Hilfe, die Welt geht unter!

Schuldenkrise. Eurokrise. Immobilienblase. Aktienblase. Anleiheblase. Wahlweise Deflation oder Inflation. Krisen sind hip. Krisen sind schick.

Wirtschaftsexperten und alle, die es werden wollen, haben eine Kunst daraus gemacht, mit unseren Ängsten zu spielen. Mittlerweile erinnere ich mich an kein Jahr mehr, in dem die Welt nicht kurz vor dem Abgrund stand. Und was soll ich sagen? Allen Unkenrufen zum Trotz, steht sie noch …



Hilfe, die Welt geht unter!


Wir stehen vor einem gewaltigen Berg aus Problemen. In vielen Eurostaaten nimmt die Jugendarbeitslosigkeit dramatische Ausmaße an. Parteien des linken und rechten Spektrums drängen an die Macht. Die Briten wollen raus aus der EU – zumindest die Älteren. Die jungen Wähler wären mehrheitlich gerne in der EU geblieben. Was sie davon abgehalten hat, zur Wahlurne zu gehen, bleibt ihr Geheimnis. Die Wahlbeteiligung der 18 bis 24-Jährigen lag bei gerade einmal 36 Prozent. Von den über 55-Jährigen, die mehrheitlich für den Brexit stimmten, traten über 80 Prozent den Gang zur Wahlurne an. Und die Moral von der Geschicht?

Wer nicht wählen geht, läuft Gefahr in einer Welt zu erwachen, die ganz und gar nicht seinen Vorstellungen entspricht.

Wie dem auch sei. Der Brexit kommt – und mit ihm eine neue Unbekannte, die Krisenpropheten in die Hände spielt. Bringt euer Geld in Sicherheit. Kauft Gold. Kauft Silber. Oder gleich eine abgeschiedene Hütte samt Acker zur Selbstversorgung? Sicher ist sicher …

Krisen verkaufen sich gut. Buch- und Zeitungsauflagen schnellen in die Höhe. Weltuntergangs-Websites finden regen Andrang. Und dramatische Nachrichten sind seit jeher ein Publikumsmagnet im Fernsehen.

Dumm nur, wenn die nächste Krise noch Jahre auf sich warten lässt. Dann steckt das eigene Geld in einer Bretterbude im Nirgendwo und glitzerndem Metall, das im besten Falle vor sich hinglitzert. Im schlimmsten Fall flattert eine diebische Elster vorbei und findet deine private Münzsammlung wäre woanders besser aufgehoben.

 

Die Inflation des Krisenbegriffs

In den letzten 100 Jahren hatten wir zwei Weltkriege, in denen kein Stein auf dem anderen geblieben ist. Während des ersten Weltkriegs setzten in Deutschland die Börsen den regulären Handel aus. Als sie wieder öffneten, waren 90 Prozent des Aktienvermögens vernichtet … Die menschliche Tragödie hinter diesen Ereignissen ist bis heute einmalig – und das wird sie hoffentlich auch bleiben.

Heute brechen wir in Panik aus, wenn die Briten ihr Kreuz anders setzen als erwartet. Hey, die Briten sind noch da! Die Insel trotzt wie eh und je der rauen See. Vielleicht wird das Importieren und Exportieren komplizierter. Vielleicht gibt es aber auch positive Auswirkungen auf die Binnennachfrage? Kommt Zeit, kommt Rat.

Dann hätten wir da noch den Großangriff auf den deutschen Sparer. Milliarden werden ihm geraubt, weil die Zinsen zu niedrig sind. Dass im Gegenzug die Inflation am Boden liegt und sich die Realzinsen kaum bewegt haben, wird in dem Zusammenhang gerne verschwiegen. Wenn überhaupt, werden massig Einzelbetrachtungen angestellt – Wechselwirkungen kommen kaum zur Sprache. An alle Beraubten:

Der Zins ist kein Menschenrecht und die Geldanlage in unrentable Produkte mitnichten verpflichtend.

Lebensversicherungen investieren tonnenweise Geld in deutsche Staatsanleihen. Wenn du dich darüber beschwerst, dass es dafür keine Zinsen mehr gibt, beschwerst du dich auch darüber, dass weniger Steuergelder für die Tilgung eben jener Zinsen eingesetzt werden. Linke Tasche, rechte Tasche.

Die Schuldenkrise? Die hätte ich fast vergessen … Wir sind hoffnungslos verschuldet. Ja auch wir, nicht nur die Griechen, Franzosen und Italiener. Ohne Zweifel ist das ein gewaltiges Problem. Zumindest in einer Welt mit Zinsen ist es das. Gut, dass wir keine mehr haben …

 

Die nächste Krise kommt bestimmt

Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, was in den nächsten Jahren folgt.

  • Radikale Schuldenschnitte, welche zu Verwerfungen der Realwirtschaft führen?
  • Schleichende Entwertung der Schulden durch die Abschaffung des Zinses im Zusammenspiel mit einer anziehenden Inflation?
  • Der Zerfall des Euros?
  • Der Kollaps der Rentenkassen?
  • Das Platzen einer Aktienblase?
  • Das Platzen einer Anleiheblase?

Die Liste ist lang und kann beliebig fortgesetzt werden.  Mein persönlicher Favorit:

Wir stärken in den nächsten Jahren die europäische Idee und treten in eine lange Phase des friedlichen Miteinanders ein. Für jeden Baum, den wir fällen, pflanzen wir einen neuen. Statt jeden Europäer mit vier Handys auszustatten, bauen wir soziale Ungleichgewichte ab. Anstelle uns über Flüchtlinge zu beschweren, stoppen wir die Ausbeutung ihrer Herkunftsländer. Ein T-Shirt darf ruhig mehr als einen Euro kosten … auch positiv denken, ist erlaubt.

Was auch kommt, bei einem bin ich mir sicher:

Die meisten potentiellen Krisenherde werden sich als laues Lüftchen in der Weltgeschichte herausstellen und die Erde wird sich auch in 50 Jahren noch drehen.

Wie die Zukunft aussieht, können wir nicht wissen. Vielleicht werden all unsere Ängste Wirklichkeit, vielleicht keine. Entscheidend ist, dass wir uns von unseren Ängsten nicht lähmen lassen. Das gilt für den Vermögensaufbau wie für alle anderen Bereiche unseres Lebens.

 

Das Rauschen der Krisenpropheten ausstellen und loslegen

Du machst dich als Finanzberater selbständig? Die Branche ist doch tot. Kann man da überhaupt noch was verdienen?

Den Spruch durfte ich mir in letzter Zeit häufiger anhören. Liebe Bedenkenträger:

Nein, die Branche ist nicht tot. Und ja, man kann hier Geld verdienen. Für Qualität ist immer Platz – in jeder Branche.

Wo wir schon dabei sind:

Nein, die Aktie ist nicht tot. Unternehmen werden auch in 100 Jahren noch Waren produzieren.

Nein, der Immobilienmarkt ist nicht tot. Menschen werden auch in 100 Jahren noch irgendwo wohnen wollen.

Nein, der Anleihenmarkt ist nicht … na gut, der ist vielleicht tot. Eine Anleihe mit null Prozent Zinsen muss sich Otto-Normalanleger nicht ins Depot legen. Da tut es auch ein Tagesgeldkonto mit Einlagensicherung.

Egal, was du erreichen möchtest, es wird immer Stimmen geben, die dir das Scheitern voraussagen. Schlimmer als die Stimmen aus deinem Umfeld, sind die Stimmen in deinem Kopf. Was ist, wenn …

Wenn – wenn – wenn – die ganzen „Wenn’s“ können dich bis in den Schlaf verfolgen. Wenn es regnet, wirst du nass. So einfach ist das. Mehr als einen Regenschirm einpacken, kannst du nicht. Genauso ist es bei Aktien. Wenn du heute in Aktien anlegst, ist es möglich, dass die Aktienmärkte morgen einbrechen. Mehr als breit streuen, kannst du nicht. Die Alternative ist nichts zu tun. Dann hast du zumindest Gewissheit – die Gewissheit, dass es mit dem Vermögensaufbau garantiert nicht klappt.

Höchste Zeit, zu akzeptieren, dass Sicherheit eine Illusion ist. Frei nach Murphy‘s Gesetz

Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.

Lass dich nicht von deinen Ängsten lähmen. Stell die Krisenpropheten und Bedenkenträger auf stumm. Schau, wo du hinwillst und laufe mit Bedacht los. Wenn du unterwegs auf dem Allerwertesten landest, steh wieder auf, klopf den Schmutz ab und lauf weiter.

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

Bildquelle: © kevron2001 – fotolia

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Kommentare

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14 Kommentare

  1. Marco
    Reply Juli 27, 14:51 #1 Marco

    Hey Christoph,

    ein toller und sehr kritischer Beitrag der zum Nachdenken anregt, mich aber manchmal auch schmunzeln hat lassen. Wirklich toll geschrieben!
    Ich bin immer mehr der Meinung das alle Krisen die man die letzten Monate/Jahre gehört hat und in nächster Zeit noch hören wird, alle nur dazu da sind um die Menschen zu verunsichern. Ich finde da geht es aber nicht nur um Finanzkrisen, sondern auch um die Dinge die in letzter Zeit hier in Deutschland passiert sind. Liest man etwas mehr in den Medien könnte man meinen die Welt zerfällt morgen in Milliarden Teile. Und das Schlimme ist die Menschen lassen sich, egal um welche Panikmache es sich nun handelt, vollkommen anstecken damit und manipulieren. Wir können alle froh sein, dass wir hier eine andere Denkweise an den Tag legen!

    Liebe Grüße
    Marco

    • Finanzkoch
      Reply Juli 28, 17:45 Finanzkoch Author

      Hey Marco,

      danke für dein Lob 🙂

      Ich finde es verdammt schwer, sich nicht verrückt zu machen. Manchmal erwische ich mich selbst dabei, wie ich anfange alles schwarz zu sehen. Dann hilft es mir, einen Beitrag wie diesen hier zu schreiben 🙂

      Herzliche Grüße aus Leipzig
      Christoph

      • ChrisS
        Reply Juli 30, 00:40 ChrisS

        „Ich bin immer mehr der Meinung das alle Krisen die man die letzten Monate/Jahre gehört hat und in nächster Zeit noch hören wird, alle nur dazu da sind um die Menschen zu verunsichern. “

        Ich bin zwar nicht ganz dieser Meinung, wäre es aber gerne – denn das würde ja bedeuten dass alle Krisen/Probleme/Sorgen eigentlich garnicht real sind sondern nur von irgendwem vorgetäuscht um uns zu manipulieren.
        Ich weiß, so hast du’s wahrscheinlich nicht ganz gemeint ^^ Aber nur weil die Verunsicherung von einigen Seiten mit Eigeninteressen ausgenutzt werden (das passiert sicher), heißt das ja im Gegenzug nicht automatisch, dass alle Dinge über die man so verunsichert ist eigentlich nicht auch wirklich existieren können.
        Alles mehr oder weniger natürlich. Am Ende muss jeder seinen individuellen Kompromiss zwischen Optimismus (der auch gefährlich werden kann wenns zu übertriebene Sorglosigkeit ist, und irgendwann mal die Probleme, die man bis dahin fröhlich ignoriert hat, dafür um so härter zuschlagen) und Pessimismus (der als Paranoia gefährlich wird, wenn man vor lauter Problemen keine Lösungen mehr sehen kann) finden mit dem man vernünftig leben kann.

        Die Sachen die Christoph in der Liste aufgezählt hat (und das waren ja erstmal nur finanzielle Themen) sind es ja auch keine ausgedachten Spinnereien ohne Wirklichkeitsbezug, sondern reale Probleme mit denen viele wichtige Leute beschäftigen und kämpfen (hauptsächlich um sie zu verhindern, wollen wir natürlich hoffen^^)

        @Christoph:
        „Statt jeden Europäer mit vier Handys auszustatten, bauen wir soziale Ungleichgewichte ab.“
        Wäre schön, nur ist das fürs Gemeinte vielleicht nicht das passendste Beispiel. Es ist ja nicht so, dass die Leute „von Europa“ mit ihren Handys „ausgestattet werden“, sondern die Leute kaufen sich ihre Handys schon selbst, von ihrem eigenen Geld und aus freien Stücken. Es ist ja auch nicht so dass dabei ein direkter Gegensatz bestünde (also entweder Handy oder sozialer Ausgleich). Willst du damit eher sagen, dass die Leute selbst lieber, statt Geld fürs vierte Handy auszugeben, das Geld lieber „sozialer“ verteilen, spenden sollen ? Wäre schön, leider kann sie aber niemand dazu zwingen – ausser der Staat natürlich, der beansprucht ja den „sozialen Ausgleich“ als einer seiner Kernaufgaben. Am Ende läuft das dann auch immer nur auf die gleiche Methode ab: den „Handykäufer“-Leuten erhöhen wir einfach mal die Steuern und Abgaben (sie haben ja eh anscheinend schon „zuviel Geld“, wenn sie soviele Handys kaufen können), um damit höhere Sozialleistungen zu finanzieren, das Geld also an die bisher zu kurz gekommenen verteilen… und was machen die Empfänger dann damit ? Na die kaufen sich davon auch erstmal nur ein paar neue Handys! 😀 (nur Spaß)

        „Anstelle uns über Flüchtlinge zu beschweren, stoppen wir die Ausbeutung ihrer Herkunftsländer. Ein T-Shirt darf ruhig mehr als einen Euro kosten.“
        Auch wieder ein löblicher Gedanke, aber untreffendes Bild. Von den Flüchtlingsmassen kommt der Großteil ja eben nicht aus den „ausgebeuteten“ Ländern (im Sinne deines Textilbeispieles – unsere Tshirts werden ja hpts in Bangladesh, China, Indien, Indonesien etc hergestellt), sondern aus dem Nahen/Mittleren Osten und Nordafrika.
        Wenn jetzt eine Million unterbezahlter chinesischer Textilarbeiter hier eingewandert wären, könnte man schon eher diesen Zusammenhang ziehen (wäre auch mal interessant zu wissen, ob es bei denen weniger „zu beschweren“ gibt), für die aktuelle Situation wäre aber, statt vereinfacht-pauschaler „Ausbeutung“, eher der Wunsch passender dass die Weltmächte lieber mal ihre fatal unproduktive Einmischungspolitik in dieser Region überdenken würden. Wenn ein US-Präsident mal wieder einen Krieg im Nahen Osten befiehlt, macht er das ja auch weil er weiß dass er gemütlich hinter einem Ozean sitzt und sich also nicht mit den Millionen Flüchtlingen rumschlagen muss die garnicht erst zu ihm kommen können, sondern nach Europa. Da könnte man sich auch wünschen, dass die Länder die es viel eher betrifft, auch mal klarer dagegen Stellung beziehen würden.

        Gruß aus dem Landkreis 🙂

        • Finanzkoch
          Reply Juli 31, 07:37 Finanzkoch Author

          Hey Chris,

          danke für deine Gedanken. Aufzuhören, in anderen Ländern „Krieg zu spielen“, sollte/muss der erste Schritt sein. Die Frage ist ja immer: Was kommt danach, wenn ich eine Regierung/Regime abgesägt habe? …

          Mit den Handys wollte ich generell auf den Konsumwahn anspielen. Wie die Leute bei uns den neuen Primark gestürmt haben, hat mich kopfschüttelnd zurückgelassen …

          Danke für deine immer wieder tollen Kommentare. So werden einige Schwächen meiner Artikel beseitigt 🙂

          Herzliche Grüße aus Gohlis
          Christoph

  2. Finanzheldin
    Reply Juli 24, 10:59 #2 Finanzheldin

    Hallo Christoph,

    das, was wir in Nachrichten hören und lesen, ist meiner Meinung stark gesteuert.

    Wir werden bewusst in Angst und Schrecken gehalten.

    Würde die Mehrheit der Menschen eigenständig Denken und Handeln, könnte die Politik und Wirtschaft nicht so mit uns umgehen.

    Ich kann nur jedem empfehlen: Interessiert euch für wirtschaftliche Zusammenhänge, eignet euch Finanzwissen an und werdet euch klar, was ihr konkret erreichen wollt.

    Geht euren eigenen Weg.

    Viele Grüße
    Sylvia

    • Finanzkoch
      Reply Juli 26, 13:54 Finanzkoch Author

      Hallo Sylvia,

      ob wir bewusst in Angst und Schrecken gehalten werden, weiß ich nicht. Ich glaube auch bei Nachrichten an Angebot und Nachfrage:

      Schlechte Nachrichten verkaufen sich einfach besser.

      Deiner Empfehlung möchte ich mich zu 100% anschließen:

      „Interessiert euch für wirtschaftliche Zusammenhänge, eignet euch Finanzwissen an und werdet euch klar, was ihr konkret erreichen wollt. Geht euren eigenen Weg.“ 🙂

      Herzliche Grüße aus Leipzig
      Christoph

  3. Ex-Studentin
    Reply Juli 18, 07:42 #3 Ex-Studentin

    Passive Anleger, passive Bürger.. An sich denke ich auch, dass sich die Welt stets weiter drehen wird. Dennoch habe ich das Gefühl, dass die Politik von ein paar wenigen geprägt wird. Ein ganzes Volk kann die Teilnahme an einem Krieg veweigern, trotzdem könnten ein paar Militärflugzeuge losgeschickt werden oder wie in der Türkei die Todesstrafe diskutiert werden (und so ein Land will in due EU..). Die Halbwertszeit unserer Proteste und Aufregung ist recht gering. Eben noch ein Anschlag, am nächsten Tag beschäftigt man sich man mit Pokemon Go.

    • Finanzkoch
      Reply Juli 18, 08:30 Finanzkoch Author

      Hallo Jenny,

      wenn ich mich in der Welt derzeit umschaue, scheint sie ein einziger Scherbenhaufen zu sein. Es gibt so viele Baustellen, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll … Aber war das jemals anders? Der Unterschied zu früher ist, dass wir heute bei jeder Katastrophe live dabei sind …

      So oder so, es muss sich viel verändern. Wählen zu gehen, wäre schon einmal ein Anfang – aber da scheitert es schon viel zu oft. Sich einzubuddeln und auf das Ende zu warten, ist keine Lösung – Im Leben wie in der Geldanlage.

      Was mir bei dem Putschversuch völlig fehlt, ist die Frage nachdem warum? Ich habe vor 2 Tagen mit einem Kurden gesprochen … da wird Erdogan schon einmal offen mit unserem Despoten aus dem 2ten Weltkrieg verglichen. Diskutieren wir wirklich über die Aufnahme der Türkei in die EU? Ein Land dessen Oberhaupt kurdische Städte bombardieren lässt? Ein Land in dem Frauen und Kinder in Keller gesperrt und … Erdogan und die EU – das verträgt sich nicht. Hier würde ich mir – wie sagt man so schön? – klare Kante von unserer Politik wünschen.

      Nachdenkliche Grüße
      Christoph

      • Chris
        Reply Juli 25, 20:18 Chris

        „wenn ich mich in der Welt derzeit umschaue, scheint sie ein einziger Scherbenhaufen zu sein. Es gibt so viele Baustellen, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll … Aber war das jemals anders? Der Unterschied zu früher ist, dass wir heute bei jeder Katastrophe live dabei sind …“

        Mhm, dass die mediale Dauerbeschallung einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Gefühlslage ist klar, wie man damit aber umgehen soll (wenn ja, wie im nächsten Absatz auch gleich gesagt, einfach einbuddeln bzw ignorieren auch nicht wirklich ne Lösung ist), mag die eigentliche Frage sein.

        Dazu kommt wohl auch die jeweilige „Unmittelbarkeit“ der verschiedenen Bedrohungsszenarien. Früher war zB jahrzehntelang die Ost-West Konfrontation der bestimmende Konflikt der Welt, gleichzeitig war dabei aber auch jedem klar dass wenns da mal wirklich „ernst wird“, am Ende nur die atomare Auslöschung der ganzen Zivilisation stehen kann. Das ist – natürlich – objektiv betrachtet ein viel schwerwiegenderes Szenario als zB „das bischen Terror“ dagegen heutzutage, allerdings für den Bürger eben auch gefühlsmäßig daher viel „abstrakter“ zu verarbeiten als der (egal wie berechtigt/unberechtigte) Gedanke jetzt bei jedem Stadtfest Angst haben zu müssen von irgendeinem Selbstmordattentäter angegriffen zu werden, was leider mittlerweile viel mehr „vor der Haustür“ angekommen ist.

        Mehr wählen gehen, wäre toll – ich nehme seit ich 18 bin so oft wie möglich mein demokratisches Recht wahr, wofür ja auch viele unserer Vorfahren lange genug hart gekämpft haben (es mir also viel zu unverantwortlich wäre, es einfach so zB aus Bequemlichkeit wieder abzugeben, und so wieder in vordemokratische Zustände zurückzufallen). Allerdings fällt es einem auch immer schwerer, überhaupt noch irgendwen zu finden, die man wirklich aus voller Überzeugung wählen kann, anstatt nur noch irgendwie wenigstens für ein „kleineres Übel“ zu stimmen, da die Antworten auf die Fragen der heutigen Zeit für mich von keiner der Parteien, egal ob links/rechts/mitte, wirklich überzeugend gelöst werden können (mir also dabei nichts anderes mehr übrig bleibt, als überhaupt nur noch die zu wählen, die m.M.n. wenigstens nur den „geringsten“ Schaden anrichten werden).

        „Diskutieren wir wirklich über die Aufnahme der Türkei in die EU?“
        Natürlich tun „wir“ (also die „Entscheider“) darüber diskutieren, denn am Ende spielen da auch stärkere wirtschaftliche und geopolitische Interessen mit rein als nur unsere hehren moralischen Ansprüche. Dass der Westen da abseits aller schönen Sonntagsreden immer auch eine ordentliche Portion „Flexibilität“ in der Praxis hatte, sieht man ja daran wie (un)wichtig uns eigentlich die Menschenrechte bei den Beziehungen zu Staaten wie China oder Saudi-Arabien etc sind, wo deutlich andere Interessen das Verhältnis bestimmen. Genauso mit der Türkei, auf welchen Deal hatten „wir“ uns vor ein paar Monaten nochmal eingelassen ? Milliarden€ dafür, dass er uns die Flüchtlingsmassen zurückhält – einige Erpressungen in die Richtung zeigten ja schon mit welchem „Partner“ man sich einließ.

        • Finanzkoch
          Reply Juli 26, 14:08 Finanzkoch Author

          Hallo Chris,

          danke für deinen Kommentar. Ich glaube, die besondere Problematik des derzeitigen Terrors ist, dass er sich gegen unsere Gesellschaft als Ganzes richtet. Man hat das Gefühl, dass es jeden treffen kann. Genau wie du schreibst:

          „der (egal wie berechtigt/unberechtigte) Gedanke jetzt bei jedem Stadtfest Angst haben zu müssen von irgendeinem Selbstmordattentäter angegriffen zu werden, was leider mittlerweile viel mehr “vor der Haustür” angekommen ist.“

          Mit der Türkei ist das so eine Sache … da bin ich froh kein Politiker zu sein … selbst mit den schönsten Idealen wird man schnell von der Realität eingeholt und am Ende müssen Kompromisse her. Trotzdem:

          Normale politische Beziehungen sind das Eine … Die Aufnahme in die EU, hinter der für mich eine größere Idee steht, ist etwas Anderes.

          Herzliche Grüße
          Christoph

  4. Der Finanzfisch
    Reply Juli 17, 17:34 #4 Der Finanzfisch

    Ein toller Beitrag. Der Spruch mit den Anleihen hat mich zum Schmunzeln gebracht 😉

    Es tut gut, auch mal eine so positiven Beitrag zu lesen. Wenn man sich die Börsenportale ansieht, so droht jeden Tag eine neue Krise.

    Ich glaube aber, dass, wenn man mal 10, 15 oder 20 Jahre zurückschaut, es auch da bereits jeden Tag eine neue Sau gab, die durchs Dorf getrieben wurde.

    Ich frag mich schon seit längerem, ob es den Analysten und Journalisten nicht irgendwann zu blöd wird, jeden Tag eine neue Katastrophe zu prophezeien und wie sich damit überhaupt noch so viel Geld verdienen lässt. Irgendwann sollten wir doch immun gegen die Weltuntergangsphantasien irgendwelcher Schreiberlinge sein und verstehen, dass sie die einzigen sind, die davon profitieren.

    Viele Grüße und weiter so,
    der Finanzfisch

    • Finanzkoch
      Reply Juli 18, 08:43 Finanzkoch Author

      Hallo Finanzfisch,

      solange sich negative Nachrichten verkaufen wie geschnitten Brot, werden sie die Nachrichten dominieren. Ich weiß nicht wie es dir geht? Ich für meinen Teil „konsumiere“ auch bevorzugt negativ angehauchte Nachrichten – da bin ich wie auf Autopilot … Dabei vergisst man schnell, dass sich vieles zum positiven entwickelt. Es ist noch nicht solange her, da war Deutschland geteilt …

      Herzliche Grüße
      Christoph

  5. Finanziell Frei mit 30 - Dominik
    Reply Juli 17, 15:14 #5 Finanziell Frei mit 30 - Dominik

    Ein wirklich guter Beitrag.

    Aus dem Grund verfolge ich auch nicht mehr so stark die Nachrichten von heute, denn das meiste erledigt sich in kürzester Zeit von selbst, oder ich kann an diesem Umstand nichts ändern.
    Ab und zu stürzt ein Flugzeug ab, doch was nützt es mir den ganzen Tag darüber nachzudenken und mir die Stimmung zu vermiesen. Ich kann es weder ungeschehen machen, noch werde ich durch meine Gedanken die ohnehin hohe Flugsicherheit weiter erhöhen.

    Die Medien haben nun mal das Problem, dass sie Aufmerksamkeit auf sich lenken müssen und täglich die Leser an sich binden müssen. Das geht nunmal nicht mit tiefgreifenden gesellschaftlichen Analysen und der Beschreibung von langfristigen Trends.
    Zudem wollen die Leute auch weiter das Bild gezeichnet bekommen, dass es der Gesellschaft immer schlechter geht und alles schlimmer wird.

    Ich kann hierzu die Vorträge von Hans Rosling empfehlen. Er eröffnet unterhaltsam und anschaulich einen neuen Blickwinkel auf langfristige Trends und Entwicklungen.

    Interessant in der aktuellen Niedrigzinsphase finde ich auch die Aussage, dass sich Sparbücher nicht mehr lohnen würden, da es keine Zinsen mehr gibt. Sparbücher haben sich noch nie gelohnt und so langsam wird das den Leuten auch klar.
    Bisher war dies halt nicht ersichtlich, da die wenigen vorhandenen Zinsen von der Inflation aufgefressen wurden.

    Schöne Grüße

    Dominik

    • Finanzkoch
      Reply Juli 18, 09:05 Finanzkoch Author

      Hallo Dominik,

      danke für die Empfehlung von Hans Rosling – ein echter Augenöffner. Nach Frankreich komme ich sobald trotzdem nicht … da kann ich meiner Freundin noch so oft sagen, dass die Wahrscheinlichkeit bei einem Terroranschlag zu sterben, quasi Null ist … dafür fressen sich solche Bilder und Nachrichten einfach zu tief ins Gedächtnis.

      Liebe Grüße
      Christoph

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