Aufgaben der Schule: Gehört Geldbildung dazu?

„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen“

Mit diesem „Tweet“ machte Anfang 2015 eine 17 jährige Kölner Schülerin Schlagzeilen – und erntete viel Zustimmung. Diverse Talkshows bastelten daraus Themenabende. Ergebnis:

Die Diskussionen verliefen folgenlos im Sand.

Schade drum. Was könnte wichtiger sein als die Frage danach, was wir unseren Kindern mit auf den Weg geben möchten? Welche Aufgaben fallen dabei den Eltern zu und welche der Schule? Wie sieht es beispielsweise mit der finanziellen Bildung aus?

Fragen über Fragen, die mich regelmäßig beschäftigen und auf die ich in diesem Artikel Antworten suche.



Aufgaben der Schule: Gehört Geldbildung dazu?


Im ersten Abschnitt des Artikels gehe ich auf die Aufgaben der Schule ein, um mich im Anschluss kritisch mit ihnen auseinanderzusetzen. Die Erkenntnisse werde ich nutzen, um die Frage Ist Geldbildung Aufgabe der Schule? zu beantworten.

Aufgaben der Schule

Eine Schule […] ist eine Institution, deren Bildungsauftrag im Lehren und Lernen, also in der Vermittlung von Wissen und Können durch Lehrer an Schüler, aber auch in der Wertevermittlung und in der Erziehung und Bildung zu mündigen, sich verantwortlich in die Gesellschaft einbringenden Persönlichkeiten besteht.

Wikipedia

Die Schule ist dabei eine Einrichtung von der Gesellschaft für die Gesellschaft. Sie dient gesellschaftlichen Interessen, die von den Erwartungen des Staates, der Eltern, der Schüler und nicht zuletzt der „Abnehmer“ geprägt sind.*1 Abnehmer sind zum Beispiel weiterführende Bildungseinrichtungen (Universitäten) und Arbeitgeber.

1717 wurde in Preußen erstmals die allgemeine Schulpflicht ausgerufen. Das Ziel:

Es „sollte der brauchbare, gottesfürchtige und königstreue Untertan erzogen werden“²

Heute werden der Schule gemeinhin drei Funktionen zugeschrieben:

 

  1. Qualifikation

Die wohl offensichtlichste Aufgabe der Schule ist es, Schüler mit einem Schulabschluss auszustatten, den sie im Anschluss gegen Berufs- und Studienchancen eintauschen.³ Sprich den Heranwachsenden sollen Fähigkeiten und Kenntnisse vermittelt werden, die sie befähigen sich in die Gesellschaft (berufliche wie privat) einzubringen.

 

  1. Integrationsfunktion

Den Schülern sollen Werte und Normen vermittelt werden, die eine reibungslose Integration in die Gesellschaft ermöglichen.

Dies bedeutet in der Bundesrepublik, den Heranwachsenden zu helfen, kritische Bürger einer demokratischen Gesellschaft zu werden.4

 

  1. Selektionsfunktion

Die Schule dient der Gesellschafft als Steuerungsmittel – quasi um die „Spreu vom Weizen“ zu trennen. Das Instrument der Selektion sind Noten und Abschlüsse.

 

Die Frage nach den Prioritäten der Schulfunktionen

Aufhänger für diesen Artikel ist der Tweet einer 17 Jährigen Schülerin:

Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen

Zu Beginn des Artikels haben wir uns die Aufgaben der Schule vergegenwärtigt – jetzt können wir über Sinn und Unsinn der im Tweet zum Ausdruck gebrachten Kritik diskutieren.

Der Tweet spricht die Qualifikationsfunktion der Schule an. Die Schülerin wünscht sich, besser für das reale Leben „qualifiziert“ zu werden. Die Interpretation von Gedichten und das Erlernen von Fremdsprachen erscheinen ihr weniger wichtig. Sie fordert also eine Reduzierung der Integrationsfunktion der Schule. Immerhin dienen Fremdsprachen der Völkerverständigung und die Auseinandersetzung mit Literatur fördert das kritische Denken.

Die Frage ist:

Worauf liegen unsere gesellschaftlichen Prioritäten? Wollen wir kritische, selbst denkende Bürger oder wollen wir Menschen, die sich bestmöglich in den „Status quo“ integrieren?

Immer wenn neue Inhalte in den Lehrplan aufgenommen werden, muss Bestehendes weichen. Das sollten wir bedenken, wenn wie in Finanzblogs üblich (da nehme ich mich nicht aus) die Forderung nach finanzieller Bildung in der Schule laut wird.


Bildung oder Ausbildung? Das Gleichgewicht ist entscheidend

Kritisch wird es meiner Meinung nach, wenn praktische Inhalte zu stark in den Fokus rücken. Bereits heute liegen die Prioritäten der Schulen klar auf der Ausbildung der Schüler für die spätere Eingliederung in die Wirtschaft. Die Betonung liegt auf Ausbildung. Bildung und Ausbildung sind zwei verschiedene paar Schuhe.

Bildung […] bezeichnet die Formung des Menschen im Hinblick auf sein „Menschsein“, seiner geistigen Fähigkeiten.

Wikipedia


Ausbildung unterscheidet sich vom allgemeineren Begriff Bildung durch Ihre Vollendung und Zweckbestimmtheit.

Wikipedia

Bildungswissen ist im Gegensatz zum Ausbildungswissen zweckunabhängig. Es dient der Herausbildung des „eigenen Ichs“. Die Verdrängung von Bildung zugunsten von Ausbildung hat drastische Folgen. Bernhard Heinzlmeier bringt es etwas überspitzt in seinem lesenswerten Buch Performer, Styler, Egoisten auf den Punkt:

Eigene Interessen und Anlagen werden unterdrückt, anstelle dessen ergreift man jene Ausbildungen, die der Arbeitsmarkt am besten bewertet. Paradigmatisch für diesen Trend sind die vielen Fachhochschulen und Privatuniversitäten, aber auch die nun verschulten und autoritär reglementierten staatlichen Universitäten, in denen Bildung systematisch durch die unkritische Akkumulation von Fachwissen und dessen Abprüfung im geistlosen Multiple-Choice-Verfahren verdrängt wird. In verschulten Ausbildungsgängen werden die Jugendlichen systematisch für die Verwendung in Industrie und Gewerbe hergerichtet, anstelle von Menschenbildung werden Konkurrenz- und Ellenbogenmentalität eingeübt. Der freie Geist wird unter einer Lawine von Regulativen, Normen und Richtlinien erstickt. Am Ende verlässt schön verpacktes und gut portioniertes Humankapital die bildungsökonomisch hoch effizienten Ausbildungsfabriken.5

Ziel muss es sein, das richtige Gleichgewicht zwischen Bildung und Ausbildung zu finden. In meiner schulischen und akademischen Laufbahn hatte ich stets das Gefühl, dass die Ausbildung stark im Vordergrund stand. Daher bin ich skeptisch, wenn Rufe nach immer mehr Praxisbezug der Schulen laut werden. So auch bei dem Tweet der Kölner Schülerin. Steuern, Miete und Versicherungen – das sind Themen, die einen das Leben lehrt. Hier sind Umfeld und Familie gefordert. Problematisch wird es, wenn das Umfeld dazu nicht in der Lage ist. Denn egal wie gut Bildungseinrichtungen sind, wenn Kinder zu Hause vernachlässigt werden, kommen sie schnell an ihre Grenzen.

 

Die Grenzen der Schulen

Die Möglichkeiten der (Aus)Bildungseinrichtungen dürfen nicht überschätzt werden. In den ersten Lebensjahren entwickelt sich das Gehirn rasant – Lebensjahre, in denen Bildungseinrichtungen kaum Einfluss auf die Kinder haben. Die Eltern entscheiden also maßgeblich über die Zukunft ihrer Kinder. Schenken sie ihnen Liebe und Aufmerksamkeit? Setzen sie ihr Kind vor den Fernseher oder spielen sie mit ihm? Tobt das Kind an der frischen Luft? Sprechen die Eltern mit ihrem Kind?

In der Studie The Early Catastrophe zeigten die beiden Wissenschaftler Betty Hart und Todd R. Risley, dass Kinder aus wohlhabenden und fürsorgenden Familien in den ersten 3 Lebensjahren 30 Millionen mehr Wörter hören als die Kinder der Vergleichsgruppe. Es ist leicht vorstellbar, welche Auswirkungen das auf die kindliche Entwicklung hat. Die Schule muss an der Aufgabe scheitern, diese Defizite wieder wettzumachen. Zumal der Matthäus-Effekt dafür sorgt, dass der Vorsprung der „privilegierten“ Kinder im Zeitverlauf immer größer wird. Von Chancengleichheit kann keine Rede sein.

Matthäus-Effekt


In der Lehr-Lern-Forschung besagt das Prinzip (stark verkürzt), dass das Vorwissen einen wesentlichen Prädiktor des Lernerfolgs darstellt. Je mehr Vorwissen vorhanden ist, desto höheren Nutzen kann der oder die Lernende aus einem bereitgestellten Lernangebot ziehen.

 

Individuelle Förderung ist essentiell

Durch die Chancenungleichheit ist es umso wichtiger, dass individuell auf die Bedürfnisse der Schüler eingegangen wird. Noten dürfen lediglich als Gradmesser dienen, um Defizite aufzuzeigen. Dann muss individuell nach den Neigungen der Schüler gefördert werden.

In der Realität werden Noten jedoch primär dazu genutzt, die „Spreu vom Weizen“ zu trennen. Das äußert sich darin, dass jede einzelne Prüfungsnote in die Endnoten für Schule und Abitur eingehen. Lediglich Grundschüler besitzen anfangs einen gewissen „Welpenschutz“. Noten dienen mehr der gesellschaftlichen Rechtfertigung für soziale Ungleichheiten (Leistungsprinzip), als das sie einen Nutzen für die Bildung unserer Kinder hätten.

 

Geldbildung: Aufgabe der Schulen?

Ist Geldbildung Aufgabe der Schulen? Die Frage möchte ich mit einem JEIN beantworten. Grundlegendes Wissen über das Geldsystem kann hervorragend in den Geschichtsunterricht verpackt werden. Denken wir nur an die Hyperinflation als Folge des Ersten Weltkrieges. In den Anfangsjahren der Weimarer Republik druckte der Staat Unmengen an Geld, um die Last der Staatsschulden erträglicher zu machen. Spannender kann finanzielle Bildung kaum sein. Aber die Vorstellung, dass in Schulen Geldanlageseminare gehalten werden, finde ich befremdlich.

Entscheidend ist es, die Neugier und den Forschertrieb der Schüler zu wecken. Unsere Bildungseinrichtungen besitzen längst kein Informationsmonopol mehr. Das Internet bietet 24 Stunden am Tag die Möglichkeit, sich sprichwörtlich am gesamten Wissen der Menschheit zu bedienen. Hier können Schulen und Universitäten ansetzen. Wenn sie es schaffen, den Heranwachsenden aufzuzeigen, wie sie selbständig aus Informationen Bildung schaffen, dann ist ein gutes Stück des Weges geschafft.

Das erfordert meiner Meinung nach eine Abkehr vom ständigen „verwiegen und vermessen“ der Kinder. Wenn Schüler Angst haben, ihren Eltern eine korrigierte Klausur zu zeigen, ist schief gelaufen, was nur schief laufen kann. Kinder lernen durch Versuch und Irrtum – und sind damit unglaublich erfolgreich. Wenn wir ihnen die Angst vor Fehlern beibringen, nehmen wir ihnen ihren Forscher- und Entdeckertrieb. Das kann nicht Sinn und Zweck der Sache sein.

 

Fazit

Bildungsstätten brauchen das richtige Maß zwischen Bildung und Ausbildung. Das Ziel ist in meinen Augen, dass die Schulen und Universitäten neugierige, kritische und zur Selbstreflexion fähige Menschen verlassen. Sie müssen in der Lage und vor allem Willens sein, sich selbständig Wissen anzueignen.

Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen

Der Tweet der Kölner Schülerin zeigt, wie wichtig es ist, dass Menschen stets beide Eigenschaften besitzen:

Die Neugier und die Fähigkeit, sich selbständig Wissen anzueignen.

Die Schülerin bringt zwar Neugier zum Ausdruck, zeigt aber gleichzeitig die Unfähigkeit beziehungsweise mangelnden Willen, sich selbständig Wissen anzueignen. Insofern ist der Ruf nach mehr Praxisbezug der Schulen verständlich, aber ob er hilfreich ist – da habe ich meine Zweifel.

Damit haben wir auch meine Antwort auf die Frage:

Gehört Geldbildung zu den Aufgaben der Schule?

Den Kindern in der Schule die Fähigkeit und den Willen zu vermitteln, sich selbst zu bilden, ist wichtiger als das Wissen an sich. So sehe ich das auch im Bereich der Geldbildung. Kommen Heranwachsende an den Punkt, wo sich Fragen nach Geldanlagen und Versicherungen stellen, gibt es genügend Medien, über die sie sich informieren können.

Die Frage ist, hat es die Schule geschafft, dass sie selbständig aus Informationen Bildung generieren können?

Kann die Frage mit „ja“ beantwortet werden, ist es unnötig Kindern konkretes Wissen über Geldanlage, Steuern und Versicherungen einzuhämmern. Ich bezweifle sowieso, dass der Großteil der Heranwachsenden dafür Begeisterung aufbringen könnte. Warum sollten sie auch?

Ihren Kindern den Umgang mit Geld vorzuleben, sollte Bestandteil der Erziehung der Eltern sein. In großen Teilen ist es ihre Aufgabe, ihre Kinder auf das Leben vorzubereiten – das sollte nicht vergessen werden. Die Schule kann nur unterstützend tätig sein.

Da Heranwachsende ganz unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen, möchte ich mit einem Zitat des Bildungsreformers Wilhelm von Humboldt schließen:

Es ist aber […] noch wenig geschehen, wenn man nicht zugleich auf die Verschiedenheit der Köpfe, auf die Mannigfaltigkeit der Weise Rücksicht nimmt, wie sich die Welt in verschiedenen Individuen spiegelt.6

 

Wie hast du unser Schulsystem erlebt? Was denkst du, sind die Aufgaben unserer Bildungsstätten? Sollte finanzielle Bildung einen größeren Raum bekommen?

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Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

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Quellen

Titelbild: © Sergey Nivens – fotolia

*1 vgl. Neues schulpädagogisches Wörterbuch. Weinheim, München 1993, S.118

*2 vgl. Tillmann K.J., Ist die Schule ewig? Ein schultheoretisches Essay. Hier aus: Baumgart, Franzjörg; Lange, Ute (Hg.): Theorien der Schule. Erläuterungen – Texte – Arbeitsaufgaben. Bad Heilbrunn 1999, S. 307

3* vgl. Tillmann K.J., Ist die Schule ewig? Ein schultheoretisches Essay. Hier aus: Baumgart, Franzjörg; Lange, Ute (Hg.): Theorien der Schule. Erläuterungen – Texte – Arbeitsaufgaben. Bad Heilbrunn 1999, S. 306

4* vgl. Tillmann K.J., Ist die Schule ewig? Ein schultheoretisches Essay. Hier aus: Baumgart, Franzjörg; Lange, Ute (Hg.): Theorien der Schule. Erläuterungen – Texte – Arbeitsaufgaben. Bad Heilbrunn 1999, S. 306

*5 Performer, Styler, Egoisten – Über eine Jugend, der die Alten die Ideale abgewöhnt haben, 3. Auflage August 2013, S. 12

*6 Theorie der Bildung, S. 28 , Hier: Carina Pape, Wa(h)re Bildung – Einführung in Humboldts Bildungskonzept, S. 6

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Kommentare

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21 Kommentare

  1. Zinskraft
    Reply März 19, 20:24 #1 Zinskraft

    Hallo Christoph,

    schöne Diskussion, die du hier anstößt.

    Bei mir persönlich war es so, dass, obwohl mein Vater finanzaffin ist und in Aktien investiert, ich bis ins Studium nicht einmal Ahnung von Freistellungsaufträgen oder Kontoführungsgebühren hatte (die ich als Student nicht hätte zahlen müssen). Erst meine jetzige Frau hat mich dann auf diese Dinge hingewiesen. Sie wurde – im Gegensatz zu mir – in Sachen Finanzen und Sparen von ihren Eltern seit Kindesbeinen an gebrieft.

    Ich habe mich erst nach dem Studium eigenständig mit dem Thema „Investieren“ beschäftigt und dann eigenständig zu recherchieren begonnen, ganz einfach aus der Motivation heraus, dass ich durch meinen ersten festen Job auch erstmals überhaupt wirklich Geld zur Verfügung hatte. Vorher, als Student, war das Geld am Ende des Monats sowieso immer aus, wie hätte mich da das Thema „Investieren“ interessieren können? Trotzdem hätte ich etwas mehr finanzielle Bildung durch meine Eltern vertragen können.

    Ich denke es spielt auch einfach eine große Rolle, wie viel oder ob man Geld zum Investieren und Anlegen zur Verfügung hat. Mit etwas Sparsamkeit sollte zwar im Grunde jeder etwas zum Anlegen zur Verfügung haben,nur ist die Frage, ob sich jemand für nur 50-100 €, die er im Monat sparen kann, großartig mit dem Thema auseinandersetzen will.
    Anders sieht es sicherlich aus, wenn man 1000 € im Monat zurücklegen kann. Dann lohnt sich die Recherchearbeit und -zeit und dann stimmt auch der ROTI 😉

    Gruß Martin

  2. Christian
    Reply April 15, 23:54 #2 Christian

    Toller Artikel!
    Ich finde, dass ein finanzielles Grundwissen durchaus in den Schulen gelehrt werden sollte, oder zumindest erklärt werden muss, dass es wichtig ist sich damit zu beschäftigen. Denn jeder, der seinen Rentenbescheid einmal genauer studiert hat wird mir da zustimmen. Schön, dass es wenigstens im Internet gute Bildung, wie hier auf dieser Seite gibt.
    LG
    Chris

    • Finanzkoch
      Reply April 17, 09:28 Finanzkoch Author

      Hallo Christian,

      danke für das Lob 🙂 Es ist sicherlich eine Herausforderung, Jugendliche für das Thema Rente zu begeistern… Umso wichtiger ist es, sie in die Lage zu versetzen, sich später selbständig mit Themen auseinanderzusetzen.

      Liebe Grüße
      Christoph

  3. Gerhard
    Reply April 12, 20:09 #3 Gerhard

    Danke und Glückwunsch für einen klugen und differenzierenden Beitrag zu einem komplexen Thema.
    Als Lehrer an einer Berufsbildenden Schule (Fächer: Technik/Maschinenbau und Wirtschaftslehre) steht Wirtschaft und auch Geldwissen im Lehrplan für unsere Berufsschüler in der Dualen Ausbildung. Im Technischen Gymnasium, in dem ich ebenfalls unterrichte, nicht!
    Aus meiner langjährigen Lehrtätigkeit kann ich nur davor warnen, Geldbildung als Lerninhalt „zwangszuverordnen.
    Die unterrichtliche Praxis leidet eh schon an einer Unzahl von gut gemeinten „Aktionen“ und „Projekten“! BEISPIELE: Suchtprävention, Gesundheitserziehung, Verkehrssicherheitstage, Gegen Rassismus, Für Inklusion, Aktion saubere Landschaft, Flüchtlingspatenschaften, …
    Diese Aktionen werden zum Teil verbindlich vorgegeben und sind in den Klassenakten zu dokumentieren!
    ABER: Gut gemeint ist zumeist das Gegenteil von gut gemacht! In der Praxis „hangeln“ sich dann die jüngeren Kollegen durch diesen verordneten „Themendschungel“, schließlich wollen sie ja noch etwas werden! Es kann dann schon einmal passieren, dass die „Basics“ , so wie sie Dummerchen zurecht fordert, einfach auf der Strecke bleiben.
    Was heutigen Schulen fehlt ist Kontinuität in der unterrichtlichen Arbeit, Zeit zum Reifen und Reflektieren, Geduld und Verbindlichkeit in den grundlegenden Inhalten.
    Um nun nicht falsch verstanden zu werden: Geld- und Wirtschaftsbildung sind mir ein ganz wichtiges Anliegen, aber ich bin strikt dagegen das in ein Extrafach oder Projekt für allgemeinbildende Schulen hineinzuzwängen.
    Geldbildung ist ein weitaus umfassenderes Anliegen, das jeden Tag an Schulen gelebt werden muss.
    Wie meine ich das konkret?
    Für „meine“ Auszubildenden/Berufsschüler, die ich als noch ziemlich unstrukturierte, zumeist schulmüde Jugendliche in Empfang nehme, ist es eine riesige Herausforderung dieses „Ding“ Berufsausbildung durchzuziehen und nicht vorzeitig die Flinte ins Korn zu werfen. Ihnen zu vermitteln, dass es lohnt sich auch einmal zu quälen um ein noch fernes Ziel zu erreichen. Durchhalten kann man lernen, man kann es einüben!
    Wenn dann die Gesellenprüfung nach 3 1/2 Jahren bestanden ist, kann auch der Nichtpädagoge den Wandel in der Persönlichkeit erkennen. Meine Begleitung der jungen Menschen auf diesem aufregenden Weg würde ich jetzt nicht als Bildungsaktion und schon gar nicht verengend als Geldbildung bezeichnen wollen. Vielmehr betrachte ich es als eine Serie von Impulsen, Anregungen, Ermutigungen verbunden mit dem nötigen Fachwissen.
    Einen gelungenen Start in das Berufsleben betrachte ich in der Tat als einen grundlegenden Beitrag zur Geldbildung im Sinne einer Erstinvestition in die eigene Qualifikation.

    Eine effektive und gelungene Bildung ist zumeist kein Akt angestrengten und gut gemeinten „Wollens“, sondern eher ein unaufgeregter Dialog zwischen Menschen, die einander vertrauen und zuhören.
    Sebstkritisch muss ich eingestehen, dass ich diese Erkenntnisse erst jetzt gegen Ende meiner Berufslaufbahn konsequent umsetzen kann. Der allgemeine „Aktionismus“ in den Lehrerzimmern hatte auch mir viel zu lange den Blick für das wirkliche Wichtige und für einen gelingenden Unterricht vernebelt!

    • Finanzkoch
      Reply April 13, 14:39 Finanzkoch Author

      Hallo Gerhard,

      tausend Dank für deinen Kommentar. Vieles klingt in der Theorie wunderbar und einleuchtend – und scheitert dann doch an der Praxis. Deswegen empfinde ich solche Erfahrungen und Einblicke aus erster Hand als unglaublich wertvoll.

      Herzliche Grüße
      Christoph

  4. Lothar
    Reply April 11, 22:43 #4 Lothar

    Hallo Christoph,
    ein sehr ausgewogener Artikel, der gute Fragen stellt.
    Als Finanzcoach liegt mir die finanzielle Allgemeinbildung sehr am Herzen. Die Frage ist, was darunter zu verstehen ist? Klassische Themen sind: Rechnen, Börsenwissen, Schuldnerprävention, Volkswirtschaft
    Ich halte ganz andere Themen für wichtig:
    – Lernen, gute Fragen zu stellen
    – Lernen, Entscheidungen zu treffen
    – Risikokompetenz (im Sinne von Prof. Gigerenzer – Buch: Risiko)

    Diese Themen sind nicht nur im Finanzbereich wichtig, sondern auch in Beziehungen, Gesundheitsfragen, Jobwahl … und vieles mehr. Gleichzeitig sind diese Kompetenzen gute Ressourcen, wenn es darum geht, Finanzentscheidungen zu treffen.
    (also Investition in BILDUNG)

    Was aber ist mit den klassischen Finanzthemen?

    Dazu gibt es aus meiner Sicht zwei Antworten:
    1. Finanzen und Geld sollten in allen möglichen Fächern thematisiert werden, schließlich sind sie im Leben allgegenwärtig. Also: Mathe – Dreisatz und Finanzrechnen, Philosophie – was ist Geld, Geschichte/Politik – Wirtschafts- u. Finanzpolitik etc.
    2. Arbeitsgemeinschaften für Interessierte zum Thema Finanzen (Zinsen, Börse, Schulden, Rechnen) sowie später Erwachsenenbildung (öffentliche und private Anbieter).

    Hier geht es vor allem darum, mit dem Thema Geld und Finanzen in Berührung zu kommen. Interesse und Neugier zu wecken. Viele Menschen haben keine Beziehung zu Ihrem Geld und Ihren Finanzen. Sie verstehen das Thema einfach nicht. Doch wir können nur etwas verstehen, wozu wir eine Beziehung aufbauen, worauf wir uns einlassen. (Ich weiß, wovon ich spreche, mein blinder Fleck sind Naturwissenschaften ;-)).
    (Abteilung: Ausbildung)

    Von all dem gibt es eher zu wenig als zuviel. Deshalb sind alle Initiativen wichtig, die eines der o.a. Themen befördern. Dazu zählen Geldunterrricht an Schulen genauso wie Angebote der Erwachsenenbildung und natürlich Finanzblogs wie dieser.

    Herzliche Grüße
    Lothar

    • Finanzkoch
      Reply April 12, 10:25 Finanzkoch Author

      Hallo Lothar,

      ich musste kurz schmunzeln. Den Gigerenzer habe ich gerade neben mir liegen 😉 Hast du die anderen Bücher von ihm gelesen? Überlege, ob ich mir die noch zulege…

      Dein Kommentar möchte ich so unterschreiben. Als Finanzcoach kannst du dich da ja völlig frei ausleben.

      Herzliche Grüße
      Christoph

  5. Felix
    Reply April 11, 21:09 #5 Felix

    Hallo Christoph,
    in meiner Studienzeit habe ich (teilweise) als Nachhilfelehrer gearbeitet.
    Daher weiß ich, dass es an einigen Schulen schon Projekte zum Thema gibt/gab, z.B. ein Börsenplanspiel oder ein Projekt, bei welchem die Schüler eine eigene kleine (fiktive) Firma gründeten, inkl. Business-Plan.
    Auch das Schulministerium NRW schreibt über Projekte zum Thema
    http://www.schulministerium.nrw.de/docs/AusSchulen/Berichte-und-Reportagen/Mein-dicker-Freund-das-Sparschwein/index.html

    Von meiner Frau (Grundschullehrerin) weiß ich , dass das Thema „MoKi – Money and Kids“ durchaus von einigen Schulen angeboten wird
    http://www.nua.nrw.de/publikationen/material-fuer-die-bildungsarbeit/bildungsordner-broschueren-und-materialmappen/single/produkt/moki-money-and-kids/kategorie/bildungsordner/backPID/bildungsordner-broschueren-und-materialmappen/

    Man kann nur hoffen, dass möglichst viele Schüler davon profitieren können.

    Viele Grüße
    Felix

    • Finanzkoch
      Reply April 12, 10:17 Finanzkoch Author

      Hallo Felix,

      die Initiativen gehen genau in die richtige Richtung. Das Wichtigste ist, Kinder den verantwortungsvollen Umgang mit Geld vorzuleben.

      Ein Bankenplanspiel habe ich zu meiner Zeit auch mitgemacht 🙂 Der Schlüssel zum Erfolg war, so viele Filialen wie möglich zu schließen – leider haben wir das zu spät gemerkt. (Ob das die richtige Botschaft war, mag ich allerdings zu bezweifeln)

      Liebe Grüße
      Christoph

  6. Philipp
    Reply April 11, 20:29 #6 Philipp

    Hallo Christoph,

    ich finde, dass eine Grundblidung über Geld auf jeden Fall in die Schule gehört. Eine vertiefende Bildung über Geld sollte aber nur freiwillig angeboten werden.

    MFG Philipp

    • Finanzkoch
      Reply April 12, 10:28 Finanzkoch Author

      Hallo Philipp,

      so wird es teilweise ja schon umgesetzt.

      Liebe Grüße
      Christoph

  7. Dummerchen
    Reply April 11, 16:26 #7 Dummerchen

    Hallo Christoph,

    chapeau! In meinen Augen eine sehr gute Zusammenfassung zum Thema Bildungswesen. Vor allem die Differenzierung zwischen allgemeiner Bildung und dem Vermitteln von Fachwissen halte ich für essentiell bei der Diskussion.
    Als ich Deine Überschrift las, war ich schon sehr gespannt, ob Du in das übliche Finanzblog-Horn stoßen würdest und nach mehr Finanzbildung in der Schule rufen würdest. Dein Fazit ist hingegen ist sehr differenziert und trifft in meinen Augen den Nagel auf den Punkt. Wer lernt, wie man etwas selbst erlernt, hat das Ziel erreicht. Die Anhäufung von Spezialwissen, das zudem einem schnellen Verfall unterliegt, sollte nicht Ziel der Schule sein.

    Den Tweet möge man sich aber auch mal auf der Zunge zergehen lassen:
    „Aber ich kann ‘ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen“
    Wer von uns konnte das, als er die Schule verlassen hat? Ich fürchte keiner. Gedichtsanalyse in Deutsch und evtl. Englisch mag ich noch glauben.

    Dass Schüler den Zinseszins nicht lernen, glaube ich nicht – das ist Sek I-Stoff in Mathe. Warum sollte es solche Seiten an Bildungsstätten bzw. Nachhilfeseiten geben:
    http://www.schule-bw.de/unterricht/faecher/mathematik/3material/sek1/zahl/zinsrechnen/zinseszins.html
    http://www.frustfrei-lernen.de/mathematik/zinseszins.html
    https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/mathematik/artikel/zinseszins-berechnen

    Das ist halt Teil des Matheunterrichts und dies ja bekanntlich eines der Lieblingsfächer vieler Schüler ;-). Vielleicht wird hier auch gerne verdrängt, was man eigentlich wissen sollte.

    Einzig bei der Funktion, die Du Noten zuweist, möchte ich noch den einen oder anderen Punkt ergänzen. Du schreibst
    „In der Realität werden Noten jedoch primär dazu genutzt, die „Spreu vom Weizen“ zu trennen. Das äußert sich darin, dass jede einzelne Prüfungsnote in die Endnoten für Schule und Abitur eingehen. Lediglich Grundschüler besitzen anfangs einen gewissen „Welpenschutz“. Noten dienen mehr der gesellschaftlichen Rechtfertigung für soziale Ungleichheiten (Leistungsprinzip), als das sie einen Nutzen für die Bildung unserer Kinder hätten.“

    Noten haben durch ihre Selektionsfunktion durchaus einen großen Nutzen für die Schüler. So dienen sie als Gradmesser für die Aufnahme in ehemals elitäre Bildungsstätten – früher studierten nahezu ausschließlich die Kinder aus reichem oder adligem Hause, heute kann der Sohn eines Schlossers studieren und einen gesellschaftlichen Aufstieg erreichen, indem er sich über Leistung und Noten qualifiziert.

    Diese Leistungsmessung erfolgt erfreulicherweise über einen längeren Zeitraum und nicht nur punktuell. Eine Alternative zu kontinuierlichen Schulnoten als Einstiegskriterium gibt es bei manchen Hochschulen insbesondere aus dem künstlerisch-musischen Bereich, bei denen es Aufnahmeprüfungen gibt. Hier entscheidet mitunter die Tagesform darüber, ob die Tochter an der Musikhochschule aufgenommen wird oder nicht. Was ist da gerechter? Eine über die Schullaufbahn kontinuierliche Leistungsmessung oder so eine Do-or-Die-Prüfung?

    Dass eine Notenfeststellung natürlich auch Folgen haben sollte, steht für mich dann auf einem anderen Blatt. Wer das Heft des Handelns in der Hand haben sollte, kann man sicher diskutieren. Ist es Aufgabe des Lehrers, Timmy nach seiner 4 in Mathe im Bereich Zinsrechnung zu fördern? Sicherlich sollte er schauen, dass er Timmy hier hilft. Aber auch Timmy, der durch die Note überhaupt erst ein Feedback erhalten hat, dass er Wissenslücken hat, ist hier gefordert. Und auch die Eltern erfahren dank der Noten schon frühzeitig, ob alles ok ist oder der Sohnemann vielleicht doch etwas genauer bei den Hausaufgaben/ beim Lernen unterstützt werden sollte.
    Gute oder schlechte Abschlussnoten fallen nicht urplötzlich vom Himmel sondern sind ein langwieriger Prozess. Daher halte ich regelmäßige Leistungsfeststellungen durchaus für wichtig – und auch die Wertung nahezu aller Noten der letzten beiden Jahre für’s Abitur. Das ist in meinen Augen einfach eine Belohnung für dauerhaftes Engagement.

    Das aber nur als Randnotiz – ich bin wirklich sehr beeindruckt von Deiner Abhandlung über das Bildungswesen und den Platz, den die Finanzbildung dort haben sollte.
    In meinen Augen sollten Schüler Grundbegriffe kennen, aber ob die Kapitalertragssteuer jetzt 25% beträgt oder dass man eine Haftpflichtversicherung braucht, mag zwar für unsereins wichtig und relevant erscheinen, einen Schüler, der weder Geld verdient, noch die Notwendigkeit in den nächsten Jahren haben wird, sich selbst zu versichern, wird diese Information sicher in sein Heft schreiben. Aber bei der Fülle an Wissensvermittlung wird es dies genauso schnell auch wieder vergessen. Er braucht es ggw. einfach nicht.

    Lieben Gruß
    Dummerchen

    • Finanzkoch
      Reply April 12, 09:59 Finanzkoch Author

      Hallo Dummerchen,

      bei unserem Notensystem bin ich vorbelastet. Mir hat es die Freude am lernen genommen. Es hat lange gedauert, bis ich dieses „Trauma“ überwunden hatte. Dabei waren meinen Noten nicht schlecht – ich bin es schlicht leid geworden, für Noten und vor allem für Fächer zu lernen, die mich nicht die Bohne interessiert haben. Aus meiner Sicht führt unser Notensystem viel zu oft zum Bulimie-Lernen – kurz vor der Prüfung wird der komplette Stoff ins Kurzzeitgedächtnis eingehämmert, um kurz danach alles zu vergessen. Wem ist damit geholfen, wenn nur noch für Noten gelernt wird, um irgendeinen Numerus clausus zu schaffen? Das Ende vom Lied sind Schüler, die ihre Lehrer verklagen, weil sie mit der Benotung nicht einverstanden sind…

      In meine letzte Abiturprüfung bin ich ohne jede Vorbereitung gegangen – und das in dem Fach, dass mich damals am meisten interessiert hat – eine Kapitulation vor unserem Schulsystem. Mir tun jene Kinder leid, die zu Hause einen Einlauf bekommen, weil sie eine schlechte Note mit nach Hause bringen. Auch von einigen Lehrern wird man schnell abgestempelt … da muss einem der Spaß an Bildung zwangsläufig vergehen. Meinen Kindern will ich das ersparen.

      Ich kann deine Argumentation aber gut nachvollziehen. Meine Kritik ist insofern unberechtigt, da ich keine sinnvolle Alternative habe. Die Alternativen von denen ich bisher gehört habe, überzeugen mich nur teilweise. Vielleicht ist es auch mehr eine Frage nach dem Umgang mit den Noten? (auf die du ja in deinem Kommentar eingehst)…

      Den Tweet der Schülerin sehe ich nach deinem Kommentar noch einmal mit anderen Augen. Eine Gedichtsanalyse in 4 Fremdsprachen – wenn unsere Schulen unsere Kinder dazu befähigen, sind sie über alle Kritik erhaben… Wobei ich glaube, dass die Schülerin in dem Tweet etwas auf den Putz gehauen hat 😉

      Liebe Grüße
      Christoph

      P.S.
      Ich habe ja gehört, es soll ganz gute Lehrer geben 🙂

      • Dummerchen
        Reply April 12, 14:13 Dummerchen

        Hallo Christoph,
        na, ich will doch hoffen, dass es auch gute Lehrer gibt. Ich habe in meiner Schulzeit einige gehabt – ich hatte aber auch das Glück, gute Noten zu schreiben. Oder ist das nicht (nur) Glückssache? Keine Ahnung.
        Dass Schüler schnell abgestempelt werden, kann ich nicht einschätzen. Ich denke, so wie der Versicherungsbereich seine schwarzen Schafe hat, gibt es die auch unter Lehrern. In meinem Bekanntenkreis gibt es Lehrer u.a. für Geschichte und Deutsch, zwei Fächer, die ich wegen ihrer vermeintlichen Subjektivität in der Notenbildung schnellstmöglich abgewählt habe. Aber auch von denen höre ich, wie sie zu ihren Noten kommen und das ist alles andere als „Geschmackssache“. Da werden klare Kriterien definiert, wie sie bei naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächern vielleicht noch viel klarer verständlich sind. Was ich sagen will: Ich denke, schriftliche Noten lügen nicht. Zumindest nicht in Bezug auf das Leistungsniveau innerhalb einer Klasse.

        Warum Noten zu Bulemie-Lernen zwangläufig führen soll, erschließt sich mir nicht. Prüfungen sind nun mal wichtig (wie ich schon zuvor betont habe) und wie genau sich jemand das Wissen aneignet (unterrichtsbegleitend oder kurz-vor-knapp), hat mit der eigentlichen Prüfung wenig zu tun. Viele (und da schließe ich mich seit meinem Studium ein) lernen halt immer erst kurz vor knapp. Dass diese Art zu lernen dann dazu führt, dass der Stoff unmittelbar nach der Prüfung wieder verloren geht (=Bulemie), hat eher damit zu tun, dass keine längerfristige Wiederholung im Gehirn stattfindet. Man lernt nur durch Wiederholung. Gute Lehrer beachten das bestimmt in ihrem Unterricht.

        Ich finde es auf jeden Fall gut, dass Du Deinem Nachwuchs keinen unnötigen Druck wegen schlechter Noten machen willst. Du solltest es mit der Nachsicht aber auch nicht übertreiben. Wenn er den Eindruck hat, dass es egal ist, welche Noten er erzielt, ist ihm vielleicht auch nicht geholfen. Den goldenen Mittelweg zu finden ist – wie so oft – die Kunst. Vermutlich wird Dein Nachwuchs aber eh wenig Probleme haben – die 30 Mio. Worte schafft ihr bestimmt 😉 !

        Liebe Grüße
        Dummerchen

        • Finanzkoch
          Reply April 12, 18:15 Finanzkoch Author

          Hallo Dummerchen,

          den strengen Part muss dann die Mama übernehmen. Ich glaube, dass schaffe ich nicht 🙂

          Innerhalb der Klasse bieten Noten eine gute Vergleichbarkeit. Aber bei allem darüber hinaus, wird es schwieriger. Bestes Beispiel: Bei uns haben viele ihr Studium in Halle begonnen und sind nachdem sie sich eine gute Mathenote abgeholt haben nach Leipzig gewechselt… schon verrückt.

          Liebe Grüße
          Christoph

  8. Nico von Finanzglück
    Reply April 11, 15:29 #8 Nico von Finanzglück

    Hallo Christoph,

    das ist wirklich ein wichtiges Thema, welches mir persönlich sehr am Herzen liegt.

    Ich kann Deine Frage sehr klar beantworten: Ja, Geldbildung sollte, nein, MUSS zur Schulbildung gehören. Es ist eine Schande, dass dies nicht der Fall ist.

    Der Umgang mit Geld geht jeden etwas an. Ausnahmslos. Egal ob Du Künstler oder Banker bist, Student oder Auszubildender, Mann oder Frau. Da es so universell ist, gehört es auch in den Schulunterricht. Basta.

    In diesem Fach sollte erklärt werden, wie Altersvorsorge funktioniert, wie sich eine Rendite berechnet, was ein Zinseszins ist, wie Versicherungen oder der Aktienmarkt funktionieren (um nur einige Themen zu nennen). Da dies derzeit nicht gemacht wird, sitzen nach dem Schulabschluss die Jugendlichen/jungen Erwachsenen einem Bankverkäufer oder Versicherungsmakler gegenüber, der sie gnadenlos über den Tisch zieht. Auf der einen Seite ein geschulter Verkäufer der provisionsgetrieben die Produkte am gewinnbringendsten verkauft und auf der anderen Seite eine ahnungsloser Schulabgänger, der von finanziellen Sachen keine Ahnung hat. Ein ziemlich ungleicher Kampf.

    Kann man das so verallgemeinern? Ja, ich glaube schon. Weil es eher die Regel als die Ausnahme ist, dass besonders jungen Leuten Versicherungen und Geldanlagen verkauft werden, die sie nicht brauchen oder aber wesentlich günstiger woanders haben könnten. Ich war selber dämlich genug so ein Teil abzuschließen, am Ende meiner Schulzeit. Ich weiß also wovon ich spreche.

    Klar kannst Du jetzt die Eltern in die Pflicht nehmen. Aber ich komme aus einem typischen Mittelstand-Haushalt und beide meiner Eltern haben eine Bankausbildung. Wir haben über vieles gesprochen, aber Finanzen waren nie ein großes Thema, zumindest nicht in der Tiefe wie ich es mir (in Nachhinein) gewünscht hätte, beziehungsweise nötig gewesen wäre. So wie mir damals ging es den allermeisten Kids. Selbst heute haben die meisten meiner Freunde nicht wirklich eine Ahnung von Geldanlage und Altersvorsorge.

    Die Antwort ist für mich daher eindeutig. Geldbildung muss in den Unterricht.

    VG, Nico

    • Finanzkoch
      Reply April 11, 21:14 Finanzkoch Author

      Hallo Nico,

      wenn du ein komplett neues Fach einführen willst, muss ein anderes dafür weichen. Welches soll das sein? Und gibt es nicht auch andere wichtige Sachen, die in der Schule zu kurz kommen? Was ist mit Essen? Warum gibt es keine Kochkurse in der Schule? Was könnte wichtiger sein, als Kindern beizubringen, sich gesund zu ernähren?

      Worauf ich hinaus will:
      Die Schule kann nicht alles abdecken. Deswegen kann ich die Eltern nicht nur in die Pflicht nehmen, ich mache es auch. Dabei reicht es schon, wenn die Eltern ihren Kindern einen gesunden Umgang mit Geld vorleben. Tiefergehende Informationen kann man sich überall besorgen – und wenn es nur darum geht den richtigen Ansprechpartner zu finden – man muss schlicht Lust dazu haben.
      Wie ich in meinem Artikel bereits schrieb, die Schule muss den Schülern beides mit auf den Weg geben: Die Neugier und die Fähigkeit, sich selbständig Wissen anzueignen.

      Da dies derzeit nicht gemacht wird, sitzen nach dem Schulabschluss die Jugendlichen/jungen Erwachsenen einem Bankverkäufer oder Versicherungsmakler gegenüber, der sie gnadenlos über den Tisch zieht

      Ich bin Versicherungsmakler und nichts liegt mir ferner, als einen Mandanten über den Tisch zu ziehen. Ich habe in der Branche bereits einiges erlebt und kann deine Kritik daher nachvollziehen – teilen kann ich sie nicht. Es ist wie in jeder Branche:

      Ein paar machen ihren Job gut. Ein paar machen ihren Job schlecht. Und dazwischen tummelt sich der Rest.

      Höhere Qualifikationsstandards würden hier sicher helfen. Polemik hilft an dieser Stelle niemandem.

      Liebe Grüße
      Christoph

      • Nico von Finanzglück
        Reply April 12, 11:52 Nico von Finanzglück

        Hallo Christoph,

        Ob man jetzt Geldthemen wie Altersvorsorge mit in existierende Fächer (Wirtschaft/Arbeit/Technik) oder als zusätzliches Fach oder als unterrichtsbegleitende AG mit aufnimmt, muss man schauen. Irgendwo muss es meiner Meinung nach mit aufgenommen werden, da es für jeden Schüler von unmittelbarer Relevanz ist. Kochen bzw. gute Ernährung ist auch ein gutes Beispiel. Dies passt aber, meiner Meinung nach, eher in die Familie. Das ist aber sicherlich subjektiv.

        Ich wollte Dich mit meinem überspitzten Kommentar zu Versicherungsmaklern nicht angreifen. Es gibt immer Schwarze Schafe und genauso gute Berater, die den Nutzen des Kunden vor den eigenen Nutzen stellen. Letzteres ist lobenswert und es ist gut, dass Du diesem Weg beschreitest. Nur leider ist aufgrund der derzeitigen gängigen Anreizstruktur (Provision statt Honorar) die Tür für eine Beratung, an den Interessen der Kunden vorbei, weit offen. Aber diese Diskussion geht am hier Thema vorbei.

        Mein Punkt ist, dass das Thema Geld so wichtig und relevant für jeden einzelnen Schüler ist, dass es einen Platz in der Schule verdient. Bis vor nicht allzu langer Zeit haben wir uns in Sachen Altersvorsorge fast komplett auf den Staat verlassen können. Das ist heute anders. Jetzt muss jeder seinen eigenen Teil zur Altersvorsorge beitragen. Daher gehört es auch in den Unterricht.

        VG, Nico

        • Finanzkoch
          Reply April 12, 18:07 Finanzkoch Author

          Hallo Nico,

          Ich wollte Dich mit meinem überspitzten Kommentar zu Versicherungsmaklern nicht angreifen.

          Alles gut 🙂 Damit sich Honorarberatung flächendeckend durchsetzen kann, müssen auch die „Verbraucher“ umdenken. Solange man nicht bereit ist, für eine Dienstleistung zu bezahlen, ist es schwierig…

          Geldbildung hat einen Platz in der Schule verdient und hat ihn teilweise schon. Ich glaube, dass man nicht übers Ziel hinausschießen darf – und verweise hier gerne auf Dummerchens Kommentar, der es gut auf den Punkt bringt:

          In meinen Augen sollten Schüler Grundbegriffe kennen, aber ob die Kapitalertragssteuer jetzt 25% beträgt oder dass man eine Haftpflichtversicherung braucht, mag zwar für unsereins wichtig und relevant erscheinen, einen Schüler, der weder Geld verdient, noch die Notwendigkeit in den nächsten Jahren haben wird, sich selbst zu versichern, wird diese Information sicher in sein Heft schreiben. Aber bei der Fülle an Wissensvermittlung wird es dies genauso schnell auch wieder vergessen. Er braucht es ggw. einfach nicht.

          Liebe Grüße
          Christoph

  9. Felix
    Reply April 11, 11:52 #9 Felix

    Hallo Christoph,
    ein sehr spannendes Thema, das immer mal wieder aufgegriffen, aber leider nie zu Ende diskutiert wird.
    Ich bin schon der Meinung, dass mehr „Finanzbildung“ im Form der Wissensübermittlung in der Schule erfolgen muss. Viele Kinder und Jugendliche benötigen (aus meiner Sicht) praktische Beispiele, um Themen wie Inflation und Zinseszins verstehen zu können. Das Lernen aus der Reflexion heraus ist zwar ein guter Wunsch und ist (wenn es funktioniert) auch nachhaltiger. Ob das vielen SchülerInnen aber zuteil wird möchte ich bezweifeln.
    Daher benötigt es eher Projekte, Rollenspiele etc. Es gibt hier auch schon gute Ansätze, nur leider steht dem der zunehmende Konsumrausch gegenüber.
    Ich befürchte, viele Altersgenossen und Heranwachsende steuern auf eine verschuldete Zukunft zu – hoffe aber sehr, dass auch Finanzblogs wie deiner, den ein oder anderen Besucher anziehen und „bekehren“ werden.

    Weiter so!

    • Finanzkoch
      Reply April 11, 20:50 Finanzkoch Author

      Hallo Felix,

      Das Lernen aus der Reflexion heraus ist zwar ein guter Wunsch und ist (wenn es funktioniert) auch nachhaltiger. Ob das vielen SchülerInnen aber zuteil wird möchte ich bezweifeln.

      Ist es dann nicht sinnvoller, sich Gedanken zu machen, wie man das ändern kann, anstatt den Lehrplan weiter zu straffen?

      Daher benötigt es eher Projekte, Rollenspiele etc. Es gibt hier auch schon gute Ansätze […]

      Was für Ansätze gibt es? Ich kenne nur die Geldlehrer-Initiative. Hier kann man sich zum „Geldlehrer“ fortbilden und ohne Entgelt an Schulen Crashkurse in Geldbildung geben – vorausgesetzt man findet eine Schule, die das möchte.

      Liebe Grüße
      Christoph

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