Fairriester: Das solltest du wissen

Fairriester-Werbung läuft nun auch im Fernsehen. Anlass für mich, auf einen Punkt einzugehen, der aus meiner Sicht in der Auseinandersetzung mit Fairriester etwas zu kurz gekommen ist:

Die Anlagepolitik im Zusammenhang mit der Beitragsgarantie.

Fairriester hat alle ETFs verkauft.

Fairriester: Das solltest du wissen

Fairriester: Die Beitragsgarantie als zentrales Problem

Grundsätzliches zur Riester-Rente habe ich bereits im Artikel Riester-Rente: Warum wird das offensichtliche übersehen? festgehalten.

Das größte Problem der Riester-Rente sind weder die Kosten, noch die nachgelagerte Besteuerung. Die Herausforderung ist die Beitragsgarantie. Sie hat maßgeblichen Einfluss auf die Anlagepolitik und damit letztlich auf die Attraktivität der Riester-Rente.

Die Beitragsgarantie verlangt von den Anbietern, ihren Kunden zum Ende der Ansparphase die eingezahlten Beiträge plus Zulagen zu garantieren. Die Riester-Anbieter haben also eine Zahlungsverpflichtung gegenüber ihren Kunden. Dass die Unternehmen ihrer Verpflichtung nachkommen, überwacht die Bafin.

Um Beitragsgarantien zu stellen, gibt es unterschiedliche Wege. Vier verschiedene Varianten schauen wir uns jetzt an.

 

Weg 1 – klassisch

Die Prämien der Sparer werden in 2 Töpfe (alternativ 3 Töpfe) aufgeteilt:

  • Garantietopf
  • Renditetopf

Im Garantietopf stecken schwankungsarme Anleihen. Hier fließt solange Geld des Sparers hinein, bis die Garantie sicher erreicht wird.

Im Renditetopf befinden sich renditeträchtigere Anlagen. Zum Beispiel Aktien. Das Geld, welches nicht für die Stellung der Garantie benötigt wird, fließt in diesen Topf.

Ein Beispiel:

Du zahlst 30 Jahre lang 100 Euro in einen Vertrag. Das sind insgesamt 36.000 Euro (Zulagen nicht beachtet). Der Zinssatz der am Anleihemarkt erreicht werden kann, beträgt zum Beispiel 2 Prozent. Mit den 2 Prozent zinsen wir die 36.000 Euro ab. Das Ergebnis:

Um am Ende sicher auf 36.000 Euro zu kommen, müssen 73,16 Euro deiner Sparrate in den Garantietopf fließen. Die restlichen 26,84 Euro stehen für den Renditetopf zur Verfügung. (nachrechnen kannst du auf: Zinsen-berechnen; Wähle einfach Sparrate berechnen, 36.000 Euro Endkapital und 2 Prozent Zinsen)

An dem Beispiel wird die Herausforderung der Niedrigzinsphase deutlich:

Je niedriger die erreichbaren Zinsen am Markt, desto mehr Geld wird für den Garantietopf benötigt – und umso weniger steht für renditestarke Anlagen bereit.

Aktien müssen in der Bilanz nicht mit Null bewertet werden. Eine Verschiebung der Quoten hin zum Renditetopf ist durchaus denkbar.

Es gelten die Zusammenhänge:

  • Je länger die Laufzeit, desto höher kann die Aktienquote sein
  • Je niedriger die Zinsen, desto niedriger muss die Aktienquote sein
  • Je niedriger die Kostenbelastung eines Vertrages, desto einfacher kann die Garantie gestellt werden

 

Weg 2 – hektisches Hin und Her

Der DWS war Weg 1 zu langweilig. Sie hat das i-CPPI-Modell entwickelt. Zum Einsatz kommt es beispielsweise bei der DWS RiesterRente Premium. Hinter dem Modell stecken Algorithmen, die auf Marktbewegungen reagieren.

Im Prinzip geht es um folgendes:

Die DWS unterteilt die Prämien ebenfalls in unterschiedliche Töpfe. Das Vermögen der Sparer ist allerdings nicht starr auf die Töpfe verteilt. Das i-CPPI-Modell versucht Marktbewegungen vorherzusagen. Wenn das Modell sagt >> Markt steigt!<<, wird das Geld der Riester-Sparer in Aktien angelegt. Sagt das Modell >>Markt fällt!<<, wird in Anleihen umgeschichtet. Das Geld ist ständig auf Wanderschaft.

Ich halte von diesem prozyklischen Handeln wenig bis gar nichts. Es verursacht ständig Kosten. Zudem darf bezweifelt werden, dass Market Timing zuverlässig funktioniert, da Kapitalmärkte nahezu informationseffizient sind. Das bedeutet alle öffentlich zugänglichen Informationen sind bereits eingepreist.

Darauf gehe ich unter anderem in dem letzten Kapitel meines E-Books Das Basisrezept des erfolgreichen Vermögensaufbaus ein.[wysija_form id=“11″]

 

Weg 3 – Versicherungsprämie

Mit der Stellung der Garantie wird ein Versicherer beauftragt. Dafür wird Summe X der Prämie des Sparers an den Versicherer gezahlt.

Der Vorteil: Das übrige Geld kann in renditeträchtige Anlagen gesteckt werden.

Der Nachteil: Das Geld für die „Beitragsversicherung“ ist weg.

 

Weg 4 – Fairriester

Fairriester wählt eine riskantere Variante von Weg 1. Nur 17 Prozent der Anlage eines jungen Sparers wird in Anleihen gesteckt. Der Rest fließt in Aktien.

22 Jahre vor dem Ende des Ansparzeitraums beginnt der Landeanflug und es wird nach und nach in Anleihen umgeschichtet. So will Fairriester – oder besser die Sutor Bank – sicherstellen, dass am Ende mindestens die eingezahlten Beiträge plus Zulagen zur Verfügung stehen.

Zum Verständnis:

Fairr ist der Vermittler für die Sutor Bank. Die Sutor Bank ist für die Garantie und die Anlagepolitik zuständig.

 

Warum ist die Variante riskanter?

Hohe Aktienquoten bedeuten, dass es kurzfristig zu starken Wertverlusten bei den Kundendepots kommen kann. Befinden sich Kundendepots im Minus (unter Wasser) müssen in der Bilanz Rückstellungen gebildet werden, um die Beiträge zu garantieren. Dass genügend Rückstellungen vorhanden sind, überwacht die Bafin.

Das Risiko:

Wenn zwischenzeitlich viele Kundendepots unter Wasser sind, ist es möglich, dass die Sutor Bank nicht genügend Kapital für die Rückstellungen aufbringen kann. Die Folge:

Zahlungsunfähigkeit.

Die Sutor Bank wird natürlich alles dafür tun, um das zu verhindern. Sie kann jederzeit die Aktienquoten senken oder erhöhen. Damit wird klar:

Je nachdem wie sich die Märkte entwickeln, sind die aktuell hohen Aktienquoten von Fairrriester vielleicht nur eine Momentaufnahme.

 

Wie hoch ist das Risiko?

Die Bilanzsumme der Sutor Bank betrug 2012 34 Millionen Euro (Quelle). Bei den 34 Millionen Euro handelt es sich wohlgemerkt um die Bilanzsumme und nicht um Eigenkapital.

Nehmen wir an, die Sutor Bank muss für 10.000 Verträge je 1000 Euro für Rückstellungen aufbringen. Das wären 10.000.000 Euro. Denkbar, dass das mit 34 Millionen Euro Bilanzsumme nicht zu stemmen ist …

 

Was passiert, wenn Fairr oder die Sutor Bank pleitegehen?

Wenn Fairr in die Insolvenz schlittert, ist das zu verschmerzen. Dein Geld liegt bei der Sutor Bank. Diese übernimmt dann den Verwaltungsaufwand von Fairr.

Wenn die Sutor Bank zahlungsunfähig ist, fällt die Beitragsgarantie weg. Da dein Depot unter deinem Namen bei der Sutor Bank läuft, ist dein Fondsvermögen Sondervermögen, das dir direkt zugeordnet wird (Quelle).

Das angesparte Guthaben kannst du dir dann entweder auszahlen (dann musst du alle Förderungen zurückzahlen) oder auf einen anderen Anbieter übertragen lassen. Bei dem anderen Anbieter gelten dann allerdings neue (evtl. schlechtere) Rechnungsgrundlagen.

 

Fazit

Die Sutor Bank befindet sich auf einer Gratwanderung – kann gut gehen, muss es aber nicht. Im Fall des Scheiterns ergeben sich zwei Eskalationsstufen:

Stufe 1: Die Aktienquote wird zurückgefahren

Stufe 2: Die Sutor Bank muss in die Insolvenz

Ich finde die Anlagepolitik der Sutor Bank mutig. Läuft alles wie geplant, profitieren die Anleger von vergleichsweise hohen Aktienquoten. Läuft es nicht wie geplant, ist das ärgerlich – aber das Geld der Sparer ist im Ernstfall sicher (abgesehen davon, dass die Beitragsgarantie entfällt).

Bauchschmerzen macht die geringe Kapitalstärke der Sutor Bank.

Alles in allem halte ich Fairriester für den derzeit interessantesten Anbieter am Riester-Markt und bin gespannt, wie sich Fairriester in den nächsten Jahren entwickelt. Was hältst du vom Fairriester?

Hinweis:

Ich habe in dem Beitrag nur die Anlagepolitik im Zusammenhang mit der Beitragsgarantie betrachtet. Das ist zwar wichtig, sollte aber nur einer von vielen Punkten sein, der bei einer Entscheidung für oder gegen einen Vertragsabschluss berücksichtigt wird.

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

Bildquelle: © stockWerk – fotolia

 

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Portrait vom Autor dieses Artikels
Über Christoph Geiler

Als Finanzberater bin ich auf die Themen Finanzplanung, Geldanlage und Altersvorsorge spezialisiert. Als Finanzkoch bin ich konzeptionell tätig und erstelle Inhalte. In meiner Freizeit schwinge ich gern den Kochlöffel, treibe Sport und spiele mit meinem Sohn.