Honorarberatung vs. Provisionsberatung: Gut gegen Böse?

Nur weil ich gegen Honorar arbeite, bin ich kein besserer Berater. Meine Empfehlungen können ebenso für die Tonne sein, wie die eines Kollegen. Grundvoraussetzung für eine gute Dienstleistung ist vielmehr die innere Einstellung und Überzeugung, im besten Sinne des Mandanten zu handeln. Das, in Verbindung mit ständiger Weiterbildung, schafft ein solides Fundament.

Honorarberatung ist nicht der Heilige Gral. Für mich ist sie eher Ausdruck des Selbstverständnisses, dass meine Dienstleistung einen Wert hat. Wer sollte mir diesen Wert vergüten wenn nicht der Empfänger dieser Leistung? Der Sinn des Umweges über die Produktanbieter erschließt sich mir nicht. Außer wir setzen voraus, dass Kunden generell nicht bereit oder in der Lage sind, die Dienstleistung: „Versicherungs- und Finanzberatung“ zu vergüten. Diese Gruppe sollte sich dann aber generell nicht beraten lassen.

Damit kommen wir zu einem Märchen, welches gerne verbreitet wird: Honorarberatung ist für die Mehrheit zu teuer …

Meine Meinung:

Wer sich Honorarberatung nicht leisten kann, kann sich auch keine Provisionsberatung leisten

Wenn wir von Provision sprechen, reden wir von einer ratierlichen Zahlung. Warum sollte ich mein Honorar nicht auch in Raten nehmen? Provision oder Honorar ist völlig egal. Bei der Höhe gilt:

Mit beidem muss ich meine Kosten decken … ansonsten kann ich nicht auf Dauer von meiner Arbeit leben.

Und das ist oft nicht der Fall. Viele Versicherungsvertreter und Mitarbeiter in Strukturvertrieben kämpfen um das eigene Überleben. Bei vielen Maklern sieht es nicht besser aus. Nebenjobs als Zubrot sind eher die Regel als die Ausnahme. Hier liegt der Hund begraben …

Denn dass solch eine Situation für die Qualität einer Beratung nicht förderlich ist, liegt auf der Hand. Was soll dabei herauskommen, wenn Vermittler die geradeso über die Runden kommen, auf Kunden treffen, welche sich keine Beratung leisten können?

Dem würde ein Provisionsverbot vielleicht einen Riegel vorschieben. Trotzdem bin ich gegen ein solches Verbot. Jeder soll selbst entscheiden können, ob er gegen Honorar oder Provision beraten werden will.

Viel wichtiger ist es, weiter an der Transparenz der Branche zu arbeiten. Zudem muss finanzielle Bildung salonfähig werden. Ein gewisses finanzielles Grundverständnis muss schon in Kinder- und Jugendtagen vermittelt werden. Ein mündiger Kunde und eine transparente Branche sind die besten Mittel, um schlechter Beratung vorzubeugen.

 

Fazit

Provisionsberatung ist nicht per se schlecht und Honorarberatung nicht zwangsläufig gut. Wichtiger als die Vergütung ist ein Berater, der gewillt ist, die bestmögliche Dienstleistung für seinen Mandanten zu liefern.

Mir persönlich ist Honorar lieber. Einen Umweg über Versicherungs- und Fondsgesellschaften brauche ich nicht. Meine Aufgabe besteht darin, Menschen in die Lage zu versetzen, fundierte finanzielle Entscheidungen zu treffen. Das kann am Ende immer auch eine Entscheidung gegen ein Produkt sein. Warum sollte ich in diesen Fällen nicht für meine Beratungsleistung vergütet werden?

Was mir in der Diskussion meist fehlt, ist der zentrale Faktor: Der Kunde

Wenn er nicht bereit ist, Beratung zu vergüten, spielt die Bezahlung keine Rolle.

Mehr zum Thema Honorarberatung findest du auf meiner Homepage: Honorarberatung-Finanzberatung

Im nächsten Artikel widme ich mich wieder den ETFs.

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

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Portrait vom Autor dieses Artikels
Über Christoph Geiler

Als Finanzberater bin ich auf die Themen Finanzplanung, Geldanlage und Altersvorsorge spezialisiert. Als Finanzkoch bin ich konzeptionell tätig und erstelle Inhalte. In meiner Freizeit schwinge ich gern den Kochlöffel, treibe Sport und spiele mit meinem Sohn.