Investmentfonds: Warum viele Köche dir fast immer die Rendite verhageln

Bevor wir starten, möchte ich darauf hinweisen, dass ich mich mit diesem Artikel auf dünnem Eis bewege. Die folgenden Überlegungen entspringen zu 100 Prozent eigenen Gedankengängen. Es gibt etliche in der Finanzbranche, die einen anderen Standpunkt vertreten.

Meine Behauptung:

Mehr als ein Investmentfonds gleicher Gattung ist schädlich für das Depot.

Was meine ich mit Gattung?

  • Aktienfonds,
  • Mischfonds,
  • Rentenfonds (Anleihen),
  • Rohstofffonds,
  • und Geldmarktfonds

bilden je eine Gattung.

Zudem können wir Themenfonds unterscheiden. Ein Fonds kann sich beispielsweise auf ein bestimmtes Land konzentrieren.

Warum ist es schädlich, mehrere Fonds gleicher Gattung zu kaufen?

Das Ziel, mit der Wahl mehrerer Investmentfonds, ist die Diversifikation. Was diversifizieren wir?

 

1. Die Asset-Klassen

Wir holen einen Aktienfonds, einen Anleihefonds und einen Rohstofffonds in unser Depot.

 

2.  Branchen- und Länder-Risiken

Wir kaufen Fonds, die auf verschiedene Themengebiete und/oder Länder spezialisiert sind.

 

3. Das Manager-Risiko

Viele Fonds bedeuten viele Manager, die sich um unser Geld kümmern.

 

Klingt soweit alles ganz gut. Ist es das auch?

Risiko auf mehrere Asset-Klassen zu verteilen, macht Sinn. Optimaler Weise steigen Rohstoffe im Wert, wenn Aktien fallen und umgekehrt. So senken wir das Gesamt-Risiko. Bei Anleihen ist es das gleiche Spiel.

Was ist mit Punkt 2?

Ein Depot aus einzelnen Themenfonds kann funktionieren. Dabei ist es wichtig, dass sich die Anlagegebiete nicht überschneiden. So kann unser USA-Fonds die Verluste eines Russland-Fonds ausgleichen.

Kommen wir zu Punkt 3.

Mit vielen Managern sinkt unser Risiko, dass das gesamte Geld von einem schlechten Manager betreut wird. Tolle Sache?

Stopp.

Umgekehrt bedeutet das, wir haben vermutlich nicht nur gute Manager angeheuert. Am Ende läuft es auf Durchschnittsbildung hinaus.

Wer von uns bezahlt für Durchschnitt?

Denken wir zurück an die versalzenen Kartoffeln. Was war der Fehler? Fehlende Kommunikation mit meiner Mutter.

Fondsmanager stimmen sich auch nicht ab!

Unser Ziel ist es, unser gesamtes Vermögen so effizient wie möglich anzulegen. Wenn wir es auf verschiedene Fonds aufteilen, ist das nicht mehr möglich.

Gehen wir verschiedene Beispiele durch:

 

1. Wir haben mehrere global agierende Aktienfonds im Depot

Manager 1 legt den Schwerpunkt auf die USA. Manager 2 findet die USA blöd und investiert vor allem in China und Europa. Der Dritte im Bunde investiert mal hier und mal da nach dem Gießkannenprinzip.

Erkennst du hier noch eine sinnvolle Gesamt-Strategie? Wer hat Recht? Einer untergräbt die Entscheidungen des anderen. Es macht keinen Sinn.

Was bei Aktienfonds harmlos erscheint, wird bei Mischfonds kritischer.

 

2. Wir haben mehrere global agierende Mischfonds im Depot

Jetzt haben die Manager freie Hand. Sie können Anlageklassen frei gewichten. Mal haben sie mehr Anleihen, mal mehr Aktien im Depot. Wieder weiß keiner, was der andere gerade macht. Erhöht Fonds 1 seine Aktienquote, senkt Fonds 2 sie vielleicht gerade.

Eine vernünftige Risikoallokation unseres Gesamtvermögens ist nicht möglich.

So können wir das Spielchen bei allen Fonds weiterspinnen, die sich in ihrem Anlageuniversum überschneiden. Ein Fondsmanager spuckt dem anderen in die Suppe.

Wer jetzt laut schreit:

So ein Unsinn, ich schaue einfach auf die Korrelationstabellen! (Korrelation von null bedeutet, dass Fonds sich unabhängig voneinander bewegen. Kleiner null, dass ein Fonds steigt, wenn der andere fällt. Größer null, dass beide zusammen steigen oder fallen.)

Den frage ich:

Was sagen Korrelationstabellen über die Zukunft aus?

Wir sprechen über aktiv verwaltete Fonds, die sich in ihrer Zusammensetzung ständig ändern. Ein Blick in die Vergangenheit bringt uns nicht weiter. Wenn ein Fonds morgen seine Strategie ändert, ist die Tabelle hinfällig.

 

Fazit:

Wenn du aktiv investiert, suche dir den Fondsmanager deines Vertrauens. Bei mehr als einem Manager riskierst du, dass einer die Entscheidungen des anderen untergräbt.

Für jeden Themenbereich einen „Profi“ zu suchen, kann Sinn machen. Damit steigt aber das Risiko, einen schlechten Manager auszuwählen. Die Folge ist Durchschnittsbildung.

Kurz um. Ich denke:

Mehr als ein Investmentfonds gleicher Gattung ist schädlich für das Depot.

Was denkst du?

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

Bildquelle: © Cartoonresource – fotolia

Portrait vom Autor dieses Artikels
Über Christoph Geiler

Als Finanzberater bin ich auf die Themen Finanzplanung, Geldanlage und Altersvorsorge spezialisiert. Als Finanzkoch bin ich konzeptionell tätig und erstelle Inhalte. In meiner Freizeit schwinge ich gern den Kochlöffel, treibe Sport und spiele mit meinem Sohn.