Wie du die Macht der Bilder brichst und die richtigen Entscheidungen triffst

Eine Grundregel der Geldanlage lautet: Verliere kein Geld.

Dass sich das manchmal nicht vermeiden lässt, haben die letzten Tage eindrucksvoll bewiesen. Das Marktrisiko hat sich zu Wort gemeldet und die Aktienmärkte weltweit auf Talfahrt geschickt. Auch mein Depot hat ordentlich eingesteckt.

Verständlich, wenn dir die Tage Zweifel kommen, ob das mit dem Investieren die richtige Entscheidung war. Emotionen kochen hoch. Was, wenn es weiter abwärts geht? Experten malen düstere Bilder. China ist am Ende. Die Weltwirtschaft kommt ins Stocken. Das Finanzsystem ist in seiner Gesamtheit aus den Fugen geraten. Der Zusammenbruch nur eine Frage der Zeit …

Also lieber aussteigen und die Bodenbildung an den Märkten abwarten?

Nicht so schnell. Bevor du eine Entscheidung triffst, ist es an der Zeit die Bilder zu ordnen, die die Medien in deiner Wahrnehmung erschaffen. Der Artikel wird dir dabei helfen.



Wie du die Macht der Bilder brichst und die richtigen Entscheidungen triffst


Schauen wir uns zunächst ein Beispiel außerhalb der Finanzwelt an. Es verdeutlicht, wie anfällig wir für Fehlentscheidungen sind. Emotionen, die von Bildern verursacht werden, spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Von Autos und Flugzeugen

Sicher erinnerst du dich noch an die schrecklichen Ereignisse von 9/11. Zwei Flugzeuge bringen die Zwillingstürme zum Einsturz. Die Bilder brennen sich in das Gedächtnis einer ganzen Nation. In der Folge brechen die Vereinigten Staaten zu einem Anti-Terror-Krieg auf, dessen Ausmaß sich niemand hätte vorstellen können. Ganz-Körper-Scans und Leibes-Visitationen werden zum Alltag aller Flugreisenden.

Soweit ist alles bekannt. Doch ein Aspekt blieb weitgehend unbeachtet …

Die Bilder der Katastrophe vor Augen, entwickelten zahlreiche Amerikaner eine latente Flugangst und stiegen auf das Auto um. So kam es, wie es kommen musste. Die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle stieg merklich an.

Die Entscheidung, das Risiko Fliegen zu meiden, bezahlten etwa 1600 Amerikaner mit dem Leben. Das sind sechsmal so viele, wie die 256 Flug-Passagiere, die an 9/11 starben.1

Zugegeben, ein heftiges Beispiel. Doch es verdeutlicht, wie schnell eine falsche Entscheidung aus einer Emotion heraus getroffen werden kann. Alle 1600 Menschen könnten noch leben, wenn sie wie gewohnt geflogen wären.

Interessant ist, dass die Amerikaner wieder auf das Flugzeug umstiegen, als die Bilder langsam aus der Berichterstattung verschwanden. Für sie war die Antwort auf die Frage:

Ist es gefährlicher zu fliegen, wenn in den Medien gerade über Flugzeugabstürze und Terroranschläge berichtet wird?

ein klares „ja“.

Dabei ist das rational betrachtet völliger Blödsinn. Doch die Bilder lösen Emotionen in uns aus und die sagen uns:

Nimm lieber das Auto!

Eine rationale Entscheidung ist nicht mehr möglich. Unser Verstand spielt uns einen Streich. Die Folge ist eine Fehlentscheidung mit potentiell tödlicher Nebenwirkung.

Die gute Nachricht ist:

Bei finanziellen Entscheidungen geht es nicht um Leben und Tod

Du brauchst sie also nicht zu fürchten. Egal, ob du den linken oder rechten Abzweig nimmst, die Sonne wird den nächsten Tag wieder für dich scheinen.

Trotzdem ist es essentiell, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Nur so schaffst du eine Basis für langfristigen Anlageerfolg. Wagen wir dafür einen Blick hinter die Fassade der Bilder.

Stell dir vor, du drehst eine kurze Dokumentation über den Niedergang der chinesischen Wirtschaft. Du hast zwei Interviewpartner zur Auswahl …

Auf der einen Seite einen armen Bauern, dessen Ernte verdorrt ist und dessen Kinder in der Stadt keine Arbeit gefunden haben. Auf der anderen Seite einen wohlhabenden Bauern mit prächtigen Feldern, dessen Kinder erfolgreich in der Stadt Fuß gefasst haben. Wen würdest du wählen?

Mit Sicherheit den armen Bauern. Er passt thematisch perfekt.

Der Zuschauer sieht genau das, was du möchtest, das er sieht. In diesem Fall einen armen Bauern, der vor den Trümmern seiner Existenz steht. Das ganze untermalt mit ein oder zwei negativen Kennzahlen aus der Wirtschaft und das Bild vom Niedergang Chinas ist perfekt.

Bilder zeigen immer nur einen Ausschnitt der Realität.

Das liegt in der Natur der Sache. Selbst wenn wir zu Hause Fußball schauen, sehen wir nur das, was die Regie uns zeigt. Der Zuschauer vor dem Fernseher erlebt ein anderes Spiel, als der Zuschauer im Stadion. Die Taz hat vor einiger Zeit einen lesenswerten Artikel darüber verfasst. (Taz: Wir sehen nicht das, was wir glauben)

In einer Zeit, in der wir mit Informationen überflutet werden, ist es wichtiger denn je, diese kritisch zu bewerten. Das ist nicht leicht. Gefühle haben seit jeher einen großen Einfluss auf unser Handeln und eben jene werden durch Bilder ausgelöst. Sie beeinflussen sogar die Art und Weise, wie wir einen Text lesen.

Einen Börsenartikel, auf dessen Titelbild ein Börsianer entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, nehmen wir automatisch negativ wahr.

Und in diesen Tagen sehen wir solche negativ behafteten Bilder oft. Da ist es normal, dass sich vor unserem geistigen Auge eine schlechte Grundstimmung aufbaut. Dafür müssen wir die zu den Bildern gehörenden Texte nicht einmal lesen.

Sich von dieser Stimmung nicht beeinflussen zu lassen, dass ist die Herausforderung.

Wie Bilder uns Tag für Tag eine Welt vorgaukeln, die es nicht gibt, zeigt das folgende Video:

Genauso wie die Beauty Industrie ein Schönheitsideal schafft, dass es gar nicht gibt, malt der Finanzjournalismus die Welt so, wie es ihm gerade passt.

Oder würdest du ein Magazin kaufen, auf dem die Überschrift prangt:

Investieren ist sch**** langweilig. Die Märkte kannst du eh nicht beeinflussen, geschweige denn vorhersagen? Dazu noch das Bild von einem Murmeltier …

Der Titel:

Der große Crash steht unmittelbar bevor. Was sie jetzt unbedingt wissen müssen! Gepaart mit dem Bild eines frustrierten Anlegers, ist sicher besser für die Auflage.

Die letzte Überschrift muss noch nicht einmal falsch sein. Doch sie ist eben nur ein Teil der Wahrheit. Wenn du gute Entscheidungen treffen willst, brauchst du die ganze Wahrheit. Dafür musst du dir auch das anschauen, was dir nicht gezeigt wird. Dann verlieren die Bilder von ganz allein ihre Macht.

Schlussfolgerung

Es liegt an dir, die tägliche Informationsflut zu filtern und in den richtigen Kontext zu setzen. Manchmal ist es dabei am einfachsten, den Fernseher, das Smartphone und den Laptop schlicht auszumachen.

Wenn die Macht der Bilder übermächtig wird, stell dir als Langfristanleger folgende Frage:

Glaube ich, dass sich die Wirtschaft in den nächsten zwanzig, dreißig oder vierzig Jahren insgesamt positiv entwickelt (allen Weltuntergangsszenarien zum Trotz)?

Wenn du die Frage für dich mit ja beantwortest, ist alles in bester Ordnung. Wenn die Antwort nein ist, dann musst du eine Lösung für dich finden.

Ich für meinen Teil denke, dass sich die Erde auch in dreißig Jahren noch dreht. Also bleibe ich investiert und kaufe stets und ständig nach.

Ob das die richtige Entscheidung ist? Ich weiß es nicht und das ist gut so. Denn es ist die Ungewissheit, die das Leben spannend und lebenswert macht.

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Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

Quellen:
[1] vgl. Gerd Gigerenzer – Risiko Wie man die richtigen Entscheidungen trifft S.22

Titelbild: © tinx – fotolia

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Kommentare

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2 Kommentare

  1. Claudius
    Reply August 29, 10:54 #1 Claudius

    Meine Flugangst konntest du mir leider nicht nehmen aber sehr wohl die Angst vor einem Zusammenbruch unseres Wirtschaftssystems. Ein sehr gelungener Artikel!
    Wenn du dich für das Thema Entscheidungsfindung interessierst, kann Ich dir „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Kahneman empfehlen.

    Gruß,

    Claudius

    • Finanzkoch
      Reply August 30, 12:42 Finanzkoch Author

      Hallo Claudius,

      danke für die Empfehlung. Buch kommt auf die „Leseliste“.

      Ich hatte auch ziemliche Flugangst … der erste Blick über den Wolken, auf die Wolken, hat Wunder gewirkt. Ich habe selten etwas Schöneres gesehen.

      Herzliche Grüße
      Christoph

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