden ihm geraubt, weil die Zinsen zu niedrig sind. Dass im Gegenzug die Inflation am Boden liegt und sich die Realzinsen kaum bewegt haben, wird in dem Zusammenhang gerne verschwiegen. Wenn überhaupt, werden massig Einzelbetrachtungen angestellt – Wechselwirkungen kommen kaum zur Sprache. An alle Beraubten:

Der Zins ist kein Menschenrecht und die Geldanlage in unrentable Produkte mitnichten verpflichtend.

Lebensversicherungen investieren tonnenweise Geld in deutsche Staatsanleihen. Wenn du dich darüber beschwerst, dass es dafür keine Zinsen mehr gibt, beschwerst du dich auch darüber, dass weniger Steuergelder für die Tilgung eben jener Zinsen eingesetzt werden. Linke Tasche, rechte Tasche.

Die Schuldenkrise? Die hätte ich fast vergessen … Wir sind hoffnungslos verschuldet. Ja auch wir, nicht nur die Griechen, Franzosen und Italiener. Ohne Zweifel ist das ein gewaltiges Problem. Zumindest in einer Welt mit Zinsen ist es das. Gut, dass wir keine mehr haben …

 

Die nächste Krise kommt bestimmt

Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, was in den nächsten Jahren folgt.

  • Radikale Schuldenschnitte, welche zu Verwerfungen der Realwirtschaft führen?
  • Schleichende Entwertung der Schulden durch die Abschaffung des Zinses im Zusammenspiel mit einer anziehenden Inflation?
  • Der Zerfall des Euros?
  • Der Kollaps der Rentenkassen?
  • Das Platzen einer Aktienblase?
  • Das Platzen einer Anleiheblase?

Die Liste ist lang und kann beliebig fortgesetzt werden.  Mein persönlicher Favorit:

Wir stärken in den nächsten Jahren die europäische Idee und treten in eine lange Phase des friedlichen Miteinanders ein. Für jeden Baum, den wir fällen, pflanzen wir einen neuen. Statt jeden Europäer mit vier Handys auszustatten, bauen wir soziale Ungleichgewichte ab. Anstelle uns über Flüchtlinge zu beschweren, stoppen wir die Ausbeutung ihrer Herkunftsländer. Ein T-Shirt darf ruhig mehr als einen Euro kosten … auch positiv denken, ist erlaubt.

Was auch kommt, bei einem bin ich mir sicher:

Die meisten potentiellen Krisenherde werden sich als laues Lüftchen in der Weltgeschichte herausstellen und die Erde wird sich auch in 50 Jahren noch drehen.

Wie die Zukunft aussieht, können wir nicht wissen. Vielleicht werden all unsere Ängste Wirklichkeit, vielleicht keine. Entscheidend ist, dass wir uns von unseren Ängsten nicht lähmen lassen. Das gilt für den Vermögensaufbau wie für alle anderen Bereiche unseres Lebens.

 

Das Rauschen der Krisenpropheten ausstellen und loslegen

Du machst dich als Finanzberater selbständig? Die Branche ist doch tot. Kann man da überhaupt noch was verdienen?

Den Spruch durfte ich mir in letzter Zeit häufiger anhören. Liebe Bedenkenträger:

Nein, die Branche ist nicht tot. Und ja, man kann hier Geld verdienen. Für Qualität ist immer Platz – in jeder Branche.

Wo wir schon dabei sind:

Nein, die Aktie ist nicht tot. Unternehmen werden auch in 100 Jahren noch Waren produzieren.

Nein, der Immobilienmarkt ist nicht tot. Menschen werden auch in 100 Jahren noch irgendwo wohnen wollen.

Nein, der Anleihenmarkt ist nicht … na gut, der ist vielleicht tot. Eine Anleihe mit null Prozent Zinsen muss sich Otto-Normalanleger nicht ins Depot legen. Da tut es auch ein Tagesgeldkonto mit Einlagensicherung.

Egal, was du erreichen möchtest, es wird immer Stimmen geben, die dir das Scheitern voraussagen. Schlimmer als die Stimmen aus deinem Umfeld, sind die Stimmen in deinem Kopf. Was ist, wenn …

Wenn – wenn – wenn – die ganzen „Wenn’s“ können dich bis in den Schlaf verfolgen. Wenn es regnet, wirst du nass. So einfach ist das. Mehr als einen Regenschirm einpacken, kannst du nicht. Genauso ist es bei Aktien. Wenn du heute in Aktien anlegst, ist es möglich, dass die Aktienmärkte morgen einbrechen. Mehr als breit streuen, kannst du nicht. Die Alternative ist nichts zu tun. Dann hast du zumindest Gewissheit – die Gewissheit, dass es mit dem Vermögensaufbau garantiert nicht klappt.

Höchste Zeit, zu akzeptieren, dass Sicherheit eine Illusion ist. Frei nach Murphy‘s Gesetz

Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.

Lass dich nicht von deinen Ängsten lähmen. Stell die Krisenpropheten und Bedenkenträger auf stumm. Schau, wo du hinwillst und laufe mit Bedacht los. Wenn du unterwegs auf dem Allerwertesten landest, steh wieder auf, klopf den Schmutz ab und lauf weiter.

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

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Portrait vom Autor dieses Artikels
Über Christoph Geiler

Als Finanzberater bin ich auf die Themen Finanzplanung, Geldanlage und Altersvorsorge spezialisiert. Als Finanzkoch bin ich konzeptionell tätig und erstelle Inhalte. In meiner Freizeit schwinge ich gern den Kochlöffel, treibe Sport und spiele mit meinem Sohn.