Niedrigzinsphase – Was geht mich das an?

Wer spart, verliert (oder so ähnlich …). Dank des aktuellen Zinsniveaus werden wir kalt enteignet. Liebe Redakteure der großen Tageszeitschriften. Noch einmal zum Mitschreiben: Wir werden kalt enteignet!! Könnt ihr ja mal wieder für eine Überschrift verwenden …

Bei der Gelegenheit könnt ihr gleich erwähnen, dass sich Lebensversicherungen, Tagesgeld, Sparbuch und Co langfristig noch nie gelohnt haben. Dank niedrigem NOMINALZINS fällt es nur gerade auf. Vom Nominalzins musste schon immer die Inflationsrate abgezogen werden, um auf den Realzins schließen zu können. Und um ihn geht es – den Realzins.

Räuber bedroht Sparschwein mit Pistole

So ein Realzins macht sich allerdings schlecht in Werbeprospekten. Kannst du dir ja mal vorstellen …

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Die „Headquarter“ von Banken, Versicherungen und Finanzvertrieben wären vermutlich um einiges kleiner, wenn man solch realitätsnahes Marketing betrieben hätte. Eine negative Realverzinsung auf Sparguthaben ist eher die Regel als die Ausnahme. Die Bundesbank schreibt dazu:

Bereits vor der Finanzkrise, nämlich in den 1970er Jahren, Anfang der 1990er Jahre sowie in den 2000er Jahren, erhielten Bankkunden insbesondere auf ihre Spareinlagen keine inflationsausgleichende Verzinsung. Diese Phasen realer negativer Verzinsung überwogen historisch sogar: So lag die mittlere reale Verzinsung über den gesamten Zeitraum (auch ohne Finanzkrise) sowohl bei Spareinlagen als auch bei jederzeit verfügbaren Einlagen (sogenannten Sichteinlagen) im negativen Bereich.

Quelle

 

Riester und Co vom Niedrigzins ausgeknockt

Garantieprodukte wie Riester haben in der Niedrigzinswelt ihre Daseinsberechtigung verloren. Selbst bei langfristigen Verträgen mit einer Ansparphase über 30 Jahre werden bis zu 75 Prozent der Beiträge für die Stellung der Beitragsgarantien verwendet. Die Gesellschaften haben Probleme, die Kosten ihrer Produkte mit den mageren Zinserträgen zu kaschieren. Geförderte Garantieprodukte lohnen sich nur noch bei hohen Förderquoten (weit jenseits der 30 Prozent).

Ein erster Schritt einer Rentenreform wäre damit die Abschaffung der verpflichtenden Beitragsgarantie bei Riester und Co. Dann könnten je nach Risikopräferenz des Anlegers Sparbeiträge wieder in Aktien und andere Sachwerte fließen.

Einen differenzierteren Blick auf die Riester-Rente findest du hier:

Riester-Rente: Warum wird das Offensichtliche übersehen? 

 

Kredite billig wie nie?

Es heißt Kredite wären billig wie nie … stimmt vielleicht auch. Aber zur richtigen Einordnung:

Früher hat die Inflation bei der Entschuldung geholfen. Heute ist der Effekt fast verschwunden.

Im Klartext:

Kredite sind nicht annähernd so günstig, wie es scheint.

Das zeigt, wie wichtig es ist, das Gesamtbild im Auge zu haben. Nehmen wir Immobilien. Wer jetzt kauft, weil die Zinsen so niedrig sind, trifft eine Entscheidung, die auf einer verzerrten Wahrnehmung basiert. Der Zins ist zwar auf Tauchstation gegangen, dafür hat sich parallel dazu die Inflation verabschiedet und die Immobilienpreise sind in die Höhe geschossen.

Es ist alles eingepreist.

 

Und was nun?

Heute wie damals gibt es nur zwei Möglichkeiten, um trotz Realzinsfalle ans Ziel zu kommen:

  1. Du beteiligst dich an Produktivkapital (z.B. Aktien) und steigerst deinen Ertrag
  2. Du erhöhst deine Sparquote

Aufgrund der Niedrigzinsphase das Sparen komplett einzustellen, wäre fatal. Dann läufst du Gefahr, später mit leeren Händen dazustehen. Wenn dir jemand einen Stein in den Weg legt, hörst du auch nicht auf zu laufen. Du unternimmst eine Kraftanstrengung und gehst drum herum oder springst darüber – und am Ende kommst du genau da an, wo du hin wolltest …

Ans Ziel.

 

Fazit

Vieles von dem, was in den Tageszeitungen zum aktuellen Zinsniveau steht, ist Effekthascherei. Wir werden seit Jahrzehnten „kalt enteignet“. Das ist ein alter Schuh. Die Niedrigzinsphase führt uns diesen alten Schuh schmerzlich vor Augen. Sparbücher, Kapitallebensversicherungen und Co sind jetzt offensichtliche Kapitelverbrennungsstellen.

Warum nicht das Beste daraus machen? Und die Abstinenz des Zinses zum Anlass nehmen, um sich abseits von Sparbuch und Co über Anlagemöglichkeiten zu informieren? Wer aufgrund des Niedrigzinses das Sparen ganz einstellt, tauscht das Risiko der Geldanlage gegen Gewissheit. Die Gewissheit später mit leeren Händen dazustehen.[wysija_form id=“8″]

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

Bildquelle © ullrich – fotolia

Portrait vom Autor dieses Artikels
Über Christoph Geiler

Als Finanzberater bin ich auf die Themen Finanzplanung, Geldanlage und Altersvorsorge spezialisiert. Als Finanzkoch bin ich konzeptionell tätig und erstelle Inhalte. In meiner Freizeit schwinge ich gern den Kochlöffel, treibe Sport und spiele mit meinem Sohn.