Reich werden? Das können wir nur in unseren Köpfen

Mähhhhh … schallt es durch die Hütte. Ich öffne die Augen. Ein beißender Duft (eine Mischung aus Schweiß und Kot) strömt durch meine Nasenflügel – unangenehm, aber gewohnt. Mein schwangeres Weib und unsere fünf Kinder schlafen noch.

Das Vieh, das zusammen mit uns in der bescheidenen Hütte wohnt, beginnt langsam unruhig zu werden. Zeit, es nach draußen an die Futterstellen zu treiben. Bis der Winter kommt, muss es sich ein ordentliches Polster angefressen haben. Ansonsten wird es in der kalten Jahreszeit schwer, alle zu ernähren.

Ich wecke meine beiden ältesten Buben und wir machen uns zusammen ans Werk …



Reich werden? Das können wir nur in unseren Köpfen


Szenenwechsel, ein paar Jahrhunderte später

7 Uhr morgens. Aus dem Handy meiner Freundin schallt der Samsung Song „The secret only 4 U“. Genervt öffne ich die Augen. Soll ich aufstehen? Soll ich liegen bleiben? Und kann jemand zum Teufel nochmal dieses Handy abschalten?

Neben mir regt sich nichts. Das Lied verstummt von alleine. Trotzdem entscheide ich mich fürs Aufstehen. Auf dem Weg zum Bad rieselt mir noch der Schlafsand aus den Augen. Macht nichts, unter der Dusche werde ich schon zu mir kommen.

Frisch geduscht, startet es sich wesentlich angenehmer in den Tag. Aus dem Kühlschrank nehme ich mir einen leckeren Joghurt. Zusammen mit einem Glas frisch gepresstem Orangensaft der perfekte Start in den Tag.

Wie sich die Zeiten doch ändern …

 

Reich werden?

In einem der reichsten Länder der Erde, in der fortschrittlichsten Zeit, die die Welt je gesehen hat, schaffen wir es nicht, glücklich zu werden.

Wir wollen immer mehr. Ein gewöhnliches Leben reicht uns nicht. Wir wollen etwas Besonderes sein. Besser als die anderen …

Wir wollen Reichtum.

Unseren „Erfolg“ zeigen wir, indem wir ein größeres Haus, ein schnelleres Auto und die intelligenteren Kinder, als alle anderen haben.

Um unsere Ziele zu erreichen, arbeiten wir hart. Wir stehen früh auf. Wir sind die Ersten, die auf Arbeit erscheinen und die Letzten, die den Arbeitsplatz verlassen. Abends fallen wir erschöpft auf die Couch. Vom Fernsehprogramm bekommen wir kaum noch etwas mit. Ist auch egal, so stumpfsinnig, wie die meisten Sendungen heutzutage sind. Eigentlich eh genau das, was wir brauchen. Anstrengen wollen wir uns jetzt nicht mehr …

… morgen müssen wir wieder früh raus. Die Rate für den nächsten Kredit wartet nicht auf uns.

So geht es Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr. Unsere Gesundheit leidet zunehmend. Genießen können wir unser Leben kaum noch. Zeit für unsere Familie? Sonntags vielleicht, aber da sind wir mit dem auch Kopf woanders.

Sorgen plagen uns. Bei dem Streben nach mehr, haben wir uns im Hamsterrad verfangen und es nicht einmal gemerkt.

Wir arbeiten nur noch, um unsere Schulden abzutragen. Warum wir Sie überhaupt aufgenommen haben, wissen wir nicht mehr … von unserem schönen Haus haben wir schließlich nichts. Wenn wir mal da sind, sind wir zu erschöpft, um es zu genießen.

Doch wenn wir hart genug arbeiten, wird das Glück schon über uns hereinbrechen. Also Augen zu und durch. Haus, Auto und 4 Sterne Luxus Urlaub für die ganze Familie wollen bezahlt werden.

Dann ist es soweit …

Wir sind am Limit, brauchen eine Pause. Unser Arzt schreibt uns krank. An arbeiten ist nicht mehr zu denken. Das Einkommen bricht weg.

Nach zwanzig Jahren Plagerei sollten wir schon ein ansehnliches Vermögen aufgebaut haben und der Verdienstausfall zu verkraften sein. Die Realität sieht anders aus. Das Haus, das Auto, eigentlich alles, was wir dachten zu besitzen, gehört der Bank.

Fassungslos müssen wir zusehen, wie wir aus unserem Haus hinaus komplementiert werden. Unsere Ehe steht vor einem Trümmerhaufen und unsere Kinder, für die wir viel zu wenig Zeit hatten, sind uns fremd geworden.

Es ist gekommen, wie es kommen musste. Der Traum vom Reichtum? Ausgeträumt. Wir haben das „Rat Race“ verloren.

„Rat Race“ umschreibt Wikipedia wie folgt:

Der Begriff Rat Race (zu deutsch „Rattenrennen“) bezeichnet im englischen Sprachraum eine endlose, selbstzerstörende oder sinnlose Zielerstrebung. Er leitet sich vom Bild der Laborratten ab, die erfolglos versuchen, dem Laufrad oder dem Labyrinth zu entkommen.

Du findest diese kleine Geschichte völlig übertrieben? Ich auch. Doch ich bin mir sicher, dass sie sich so schon zigmal abgespielt hat. Eventuell hast du dich ja in der einen oder anderen Zeile wiedergefunden, so wie ich?

Vielleicht hast du zu wenig Zeit für deine Kinder? Oder du stolperst von einer Verbindlichkeit in die nächste? Vielleicht bist du auch einfach nur unzufrieden mit dem, was du gerade hast?

Beantworte dir ehrlich folgende Frage:

Willst du mehr? Und wenn dem so ist, warum willst du mehr?

 

Reich werden? Das können wir nur in unseren Köpfen

Der 14. Dalai Lama bringt den Kerngedanken, welchen ich weiterspinnen möchte, in einer Lebensweisheit zum Ausdruck:

Der Dalai Lama wurde gefragt, was ihn am meisten überrascht; er sagte:

Der Mensch, denn er opfert seine Gesundheit, um Geld zu machen. Dann opfert er sein Geld, um seine Gesundheit wiederzuerlangen. Und dann ist er so ängstlich wegen der Zukunft, dass er die Gegenwart nicht genießt; das Resultat ist, dass er nicht in der Gegenwart oder in der Zukunft lebt; er lebt, als würde er nie sterben, und dann stirbt er und hat nie wirklich gelebt.

Unsere Hauptaufgabe ist es zu Leben. Bei all den Ängsten, Träumen und Wünschen, die wir hegen, dürfen wir das niemals vergessen.

Stell dir noch einmal die Frage:

Willst du mehr? Und wenn dem so ist, warum willst du mehr?

Ich für meinen Teil möchte mehr. Ich möchte Reichtum. Geld spielt dabei eine wichtige Rolle, aber nicht die entscheidende.

Reichtum ist für mich mehr als ein schickes Auto oder ein großes Haus. Reichtum bedeutet für mich, Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Freunde zu treffen. Neue Länder zu bereisen. Ein Buch zu lesen. Früh Joggen zu gehen. Diese Zeilen zu schreiben. Reichtum bedeutet für mich, glücklich zu sein.

Geld kann dabei helfen, all diese Dinge unbeschwert zu genießen. Geld kann aber auch abhängig machen. Entweder in Form von Schulden oder in Form des Geldes an sich. Wenn du jeden Monat fürchten musst, deine Kreditraten nicht tilgen zu können, wirst du kein unbeschwertes Leben führen können. Auch wenn du nach immer mehr und mehr Geld strebst, wirst du selten dein Glück finden.

Geld ist kein Selbstzweck. Geld ist Mittel zum Zweck.

Reich werden? Das können wir nur in unseren Köpfen. Unser Kontoauszug sagt uns nur, wie vermögend wir sind.

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Kommentare

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6 Kommentare

  1. mafis
    Reply Februar 22, 09:25 #1 mafis

    Eine schöne Geschichte und eine zum Nachdenken. Jeder hat wohl eine andere Definition von Reichtum im Kopf. Aber deine mit Glücklich würde ich auf mich auch beziehen.

    Das Geld kann immer nur eine unterstützende Wirkung haben und nie der Auslöser für Glück selbst sein. Deshalb ist wohl auch Bhutan eins der glücklichsten Länder der Welt. Geld gibt es dort nicht viel, aber der Reichtum im Sinne vom Glück ist im Gesetz verankert.

    • Finanzkoch
      Reply Februar 23, 08:48 Finanzkoch Author

      Hallo mafis,

      Reichtum bzw. Glück ist in Bhutan im Gesetz verankert? Wie kann ich mir das vorstellen?

      Liebe Grüße
      Christoph

  2. Philipp von Investment Amad€
    Reply Februar 20, 22:21 #2 Philipp von Investment Amad€

    Hallo Christoph!

    Guter Artikel! Reichtum erfordert eine ganz andere Einstellung, die wir lernen.

    Dazu fällt mir spontan folgendes Zitat ein: „Viele Menschen benutzen das Geld, das sie nicht haben, für den Einkauf von Dingen, die sie nicht brauchen, um damit Leuten zu imponieren, die sie nicht mögen.“ (Walter Slezak)

    MFG Philipp

    • Finanzkoch
      Reply Februar 21, 15:23 Finanzkoch Author

      Hallo Philipp,

      ich glaube, dass Zitat habe ich auch in meinem E-Book verwendet 🙂 Ein echter Klassiker.

      Liebe Grüße
      Christoph

  3. Jan
    Reply Februar 20, 14:09 #3 Jan

    Toller Beitrag. Genau so ist auch meine Einstellung und Verständnis vom Reichtum. Reich werden heißt nicht sinnlos 5 Autos vor der Tür stehen zu haben und jeden zweiten Tag auf irgendwelchen Partys Champagner in der Gegend zu versprühen. Das ist für mich kein Reichtum sondern eine Mischung aus Dummheit und asozialem Verhalten.
    Für mich bedeutet Reichtum, das bisschen mehr Geld um ab und an einmal fünf Grade sein zu lassen. Hier einen Tag frei, bei schönem Wetter drei Tage extra Urlaub. Mit Freunden gemütlich Essen zu gehen und nicht auf den Preis des Desserts achten zu müssen usw.
    Darüber hinaus (und dieser Punkt ist vielleicht noch viel wichtiger) bedeutet Geld Freiheit. Die Freiheit gewisse Dinge einfach nicht tun zu müssen. Fu** You Money eben. Geld ist übrigens einer der häufigsten Trennungsgründe von Beziehungen. Wenn dieses Risiko ausscheidet ist man doch schon einen großen Schritt weiter oder?

    VG Jan

    • Finanzkoch
      Reply Februar 21, 15:29 Finanzkoch Author

      Hallo Jan,

      Geld ist übrigens einer der häufigsten Trennungsgründe von Beziehungen. Wenn dieses Risiko ausscheidet ist man doch schon einen großen Schritt weiter oder?

      Wenn man an seiner Beziehung hängt 🙂 Es ist einfach schade, wenn man sich über Geld streiten oder Sorgen machen muss. Es gibt so viel wichtigeres … ein gesunder Umgang mit Geld kann dem einen Riegel vorschieben.

      Liebe Grüße
      Christoph

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