Umlage- vs. Kapitaldeckungsverfahren: Demografie trifft beide Systeme

Der Demografische Wandel in Form einer immer älter werdenden Bevölkerung gepaart mit Kinderarmut macht die Sicherung der Altersvorsorge zu einer Herkulesaufgabe.

In dieser Podcast-Episode gehen wir darauf ein, warum es zur Lösung der Aufgabenstellung sinnvoll ist, sowohl auf umlagefinanzierte als auch auf kapitalgedeckte Altersvorsorgesysteme zu setzen.



Umlage- vs. Kapitaldeckungsverfahren: Demografie trifft beide Systeme


Shownotes:

Die wichtigsten Inhalte:

  • Sowohl Umlage- als auch Kapitaldeckungsverfahren haben Vor- und Nachteile
  • Die alternde Gesellschaft begünstigt niedrige Zinsen
  • Die Mischung beider Verfahren sorgt für zusätzliche Streuung
  • Gesetzliche Rahmen der Altersvorsorge in Deutschland: Gut gedacht, schlecht gemacht

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Die Episode zum Nachlesen

Umlage- vs. Kapitaldeckungsverfahren: Demografie trifft beide Systeme

Einleitung

Herzlich willkommen zum Finanzküche Podcast. In der letzten Folge haben wir uns angeschaut wie du die Renteninformation richtig liest. Darauf wollen wir heute aufbauen und schauen uns heute an, welche Vor- und Nachteile die gesetzliche Rentenversicherung in Form eines Umlageverfahrens hat und welche Vor- und Nachteile kapitalgedeckte Verfahren haben.

 

Ein kurzes Wort zur letzten Episode: So liest du deine Renteninformation

Bevor wir starten, wollen wir noch ein kurzes Wort zur letzten Folge verlieren. Der Maschinist hat richtigerweise in den Kommentaren darauf hingewiesen, dass die Rechnung für Frau Musterfrau etwas zu negativ war. Bedeutet einfach, die Inflation wird vermutlich weniger stark durchschlagen, als wir es angenommen haben. Das liegt daran, dass das Rentenniveau bis zum Jahr 2030 maximal auf 43 % fallen darf.

Mehr dazu erfährst du im Textbeitrag zur letzten Episode.

 

Herausforderung Demografie

Kommen wir zum heutigen Themenschwerpunkt: Einem Vergleich von Umlageverfahren und Kapitaldeckungsverfahren.

Zum Start sei gesagt, dass weder das eine noch das andere per se besser ist. Beide Systeme stehen vor derselben Herausforderung: Dem demografischen Wandel.

Unsere Gesellschaft altert und wir haben immer weniger Kinder. Dass das zu sinkenden Renten führt, ist eigentlich logisch. Wir haben immer weniger Erwerbstätige, die Wohlstand erwirtschaften und haben gleichzeitig immer mehr Ruheständler, die darauf angewiesen sind, dass Wohlstand erwirtschaftet wird, von dem sie etwas abbekommen.

 

Zwang: Hier hat die GRV die Nase vorn

Die Herausforderung ist klar: Sicherung der Altersvorsorge im Schatten des demografischen Wandels.

Jetzt müssen wir immer von dem ausgehen, was wir in Deutschland haben. Das ist auf der einen Seite die gesetzliche Rentenversicherung und auf der anderen Seite private Vorsorgemöglichkeiten wie z.B. Basisrente, Riester-Rente und betriebliche Altersvorsorge. Hinzu kommt die Möglichkeit, Geld außerhalb von Versicherungen anzulegen.

Stellt sich die Frage: Auf welchen dieser Bausteine soll ich setzen?

Der größte Unterschied liegt erst einmal darin, dass die gesetzliche Rentenversicherung für viele Teile der Bevölkerung verpflichtend ist. Die privaten Vorsorgemöglichkeiten sind hingegen freiwillig. Das ist ein Nachteil …

In der gesetzlichen Rentenversicherung können sich gute und schlechte Risiken perfekt durchmischen, weil es dort keine Rolle spielt, ob ich von mir selbst erwarte, alt zu werden oder jung zu sterben.

Im Gegensatz dazu treten in freiwillige Systeme vor allem Menschen ein, die denken, sie können davon profitieren. Der Gedanke dahinter ist simpel:

Wenn ich erwarte, dass ich nur noch zehn Jahre zu leben habe, weil ich irgendeine Krankheit habe, werde ich keine Rentenversicherung abschließen. Wenn ich aber gesund bin, viel Sport mache und vermutlich 120 Jahre alt werde …

Dann werde ich viel eher dazu neigen, Versicherungen gegen ein langes Leben abzuschließen.

Soll heißen: Bei einem privaten Versicherer tummeln sich immer die Menschen, die denken sehr lange zu leben. Darauf reagiert der Versicherer mit höheren Prämien. Er braucht quasi einen Sicherheitszuschlag gegenüber obligatorischen Systemen wie der gesetzlichen Rentenversicherung.

So kommen auch Meldungen in den Nachrichten zustande, wie: Riester-Sparerin muss 110 Jahre alt werden, damit sich ihr Vertrag lohnt.

Abgesehen davon, dass private Versicherungen oft zu hohe Kosten haben, ist die Gesetzliche Rentenversicherung aus dem Gesichtspunkt der Risikodurchmischung effizienter als unsere freiwilligen privaten Vorsorgen.

 

Risiken: Umlageverfahren vs. Kapitaldeckungsverfahren

Schauen wir uns die verschiedenen Risiken an.

Umlageverfahren adressieren das Lohnsummenrisiko. Das Lohnsummenrisiko setzt sich unter anderem zusammen aus Arbeitslosigkeit und sinkenden Reallöhnen. Wenn es viele Arbeitslose gibt, gibt es weniger Menschen, die Beiträge zahlen. Damit haben natürlich auch Rentner ein Problem, weil sie auf die Beitragseinnahmen angewiesen sind.

Dazu kommen beispielsweise Phasen mit sinken Reallöhnen wie es 2009 der Fall war. Im Verbund mit Kurzarbeit kam es zu weniger Beitragseinnahmen in der Gesetzlichen Rentenversicherung.

Umlageverfahren sind also ein Stück weit davon abhägnig, wie gut die Erwerbssituation der Beitragszahler ist. Und vor allem ist es für Umlageverfahren entscheidend, wie viel Beitragszahler überhaupt vorhanden sind … und das ist ja unser aktuelles Problem:

Immer weniger Beitragszahler werden immer mehr Rentenempfänger gegenüber stehen.

Kapitaldeckungsverfahren haben ganz andere Probleme. Hier sprechen wir von Kapitalmarktrisiken. Aktuell wirkt sich beispielsweise die Niedrigzinsphase stark auf die Erträge von Versicherungsunternehmen und sicherheitsorientierten Sparern aus.

Die Folge war in den vergangenen Jahren, dass immer mehr Versicherer ihre prognostizierten Renten gesenkt haben.

Nicht nur in der Gesetzlichen Rentenversicherung sinken die Renten, sondern auch bei privaten Versicherungsunternehmen.

Und dann wäre natürlich auch das Problem, dass es zu Einbrüchen an den Kapitalmärkten kommen kann und das würde sich im kapitalgedeckten Verfahren negativ auf die Renten niederschlagen.

 

Die Auswirkungen der Demografie auf das Zinsniveau

Generell können wir davon ausgehen, dass sich auch kapitalgedeckte Altersvorsorge-Systeme dem demografischen Wandel nicht entziehen können. Eine wachsende Zahl von Altersvorsorge-Sparern steht einer schrumpfenden Zahl junger Menschen gegenüber, die als Kreditnehmer fungieren können. In der Folge gibt es ein hohes Angebot an Kapital in Verbindung mit einer geringen Nachfrage. Das bedeutet, dass die Sparer immer weniger Zinsen auf ihre Einlagen bekommen und das ist sicher auch ein Grund für unsere aktuelle Niedrigzinsphase.

 

Risikostreuung: Kapitaldeckungsverfahren im Vorteil

Ein Vorteil beim kapitalgedeckten Verfahren ist ganz klar die Risikostreuung. Der Faktor Kapital ist wesentlich beweglicher als der Faktor Arbeit. Heißt einfach: Meine Arbeitskraft lässt sich schlechter diversifizieren als mein Kapital.

Die Beitragszahler der Gesetzlichen Rentenversicherung erzielen ihre Erwerbseinkommen in der überwiegenden Mehrheit in Deutschland. Wenn es Deutschland konjunkturell schlecht geht, geht es auch der Gesetzlichen Rentenversicherung schlecht.

Wenn ich auf kapitalgedeckte Vorsorge setze, kann ich hingegen in anderen Ländern anlegen. Ich habe beispielsweise Anlagen in Amerika, Brasilien und vielleicht in Vietnam. So bin ich unabhängiger von der Konjunkturlage und der demografischen Entwicklung in Deutschland.

Dafür kann es genauso gut Phasen geben, wo das Umlagesystem besser funktioniert als ein kapitalgedecktes System. Wenn beispielsweise Aktienmärkte einbrechen, kann es sein, dass die Reallöhne weiter steigen – oder nicht in dem Maße sinken wie Aktienkurse oder Anleihekurse.

 

Königsweg – eine Kombination beider Systeme?

Es ist also durchaus sinnvoll, so wie es die Politik auch gemacht hat, Umlageverfahren und Kapitaldeckungsverfahren zu kombinieren. Der Fehler war nur, dass die kapitalgedeckten Verfahren freiwillig angeboten und vor allem: in die Hände privater Unternehmen gegeben wurden.

Ich habe mittlerweile massig alte Verträge meiner Mandanten in den Händen gehabt, wo einfach derart hohe Kosten versteckt sind, dass die versprochenen Renten nicht ansatzweise herauskommen werden …

Das hätte man einfach vermeiden können, indem man gesagt hätte: Okay – wir wollen zusätzlich zum Umlageverfahren ein kapitalgedecktes Verfahren einführen. Aber wir setzen hier nicht auf private Unternehmen, sondern führen einen Staatsfonds ein, wie andere Länder es vorgemacht haben.

Die Folge wäre eine Altersvorsorge mit traumhaft niedrigen Kosten und in der Folge höheren Renditen. Zudem hätte man ein staatliches System viel einfacher verpflichtend machen, oder eine Opt-Out-Regelung (jeder ist dabei, außer er sagt ausdrücklich: Nein) einführen können.

Dann hätten wir auch nicht das weiter oben beschriebene Phänomen gehabt, dass eine schlechte Risikodurchmischung stattfindet und sich bei den Versicherern vorzugsweise die Menschen tummeln, die davon ausgehen, dass sie sehr lange leben werden.

 

Resümee

Und das ist dann auch der Punkt, den du dir aus dieser Episode mitnehmen kannst:

Es ist sinnvoll Umlageverfahren und Kapitaldeckungsverfahren zu durchmischen. Diversifikation, also breite Streuung, ist einer der wichtigsten Faktoren für langfristigen Anlageerfolg.

Das bedeutet:

Wenn du in die Gesetzliche Rentenversicherung einzahlst, ist es zunächst einmal gut, dass du das machst. Du solltest dir aber auch darüber im Klaren sein, dass die Gesetzliche Rente nicht mehr darauf ausgelegt ist, dass du mit ihr deinen Konsumstandard im Ruhestand halten kannst. Du brauchst zusätzlich eine private Vorsorge, wenn du keine Abstriche machen möchtest.

Wenn du selbständig bist und dir noch ganz andere Gedanken über deine Altersvorsorge machen musst als ein Angestellter, dann ist es eine Überlegung wert, freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen – und auf der anderen Seite zusätzlich eine kapitalgedeckte Vorsorge aufzubauen. In der Folge hast du schlicht mehrere Standbeine …

Stell dir das einfach vor wie einen Stuhl. Du baust dir deine Altersvorsorge auf und verteilst das Gewicht auf mehrere Stuhlbeine. Wenn beispielsweise die Kapitalmärkte abstürzen, bricht dir ein Bein weg … aber die anderen Beine – wovon eines die Gesetzliche Rentenversicherung ist – sorgen dafür, dass du auf dem Stuhl sitzen bleiben kannst.

Bricht dagegen die Gesetzliche Rentenversicherung weg, bleibt vielleicht das Bein kapitalgedeckte Vorsorge stehen …

Und bei der Altersvorsorge solltest du immer einen Stuhl bauen, der so viele Beine wie möglich hat. Du hast nur das eine Leben und wenn ein Stuhlbein wegbricht, sollten genug andere vorhanden sein, die die Last weiterhin tragen können.

Damit sind wir am Ende der Folge angelangt. Ich hoffe du bist beim nächsten Mal wieder mit dabei.

Bis dahin.

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Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

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