Renditejagd: Wie wir aus unserem Geld dummes Geld machen

Die Geschichte unserer Renditejagd beginnt auf deiner Couch. Nach einem langen Arbeitstag liest Du einen kleinen Reiseblog. Der Artikel ist gespickt mit Bildern von traumhaften Stränden und einer sagenhaften Umgebung. Die Fauna und Flora ist ebenso einzigartig wie die Ruhe, die die Insel ausstrahlt. Sie ist von Menschen nahezu unberührt.

Mit den Bildern im Kopf mummelst du dich etwas später in deine warme Bettdecke und entgleitest in das Land der Träume. Wie schön wäre es, wenn du jetzt dort wärst …



Renditejagd: Wie wir aus unserem Geld dummes Geld machen


Aus den Augen aus dem Sinn. Am nächsten Morgen hat dich der Alltag wieder. Ein Jahr dauert es, bis du wieder auf die Insel aufmerksam wirst. Ein Freund war zufällig dort und berichtet überschwänglich von seinem Urlaub. Dein Entschluss reift. Da musst du auch mal hin …

Aus den Augen aus dem Sinn. Am nächsten Morgen hat dich der Alltag wieder. Zwei Jahre später schaltest du den Fernseher ein. Wie der Zufall will, läuft gerade die Werbung eines Reiseanbieters … mit den Bildern deiner Trauminsel. Das Angebot ist verlockend. Kurz entschlossen schlägst du zu und verplanst deinen Jahresurlaub. Du kannst es kaum erwarten.

Dann ist es endlich soweit. Du steigst aus dem Flieger und checkst im Hotel ein. Kaum angekommen, schnappst du dir das Nötigste und machst dich zu den einsamen Stränden auf. Die Ernüchterung folgt auf dem Fuße. Einsame Strände? Unberührte Natur? Fehlanzeige. Wo du auch hinkommst, zahllose andere Touristen sind vor dir da. Den idyllischen Urlaub, den du dir ausgemalt hast, bekommst du nicht. Der Geheimtipp aus dem kleinen Reiseblog von damals ist keiner mehr. Du kommst 4 Jahre zu spät. Nächstes Jahr kommst du bestimmt nicht wieder …

 

Prozyklisches Investieren

Zu ähnlichem Verhalten neigen wir bei unseren Investmententscheidungen. Wir sind notorische „Zu-spät-Kommer“. Finanzprodukte kaufen wir erst, wenn sie jahrelang gut gelaufen sind. Auf die Idee einen Fonds oder ETF zu kaufen, der jahrelang schlecht gelaufen ist, kommen die Wenigsten. Wir wollen schließlich Qualitätsprodukte, die sich bewährt haben.

Die Medien greifen unsere Vorliebe für vermeintliche Gewinner genüsslich auf. Jedes Jahr küren sie die besten Fondsmanager und die besten ETFs.

Dann schlagen wir zu – in der Hoffnung, dass der Fonds die 40 Prozent Rendite aus dem vergangenen Jahr erneut erreicht. Selbstredend bleibt es meist bei der Hoffnung. Enttäuscht wechseln wir daraufhin zum nächsten „Siegerfonds“. Und so weiter und so fort …

Experten sprechen vom dummen Geld, weil es ständig vergangenen Renditen hinterherjagt.

Die Renditejagd (Performance Chasing) führt dazu, dass Privatanleger (wir) die in Fondsprospekten ausgewiesenen Renditen nicht annähernd erreichen. Es besteht eine deutliche Renditelücke.*1 Die Gewinner sind die Finanzbranche und die Medien. Die Finanzbranche kassiert Gebühren für das „Produkthopping“ und die Medien profitieren von hohen Leserzahlen.

 

Was für einzelne Produkte gilt, gilt auch für ganze Märkte

Prominentes Beispiel ist die zur Jahrtausendwende geplatzte Dotcom-Blase. Viele Anleger sind kurz vorher in den Markt eingestiegen, weil sie auf die exorbitanten Renditen aufmerksam geworden sind. Als die Blase platzte, waren Verluste von 50 Prozent und mehr eher die Regel als die Ausnahme. Viele Anleger haben dem Aktienmarkt daraufhin den Rücken gekehrt und sind – wenn überhaupt – erst in den letzten Jahren wieder eingestiegen. Die Aktienmarktrenditen der letzten 16 Jahre sind damit für viele Anleger vor allem eins:

Graue Theorie.

Zeit, ehrlich zu sein. Würdest du dich mit den Aktienmärkten beschäftigen, wenn die letzten 7 Jahre anders verlaufen wären? Wenn der Dax jetzt bei 4.000 statt 9.500 Punkten liegen würde? Und die noch spannendere Frage:

Was würdest du machen, wenn die Aktienmärkte in den nächsten Monaten um 50 Prozent und mehr einbrechen?

 

Die Lösung ist einfach aber nicht leicht

Performance Chasing lässt sich einfach vorbeugen: Durch konsequentes Buy-and-Hold.

Viel wichtiger als die Auswahl des richtigen Produkts ist es, beim Vermögensaufbau konsequent zu sein. Nicht umsonst sind Immobilienbesitzer so erfolgreich dabei, Vermögen aufzubauen (siehe: Kaufen oder mieten? Wohneigentum als Wohlstandsrakete). Sie halten ihr Investment teilweise über Generationen.

Kurzfristig machen Märkte, was sie wollen. Erfolgreiche Investmentstrategien funktionieren langfristig.

Leicht ist Buy-and-Hold nicht. Heißt es doch auch bei rauer See Kurs zu halten. Bricht dein Depot ein, machst du vor allem eins:

Du bleibst investiert.

Du musst alle Medien ausblenden, die ständig von katastrophalen Risiken oder alternativ von neuen Chancen schreiben. Am besten liest du den Börsenteil von Tageszeitungen gar nicht. Der Großteil der Inhalte ist grober Unfug.

 

Du wirst nicht über Nacht reich

Eine weitere Einsicht hilft, Performance Chasing vorzubeugen:

Vermögen kommt nicht über Nacht.

Die Renditen der Kapitalmärkte sind begrenzt. Zweistellige Renditen wirst du langfristig nicht erreichen können – schon gar nicht nach Abzug der Inflation. Unter den Top 10 der schlechtesten Ratgeber liegt Gier auf Platz 1.

 

Fazit

Bei der Renditejagd rennt dummes Geld vergangenen Renditen hinterher. Das kostet Privatanleger auf lange Sicht ein kleines Vermögen. Die Lösung ist konsequentes Buy-and-Hold. Dafür gilt es:

  • Zu akzeptieren, dass die Entwicklung der Märkte nicht vorherzusagen ist
  • Zu akzeptieren, dass du nicht über Nacht reich wirst
  • Medien zu ignorieren, die ständig von neuen Chancen und Risiken schreiben
  • Und vor allem: Zu versuchen ruhig zu bleiben, wenn die Kapitalmärkte auf und ab hüpfen

Warst du schon einmal auf Renditejagd?

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

1* vgl. Souverän Investieren mit Indexfonds & ETFs, Gerd Kommer, 4. Auflage, S. 20

Bildquelle: © Sergey Nivens – fotolia

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Kommentare

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8 Kommentare

  1. Dominic
    Reply Juli 07, 17:32 #1 Dominic

    Das geht ja schon in die Richtung meines Lieblingsthemas: Value Investing. Schöner Artikel.
    * Medien ausschalten mache ich schon seit 2 Jahren. Damit komme ich nicht in Versuchung emotional Aktien zu kaufen resp. verkaufen. Angst ist ein mächtiger Antreiber.
    * Ein gaaaanz wichtiger Punkt den du erwähnst: NIEMAND weiss wie sich die Kapitalmärkte entwickeln. Leider ist es in der Natur des Menschen linear zu denken und auch die Gewinne linear zu sehen. Die Börse kann von heute auf morgen absacken, wenn Mr. Market wieder eine schlechte Laune hat. Mr. Market ist nämlich sehr launisch…
    * Ein für mich wichtiger Punkt möchte ich noch anfügen: Im Ausverkauf kaufen, also eine Margin of Safety, wie es Ben Graham nennt, einkalkulieren. Das heisst, ich muss den Wert der Immobilie oder Unternehmens kennen, bevor ich investieren. Ein Unternehmen ist immer das Wert, was der Markt bereit ist zu zahlen? Ja, das behauptet die Efficient Market Theorie… demnach ist ein Invest nie im Sonderangebot. Schau dir mal die 52-High-Lows der Aktien an. Meisten ist der High-Low 50% 🙂
    So, go have fun 🙂
    Domonic

    • Finanzkoch
      Reply Juli 09, 10:22 Finanzkoch Author

      Hallo Dominic,

      die Efficient Market Theorie sagt nicht, dass der aktuelle Preis einer Aktie der richtige Preis ist. Sie sagt lediglich aus, dass der aktuelle Preis die bestmögliche Schätzung ist – und selbst die bestmögliche Schätzung kann daneben liegen.

      Herzliche Grüße aus Leipzig
      Christoph

  2. Julia (Finanzblogleserin)
    Reply Juli 07, 14:35 #2 Julia (Finanzblogleserin)

    Was für Einzelaktien gelten kann, kann auch für Fonds gelten: es gibt ja (aktiv gemanagte) Fonds, die beispielsweise von Finanztest empfohlen werden. Viele Leute stecken daraufhin Geld in diese empfohlenen Fonds. Das Fondsvolumen wächst, der Fondsmanager muss mehr Geld verteilen und trifft vielleicht deshalb (und/oder aufgrund des Erfolgsdrucks) Fehlentscheidungen – und schon war’s das mit der Outperformance.
    Deshalb lieber in „langweilige“ ETFs (=passive Fonds) investieren. Die bilden einfach den Index nach und versuchen nicht, ihn zu „schlagen“. Natürlich sollte es nicht ein ETF auf irgendeine gehypte Nische sein (südaustralische Opal-Minen-Firmen oder sowas) sondern breit gestreut.

    Danke für den Artikel.

  3. Teilzeitinvestor
    Reply Juli 07, 10:03 #3 Teilzeitinvestor

    Ich stelle bei mir lustigerweise oft das Gegenteil fest: Wenn eine Aktie oder ein Index jahrelang besonders gut gelaufen ist, kann ich mich kaum dazu durchringen, noch auf den fahrenden Zug aufzuspringen, weil ich denke, dass das Rückschlagspotential viel zu hoch ist und sich da womöglich eine Blase bildet. Was in vielen Fällen ein teurer Irrtum war: Deutsche Aktien fand ich schon bei einem DAX Stand von 8.000 ambitioniert bewertet, und die Google-Aktie nach einer Vervierfachung 2006 schon viel zu teuer (mittlerweile hat sich Google/Alphabet nochmal vervierfacht).

    Andererseits habe ich schon die eine oder andere Aktie gekauft, weil sie stark zurückgekommen ist und es von diesem niedrigen Niveau es eigentlich nur noch aufwärts gehen kann. Aber siehe da, die Aktie hat sich oft trotzdem dauerhaft schlechter als der Markt entwickelt.

    Der Trend ist also manchmal durchaus dein Friend

    • Finanzkoch
      Reply Juli 08, 07:45 Finanzkoch Author

      Hallo Teilzeitinvestor,

      wie man es macht, macht man es falsch 🙂

      Ich kaufe auch ungern nach gestiegenen Kursen. Irgendwie sieht der Dax bei 10.000 Punkten viel teurer aus als bei 9.900. In der Vergangenheit hat mir mein Verstand schon mehr als einmal ein Bein gestellt … schön zu wissen, dass ich nicht allein bin 😉

      Herzliche Grüße aus Leipzig
      Christoph

  4. Lars
    Reply Juli 07, 09:03 #4 Lars

    Dake für den guten Artikel!

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