Passiv Investieren heißt dieses eine Mal: Aktiv handeln!

Investierst du in Staatsanleihen?

Sonntag 14. April 1912:
Die Titanic erhält mehrere Eiswarnungen. Trotzdem setzt sie ihre Fahrt unbeirrt fort.

23:40 Uhr:
Frederick Fleet sichtet von seinem Ausguck aus einen dunklen Umriss am Horizont. Eisberg voraus! Die Titanic geht hart steuerbord und versucht ihrem Schicksal zu entrinnen. Doch es ist zu spät. Seitlich kollidiert die Titanic mit dem Eisberg und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

15. April 1912, 2:20 Uhr:
Als letztes füllt sich das Heck mit Wasser und sinkt. Mehr als 1500 Menschen verlieren in dieser Nacht ihr Leben.
Dieses traurige Kapitel der Seefahrt hätte nie geschrieben werden müssen. Die Warnungen vor einem riesigen Eisfeld waren da. Etwas weniger Geschwindigkeit und das Ausweichmanöver hätte gelingen können …

Zugegeben, ganz so dramatisch wird es in diesem Artikel nicht. Aber auch ich möchte heute warnen: Eisfeld voraus! Alle passiven Anleger, die einen vermeintlich risikolosen Anteil im Depot haben, müssen jetzt handeln.



Passiv Investieren heißt dieses eine Mal: Aktiv handeln!


Passiv Investieren bedeutet für mich langfristig, kostengünstig und breit gestreut über ETFs Geld anzulegen. Immer mit dabei ist die Erkenntnis, dass ich den Markt nicht schlagen kann. Aktives Handeln ist tabu!

Doch seit einiger Zeit geschieht Seltsames. Der Zins ist verschwunden. Und es kommt noch dicker:

MINUS-ZINSEN AUF DEUTSCHE STAATSANLEIHEN

Ein wahrlich verdorbenes Menü für jeden Anleger. Wie so häufig im Leben, ist es von der Erkenntnis zur Handlung ein laaaanger Weg. Minus Zinsen auf Staatsanleihen? Verrückt! Wer kauft denn sowas? Ich nicht. Oder doch?
Den nächsten Monat geht die Sparrate für das Depot ab. War da nicht was? Ach ja. Mein risikoloser Depotanteil besteht aus kurzlaufenden Staatsanleihen. Upps … Das einzige was da sicher ist, ist ein garantierter Verlust.

Es hat einige Monate gedauert, bis ich meinen Sparplan angepasst und deutsche Staatsanleihen von der Orderliste geschmissen habe. Schließlich musste ich dafür einen meiner heiligen Grundsätze schlachten:

Eine einmal festgelegte Strategie bleibt unverändert.

Stellt sich die Frage, wie mit dem frei werdenden Geld verfahren werden soll.

Ich sehe hier zwei Alternativen. Wenn du das Risiko scheust, kannst du das Geld auf dem Tagesgeldkonto parken. Als zweite Option kannst du die Staatsanleihen durch europäische Unternehmens-Anleihen ersetzen. Das geht mit etwas mehr Risiko einher und hat mit einer „risikolosen“ Anlage (gibt es sowas überhaupt?) nichts mehr gemein.

Wie du dich auch entscheidest, alles ist besser, als sehenden Auges den sicheren Verlust hinzunehmen. Die folgende Auflistung verdeutlicht die Notwendigkeit einer Entscheidung.

Aktuelle Renditen von Anleihen ausgewählter Staaten mit zwei Jahren Laufzeit (Quelle):

  • Schweiz: -0,67 Prozent
  • Schweden: -0,40 Prozent
  • Dänemark: -0,38 Prozent
  • Deutschland: -0,23 Prozent
  • Frankreich: -0,18 Prozent
  • Spanien: 0,14 Prozent

Die offizielle Inflationsrate für Deutschland liegt aktuell bei 0,3 Prozent (Quelle).

Wenn du jetzt noch Kosten für den ETF von 0,3 Prozent addierst, hast du einen sicheren Verlust von einem Prozent pro Jahr. Die kalte Enteignung der Sparer ist laut Politik zwar notwendig, aber wir müssen ja nicht jeden Blödsinn mitmachen …

Fazit

Die Zeit zum Handeln ist jetzt. Vermeintlich sichere Staatsanleihen kosten dich bares Geld. Alternativen stellen Tagesgeld und Unternehmensanleihen dar. Beide Lösungen sind nicht optimal. Tagesgeld birgt eine schlechte Verzinsung und Unternehmensanleihen ein höheres Risiko. Um beide Effekte abzumildern, kannst du Tagesgeld und Unternehmensanleihen mischen.

Hast du noch deutsche Staatsanleihen auf der Orderliste? Welche Alternativen wählst du?

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

Titelbild: © Marco2811– fotolia

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Kommentare

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7 Kommentare

  1. €tom
    Reply Juli 28, 18:25 #1 €tom

    ich bin in die €/$ falle geraten, apple anleihe 2,85% sind ja ganz nett von einem so soliden unternehmen,aber s.o. ,oder wie seht Ihr das?

    • Finanzkoch
      Reply Juli 28, 21:48 Finanzkoch Author

      Hallo Tom,

      schwierig zu sagen. Wenn du mit dem Wechselkurs-Risiko leben kannst, würde ich die Anleihe halten … Wenn du noch Anleihen aus anderen Währungsräumen hast, können sich die Schwankungen ausgleichen, dass würde dein Risiko minimieren.

      Ein risikofreier Depotanteil ist es auf keinen Fall …

      Welches Ziel verfolgst du mir der Anleihe? Das ist die alles entscheidende Frage …

      Herzliche Grüße
      Christoph

      • Tom
        Reply Juli 29, 14:54 Tom

        hallo Christoph,
        Du fragst,Welches Ziel verfolgst du mir der Anleihe? Das ist die alles entscheidende Frage …
        schlicht und einfach: Zinsertrag…….ob der sich bei dem €/$ Verhältnis einstellt…
        hg Tom

        • Finanzkoch
          Reply Juli 29, 21:25 Finanzkoch Author

          Hallo Tom,

          wenn du „sicheren“ Zinsertrag suchst, kommt ein Verkauf in Frage. Wie sich der Euro zum Dollar entwickelt, kann dir niemand sagen. Das ist dein Währungsrisiko.

          Kannst du im schlimmsten Fall 30 Prozent (oder mehr) Verlust verschmerzen oder nicht? Die Frage musst du beantworten.

          Hast du noch Fragen?

          Herzliche Grüße
          Christoph

          • Tom
            Juli 31, 08:40 Tom

            Danke für die schnelle Antwort ich glaube ich hab mich wohl vergallopiert , besser das Pferd zu verkaufen gibt auch noch bessere Pferde….
            Das zeigt mir mal wieder wie gefährlich es ist Tipps von so genannten Experten zum Beispiel der Wirtschaftswoche zu folgen………

  2. Jan
    Reply Juli 27, 06:48 #2 Jan

    Hallo,

    ein wichtiger Hinweis. Ich bin kürzlich sogar mit dem Unternehmensanleihen-Anteil in Tagesgeld gegangen. Die Anleihen brachten noch etwa 1,3% vor GEbühr, Tagesgeld liegt bei ca. 1% bei höherer Sicherheit.
    Es ist wichtig in solchen Phasen nicht das Risikoprofil zu verändern. Viele neigen dazu plötzlich in Mittelstandsanleihen oder High Yield zu gehen, das damit verbundene Risiko ist aber ein gänzlich anderes als bei AAA-Staats oder sogar AAA-Unternehmensanleihen.

    VG
    Jan

    • Finanzkoch
      Reply Juli 27, 09:58 Finanzkoch Author

      Hallo Jan,

      ich habe auch überlegt die Unternehmensanleihen zu streichen … konnte mich aber bis jetzt nicht dazu durchringen. Nach Kosten bleibt (wie du schon geschrieben hast) ein gutes Prozent übrig. Das ist nicht viel, aber mehr als die 0,35 Prozent, die ich auf mein Tagesgeld bekomme.
      Ob die Differenz das zusätzliche Risiko wert ist, weiß ich nicht …

      „Es ist wichtig in solchen Phasen nicht das Risikoprofil zu verändern. Viele neigen dazu plötzlich in Mittelstandsanleihen oder High Yield zu gehen, das damit verbundene Risiko ist aber ein gänzlich anderes als bei AAA-Staats oder sogar AAA-Unternehmensanleihen.“

      Dein Wort in Gottes Ohr.

      Herzliche Grüße
      Christoph

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