Riester-Rente: Warum wird das Offensichtliche übersehen?

Der neue Riester-Renten-Anbieter Fairr hat einen Versicherer gefunden, der die Rentenphase seiner Verträge übernimmt. Damit sind die Konditionen für die Verrentung endlich ersichtlich. Wie zu erwarten, wurden die garantierten Renten deutlich gekürzt und an das aktuelle Marktniveau angepasst. Dieser Umstand hat bei einigen meiner Makler-Kollegen für heftige Diskussionen und Unmut gesorgt.

Schon im Vorfeld war immer wieder die Frage aufgekommen: Wie fair ist Fairr?

Abseits der schönen Wortspiele wundert es mich, dass in den hitzigen Debatten der wichtigste Punkt untergeht:
Es ist völlig egal, ob der Anbieter Fairr, DWS oder Bibi Blocksberg heißt. In der aktuellen Niedrigzinsphase lohnt sich die Riester-Rente weniger denn je. Warum, erfährst du in diesem Beitrag.



Riester-Rente: Warum wird das Offensichtliche übersehen?


Geburtsfehler der Riester-Rente

Die Rentenreform 2001 war ein Meilenstein in der deutschen Sozialpolitik. Parallel zu der Absenkung des Rentenniveaus, wurde als Ausgleich unter anderem die Riester-Rente eingeführt. Das kam einem Bruch der paritätischen Rentenfinanzierung gleich. Denn die Riester-Rente zahlt der Arbeitnehmer, ausgenommen der Förderungen, selbst.

Die Riester-Rente wurde von ihren Gründervätern gleich mit mehreren Geburtsfehlern ausgestattet. Die wichtigsten sind:

  • Es erfolgt eine Anrechnung auf die Grundsicherung
  • Die Beiträge müssen garantiert werden
  • Die Riester Rente wird nachgelagert besteuert
  • Das Kapital muss verrentet werden (ausgenommen Wohn-Riester)

Neben diesen spezifischen Merkmalen, gibt es noch einige Punkte, die gegen Rentenversicherungen im Allgemeinen sprechen:

  • Intransparenz
  • Kostenbelastung
  • Eingeschränkte Vererbbarkeit
  • Eingeschränkte Verfügbarkeit
  • Ineffiziente Allokation des eigenen Gesamtvermögens

Alle Punkte werde ich im Folgenden näher beleuchten. Danach gehe ich noch auf ein immer wieder hervorgebrachtes Argument der Versicherungsbranche ein:

Das Vorsorgen im Kollektiv ist die effektivste Möglichkeit, ja sogar die einzige Möglichkeit, das Langlebigkeitsrisiko abzudecken.

Jetzt heißt es anschnallen und Kaffeetasse festhalten. Los geht’s.

 

Anrechnung auf die Grundsicherung

Um die volle Förderung der Riester-Rente zu erreichen, müssen mindestens 4 Prozent des Bruttogehalts des Vorjahres an Beiträgen aufgebracht werden. Gerade Geringverdiener mit Kind können so bei der Riester-Rente hohe Förderquoten erreichen.

Ein Beispiel:

Eine alleinerziehende Mutter mit 2 Kindern (nach dem 1.01.2008 geboren) geht Vollzeit arbeiten (wie auch immer das gehen soll). Sie verdient den Mindestlohn von 8,50 €. Was in etwa einem Bruttogehalt von 1400 € entspricht. Im Jahr sind das 16800 € Brutto. Weihnachts- und Urlaubsgeld bekommt sie nicht.

Im Monat muss sie nur den Sockelbeitrag von 5 € bezahlen, um die volle Förderung zu erhalten (16800 € * 0,04 – 154 € Grundzulage – 600 € Kinderzulage = -82 €). Aus 60 € Eigenbeitrag im Jahr werden durch Zulagen 814 € Gesamtbeitrag. Da soll noch jemand sagen, die Riester-Rente lohnt sich nicht …

Und trotzdem kann es sein, dass selbst diese 5 € verschwendete Liebesmüh sind. Denn wenn unsere Mutter in Zukunft keine nennenswerten Gehaltssteigerungen bekommt, landet sie mit der gesetzlichen Rente deutlich unter Grundsicherungs-Niveau.

Um ihre Rentenansprüche zu überschlagen, möchte ich an dieser Stelle auf die Bierdeckelformel zurückgreifen (Bruttogehalt/100*Beitragsjahre).

16800 € / 100 * 40 = 6720 € im Jahr. Im Monat entspricht das einer Rente von 560 €. Zur Höhe der Grundsicherung gilt als Faustregel: Wer aktuell weniger als 773 € Einkommen hat, sollte prüfen lassen, ob Anspruch auf Grundsicherung besteht.

Zwischen gesetzlicher Rente und Grundsicherung klafft in unserem Beispiel eine Lücke über 213 €. Das Loch füllt der Staat. Doch vorher schaut er, welche weiteren Einkünfte unsere zweifache Mutter hat. Und siehe da, sie hat Einkünfte aus der Riester-Rente von 100 € im Monat. Zum Dank für ihre Mühen klopft ihr Vater Staat wohlwollend auf die Schulter und rechnet ihre Riester-Rente voll an. Mit oder ohne Riester, es stehen ihr 773 € zur Verfügung.

Die Rechnung ist stark vereinfacht. Trotzdem wird das Problem deutlich.

Gerade jene, die heute schon wenig verdienen, werden in der Rente für zusätzliche Vorsorgeaufwendungen nicht belohnt. Das muss sich dringend ändern.

Die Beitragsgarantie

Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass die Beiträge und Zulagen der Riester-Sparer garantiert sein müssen … und hat damit gleichzeitig jede Chance auf attraktive Renditen verbaut.

Üblicherweise existieren zwei Wege um Beitragsgarantien zu stellen:

  1. Ein Versicherer garantiert die Beiträge
  2. Die Garantien werden aus den Beiträgen über risikoarme Anleihen gestellt

Für den ersten Weg fällt eine Prämie an, welche die Wertentwicklung schmälert. Die Gesellschaft Friends Provident hat diesen Weg gewählt. Mittlerweile hat sie den Vertrieb in Deutschland jedoch eingestellt. Die Prämie, die sie für die Beitragsgarantie aufgerufen hat, war schlicht zu niedrig.

Der zweite Weg ist die bei weitem am meisten praktizierte Variante. Nehmen wir an, du schließt eine fondsbasierte Riester-Rente ab. Jeden Monat zahlst du 100 € ein. Die Laufzeit beträgt 30 Jahre.

Was denkst du, wie viel deines Geldes in die freie Fondsanlage fließt?

Nachgerechnet:

In den 30 Jahren zahlst du 36000 € ein. Diese Summe muss garantiert werden. Zu diesem Zweck teilt der Versicherer deinen Sparbeitrag in zwei Geldströme ein. Der eine fließt in den Garantietopf und der andere in die freie Fondsanlage.

Das Geld im Garantietopf wird in sichere Staatsanleihen investiert. Rechnen wir mit einer durchschnittlichen Verzinsung von 1,5 Prozent.

Jetzt stellt sich die Frage:

Wie viel Geld muss in den mit 1,5 Prozent verzinsten Garantietopf gesteckt werden, damit nach 30 Jahren 36000 € herauskommen?

Antwort: Eine monatliche Rate von 79,27 €.

Das bedeutet im Umkehrschluss, gerade einmal 20,73 € stehen jeden Monat für die freie Fondsanlage zur Verfügung. Und in dem Beispiel haben wir die Kosten völlig vernachlässigt. Die müssen in der Realität erst einmal hereingeholt werden.

Nehmen wir für die Fondsanlage eine Verzinsung von 7 Prozent an, haben wir mit dem Garantietopf eine Gesamtrendite nach 30 Jahren von 3,24 Prozent.

Ist das gut oder schlecht? Das musst du für dich entscheiden. Die Inflation solltest du dabei jedoch im Hinterkopf haben.

Ist die Rechnung zu einfach?

Mit Sicherheit. Mittlerweile haben viele Anbieter komplizierte Modelle entwickelt, um die Investitionsquote zu erhöhen. Über den Nutzen lässt sich allerdings vortrefflich streiten. Die Entwicklung und Implementierung solcher Modelle kostet viel Geld. Zudem schichten sie aktiv um (Stichwort: DWS i-CPPI). In steigenden Märkten fließt Geld in die Aktienanlage. In fallenden Märkten geht das Geld in Anleihen. Die Folge ist zyklisches Investieren aus dem Lehrbuch, was die Rendite weiter drücken dürfte.

Egal wie kompliziert das Modell ist, am Ende braucht es immer schwankungsarme Anleihen um Garantien zu stellen. Zudem gilt auch hier: Mehr Rendite bedeutet höheres Risiko.

Egal wie die Garantie gestellt wird, das Problem ist klar:

Die Beitragsgarantie ist ein Rendite-Killer. Je kürzer die Laufzeit, umso schlimmer wirkt sie sich aus. Die Niedrigzinsphase sorgt dafür, dass fast die gesamten Sparbeiträge in den Garantietopf fließen.

Für Riester-Verträge mit einer Laufzeit kleiner 20 Jahre, würde ich bei dem aktuellen Zinsniveau von einer Rendite von 0 Prozent ausgehen. Alles darüber hinaus ist Bonus.

Heißt das, bei langen Laufzeiten macht die Riester-Rente mehr Sinn? Nein. Das Gegenteil kann der Fall sein. Je länger der Zeithorizont, umso nutzloser ist eine Garantie. Zumal wir von einer Garantie sprechen, die nicht an die Inflation gekoppelt ist.

Nachgedacht

Was passiert, wenn Garantiezusagen nicht eingehalten werden können?

Die Versicherer werden den Bußgang antreten, zu den zuständigen Behörden gehen und Abbitte leisten. Danach erhalten die Versicherten ein Schreiben, dass die Garantien aufgrund unvorhersehbarer Ereignisse nicht eingehalten werden können. Die Leistungen werden gekürzt.

Nachgelagerte Besteuerung

Geschenkt gibt es nichts. Die Riester-Rente wird in der Auszahlungsphase mit dem persönlichen Steuersatz voll besteuert. Riestern lohnt sich also nur, wenn in der Ansparphase die Zulagen einer anständigen Wertentwicklung unterliegen und/oder der persönliche Steuersatz im Rentenalter niedriger ist, als im Erwerbsleben. Dass die Wertentwicklung eher mau ist, haben wir schon unter dem Punkt Beitragsgarantie gesehen.

Fairerweise musst du hier bedenken, dass auch die Alternativen zur Riester-Rente der Besteuerung unterliegen.

Das Kapital muss verrentet werden

Am Ende der Ansparphase können maximal 30 Prozent des Kapitals entnommen werden. Wer darüber hinaus geht, muss die Zulagen zurückzahlen (die Zinsen dürfen behalten werden). Alternativ kann das angesparte Kapital zu dem Erwerb einer eigengenutzten Immobilie verwendet werden. Mehr Möglichkeiten gibt es nicht.

Aktuell sind Rentenfaktoren um die 30 üblich. Das bedeutet für 10000 € angespartes Kapital gibt es pro Monat eine Rente in Höhe von 30 €. Oder anders ausgedrückt:

Du musst fast 28 Jahre lang durchhalten, um dein Geld zumindest herauszubekommen.

Ziemlich sportlich. Wenn du mit 67 in Rente gehst, bist du dann 95.

Nachgedacht

Frauen haben eine höhere durchschnittliche Lebenserwartung als Männer. Daher lohnen sich für sie Rentenverträge eher.

Intransparenz

Im Schneckentempo bessern die Versicherer hier nach. Doch 100-prozentigen Durchblick, was mit deinem Geld passiert, wirst du nie haben. Wenn du streng nach der Maxime

Kaufe nichts, was du nicht verstehst

handelst, dürften die meisten Rentenverträge nichts für dich sein.

Kostenbelastung

In Rentenverträgen verstecken sich die verschiedensten Kosten …

  • Verwaltungskosten
  • Kapitalanlagekosten
  • Vertriebskosten

Um nur einige zu nennen. Das Problem:

Kosten fressen die Rendite auf.

Eingeschränkte Vererbbarkeit

In der Rentenphase angelangt, gehört das Geld dem Versicherer. Im Gegenzug erhält der Versicherte eine Rente. Stirbt der Versicherte, fällt das nicht aufgezehrte Kapital an die Versichertengemeinschaft. Renten-Garantie-Zeiten können nur teilweise Abhilfe schaffen. Zwar bekommen die Erben im Todesfall noch für die vereinbarte Zeit Geld, dafür sinkt jedoch die Höhe der monatlichen Rente.

 

Eingeschränkte Verfügbarkeit

Rentenverträge bringen es mit sich, dass sie illiquide sind. Oft sind frühzeitige Auszahlungen mit Kosten verbunden. Wenn sie denn überhaupt möglich sind … Der vermeintliche Nachteil kann allerdings auch ein Vorteil sein. Schließlich wird verhindert, dass das Geld vorzeitigem Konsum zum Opfer fällt.

 

Ineffiziente Allokation des eigenen Gesamtvermögens

Dein Vermögen ist eine Einheit. Wenn du in einen Renten-Vertrag einzahlst, weißt du in der Regel nicht, wie zum Zeitpunkt X dein Kapital investiert wird. Das bedeutet, du kannst deine restlichen Anlagen nur schwer danach ausrichten. Dein Gesamtvermögen ist also nicht risiko-rendite-optimal investiert.

Dazu habe ich bereits einen themenverwandten Artikel veröffentlicht: Mentale Kontenbildung

Nachgedacht

Wenn der Riester-Vertrag in Allokations-Betrachtungen einbezogen wird, kann es interessant werden. Die Beiträge sind garantiert. Damit kommt der Riester-Vertrag als risikoloser und dabei noch steuerlich geförderter Depotbestandteil in Frage.  Nachteil ist allerdings die Illiquidität.

Was denkst du?

 

Fazit

Durch das aktuelle Niedrigzinsniveau wird ein Großteil der Beiträge für die Stellung der Beitragsgarantie benötigt. Das verhagelt Riester-Sparern die Rendite.

Ob sich ein Riester-Vertrag lohnt, ist dabei immer eine Einzelfall-Entscheidung. Die zweifache Mutter aus unserem Beispiel könnte beispielsweise heiraten und/oder sich beruflich verbessern. Dann würde sich die Riester-Rente für sie doch noch lohnen. Denkbar ist auch, die Riester-Rente als risikoarmen Vermögensbestandteil in die Assetallokation einzubeziehen.

Für Anleger, die den Fokus auf Rendite legen, ist die Riester-Rente eher ein Rohrkrepierer. Denn langfristig schlägt die Rendite die Förderung.

Und was ist nun mit dem Argument:

Rentenversicherungen sind die einzige Möglichkeit das Langlebigkeitsrisiko abzusichern?

Bereits unter dem Punkt „Verrentung“ habe ich aufgezeigt, dass es bei den aktuellen Rentenfaktoren etwa 28 Jahre dauert, bis du dein Geld wieder „raus“ hast.

Wenn du vorhast älter als 95 Jahre zu werden, können Rentenversicherungen für dich interessant sein. Dabei solltest du allerdings die Inflation beachten. Nur 2 Prozent Inflation bedeuten in 28 Jahren 42,5 Prozent Kaufkraftverlust. Eine jährliche Rentensteigerung zu vereinbaren, ist ratsam. Das drückt jedoch die Höhe deiner Startrente.

Wenn du gleichbleibende Rentenzahlungen erhältst, drängt sich die Frage auf:

Können diese Rentenzahlungen überhaupt das Langlebigkeitsrisiko abdecken, wenn sie ständig an Wert verlieren?

Eine genauere Betrachtung des Langlebigkeitsrisikos findest du in meinem Artikel:

Ich lebe noch! – Ruhestandsplanung in der Republik der Greise

 

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Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

Bildquelle: © Antonio Gravante – fotolia

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26 Kommentare

  1. JFB
    Reply Februar 03, 19:35 #1 JFB

    Ich bin neulich auf den Anbieter myPension gestoßen ( https://www.mypension.de/ ), der ein Produkt aus der Schicht flexible Privatvorsorge anbietet (3. Schicht).

    Ganz interessant ist hier die Anlage zu 100% in ETFs, in Form eines Weltportfolios bestehend aus kostengünstigen Vanguard ETFs. Daneben sehr hohe Rentenfaktoren, transparente Kosten (nur ~0,8% Effektivkostenquote, inkl. Kosten der ETFs), ein einfaches User Interface sowie Flexibilität in Bezug auf die Beitragshöhe (handhabbar wie ein Wertpapier-Sparplan).

    Könnte vielleicht interessant sein, für Personen, die kein Interesse haben ein eigenes Portfolio zu verwalten.

    Zusätzlich ist der Steuervorteil interessant, dadurch dass man keine laufenden Erträge versteuern muss. Die Kapitalertragssteuer würde ja bei einem Portfolio mit hypothetischen Ausschüttungen von 2% p.a. auch eine Renditeschmälerung von etwas mehr als 0,5% p.a. bedeuten (26,375% der 2% Ausschüttung, unter der Annahme, dass der Freibetrag bereits ausgeschöpft wurde). Somit sind die Effektivkosten eigentlich schon wieder ausgeglichen. Gerade wenn man die Überlegungen die Kapitalertragssteuer wieder mit dem persönlichen Steuersatz zu ersetzen heranzieht.

    Man kann sich die ETF-Anteile statt Kapitalauszahlung oder Verrentung auch in ein privates Depot übertragen lassen, falls man weiterhin investiert bleiben möchte (wie es hierbei steuerlich aussieht muss ich noch evaluieren).

    Ich freue mich über Anmerkungen zu diesem Produkt 😉 Bislang auf den ersten Blick das vielversprechendste was ich an Versicherungslösungen zur Altersvorsorge gesehen habe.

  2. Arnold Balzer
    Reply März 29, 03:07 #2 Arnold Balzer

    Hallo Finanzkoch!
    Bin mehr zufällig über das Börsenforum mastertraders.de auf deinen Blog gestoßen. Meine Hochachtung vor deinen fachkundigen und kritischen Kommentaren zu dem üblichen Finanzbranchen-Blabla incl. der staatl. Altersvorsorge-Propaganda!
    Bin als ehemals ‚Besserverdiener‘ mittlerweile berentet, und während meiner aktiven Zeit war ein Riester-Humbug für mich eh indiskutabel, weil kinderlos-verheiratet keine hohe staatl. Förderung in Aussicht war. Auch ge-rürupt habe ich nicht, obwohl mir das in den späten 00er-Jahren aus steuerlicher Sicht interssant erschien. Eine diesbezügl. Anfrage bei der DEBEKA (war m.W. seinerzeit immer in Top-Ranks von Versicherungsvergleichen) wurde mir von dieser abschlägig beschieden (!), weil meine Ansparphase angesichts eines regulären Renteneintrittsjahres 2016 zu kurz wäre, um eine angemessene Rente ausgezahlt zu bekommen. (Diese Ehrlichkeit hat mich doch stark positiv überrascht!)
    Mein Kommentar zum Riester-Blog ist zugegebenermaßen insofern fehl am Platze, da meine Rentensituation ohne Riester&Rürup eh schon geklärt ist. Ich möchte jedoch auf einen anderen Umstand hinweisen, der mich als Rentner, der Ansprüche aus 2 betrieblichen Altersvorsorge-Verträgen hat, kalt erwischt hat: Nämlich die Tatsache, dass auf solche Rentenzahlungen 10 Jahre lang KV-Beiträge zu zahlen sind (zusätzl. zum üblichen KV-Beitrag versteht sich), falls man vorher freiwillig in der GKV versichert war! (D.h. mein Einkommen lag seinerzeit zumeist über der BBG – mich nicht privat krankenversichert zu haben, bedauere ich nachträglich zutiefst, nun ja, mein Problem.)
    Historischer Hintergrund: In den letzten Jahren der Schröder-Regierung drohten massive Löcher in der GKV. Schwupps hatte die ex-kommunistische und dann sozial(!)-demokratische ‚Sozial‘-Ministerin beschlossen, die zuvor beworbene betriebliche Altersvorsorge zu melken, indem freiwillig Versicherte entgegen früheren Zusicherungen zur zusätzlichen GKV-Finanzierung herangezogen werden. Das Ganze wurde mit höchstrichterlichem Segen als im Rahmen der Freiheit des ‚Gesetzgebers‘ stehend für verfassungsrechtlich konform beurteilt. (Solange diese Richter nicht selbst betroffen sind, kümmert’s die einen Dreck, wo Normal-Sterbliche zu ihrem Recht kommen. Kürzliche Proteste und Demos von Geschädigten dürften im Sande verlaufen.)
    Was ich damit sagen will: Neben der Tatsache, dass sich Riester & Konsorten für die wenigsten echt lohnen dürfte, kann man von dieser und von kommenden Regierungen jedwedes Schurkenstück erwarten, wenn wiedermal Ebbe in der Staatskasse herrscht. Eine Altersvorsorge jedweder Art ist im Grunde keine Versicherung, sondern eine VerUNsicherung:
    Bargeld-Verbot? Negativzinsen? Goldbesitz-Verbot? Immobilienzwangshypothek? Reichensteuer auf Aktien und sonstiges Vermögen?
    Alles möglich bzw. schon dagewesen!
    A. B.

    • Finanzkoch
      Reply März 29, 11:32 Finanzkoch Author

      Hallo Arnold,

      danke für dein Lob 🙂

      Gesetzliche Änderungen können, wie du bereits geschrieben hast, bei jeder Sparform auftreten. Das ist kein alleiniges Problem der Versicherungen. Daher schaue ich immer, was nach den aktuellen Spielregeln Sinn macht – zukünftige Änderungen kann ich eh nicht vorhersehen …

      Die GKV-Abgaben auf betriebliche Altersvorsorgen sind ein Witz. Durfte ich vor kurzem miterleben – da sind dann 30.000 Euro einfach mal weg gewesen …

      Herzliche Grüße
      Christoph

  3. Linke
    Reply Januar 10, 03:56 #3 Linke

    Die Riester ist lohnenswert für Menschen mit einen angemessenen Anspruch auf Zulagen oder für Gut-Verdiener mit entsprechend hohen Steuersatz.
    Wenn dann die Konditionen fair sind (überschaubare Kosten, angemessener Rentenfaktor, solide Überschussbeteiligung) – kann man sich eine Bonusrente sichern.

    Die fondsgebundenen Riesterprodukte betrachte ich sehr kritisch. Es gibt keine Antizipation am Kapitalmarkt ohne Risiko. Das gab es noch nie. Selbst Pensionsfonds und Versorgungswerke sichern sich lediglich auf 95% – 97% ihres Fondsvermögens ab um zu performen. Zwar kann eine Riester während der Ansparphase die Garantieschwelle unterschreiten, dennoch müssen mögliche Verluste am Kapitalmarkt wieder aufgeholt und angespart werden.

    Beim Fairr-Produkt wird nur in ETFs investiert teilweise mit SWAP-Kontrahenten, die Allokation liegt wesentlich in Europa und Deutschland. Die Umschichtung in Anleihen erfolgt recht früh. Garantiegeber ist die kleine Sutor Bank die keinerlei Rating besitzt und keine Information über ihr Assset under Management published. Die Sutor Bank hat zu dem freie Hand die Anlagestrategie jeder Zeit zu ändern.
    Mit der Lebensversicherung My life , welche später die Rente zahlt, hat fairr allerdings ein sehr seriösen Partner.

    Falls ihr die staatliche Förderung einer Riester möchtet, rechnet es euch auf jeden Fall durch, inklusive Kosten und entscheidet im Anschluss.

    Möchtet ihr am Kapitalmarkt aktiv sein macht es mit einen Fondssparplan, da gibt es auch noch Freibeträge (801€ pro Jahr auf Kapitalerträge) oder schaut euch Private Altersvorsorge Produkte an. Stimmt bei diesen die Kostenstruktur sind solche Produkte sehr attraktiv und viel flexibler.

    Beste Grüße 🙂

    • Finanzkoch
      Reply Januar 10, 09:20 Finanzkoch Author

      Auch wenn ich fondsgebundene Riesterprodukte ebenfalls kritisch betrachte, halte ich von klassischen Verträgen nichts. Hier hast du keinen Schimmer, was mit deinen Beiträgen passiert.
      Und: Die Ertragslage solcher Produkte ist in der aktuellen Zinsphase eine Katastrophe. Hier tragen alle neuen Kunden dazu bei, die Garantiezusagen der älteren Kunden zu bedienen. Wir dürfen gespannt sein, wie sich Solvency II langfristig auswirkt.

      Zu Fairr:
      Mal sehen, wie sich die Sutor Bank verhält, wenn die Aktienkurse längerfristig in den Keller rauschen. Für jeden Vertrag „unter Wasser“ (aktueller Vertragswert liegt unter den Wert der Beiträge) muss die Sutor Bank Rücklagen bilden. Mit einer Bilanzsumme von etwa 34 Millionen stelle ich mir das schwierig vor.

      Herzliche Grüße
      Christoph

      • Linke
        Reply Januar 11, 09:34 Linke

        Aber was ist die Alternative für normale Verbraucher? Klar langfristig schlägt kein Vorsorgeprodukt ein sinnvolles gestreutes Depot, aber wer setzt sich denn damit Intensiv auseinander und wer möchte das auch? Ist das Ziel sich langfristig für das Alter ein Vermögen aufzubauen beduetet das eiserne Diziplin. Nerven behalten in sowohl Wachstumsstarken als auch Schwankungsarmen Marktphasen. Dann gibts da noch den inneren „Schweinehund“, der gerne schnell liquides Geld nutzt um es sinnlos zu konsumieren.

        Ich merke selbst im Overlay Management, das instutionelle Kunden die seit Jahre Vermögen anlegen häufig in Panik geraten und dazu neigen alles übers Bot zu werfen. Beim kleinen Endverbraucher skaliert sich das Risiko nur zunehmend. Wie soll dann die Hotelfachfrau, die Rechtskraftfachangestellte oder meitnewegen auch der Berater bei Deloit das bloß hinbekommen?

        Klar gibt es sehr gute Honorar- und Vermögensberater und sie generieren auch einen echten Mehrwert für den einzelnen Kunden, aber leider ereichen sie nicht die breite Masse. Die meisten schließen schlechte Produkte von Strukturvertrieblern ab. Bezahlen sich „dumm und dämlich“ und bekommen am Ende nichts raus, da jede Rentegarantie nichts anderes ist als eine reine Wette um die Lebensspanne des Vebrauchers, welche die Versicherung dank weichen niedrigen Rentenfaktor gewinnt. Aber auch diese Verbraucher haben einen Anspruch auf eine vernünftige Strategie zum langfristigen Vermögensaufbau.

        Solange da aber gesetzlich kein Riegel vorgeschoben wird, wird sich das auch so schnell nicht ändern.

        Ich stelle mir häufig die Frage, wie man gemeinsam mit möglichst vielen Menschen eine sinnvolle Vorsorge aufbauen kann und das für viele weitere möglichst skaliert.
        Leider komme ich immer nur zur gleichen Atnwort: Strukturvertrieb mit relativ „fairen“ Vorsorgeprodukten und Standardportfolios mit geringer Variabilität.

        Was besseres ist mir noch nicht eingefallen. ^^

        • Finanzkoch
          Reply Januar 11, 19:21 Finanzkoch Author

          Wenn die Förderquote passt und der Anleger mit den Nachteilen eines Riester-Produktes leben kann, dann spricht nichts gegen Riester. Man muss eben je nach Situation die verschiedenen Förderwege gegeneinander abwägen und auch nicht geförderte Optionen in Betracht ziehen. In der Basis muss ich z.B. keine Garantie einbauen, dafür gibt es andere Nachteile … Das muss und soll jeder selbst entscheiden.

          Wichtig ist, dass man weiß, auf was man sich einlässt.

          Ein Freund von Strukturvertrieben werde ich in diesem Leben nicht mehr. Wie sieht es in der Praxis aus? Ich habe vor längerer Zeit mit einem Mitarbeiter eines Strukturvertriebes gesprochen, auf den dein Vorschlag in etwa passt. Dort machen sie fast nur Fondspolicen in der dritten Schicht, weil sie alles andere für zu unflexibel und renditeschwach halten. Was ist passiert? In der Finanzkrise wurden die ganzen Policen gekündigt, weil die Anleger schockiert waren … Hier wussten die Menschen nicht, auf was sie sich einlassen. Die Folge: Ein satter Verlust

          Ein Produkt, welches für jeden passt, kenne ich nicht. Deswegen ist eine gute Beratung so wichtig. Bis jetzt habe ich keinen Strukturvertrieb gesehen, der eine Beratung leistet, wie ich sie mir vorstelle.

          Wie man möglichst viele Menschen erreicht? Hier müssen sich viele verschiedene Angebote am Markt etablieren. Klar ist: Gute Beratung kostet Geld. Das hat nicht jeder. Es muss also auch günstigere Standardlösungen geben. Eine bessere Antwort habe ich leider (noch) nicht. Für Vorschläge bin ich jederzeit zu haben 🙂

          Liebe Grüße
          Christoph

  4. Dr. Jürgen Nawatzki
    Reply Dezember 07, 12:39 #4 Dr. Jürgen Nawatzki

    Hallo Christoph,

    von allen Riester-Verträgen glaube ich, dass das relativ neue Angebot von fairr zu den attraktivsten gehört. Schon allein deswegen, weil sie auf ETFs setzen und die Kosten niedrig halten. Eine private Rentenversicherung dagegen lohnt doch kaum noch. Ich jedenfalls würde auf Riestern mit fairr setzen!

    Herzliche Grüße

    Jürgen

    • Finanzkoch
      Reply Dezember 07, 13:58 Finanzkoch Author

      Hallo Jürgen,

      ich bin gespannt, wie sich fairr langfristig am Markt behauptet. Gerade bei der Art und Weise wie die Garantie gestellt wird, sehe ich einige Szenarien, welche für die Bilanz erhebliches Konfliktpotential bergen.
      Auch bei den garantierten Rentenkonditionen handelt es sich um eine weiche Garantie.

      Nichtsdestotrotz ein spannendes Produkt, welches einen Blick wert ist.

      Herzliche Grüße
      Christoph

    • Finanzkoch
      Reply Dezember 07, 14:00 Finanzkoch Author

      P.S.
      Habe gerade gesehen, dass du dich der Wertpapierleihe gewidmet hast. Dazu veröffentliche ich heute auch noch etwas 🙂

  5. Fräulein Zaster
    Reply November 11, 21:24 #5 Fräulein Zaster

    Hallo Christoph,

    Riester-Rente lohnt nicht: Eine Tatsache, die mittlerweile so langsam bei jedem ankommt – außer natürlich bei denen, die bereits eine abgeschlossen haben. Nun meine Frage: Gibt es irgendein Rentenvorsorge-Produkt, bei dem du sagen würdest, dass sich eine genauere Betrachtung für den deutschen Durchschnittsbürger lohnen würde?

    Das würde mich wirklich brennend interessieren. Ich traue mir durchaus zu meine eigene Altersvorsorge via Eigenanlage selbst zu managen, aber ich hätte gerne noch ein zweites Renten-Standbein zur Risikostreuung.

    • Finanzkoch
      Reply November 12, 11:14 Finanzkoch Author

      Hallo Alexandra,

      du kannst Fragen stellen … 🙂 Im Prinzip sind alle geförderten Produkte einen Blick Wert. Pauschal ausschließen möchte ich nichts. Die Basis-Rente verlangt beispielsweise keine Garantien, wie ein Riester-Vertrag. Dafür ist die Vererbung und Verfügbarkeit noch einmal wesentlich engeschränkter. Wenn der Arbeitgeber bei der betrieblichen Altersvorsorge Geld zuschießt und du den Anbieter frei wählen darfst, kann die Sache richtig Spaß machen.

      Die Frage ist, kannst du mit den Nachteilen leben, die entstehen, wenn du einen langfristigen Rentenvertrag abschließt?
      Nur ein paar Beispiele:
      -eingeschränkte Vererbarkeit
      -eingeschränkte Liquidität (kann auch ein Vorteil sein)
      -Kosten für Produktmantel (wobei es Produkte gibt, die nur etwa 0,5%p.a. kosten)
      -Wette darauf älter als 95 zu werden
      -jahrzehntelange Bindung an ein Unternehmen (Produktgeber)

      Ein Hauptargument gegen Rentenprodukte ist oft die nachgelagerte Versteuerung. Das möchte ich etwas relativieren. Die Alternativen sind schließlich der Aufbau eines eigenen Depots, Immobilien, usw. … Einkünfte daraus müssen ebenfalls versteuert werden, obwohl der Aufbau des Vermögens bereits aus versteuertem Guthaben bestritten wird.

      Den Nachteilen stehen also immer auch Vorteile gegenüber. Beispielsweise:
      -Sparvorgang aus dem Bruttovermögen
      -Steuerstundungseffekt bei Geldanlage innerhalb des Produktmantels
      -du gehst folgendem Problem aus dem Weg: Am Ende des Geldes ist noch Leben übrig

      Bei konkreten Produktfragen kann ich aus der Ferne leider immer nur begrenzt helfen. Die Frage, die sich mir bei dir spontan stellt (kenne deine Situation aus deinem Blog ja ein bisschen), ist:

      Brauchst du überhaupt eine Rentenversicherung? Ein zweites Standbein hast du vermutlich schon durch die gesetzliche Rentenversicherung.

      Herzliche Grüße
      Christoph

  6. Nico
    Reply November 10, 12:10 #6 Nico

    Hallo Christoph,

    ich bin gerade erst über deine Seite gestolpert und finde sie super. Eine Menge Informationen und vor allem sind sie so geschrieben, dass man sie auch verstehen kann. Danke dafür!

    Ich habe zum Beginn meiner Ausbildung vor 5 Jahren einen Riester Vertrag bei Union abgeschlossen (UniProfiRente 4P), bin aber inzwischen der Meinung, dass es andere sinnvollere Varianten der Altersvorsorge gibt.

    Wäre es sinnvoll den Riester Vertrag einfach komplett zu kündigen?
    Der Bestandswert hat gerade mal 1800€ erreicht.

    Über einen kurzen Tipp würde ich mich freuen.

    Beste Grüße,
    Nico

    • Finanzkoch
      Reply November 11, 10:22 Finanzkoch Author

      Hallo Nico,

      schön, dass dir mein Blog hilft 🙂

      Produkt-Empfehlungen aus der Ferne gehen mir schwer über die Hand. Dazu fehlen mir quasi immer die notwendigen Informationen … Was erwartest du vom Leben? Wie sieht deine finanzielle Situation aus? Hast du eine Familie? Möchtest du mal ein Haus? Erbst du später? Wie sicher ist das? Welche Erfahrungen hast du bei der Geldanlage?

      Um dir trotzdem etwas zu helfen, bedenke folgendes:

      Wenn du kündigst, zahlst du die Förderungen zurück.
      Die Abschluss-Kosten hast du nach 5 Jahren abbezahlt. Wenn du jetzt kündigst, ist das so ähnlich, als ob du die letzte Rate für dein Haus gezahlt hast und es danach direkt abreißen lässt.
      Wenn du den Vertrag beitragsfrei stellst, laufen die Verwaltungskosten usw. trotzdem weiter.

      Welche sinnvolleren Varianten der Altersvorsorge schweben dir denn vor?

      Herzliche Grüße
      Christoph

      • Nico
        Reply November 16, 13:38 Nico

        Vielen Dank für deine schnelle Antwort.
        Mir ist bewusste, dass es aus der Ferne nicht so einfach ist Empfehlungen auszusprechen, allerdings enthält deine Antwort schon einige Hinweise die mich wohl weiter bringen.

        Die Grundaussage deiner Antwort ist wohl „man hätte besser vorher nachdenken sollen was man da abschließt“. Mal schauen, wie man da noch das beste draus machen kann.

        Nichtsdestotrotz möchte ich mich in Zukunft genauer mit meiner finanziellen Situation beschäftigen und mir nach und nach alle einzelnen Bereiche vorzunehmen was man anders / besser / zusätzlich machen kann.

        Meine sinnvolleren Varianten wären ETF´s und eine selbstgenutzte Immobilie als Grundpfeiler.

        • Finanzkoch
          Reply November 16, 14:13 Finanzkoch Author

          Hallo Nico,

          Entscheidungen im Nachhinein schlecht zu reden, ist immer einfach. Du hast jetzt 1800 Euro, die du sonst vielleicht nicht hättest. Mit einer anständigen Förderquote ist Riester auch keine Vollkatastrophe und kann sich evtl. lohnen.

          Ob es Sinn macht eine Immobilie zu finanzieren und parallel eine Depot aufzubauen, solltest du genau prüfen.

          Liebe Grüße
          Christoph

          • Nico
            November 17, 13:17 Nico

            Hallo Christoph,

            noch mal Danke für die Antwort.

            Wie gesagt fange ich gerade erst an mich genauer mit meinen Finanzen zu beschäftigen und muss sicher noch eine Menge lernen.
            Daher bin ich extrem dankbar für jede Hilfestellung.

            Ich werde hier gerne dran bleiben und regelmäßig bei dir vorbei schauen 🙂

            Beste Grüße,
            Nico

          • Finanzkoch
            November 18, 22:23 Finanzkoch Author

            Hallo Nico,

            schön dich als Leser und Kommentator an Bord zu haben … und vor allem super, dass du dich mit deinen Finanzen beschäftigst 🙂

            Herzliche Grüße
            Christoph

  7. Hartmut
    Reply Oktober 31, 08:20 #7 Hartmut

    Ich war bei der Uni-Profirente, und hatte gerade probiert das „Pantoffelportfolio“ der Finanztest damit nachzubauen (Umschichten in Rentenfonds auf meine Ansage hin – Gegenrichtung über Sparbeiträge), als Union den UniGlobal durch die Vorsorgevariante verschlimmbessert hat. Ich bin zu Fairr gewechselt, weil deren Anlagekonzept für die Sparphase mich angesprochen hat.
    Mal sehen, wo das hinführt, und auch ein Ausstieg vor der Verrentung ist für mich auf jeden Fall eine Option. Steuerersparnis unverzinst zurückzahlen, mit dem Rest machen was ich will, ist vermutlich eine durchrechenswerte Variante! Riester ist auch eine Diversifikation hinsichtlich Steuern und Abgaben – zumindest wird es *anders* behandelt als das normale Depot 🙂

    • Finanzkoch
      Reply November 01, 13:00 Finanzkoch Author

      Hallo Hartmut,

      Pantoffelportfolio? Man lernt auch nie aus 🙂

      Den Steuervorteil zurückzuzahlen, würde ich mir genau überlegen. Alternativ kannst du das komplette Kapital für eine Immobilie nutzen, wenn du nicht verrenten magst.

      Herzliche Grüße
      Christoph

  8. Teilzeitinvestor
    Reply Oktober 09, 13:05 #8 Teilzeitinvestor

    Die Anrechnung auf die Grundsicherung ist wirklich bitter, und damit wird Riestern für viele komplett uninteressant. Wenn man aber erwartet, nach seinem Berufsleben eine etwas komfortablere Finanzsituation zu haben, ist Riestern als ein Teil der Asset-Allokation gar nicht verkehrt. Die finanziellen Nachteile (Gebühren, Unterrenditen) werden zumindest teilweise durch die staatliche Förderung und Steuervorteile aufgewogen. Ich war zumindest angenehm überrascht, als ich mich wg. der Umstellung der Riester Rente bei Union mal nach Jahren wieder mit meinem Riesterkonto beschäftigt hatte (siehe: http://www.teilzeitinvestor.de/riester-rente-widerspruch-gegen-umstellung-bei-union-investment/ ).

    Und durch das völlig andere Risikoprofil im Vergleich zu Aktien, Fonds oder Tagesgeld hat man nochmal eine deutlich bessere Diversifikation seines Vermögens. Denn man kann es auch so sehen: Dadurch dass die Politik die Bürger massiv ins Riestern gedrängt hat, wird man später vielleicht etwas vorsichtiger bei dieser großen Wählergruppe sein, wenn es um Kürzungen, steuerliche Änderungen oder Anrechenbarkeit von Einkünften geht. Beim normalen ETF Sparer ist die Politik da vielleicht nicht so zimperlich, wenn mal wieder Haushaltslöcher zu stopfen sind. Aber das sind natürlich auch nur wilde Spekulationen.

    • Finanzkoch
      Reply Oktober 09, 14:38 Finanzkoch Author

      Hallo Teilzeitinvestor,

      wenn alle Vor- und Nachteil individuell abgewogen sind, kann die Entscheidung auch pro-Riester ausfallen.

      Aber eines muss klar sein: Der größte Kostenblock einer Riester-Rente fällt in der Rentenphase an. Diese hat Herr Tenhagen (Finanztip) bei der Betrachtung von Fairr völlig ausgeklammert und musste dafür harsche Kritik aus Fachkreisen einstecken.

      Bei Fondssparplänen sind die Rentenkonditionen völlig offen. Da Fairr sie als einziger Anbieter jetzt garantiert hat, möchte ich die Auswirkungen am Beispiel von Fairr demonstrieren.

      Hier ein Auszug aus einer Mail an eine Leserin, die ich kürzlich verfasst habe:

      „Die meisten Kosten fallen in der Rentenphase an. Die beste Wertentwicklung bringt Ihnen nichts, wenn die Rentenkonditionen schlecht sind.

      Für Fairr habe ich mich gerade mit den Rentenkonditionen beschäftigt. Ein paar Worte dazu an dieser Stelle:

      „Bei Renteneintritt werden einmalig 0,5% des zu verrentenden Kapitals fällig. 1,5% der monatlichen Rentenzahlungen werden als Gebühren von der Versicherung einbehalten. Diese Kosten sind in den Rentenfaktoren bereits enthalten.“

      Je nachdem wie alt Sie sind, werden Sie einen Rentenfaktor um die 30 bekommen (plus minus). Sicher ist das allerdings nicht. Da in den Bedingungen von Fairr eine Treuhänderklausel steckt. Damit ist Fairr berechtigt, unter bestimmten Voraussetzungen (beispielsweise eine ungünstige Entwicklung der Zinsen/Lebenserwartung) die Rentenkonditionen anzupassen, um das Kollektiv zu schützen.

      Für unser Beispiel rechnen wir mit einem Rentenfaktor von 30.

      Wie hoch wird einmal Ihre Fairr-Rente?:

      Nehmen wir an, Sie haben vor der Rente 100.000 € in Ihrem Vertrag. Davon gehen einmalig 0,5 Prozent weg. Es bleiben 99500 €. Das ist das Kapital, welches zur Verrentung herangezogen wird.

      Rentenfaktor 30 bedeutet für Sie: 99500 € / 1000 * 30 =298,50 € monatliche Rente. Davon gehen 1,5 Prozent (4,48 €) an den Versicherer. Es bleiben etwa 294 € Rente. Davon geht Ihre Steuer ab. Nehmen wir einfach 20 Prozent an (Sie können gerne mit einem anderen Wert rechnen).

      Damit bleibt Ihnen eine Netto-Rente von 235,20 €, für den Fall, dass Sie es schaffen 100.000 € in Ihrem Vertrag anzusparen. Die Höhe ist abhängig von Ihrem Steuersatz und von Ihren Rentenkonditionen.

      Fazit:
      Der größte Kostenblock einer Riester-Rente fällt in der Rentenphase an. Der Großteil davon ist im Rentenfaktor versteckt. Hinzu kommen die Steuerzahlungen.“

      Herzliche Grüße
      Christoph

  9. Dummerchen
    Reply Oktober 03, 20:29 #9 Dummerchen

    Hallo Christoph,
    schöne Übersicht! Bei den Riester-spezifischen Problemen sind wir uns völlig einig. Insbesondere die „Buy-High, Sell-Low“-Problematik bei den Fondssparplänen empfinde ich als Knockout-Kriterium für diese Fondsanlage. Da spielt auch die schwankende Asset-Allokation mit hinein. Ich gebe damit die Kontrolle völlig aus der Hand. Alles eine Folge der Garantieforderung. Hier verstehe ich die Empfehlungen von Finanztest einfach nicht – es ist doch völlig offensichtlich, dass das langfristig keine „vernünftigen“ Renditen geben kann.
    Dass Vermögen aus Rentenversicherungen eingeschränkt vererbbar und verfügbar sind, halte ich allerdings nicht für problematisch – das ist das Wesen einer Rentenversicherung mit der ich ja ein Langlebigkeitsrisiko absichern will. Da ist die Kritik am eher niedrigen Rentenfaktor schon eher berechtigt – es ist für die Versicherer ja eine Mischkalkulation und ich glaube nicht, dass der Mittelwert auch nur halbwegs in der Nähe von 95 Jahren liegt. Da will die Versicherung ganz klar ihren Gewinn optimieren.
    Als wirklich einzige sinnvolle Variante würde ich einen Riesterbanksparplan ansehen. Die Rendite liegt auf einem halbwegs vernünftigen Niveau für schwankungsarme Anlagen. In einer Asset-Allokation kann das Produkt klar zugeordnet werden. Die Kosten sind niedrig und transparent.
    Klar, reich wird man davon alleine nicht. Aber als (kleiner) Baustein für die Altersvorsorge könnte es dienen. Wer also unbedingt die Fördergelder mitnehmen möchte (und dafür im Alter halt Steuern zahlen will ;-)!), findet in meinen Augen hier ein halbwegs faires Produkt.

    Wie stehst Du zu Riesterbanksparplänen?

    Gruß
    Dummerchen

    • Finanzkoch
      Reply Oktober 04, 00:15 Finanzkoch Author

      Hallo Dummerchen,

      welche Empfehlungen hat Finanztest denn gegeben?

      Im Rentenfaktor steckt zumindest ein ordentlicher Sicherheitspuffer, der den Versicherern einen amtlichen Risikogewinn bescheren wird. Dazu muss gesagt werden, dass Versicherungen von den Risikogewinnen 90 % wieder an die Kunden ausschütten müssen. Bei den Summen bleibt trotzdem genug über …

      Meine Meinung zu Riester-Banksparplänen:

      Auf den ersten Blick ein transparentes und kostengünstiges Produkt. Eklig wird es, wenn du die Rentenphase betrachtest.
      Du hast entweder die Option einen Auszahlungsplan bei der Bank einzurichten. Der läuft bis maximal 85 Jahre. Für die Zeit danach musst du dir einen Versicherer suchen. Üblicherweise nimmt dieser für die anschließende Verrentung um die 30 Prozent des am Ende der Ansparphase verfügbaren Kapitals.
      Oder Option zwei: Du lässt das Kapital sofort verrenten. Auch dafür brauchst du einen Versicherer, da die Bank nicht weiß, wie lange du lebst.
      Das bedeutet zum einen, dass du für den Abschluss der Versicherung eventuell Abschlussprovision bezahlen musst. Zum anderen bedeutet das, dass du auf die dann gültigen Sterbetafeln angewiesen bist.

      Kurz und knapp:
      Meiner Ansicht nach kaufst du die Katze im Sack. Und die Kosten, die du Anfangs sparst, zahlst du hinten raus doppelt.

      Herzliche Grüße
      Christoph

      • Dummerchen
        Reply Oktober 04, 14:54 Dummerchen

        Die aktuelle Finanztest (10/2015) beleuchtet mal wieder im größeren Stil die Riester-Produkte (über 10 Seiten). (https://www.test.de/Riester-im-Test-So-finden-Sie-die-richtige-Riester-Sparform-1602786-0/)
        „Geignet für …“ findet Finanztest viele Produkte, auch Fondssparpläne. Konkret werden ein DWS-, ein UnionInvestment- und ein Deka-Produkt empfohlen.

        Eigentlich bin ich der Finanztest ja positiv zugewandt, aber die Einstellung zu Riester war bei der Einführung vor etlichen Jahren zunächst höchst kritisch und dann schlagartig positiv. Mir fehlt hier mal eine klare Kante, wie Du sie in diesem Artikel zeigst. Vermutlich werden noch mal mindestens 5 Jahre ins Land gehen und mindestens ein Börsencrash die Probleme aufzeigen müssen, bis dort das Erwachen einsetzt :-(.

        • Finanzkoch
          Reply Oktober 07, 14:52 Finanzkoch Author

          Hallo Dummerchen,

          Von Stiftung Warentest halte ich nicht viel. Was die sich regelmäßig im Bereich Berufsunfähigkeitsversicherungen leisten, ist aus meiner Sicht eine absolute Frechheit.

          Trotzdem eine Ergänzung:
          Ich finde Riester nicht per se schlecht. Wichtig ist aber, dass man sich vor dem Abschluss alle Nachteile bewusst macht. Die Wenigsten, die einen Riester-Vertrag besitzen, dürften wissen, was damit in der Verrentungsphase passiert.

          Wer eine hohe Förderquote erreicht und/oder auf Teufel komm raus nicht selbst an die Börse will, für den kann es sich „lohnen“. Besser so, als wenn gar nichts gemacht wird. Zwei Prozent auf etwas sind immer noch mehr als 9 Prozent auf gar nichts 🙂

          Dann sollte man sich allerdings fragen, warum es unbedingt ein Fonds-Riester sein soll. Das größte Know-How in der Absicherung des Langlebigkeitsrisikos haben immer noch die Versicherer.

          Wenn ich es mir aussuchen dürfte, würde ich die ganze steuerliche Förderung für Rentenprodukte, Bausparer und Co in die Sicherung der gesetzlichen Rente stecken. Da ist das Geld am besten aufgehoben und die Finanzindustrie schöpft nicht sinnlos Geld ab. Dann lieber Depots bis zu einer gewissen Größe ab X Jahren steuerfrei stellen. Oder einen höheren Sparerfrei-Betrag und die nicht ausgenutzten Beiträge für später gutschreiben. Das wär doch was:)

          Herzliche Grüße
          Christoph

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