Renteninformation in ihre Einzelteile zerlegt: Das bisschen bleibt übrig

Hast du dir deine jährliche Renteninformation schon einmal genauer angeschaut?

In der ersten offiziellen Episode des Finanzküche Podcast zerlegen wir die Renteninformation in ihre Einzelteile. Was von den angegebenen Renten letztlich übrig bleibt, ist ernüchternd.



Renteninformation in ihre Einzelteile zerlegt: Das bisschen bleibt übrig


Shownotes:

Die wichtigsten Inhalte:

  • Auf die Angaben der Renteninformation werden Steuern und Sozialabgaben fällig
  • Zusätzlich wirkt die Inflation
  • Im Ergebnis reicht die gesetzliche Rente allein kaum noch für Grundsicherung
  • Viele Rentenbescheide sind fehlerhaft. Eine Überprüfung ist empfehlenswert

Den Podcast findest du auch auf:

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Die Episode zum Nachlesen

Renteninformation und Rentenbescheid richtig lesen und verstehen

Einleitung

Herzlich willkommen zum offiziellen Start des Finanzküche Podcasts.

Heute zerlegen wir die gesetzliche Rentenversicherung. Soll im Detail heißen, wir schauen uns die Renteninformation an. Was dir zusteht und was du in Zukunft für Zahlungen von der gesetzlichen Rentenversicherung erwarten kannst.

Vorher wollen wir aber noch klären:

  • Wer spricht hier (damit du weißt, mit wem du es zu tun hast)

Und

  • Welche Themen wir zukünftig im Podcast besprechen werden (damit du weißt, was dich erwartet)

 

Wer spricht hier?

Ich bin Christoph Geiler, 89er Baujahr und Vater eines zuckersüßen Sohnes. Seit 2013 bin ich auch beruflich in der Finanzbranche verankert. Als Versicherungsberater und Honorar-Finanzanlagenberater berate ich meine Mandanten ausschließlich auf Honorarbasis und werde nicht wie sonst üblich, über den Produktverkauf bezahlt.

Mittlerweile habe ich so ziemlich alle relevanten Ausbildungen in der Branche, sodass ich Theorie und Praxis gut miteinander verbinden kann.

 

Um diese Themen dreht sich der Finanzküche Podcast in Zukunft

Themen, die uns zunächst interessieren werden, sind:

  • Im ersten Schritt die gesetzliche Rente, da es fast jeden betrifft
  • Im Anschluss schauen wir uns an, was du machen kannst, um die eigene Vorsorgesituation zu verbessern
  • Danach widmen wir uns der Geldanlage abseits von Versicherungen. Das Ziel ist, dass du eine Anlagestrategie findest, die du langfristig durchhalten kannst und mit der du deine Ziele erreichen kannst
  • Um das Fundament komplett zu machen, beschäftigen wir uns danach mit existentiellen Risiken und schauen, wie du mit ihnen am besten umgehst. Nicht immer muss eine Versicherung das Mittel der Wahl sein

Soweit steht jetzt erst einmal der Redaktionsplan. Wenn du Themenwünsche hast, würde ich mich sehr freuen, wenn du mir diese einfach zuschickst, damit ich sie berücksichtigen kann. Kommen wir zum heutigen Themenschwerpunkt:

 

Die Renteninformation

Die Renteninformation bekommst du jährlich von der Deutschen Rentenversicherung zugeschickt, wenn du älter als 27 Jahre bist und mindestens 5 Jahre Beitragszeiten erworben hast. Der Renteninformation kannst du deine Ansprüche gegenüber dem Rentenversicherungsträger entnehmen. Hast du das Alter von 55 Jahren erreicht, wird die Renteninformation alle drei Jahre von einer ausführlicheren Rentenauskunft ersetzt. Vor Rentenbeginn bekommst du den Rentenbescheid.

Das heutige Ziel ist, dass du im Anschluss deine eigene Renteninformation nehmen und mit den Zahlen richtig etwas anfangen kannst.

Zum Zwecke dieses Podcasts habe ich mir auf der Seite der Deutschen Rentenversicherung die Musterinformation heruntergeladen. Sie ist adressiert an Eva Musterfrau. In der Begrüßung steht:

Sehr geehrte Frau Musterfrau,
in dieser Renteninformation haben wir die für Sie vom 01.08.1977 bis zum 31.12.2014 gespeicherten Daten und das geltende Rentenrecht berücksichtigt. Ihre Regelaltersrente würde am 01.07.2026 beginnen.

Die Zahl müssen wir uns merken. 2026 geht gute Frau Musterfrau ohne Abschläge in Rente. Geht sie früher in Rente, muss sie mit Abschlägen rechnen. Nimmt sie die Rente später in Anspruch, bekommt sie Zuschläge. Weiter heißt es:

Änderungen in Ihren persönlichen Verhältnissen und gesetzliche Änderungen können sich auf ihre zu erwartende Rente auswirken.

Bedeutet, die Zahlen sind nicht in Stein gemeißelt. Verdient Eva Musterfrau mehr oder weniger als in der Vergangenheit, bekommt sie auch mehr oder weniger Rente, da sich ihre Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung ändern. Zudem kann der gesetzliche Rahmen jederzeit angepasst werden.

Jetzt kommt noch ein wichtiger Satz, der oft übersehen wird:

Bitte beachten Sie, dass von der Rente auch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge sowie gegebenenfalls Steuern zu zahlen sind.

Also von allen Zahlen, die wir uns gleich anschauen, gehen noch Sozialversicherungsbeiträge und Steuern ab.

Nach der Einleitung kommen die eigentlichen Informationen zu den Rentenhöhen. Die Werte befinden sich in der Mitte rechts und sind schwarz umrahmt. Du findest hier die Rente wegen voller Erwerbsminderung und deine zukünftigen Altersrenten.

In der Renteninformation findest du in der Mitte rechts die Rente wegen voller Erwerbsminderung und die Altersrenten

Auszug aus der Renteninformation von Eva Musterfrau*1

 

Erwerbsminderungsrente: Zum leben zu wenig

Die Rente wegen voller Erwerbsminderung bekommst du, wenn du aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen maximal 3 Stunden am allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein kannst. Wenn du noch 3 bis 6 Stunden arbeiten kannst, bekommst du die halbe Erwerbsminderungsrente. Kannst du theoretisch länger als 6 Stunden irgendeiner Tätigkeit nachgehen, bekommst du gar nichts. Dabei ist es unerheblich, ob du tatsächlich Arbeit findest

Bei der halben Erwerbsminderungsrente gibt es noch den „Joker“ des verschlossenen Arbeitsmarktes. Findest du keine Arbeit, kannst du, obwohl du theoretisch noch mehr als 3 Stunden am allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein kannst, die volle Erwerbsminderungsrente beantragen. Das ist allerdings relativ ermüdend, wenn du sowieso schon angeschlagen bist.

Unserer Frau Musterfrau steht laut Renteninformation eine Erwerbsminderungsrente von 733,88 Euro pro Monat zu. Das ist weniger als Grundsicherung, welche aktuell 823 Euro beträgt …

 

Altersrente: Ohne zusätzliche Vorsorge geht es nicht

Die zweite Zahl auf dem Rentenbescheid gibt Auskunft über die Höhe der bisher erworbenen Rentenanwartschaften auf eine Altersrente. Viel relevanter ist allerdings die dritte Zahl, bei der die Höhe der möglichen Altersrente bei fortgesetzter Beitragszahlung prognostiziert wird:

Sollten bis zum Rentenbeginn Beiträge wie im Durchschnitt der letzten 5 Kalenderjahre gezahlt werden, bekämen sie ohne Berücksichtigung von Rentenanpassungen von uns eine monatliche Rente von 1034,87 Euro.

Wenn du deinen Blick auf der Renteninformation noch etwas nach unten schweifen lässt, findest du zwei Beispielrechnungen mit 1 Prozent und 2 Prozent jährlicher Rentensteigerung. Für die weitere Betrachtung entscheiden wir uns für die goldene Mitte. Also für die jährliche Rentenanpassung von 1 Prozent. Das entspricht für Frau Musterfrau einer monatlichen Rente von etwa 1160 Euro.

Die 1160 Euro jeden Monat könnten für Frau Musterfrau auf den ersten Blick beruhigend wirken. Das Problem ist, dass es dabei noch einiges zu berücksichtigen gibt. Von den 1160 Euro gehen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge ab. Im schlimmsten Fall greift noch das Finanzamt in den Honigtopf.

Hinzu kommt, dass sie erst im Jahr 2026 in Rente geht. Die Inflation kann also noch einige Jahre ihre (in diesem Fall negativen) Kräfte entfalten. In der Renteninformation von Frau Musterfrau sind Daten bis zum Jahr 2014 berücksichtigt. Das bedeutet, ihre Rentenansprüche sind noch 12 Jahre der Inflation ausgesetzt.

 

Abzug der Sozialversicherungsbeiträge

Im ersten Schritt werden wir die Sozialversicherungsbeiträge berücksichtigen …

Die Rentenversicherung ist so nett und beteiligt sich anteilig an den Krankenversicherungsbeiträgen. Von dem aktuellen Beitragssatz von 14,6 Prozent zahlt ein Rentner also 7,3 Prozent. Hinzu kommt der individuelle Zusatzbeitrag, für den wir an dieser Stelle 1 Prozent annehmen.

Fehlt noch die Pflegeversicherung. Für einen Rentner mit Kind fallen hier 2,55 Prozent an. Insgesamt zahlt Frau Musterfrau also Sozialversicherungsbeiträge von 10,85 Prozent auf ihre Rente von 1160 €. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen …

Von der sowieso schon kargen Rente werden noch einmal 125,86 Euro direkt vom Rentenversicherungsträger einbehalten, um die Kranken- und Pflegekassen zu finanzieren. Frau Musterfrau bekommt gerade einmal eine Regelaltersrente von 1034 Euro.

Steuern muss sie keine zahlen, da sie deutlich unter dem Grundfreibetrag bleibt und wie wir gleich sehen werden, auch unter die Grundsicherung fällt.

 

Berücksichtigung der Inflation

Wenn wir eine Inflation von 2,5 Prozent auf die 1034 Euro annehmen und vom Jahr 2026 auf das Jahr 2014 zurückrechnen, kommen wir auf eine heutige Kaufkraft von 768,94 Euro. Wir wissen bereits, dass die Grundsicherung aktuell bei 823 Euro liegt …

Es wird auch gar kein Hehl daraus gemacht, dass die gesetzliche Rente allein nicht ausreichen wird, um zum einen den Lebensstandard und zum anderen in vielen Fällen die Grundsicherung sicherzustellen. Das ist vom Gesetzgeber auch so gewollt, um die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung in einem erträglichen Rahmen zu halten.

Dazu steht auf der ersten Seite des Rentenbescheids unter zusätzlicher Vorsorgebedarf:

Da die Renten im Vergleich zu den Löhnen künftig geringer steigen werden und sich somit die spätere Lücke zwischen Rente und Erwerbseinkommen vergrößert, wird eine zusätzliche Absicherung für das Alter wichtiger („Versorgungslücke“) . Bei der ergänzenden Altersvorsorge sollten Sie – wie bei Ihrer zu erwartenden Rente – den Kaufkraftverlust beachten.

Hinweis:

Bitte beachte zum Punkt Inflation auch die ergänzenden Kommentare unter dem Artikel. Folgt man der Argumentation von Maschinist, die ich für schlüssig halte, werden die Auswirkungen der Inflation durch die Beschränkung des Rentenniveauabfalls begrenzt. Womit Frau Musterfrau aus heutiger Sicht zu Rentenbeginn etwa 900 Euro nach Abzug der Sozialabgaben zur Verfügung stehen.

In deine eigene Planung solltest du dir allerdings einen Puffer einbauen, falls du aus gesundheitlichen Gründen vor der Regelaltersrente mit Abschlägen in den Ruhestand gehen musst.

 

Ein kurzes Wort zur Besteuerung der Rente

(Abschnitt ist im Podcast nicht enthalten)

Seit 2005 werden alle neuen Renten besteuert. Im Jahr 2005 wurde mit einer Besteuerung von 50 Prozent der Renten gestartet. Wenn ein Rentner also 20.000 Euro Renteneinkünfte hatte, wurden 10.000 Euro davon voll besteuert. Der Freibetrag von 10.000 Euro wurde eingefroren und alle folgenden Rentenerhöhungen waren und sind voll steuerpflichtig.

Von 2005 bis 2020 steigt die Besteuerung in 2-Prozentschritten. Im Jahr 2020 werden damit alle Neurenten zu 80 Prozent versteuert. Ab 2020 steigt die Besteuerung um 1 Prozent pro Jahr. 2040 werden wir eine Besteuerung von 100 Prozent erreicht haben. Gleiches gilt für die private Basis-Rente.

Dabei ist immer zu beachten, dass jedem der Grundfreibetrag zusteht, weshalb unsere Frau Musterfrau keine Steuern zahlen muss.

 

Deine Renteninformation sieht ähnlich aus? Zeit zu handeln …

Jetzt hast du zwei verschiedene Möglichkeiten:

  1. Du vertraust darauf, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen in einer sinnvollen Höhe eingeführt wird
  2. Du sorgst zusätzlich vor …

Und um Punkt zwei wird es in den nächsten Episoden gehen. Wir werden uns anschauen, ob geförderte Produkte Sinn machen und wie Geld auch außerhalb von Versicherungen sinnvoll angelegt werden kann.

 

Rentenbescheid und Rentenauskunft überprüfen

Auf einen Punkt möchte ich noch hinweisen:

Die Zahlen, die auf deiner Renteninformation stehen sind schön und gut, viel wichtiger ist aber, dass sie richtig berechnet wurden. Das gilt vor allem für die spätere Rentenauskunft und den letztlich verbindlichen Rentenbescheid.

Auf der Seite der Deutschen Rentenversicherung kannst du dir einen Auszug beantragen, um zu schauen, ob alle relevanten Daten bei den Berechnungen berücksichtigt wurden. Wenn du Unstimmigkeiten bemerkst, lohnt es sich, einen Termin bei einem Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung zu machen, um die Berechnungen anpassen zu lassen. Der Aufwand lohnt sich …

Viele Rentenbescheide sind fehlerhaft. Und selbst ein paar Euro mehr Altersrente jeden Monat können sich über die Jahre zu vierstelligen oder gar fünfstelligen Summen aufsummieren.

Damit wären wir am Ende. Ich freue mich auf die nächsten Folgen und hoffe, dass du wieder mit dabei bist.

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Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

Quelle
*1 deutsche-rentenversicherung.de

 

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Kommentare

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9 Kommentare

  1. Ingo von Mission-Cashflow
    Reply November 19, 13:03 #1 Ingo von Mission-Cashflow

    Im Grunde ist beides richtig, was in den Comments gesagt wurde. Die Inflation wird durch die Steigerung in der Regel ausgeglichene (das ist das Ziel) und damit ist das Beispiel etwas sehr pessimistisch dargestellt und meiner Meinung nach auch falsch im Text verargumentiert.

    Der Hinweis auf die weitere schon beschlossene Absenkung der Rente ist aber auch richtig und der eigentliche Grund, sich Sorgen machen zu müssen, wenn man nur auf Vater Staat vertraut. Wobei eigentlich auch nicht, denn immerhin ist man in Deutschland/Europa auf niedrigen Niveau abgesichert. Außerhalb schaut das anders aus. Da müsste man sich echte Sorgen machen müssen. Wir jammern auf hohem Niveau.

    Ich selbst vertraue auch nicht darauf, dass meine Rente ausreicht und ich dann so weitermachen kann wie jetzt. Auch möchte ich nicht erst mit 67 oder noch später „in Rente gehen“. Deswegen sorge ich selbst vor und wünschte mir, dass ich mein Geld, zumindest einen größeren Teil als aktuell, statt in die gesetzliche Rente, in meine eigene Vorsorgeplanung stecken könnte.

    Wir werden sehen, wo es uns hinführt.

    CU Ingo.

    • Finanzkoch
      Reply November 19, 19:50 Finanzkoch Author

      Hallo Ingo,

      wie sagt man so schön: „Des Glückes Tod ist der Vergleich.“

      Es liegt in der menschlichen Natur, dass es wenig tröstlich ist, dass es irgendwo auf der Welt Menschen gibt, die noch weniger haben als ich selbst, wenn alle im direkten Umfeld mehr haben.

      Also ja, wir jammern auf hohem Niveau, fühlen uns dabei aber trotzdem bescheiden. Und wer dieses bescheidene Gefühl im Alter vermeiden will, muss lernen, sich im Minimalismus zu üben oder wie du zusätzlich zur gesetzlichen Rente vorsorgen.

      Herzliche Grüße aus Leipzig

      Christoph

    • Smartinvestor
      Reply November 19, 21:05 Smartinvestor

      Hallo Ingo,
      d.h. wenn du gesetzl. Rentenbeiträge vermeiden könntest, würdest du das tun und im Finanzmarkt investieren, richtig? Das halte ich für suboptimal und Ich gehe den umgekehrten Weg und zahle maximal auf, d.h. z.Zt. für meine aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeitende Frau. Warum? Zur Diversifikation! Aufgrund historisch extremster Verwerfungen und global großer systemischer Risiken können früher oder später extremste Umbrüche weltweit auf uns zukommen bis hin zu einem kompletten Reset des Finanzsystems und anderer Systeme.

      Meine Großeltern haben als Flüchtlinge aus dem Osten so etwas ähnliches erlebt aber trotzdem einen privilegierten Ruhstand genossen, weil mein Großvater als Selbständiger immer freiwillig maximal in die gesetzl. Rentenvers. eingezahlt hat. Seine Überlegungen vor 60 Jahren dazu gelten heute noch genauso wie damals: Die Rente ist solange sicher wie es unseren Staat oder eine Nachfolgeorganisation davon gibt, auch wenn es zum befürchteten Reset des weltweiten Finanzsystems und Zwangsbewirtschaftung von Sachwerten kommen sollte. Sie ist somit die effektivste Diversifikation der eigenen Absicherung, die es gibt. Da Diversifikation aber nur hilft, wenn die Anteile ähnlich groß sind, sollte man die Rentenvers. maximal aufzahlen, weil sie i.d.R. einen eher zu kleinen Anteil am gesamten Kuchen hat.

      • chi
        Reply November 24, 22:19 chi

        In der Tat, man wird wohl kaum eine andere Asset-Klasse finden, die so unabhängig von Aktien, Anleihen, Bankguthaben usw. ist. Deswegen ist es als Diversifikation absolut sinnvoll. (Ich zahle auch selber freiwillige Beiträge in die Rentenkasse ein.)

        Man muß allerdings auch bedenken, daß die gesetzliche Rente wiederum ihre eigenen Risiken hat, weil sie an das Land gebunden ist. Aktuell gibt es z.B. Leute, die sich wegen Streß mit der Regierung aus der Türkei ins Ausland abgesetzt haben und nun nicht an die ihnen eigentlich zustehenden Rentenansprüche aus der Türkei herankommen. In der Vergangenheit ging das auch Deutschen schon ähnlich (Drittes Reich). Hier ist „normales“ Vermögen besser, weil man es leichter mitnehmen kann (wenn man früh genug reagiert).

        • Finanzkoch
          Reply November 27, 11:15 Finanzkoch Author

          Hallo chi,

          ich sehe das wie du. Alles hat Vor- und Nachteile und ich glaube, man muss sich von dem Gedanken verabschieden, dass man für sich absolute Sicherheit schaffen kann. Wenn es zu politischen Unruhen usw. kommt, können sich schnell alle Pläne in Luft auflösen. Das Konten eingefroren werden, wäre jetzt auch nichts Neues … genau deswegen ist die von dir angesprochene Diversifikation unverzichtbar.

          Herzliche Grüße aus Leipzig

          Christoph

  2. Maschinist
    Reply November 19, 12:49 #2 Maschinist

    Hi Christoph,

    Du hattest halt Inflationseinfluss darueber geschrieben und Ihn in Summe mit fast 25% Abschlag in den naechsten 10 Jahren voll einberechnet.

    Die echte Absenkung des Rentenniveaus betraegt in den naechsten 10 Jahren aber „nur“ ca. 2 Prozentpunkte.

    http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/Inhalt/Allgemeines/FAQ/Rente/_%20rentenniveau/rentenniveau.html

    Und diese zwei Prozentpunkte werden wahrscheinlich locker durch Produktiviaetssteigerung ausgeloestes Wirtschaftswachstum der arbeitenden Bevoelkerung ausgeglichen.

    Das heisst der Einkommensabstand zwischen arbeitender Bevoelkerung und Rentnern wird zwar steigen aber die verfuegbare kauftkraftbereinigte Geldmenge fuer die Rentner in der naechsten Dekade nicht.

    Trotzdem natuerlich voellg richtig der Hinweis von Dir sich darum zu kuemmern und selbst vorzusorgen.
    Ausser man ist mit seiner Rente schon heute so weit von der Grundsicherung weg, dass man dort eh nicht darueber hinaus kommt. Dann wuerde ich das Geld lieber in ein eigenes kleines Haus oder kleine Wohnung stecken, die innerhalb der Rahmenbedingungen liegt, so dass Sie bei Bezug der Grundsicherung nicht verkauft werden muss.

    Viele Gruesse zurueck und schoenen Sonntag!

    • Finanzkoch
      Reply November 19, 19:41 Finanzkoch Author

      Hallo Maschinist,

      danke für die Ergänzung. Ich habe es im Artikel ergänzt.

      Eine Anmerkung: Voll durchgereicht habe ich die Inflation nicht, da ich ja vorher die Rentensteigerung mit 1 Prozent angenommen habe.

      Bleibt eine Differenz zur angenommenen Inflation von 1,5 Prozent. Das mag etwas hoch sein und die Rechnung mit 2 Prozent Rentensteigerung + 2,5 Prozent Inflation wäre mit Blick auf die Entwicklung des Rentenniveaus noch realistischer. Damit hätte sie aus heutiger Sicht mit Rentenbeginn eine Kaufkraft von ca. 870 Euro und würde etwas über Grundsicherung liegen. Geht man davon aus, dass die Inflation komplett ausgeglichen wird und das Rentenniveau tatsächlich „nur“ 2 Prozent sinkt, landet unsere Frau Musterfrau immerhin noch bei gut 900 Euro.

      Ich würde es trotzdem so rechnen wie bisher. So hat man einen guter Puffer für andere Dinge. Ich gehe stark davon aus, dass die Beiträge zur Sozialversicherung in den nächsten Jahren/Jahrzehnten ein paar Prozentpunkte anziehen werden. Wobei diese ja im Rentenniveau enthalten sind.
      Ausgeklammert ist aber das Thema Steuern und der Rentenbeginn. Letztlich ist die Anhebung des Rentenalters auch nichts anderes als eine Rentenkürzung und viele Menschen werden mit Rentenabschlägen in den Ruhestand starten.

      Spannend wird es, wenn das Rentenniveau von 43 Prozent erreicht wird. Dann soll der Gesetzgeber ja geeignete Maßnahmen vorschlagen, dass Niveau zu halten … also rauf mit dem Rentenbeginn auf 70 Jahre …

      Letztlich ist aber die Frage entscheidend, wie die Produktivitätszuwächse in Zukunft verteilt werden. Gerade wenn man bedenkt, dass durch die Digitalisierung viele Jobs einfach verschwinden werden.

      Herzliche Grüße aus Leipzig und einen schönen Abend

      Christoph

  3. Maschinist
    Reply November 19, 10:52 #3 Maschinist

    Das ist relativ passend.

    Den einzigen Diskussionspunkt sehe ich bei der Inflation.

    Die jaehrlichen Rentensteigerungen gleichen diesen ja primaer aus. Die arbeitende Bevoelkerung, die die Rente fuer die Rentner aktuell direkt erwirtschaftet, erhaelt ja auch den Inflationsausgleich in Form von Lohnsteiguerngen und dieser wird natuerlich in Form von steigenden Renten weiter gegeben.

    Ansonsten wuerde der prozentuale Beitragssatz zur Rente ja durch die Inflation sinken. Macht er aber nicht.

    Das heisst, ich wuerde die 1034 Euro ungefaehr als inflationsbereinigtes Ergbenis nehmen.

    Gruss und schoenen Sonntag

    • Finanzkoch
      Reply November 19, 11:15 Finanzkoch Author

      Hallo Maschinist,

      genau da ist der Knackpunkt. Die Absenkung des Rentenniveaus ist von Seiten der Gesetzgebung beschlossene Sache. Die Renten sind in Zukunft von der Lohnentwicklung entkoppelt. Dafür sorgt unter anderem der in der Rentenformel versteckte Nachhaltigkeitsfaktor. In der Renteninformation heißt es dazu:

      „Da die Renten im Vergleich zu den Löhnen künftig geringer steigen werden und sich somit die spätere Lücke zwischen Rente und Erwerbseinkommen vergrößert, wird eine zusätzliche Absicherung für das Alter wichtiger („Versorgungslücke“) . Bei der ergänzenden Altersvorsorge sollten Sie – wie bei Ihrer zu erwartenden Rente – den Kaufkraftverlust beachten.“

      Die Inflation wird also dafür sorgen, dass die Renten Stück für Stück an Wert verlieren. Spätestens wenn die Babyboomer (Jahrgang 1964) in Rente gehen, wird es haarig.

      Herzliche Grüße aus Leipzig

      Christoph

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