Ist Fairriester 2020 an der Realität gescheitert? (und was wir daraus lernen können)

Das Coronavirus hält die Welt im Jahr 2020 in Atem und sorgt für massive Verwerfungen an den Kapitalmärkten. Auch fairriester-Kunden sind betroffen. Am 12. März 2020 hat fairriester alle Aktien-ETFs seiner Riester-Sparer verkauft und das bisherige Anlagekonzept ad absurdum geführt, welches ein strikter Buy & Hold Ansatz mit einer hohen Aktienquote sein sollte.



Ist Fairriester 2020 an der Realität gescheitert? (und was wir daraus lernen können)


Fairriester gescheitert? Die Podcast-Episode zum Artikel:

Shownotes:

Die wichtigsten Inhalte:

  • Im Zuge der Corona-Krise hat fairr alle Aktien ETFs seiner Riester-Kunden verkauft und in Liquidität umgeschichtet
  • Ursache ist die gesetzlich vorgeschriebene Beitragsgarantie für Riester-Kunden
  • Riester und hohe Renditen passen nicht zusammen
  • Wer sich für einen Riester-Vertrag entscheidet, sollte das aufgrund hoher Förderquoten tun
  • Fairriester-Kunden sollten individuell entscheiden, ob sie eine Vertragsanpassung vornehmen. Eine pauschale Empfehlung ist nicht sinnvoll

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Textbeitrag – Ist fairriester 2020 an der Realität gescheitert? (und was wir daraus lernen können)

Am 12. März 2020 hat fairriester alle Aktien-ETFs seiner Riester-Sparer verkauft und das bisherige Anlagekonzept ad absurdum geführt, welches ein strikter Buy & Hold Ansatz mit einer hohen Aktienquote sein sollte.

Auslöser für den Bruch mit der eigenen Anlagestrategie sind die hohen Kursverluste der Aktienmärkte im Februar/März 2020 im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Die Sutor Bank, welche das Kapital der fairriester-Sparer verwaltet, hat angesichts des Wertverfalls die Reißleine gezogen und ein mögliches finanzielles Desaster in der eigenen Bilanz verhindert.

Die Folge für fairriester-Kunden ist, dass Kursverluste fast vollständig mitgenommen und die anschließende Erholung verpasst wurde.



Fairriester zollt der Beitragsgarantie Tribut

Der Schritt der Sutor Bank zollt einer gesetzlichen Regelung Tribut, die für alle Riester-Renten gilt:

Darin wird Riester-Anbietern vorgeschrieben, dass zum zum Ende der Ansparphase einer Riester-Rente mindestens die eingezahlten Beiträge des Kunden im Vertrag vorliegen müssen (Beitragsgarantie). Verluste der Kunden sollen so ausgeschlossen werden. Der Anbieter hat dafür Sorge zu tragen, dass die Garantie erfüllt wird und haftet dafür.

Wenn sich die Sutor Bank der Aktienanlagen nicht entledigt hätte und die Kurse weiter ins Bodenlose gestürzt wären, hätte womöglich akute Erklärungsnot bestanden, wie die Beitragsgarantie gestemmt werden soll.

Bereits 2016 habe ich mich im Artikel „Fairriester: Das solltest du wissen“ damit auseinandergesetzt, was passiert, wenn eine große Anzahl von Kundenportfolios ins Minus rutscht und auf zwei Eskalationsstufen hingewiesen:

Stufe 1: Die Aktienquote wird zurückgefahren

Stufe 2: Die Sutor Bank muss in die Insolvenz

Die Sutor Bank hat die Aktienquote jetzt auf Null gesenkt, um die zweite Eskalationsstufe zu vermeiden. Das ist zwar für Kunden vermögensschädigend, aber kaufmännisch nachvollziehbar.

 

Einschätzung der fairriester-Aussagen von der eigens eingerichteten FAQ-Seite

Fairriester hat zum Vorgang eine FAQ-Seite*¹ eingerichtet. Die folgenden Fragen und Antworten sind Zitate der FAQ-Seite. Diese werde ich im folgenden kommentieren, bevor ich im Anschluss dazu komme, was wir aus dem Vorfall lernen können.

Widerspricht eine Umschichtung der Idee einer passiven Geldanlage?

Antwort von fairriester:

Der fairriester investiert in passive Fonds, sogenannte ETFs oder Indexfonds. Diese kommen ohne einen Fondsmanager aus. Passive Fonds bilden einen Marktindex ab, ohne zu versuchen, durch aufwendige, teure und empirisch belegt meist erfolglose Auswahl von Einzeltiteln besser als der Markt zu sein. Die im Riester-Produkt fairriester enthaltene Vermögensverwaltung durch die Sutor Bank beinhaltet – anders als bei passiven Fonds – ein aktives Eingriffsrecht und -pflicht. Die Vermögensverwaltung folgt dabei dem Ansatz, so selten wie möglich und nur wenn nötig einzugreifen.

Meine Einschätzung:

Die Umschichtung widerspricht der Idee einer passiven Geldanlage. Auch wenn die Vermögensverwaltung der Sutor Bank selten eingreift, bleiben die seltenen Eingriffe eine aktive Anlageentscheidung. Zu allem Überfluss erfolgen diese Eingriffe vornehmlich in den entscheidenden Momenten, wie wir in der Situation rund um das Coronavirus beobachten konnten.

 

Widerspricht eine Umschichtung dem Buy & Hold Ansatz?

Antwort von fairriester:

Die gegenwärtige Umschichtung ist kein Market Timing, obwohl sie sich angesichts weiterer Kursverluste in den ersten Tagen nach der Umschichtung als vorteilhaft erwiesen hat. Die Umschichtung erfolgte im Rahmen gesetzlicher Anforderungen an Riester-Produkte. Ein Wiedereinstieg ist ebenfalls nicht von Market Timing abhängig. Dieser Anlageansatz, der grundsätzlich einem Buy & Hold Ansatz ähnelt, wird jedoch durch zwingende Maßnahmen zum Risikomanagement eingeschränkt.

Meine Einschätzung:

Die Umschichtung steht in einem fundamentalen Widerspruch zum Buy & Hold Ansatz. Selbst fairr nutzt hier das Wort „ähnelt“. Der Wiedereinstieg wird ebenso wie der Ausstieg aus den Aktienmärkten per Definition Market Timing sein. Das hier davon gesprochen wird, dass sich die Entscheidung in den ersten Tagen als „vorteilhaft erwiesen hat“, soll die Gemüter besänftigen. Die Aussage wurde bereits kurz darauf von der Realität eingeholt und es setzte ein starke Erholung an den Kapitalmärkten, von der die fairriester-Sparer nicht profitieren konnten.

Wurden durch die Umschichtung Verluste realisiert?

Antwort von fairriester:

Nein, dies ist aus verschiedenen Gründen nicht der Fall. Zum einen sind seit dem 12. März 2020 die Kurse weiter gesunken (Stand 23. März 2020). Kursgewinne und -verluste in einem Riester-Produkt unterliegen nicht der Kapitalertragsteuer. Eine steuerlich relevante Realisierung von Verlusten hat daher nicht stattgefunden. Auch im Vergleich zu den eingezahlten Beiträgen wurden keine Verluste realisiert, da die eingezahlten Beiträge zum Ende der Ansparphase von der Beitragsgarantie gedeckt sind. Verluste würden dann realisiert, wenn die alten Höchststände über die Restlaufzeit des Vertrages aufgrund einer dauerhaft renditsschwachen Anlage nicht wieder erreicht würden. Davon gehen wir nicht aus. Aktuell würden zudem Verluste realisiert, wenn der Vertrag gekündigt wird, da die Mindestwertzusage zum Ende der Laufzeit gilt.

Meine Einschätzung:

Es sind Verluste auf Vertragsebene realisiert wurden, die die Vermögensentwicklung der Anleger nachhaltig schädigen. Wenig tröstlich ist, dass diese erst auf Kundenebene ankommen, wenn dieser seinen Vertrag kündigt. Richtig ist, dass Riester-Sparer zum Ende Laufzeit in jedem Fall die eingezahlten Beiträge herausbekommen müssen. Wenn dein Vertrag nur noch eine kurze Laufzeit hat, ist das ein echter Pluspunkt, da du bei Alternativanlagen kaum noch Zeit hättest, die Kursverluste wieder aufzuholen.

Ist eine erneute Umschichtung in Aktien möglich oder bleibe ich nun für immer in Liquidität investiert?

Antwort fairriester:

Die Anlagestrategie des fairriesters folgt keinem starren Schema. Das zeigen auch die Anlageentscheidungen der Vergangenheit. Die Vermögensverwaltung der Sutor Bank nimmt Anpassungen der Anlagstrategie an veränderte Marktbedingungen vor. Dabei werden sowohl Risiko- als auch Ertragsgesichtspunkte berücksichtigt. Eine dauerhafte Anlage in Cash, das sogenannte Cash-Lock, ist nicht vorgesehen.

Meine Einschätzung:

In dieser Aussage wird deutlich, dass fairriester weder einen Buy & Hold Ansatz, noch eine passive Anlagestrategie verfolgt. Es ist von einer Vermögensverwaltung die Rede, die die Anlagestrategie an veränderte Marktbedingungen anpasst. Eine regelmäßige Anpassung der Anlagestrategie ist per Definition eine aktive Anlagestrategie. Wann fairriester-Sparer wieder Aktien im Depot begrüßen dürfen, bleibt abzuwarten und ist eine aktive Entscheidung der Sutor Bank.

Resümme: Ist Fairriester gescheitert? Und was können wir lernen?

Fairriester schreibt auf seiner eigens eingerichteten FAQ-Seite zum Vorfall:

Ausgelöst durch die COVID-19-Krise kam es seit dem 24. Februar 2020 zu Kursverlusten und deutlichen Schwankungen an den Finanzmärkten. Von diesen ungewöhnlichen, zum Teil nie dagewesenen Schwankungen sind Aktien und gleichzeitig Zinsen (Anleihen) betroffen. Als Folge konnte das Verhältnis von Kundenportfolios zu den abgezinsten Verpflichtungen aus der Beitragsgarantie im Rahmen des Risikomanagements nicht mehr verlässlich berechnet werden. Der Anlageausschuss der Sutor Bank hat aus diesem Grund zugunsten einer stabilen Risikobewertung entschieden, in Liquidität umzuschichten.

Mit der Entscheidung in Liquidität umzuschichten, ist das Unternehmen Fairriester nicht gescheitert. Allerdings offenbart der Schritt die Achillesferse des gewählten Anlagekonzeptes von fairr. Die Beitragsgarantie lässt sich mit einer hohen Aktienquote in turbulenten Zeiten schlicht nicht darstellen. Das Wahrheit ist, dass Aktienmarktrisiken noch nie zuverlässig berechnet werden konnten.

Um Risiken berechnen zu können, muss die Welt stabil und vor allem vorhersagbar sein. Es darf nur wenige Risikofaktoren geben. Zudem müssen uns große Datenmengen für unsere Risikoschätzungen zu Verfügung stehen.

Unsere Welt ist aber nicht vorhersagbar. Es gibt jede Menge Risikofaktoren. Und ob uns eine ausreichende Datenmenge zur Verfügung steht, um statistisch signifikante Aussagen treffen zu können, ist keineswegs sicher.

Ungewissheit beschreibt die Kapitalmärkte treffender als Risiko. Das ist der Grund, warum Risikomodelle regelmäßig scheitern. Sie berechnen Dinge, die sich nicht berechnen lassen. Die Kapitalmärkte haben uns am Beispiel von fairr Demut gelehrt. Wichtig ist, den richtigen Schluss daraus zu ziehen:

  • Beitragsgarantien und Renditeversprechen vertragen sich nicht

Riester-Renten können interessant sein, wenn wir ausreichend hohe Förderquoten haben. Hohe Renditeerwartungen sind kein stichhaltiger Grund für einen Abschluss. Sinnvoller ist es, sich einen solventen Versicherer zu suchen, bei dem ich an Rahmenbedingungen wie eine niedrige Kostenquote und ansprechende Regelungen im Rentenalter einen Haken setzen kann. Wenn dann noch ein paar Prozentpunkte Ertrag während der Vertragslaufzeit herausspringen, haben wir unseren Soll erfüllt.

Eine pauschale Emfpehlung, was fairriester-Kunden jetzt tun sollen, gibt es nicht. Wenn Du kurz vor dem Ruhestand stehst, kann es sinnvoll sein, einfach dabei zu bleiben. Für jüngere fairr-Kunden kann das schon wieder anders aussehen.

Wichtig zu verstehen ist, dass ein Notverkauf der Aktienanlagen, wie er jetzt erfolgt ist, auch in Zukunft wieder geschehen kann.

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

Quellen

1* https://www.fairr.de/produkte/fairriester/umschichtung – Zugriff auf Website am 05. Mai 2020

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Kommentare

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17 Kommentare

  1. Jan von FinanzCRACK.de
    Reply Juni 18, 07:34 #1 Jan von FinanzCRACK.de

    Das Lustigste (oder auch Traurigste) an der ganzen Sache finde ich immer noch, dass sie es doch tatsächlich geschafft haben, fast genau am Tiefpunkt zu verkaufen … 😀

  2. Finanzbär
    Reply Mai 22, 20:28 #2 Finanzbär

    Mich hat es auch erwischt, aber ich lass da eh nur die Arbeitgeberbeiträge einlaufen 🙂

  3. Tom
    Reply Mai 22, 13:05 #3 Tom

    Erbärmlich ist und bleibt die Tatsache, dass wirklich ALLE Verträge im Bestand in Cash umgeschichtet wurden.
    Ich habe bei Vertragsabschluss extra eine Laufzeit bis Alter 83 gewählt. Erst dann greift die Beitragserhaltungsgarantie der Sutorbank. In meinem Fall sind das noch weit über 40 Jahre!!!
    Da frag ich mich schon, warum ohne jedes Augenmaß umgeschichtet wird.
    Meine Frau hat ihren Vertrag seit 12 Jahren bei Union Investment.
    Da wurde genau gar nichts umgeschichtet. Sie ist immer noch zu 100% in Aktien und hat noch eingesehen gute Wertentwicklung insgesamt unterm Strich.
    Der Wechselantrag zu Fairr war schon gestellt. Den konnten wir zum Glück in allerletzter Sekunde stoppen.
    Bin gespannt, ob bzw. wann die Sutorentscheidet wieder Aktien zu kaufen

  4. Sarah
    Reply Mai 22, 11:36 #4 Sarah

    Mich ärgert einfach, dass die völlig pauschal zu 100% aus den Aktien raus sind. Ich hab erst im September dahin gewechselt – weil es bei den Kosten völlig transparent war im Gegensatz zu meinem alten Vertrag und weil ich noch ein paar Jahre 100% Aktienquote mitnehmen wollte. Irgendwann hätte man ja eben wegen der Beitragsgarantie auch bei fairr umschichten anfangen müssen. Aber wenn noch 25 Jahre oder mehr bis Verrentung da sind, ist dieses blinde Verkaufen mehr als ägerlich. Naja. Ich riestere weiter, weil mir der Großteil der Einzahlungen durch die (Kinder)Zulage sowieso der Staat bezahlt. Ein bisserl enttäuscht bin ich schon – denn mein normales Depot ist mittlerweile wieder fast auf 0. Es war im März zeitweise -30% rot. Ich hab nix verkauft und das war wohl auch richtig so.

  5. Meinungslemming
    Reply Mai 18, 15:32 #5 Meinungslemming

    Puh. Tut mir Leid für alle, die darauf gebaut und sich darauf verlassen haben. 🙁
    Selbst war ich stark am Überlegen. zu Riestern allgemein und Fairrister im Speziellen. Ich habe mich genau aus dem Grund ferngehalten: Zuviele Unabwägbarkeiten und mir war das ganze Konstrukt zu komplex und undurchsichtig. Vielleicht war ich zu blöd durchzublicken. Bin aber froh damit. Echt eine üble Sache, was hier passiert.

    • Finanzkoch
      Reply Mai 19, 11:19 Finanzkoch Author

      Das ist eine nachvollziehbare Entscheidung. Am Ende gilt auch hier der Grundsatz, von dem was man nicht richtig versteht, Abstand zu nehmen.

      Liebe Grüße
      Christoph

  6. matt
    Reply Mai 18, 12:47 #6 matt

    Auch mich hat es erwischt.
    13 Jahre war ich bei der Allianz, da haben mich die Kosten geärgert. 2019 ging ich zu fairr.de
    Nun der Crash.
    Ich habe entschieden zu kündigen.
    Ja, ich werde Zulagen in Höhe von ca. 2 TEUR zurückzahlen und ggf. auch Steuererleichterungen.
    Nur – das ist meine Hoffnung – mit der Zeit bis zur Staatsrente (15 Jahre noch) habe ich einen ausreichenden Anlagehorizont, um mit dem zusätzlich angelegten Kapital gute Rendite zu erwirtschaften. Hinzu kommen Dividenden, die ich unterjährig daraus erhalte.
    Ein anderer Fakt wiegt für mich noch schwerer: Mir ist die Hilflosigkeit klargeworden, der ein Versicherungsnehmer wie ich ausgeliefert ist. Das ist jedoch nicht die Art, wie ich investieren und Vermögensbildung betreiben möchte.
    Deshalb klarer Schlussstrich: Raus aus der Sache und das, was übrig bleibt auf eigene Faust in tolle Aktien (oder ETFs) anlegen!

    • Finanzkoch
      Reply Mai 19, 22:08 Finanzkoch Author

      Hallo matt,
      das stimmt. Eine Riester-Lösung geht immer mit Kontrollverlust über die Anlageentscheidungen einher.

      Es tut mir leid, dass du so einen ungünstigen Zeitpunkt für einen Anbieter-Wechsel erwischt hast und drücke die Daumen, dass es jetzt besser läuft.

      Liebe Grüße
      Christoph

  7. Harmlos
    Reply Mai 17, 20:46 #7 Harmlos

    Hallo,

    mich hat es auch erwischt. Du hattest gewarnt, beim Finanzrocker wurde auch in einem Interview darauf hingewiesen. Also voll meine Schuld. Erst am 20. März wurde ich von Sutor benachrichtigt, dass ich nun in 100% Cash sitze. Habe dann sofort gekündigt und am selben Tag den Betrag, der bei fairr nun im Cash war, in meinem Depot in FTSE All World angelegt. Damit hat sich meine Aktienquote nicht geändert, nur der „Zinslose“ Kredit mit dem fairr ja auch für sein Produkt geworben hat, ist nach hinten losgegangen.

    Viele Grüße

    P.S. Nimmst du Scalable nochmal auseinander? Das Markettiming ging bei denen ja komplett nach hinten los…
    P.S.S. Im Gegensatz dazu der arero der perfekt (Zufällig) zum Tiefpunkt ein Rebalancing gemacht hat.

    • Finanzkoch
      Reply Mai 19, 11:24 Finanzkoch Author

      Hallo,
      meinst Du mit zinslosem Kredit die Förderungen? Musstest Du die Förderungen bei der Auflösung des Vertrages zurückzahlen (davon gehe ich eigentlich aus, weshalb es mich irritiert, dass Du den Betrag 1 zu 1 entnehmen konntest)?

      Ob zu scalable nochmal was kommt, weiß ich noch nicht. Ich wollte mich eigentlich erst mal Dirk Müller widmen, da ich hier einige Nachfragen hatte.

      Liebe Grüße
      Christoph

      • Harmlos
        Reply Mai 20, 07:45 Harmlos

        Hi,
        „ Somit können die Zulagen und Steuervorteile auch als eine Art zinsloser Kredit vom Staat angesehen werden, den Du irgendwann zurückzahlst, wenn Du den Vertrag kün- digst und Dir das Geld auszahlen lassen möchtest.“ steht in dem Riesen-pdf von fairr. Das meinte ich.
        Fairr ist im Prinzip also wirklich nichts anderes als auf Kredit Aktien zu kaufen. Der Hebel wirkt in beide Richtungen und was jetzt bei fairr passierte ist, ist nichts anderes als ein Margin-Call gewesen.
        Das Geld für den Aktienkauf hatte ich noch auf meinem Konto. Bald bekomme ich von fairr ja das Geld minus Förderung und Steuerrückzahlung wieder. Gewinne gibt es ja keine zu versteuern.
        Viele Grüße

  8. Pekka
    Reply Mai 16, 10:31 #8 Pekka

    Das Problem ist ein ganz anderes. Die Sutor Bank hält sich zwar nicht selbst an ihre eigenen Empfehlungen, nach denen Sie die Aktien weiter halten müsste. So hat Lutz Neumann, Leiter Vermögensverwaltung der Sutor Bank in einem Interview mit der ARD am 08.04.2019 gesagt:

    >>„Wer sein Geld vermehren und dabei ruhig schlafen möchte, macht alles richtig, indem er investiert bleibt. Denn dadurch läuft er nicht Gefahr, die besten Tage zu verpassen“, so Neumann. Das gelte natürlich vor allem bei einem langfristigen Vermögensaufbau, wie auch der lange Zeithorizont zeigt. <<
    https://web.archive.org/web/20190430132136/https:/boerse.ard.de/anlagestrategie/geldanlage/buy-and-hold-wer-abspringt-verdient-halbe-miete100.html

    Allerdings ist tatsächlich ein Barwertproblem die Ursache für den Verkauf. Den Grund könnte man natürlich besser kommunizieren, will man vermutlich aber nicht.

    Gregor hat das in seinem Blog ziemlich gut dargestellt. Sutor ist wie jeder andere Anbieter verpflichtet Eigenkapital zur Verfügung zu stellen, wenn der Barwert des garantierten Kapitals unter das aktuell zur Verfügung stehende Vermögen fällt.

    https://www.finanzen-erklaert.de/panikverkaeufe-waehrend-corona-ist-die-riester-rente-endgueltig-gescheitert/

    Vermutlich hätten sie also so viel Eigenkapital zur Verfügung stellen müssen, das sie nicht gehabt hätten, wenn die Kurse weiter gepurzelt wären (was immer noch passieren kann). Und vielleicht hat man jetzt schon Probleme das Eigenkapital zur Verfügung zu stellen, weshalb man einen Wiedereinstieg gegenüber der BaFin nicht rechtfertigen könnte.

    Gregor will im übrigen auch raus gefunden haben, dass Fairr Riester umgebaut werden soll und zunächst das Geld in Anleihen investiert werden soll. Wenn das stimmt, dann ist das plötzlich ein völlig anderes Produkt.

    https://www.finanzen-erklaert.de/panikverkaeufe-waehrend-corona-ist-die-riester-rente-endgueltig-gescheitert/#comment-484

    Ich jedenfalls habe das Vertrauen so dermaßen in Fairr verloren, dass ich mir nun einen finanzstarken Versicherer gesucht habe (suchen habe lassen), der ein fondsgebundene Riesterversicherung anbietet. Die Rendite wird zwar nicht so stark sein wie mit 100% Aktien, da hier auch Umschichtungen zwischen Deckungsstock, Wertsicherungsfonds und der Fondsauswahl stattfindet, aber besser als eine klassische Riesterversicherung. Für mich soll die Riester im Prinzip auch hauptsächlich ein Hartz4-Schutz/Pfändungsschutz für ein Teil meines Vermögens darstellen, falls ich mal in eine solche missliche Lage kommen sollte.

    • Finanzkoch
      Reply Mai 17, 00:25 Finanzkoch Author

      Hallo Pekka,
      danke für die Links.
      Fairriester war von Anfang an ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Das die Beitragsgarantie im aktuellen Zinsniveau nicht mehr sinnvoll dargestellt werden kann, ist ein strukturelles Problem aller Riester-Anbieter und der Grund dafür, dass fairriester mit seinen hohen Aktienquoten so ziemlich alleine dastand.

      Ich gehe aktuell davon aus, dass die Sutor Bank rechtzeitig die Notbremse gezogen hat und genügend Eigenkapital vorweisen kann, um die Beitragsgarantien einzuhalten. Ein solches Szenario muss vorab intern durchgespielt worden sein … Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Sutor Bank ihr Überleben für ein Riester-Produkt aufs Spiel setzt. Hier wird man genau kalkuliert haben, wann die Reißleine gezogen werden muss. Aber vielleicht überleben wir ja eine Überraschung und das Risikomanagement der Sutor Bank hat komplett versagt …

      Das 3-Topf-Modell, das du geschildert hast, klingt sehr nach Alte Leipziger. Wenn Du hier einen Honorartarif hast, hast du gut Chancen, dass zumindest ein Teil des Geldes irgendwann in der Fondsanlage landet. Bei einem Provisionstarif dauert es in der Regel deutlich länger, bis Geld in der Fondsanlage landet. Die Abschlusskosten belasten den Vertrag und machen es deutlich schwieriger, die Beitragsgarantie abzubilden.

      Liebe Grüße
      Christoph

      • Christoph
        Reply Mai 18, 16:00 Christoph

        Mir ist nicht ganz klar, was daran „ein Experiment mit ungewissem Ausgang“ war. Es musste doch zwingend so kommen – es sei denn man nimmt an, dass es in den vielen Jahren, die so ein Riestervertrag typisch läuft, niemals zu drastischen Kursverlusten kommt.

        Gruß vom Namensvetter

        PS: siehst Du dadurch eigentlich ein Risiko für Anlagen über Zinspilot?

        • Finanzkoch
          Reply Mai 19, 22:32 Finanzkoch Author

          Hallo Christoph,
          die Geschwindigkeit der Kursverluste dieses Jahr war schon extrem. Gut möglich, dass die Sutor Bank bei einem „langsameren Crash“ anders hätte reagieren können. Zudem wäre es auch entspannter gewesen, wenn ein derartiger Kursverfall später eingetreten wäre und die Kundendepots mit deutlichen Gewinnen als Puffer in eine Krise gestartet wären.

          Zu Zinspilot:
          Ich würde mein Geld nur bei Banken parken, die ihren Sitz in einem Land mit höchster Bonität haben. Ich habe gerade bei Zinspilot geschaut: Das beste Angebot für ein Festgeld kommt aktuell von einer Bank aus Italien. Italien hat ein BBB-Rating. Ob Italien in einem Ernstfall für alle Einlagen garantieren kann? Darauf möchte ich mit meinem risikoarmen Portfolioanteil nicht wetten … Auch hier gilt also: Keine Rendite ohne Risiko.

          Von Festgeld würde ich ohnehin absehen, um Geld zu parken. Wenn ich Liquidität parke, soll die auch jederzeit verfügbar sein – schon alleine aus Gründen des Rebalancings. Bleibt also noch Tagesgeld und hier gibt es selbst bei Zinspilot maximal noch 0,5% p.a. … dafür lohnt es sich aus meiner Sicht nicht, die Sicherheit der Einlagensicherung eines AAA-Staates aufzugeben.

          Liebe Grüße
          Christoph

  9. Dennis
    Reply Mai 15, 19:35 #9 Dennis

    Hallo Christoph,

    sicher ist es ärgerlich und auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar warum die Bank auf einen Schlag alle ETFs verkauft hat. Auf der anderen Seite ist es im Grunde einfach das Risikomanagement, dass eben für den Cut gesorgt hat und auch Sorgen muss. Denn als Riesteranbieter steht nun mal die Sicherheit vor der Rendite. Das ist an sich aber ok, solange eben der Anbieter sicherstellen kann, dass er das angesparte Geld auch später wieder auszahlen kann. Bei anderen Anbietern ist im Grunde das Gleiche passiert, nur wurden statt ETFs eben andere Wertpapiere verkauft. Ich denke über die lange Laufzeit wird sich das Ganze wieder relativieren.

    • Finanzkoch
      Reply Mai 17, 00:35 Finanzkoch Author

      Hallo Dennis,
      berücksichtigen muss man, dass der fairriester aufgrund der hohen Aktienquoten besonders betroffen ist. Das erklärt auch den extremen Schritt, sämtliche Aktienbeteiligungen zu verkaufen. Andere Anbieter hatten hier deutlich weniger Druck und mussten nicht zu solch einer drastischen Maßnahme greifen.

      Ich bin gespannt, wann und in welchem Umfang die Sutor Bank wieder an den Aktienmarkt zurückkehrt. Vermutlich wird man sich zunächst mit niedrigeren Aktienquoten vorsichtig herantasten. Einen zweiten Einbruch der Kundendepots wird man sich kaum leisten können.

      Einen Vorwurf möchte ich fairr gar nicht machen. Hier wurde ein mutiges Produkt am Markt platziert, das in einem anderen Marktumfeld besser funktioniert hätte. Allerdings wäre es wünschenswert gewesen, wenn man im Vorfeld auf diese Szenarien hingewiesen hätte. Bekannt ist die Problematik der Beitragsgarantie ja nicht erst seit gestern. Darauf habe ich in meinem Artikel von 2016 bereits hingewiesen. Für das Marketing wäre das vielleicht nicht förderlich gewesen, aber die Kunden wären sich von Anfang an klar gewesen, dass bei einem starken Einbruch eine Umschichtung notwendig werden kann.

      Liebe Grüße
      Christoph