Ist Erfolg ohne Studium möglich?

Im Wartebereich unserer Hebamme liegt das wunderbare Buch: „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ von Jorge Bucay. In einer der darin enthaltenen Erzählungen trug sich Folgendes zu …



Ist Erfolg ohne Studium möglich?


Ein junger Mann klagt einem älteren sein Leid.
>>Weißt Du, mein Studium bringt mir keine Freude. Vielleicht sollte ich es abbrechen? Ich quäle mich nur noch in die Vorlesungen und der Stoff langweilt mich ins Grab.<<

>>Was überlegst Du dann?<< fragt der alte Mann.

>>Was sollen die Leute denken, wenn ich aufgebe? Ich glaube, ich muss es einfach durchziehen. In den Kreisen, in denen ich verkehre, findet man anders keine Anerkennung. Ohne Studium bringt man es zu nichts. Das Studium ist eine Art Erfolgsgarantie, verstehst Du das?<<

>>Ich verstehe. Lass mich dazu eine Geschichte erzählen.<< antwortete der Alte …

 

Der Portier im Freudenhaus

Es war einmal ein Portier im Freudenhaus. Er hatte den am wenigsten angesehensten und am schlechtesten bezahlten Beruf des Dorfes. Vor ihm waren bereits sein Vater und sein Großvater Portier im selben Hause. Die Stelle wurde von einer Generation an die nächste weitergegeben. Da unser Portier weder Lesen noch Schreiben konnte, war er nicht in der Lage, sich einen anderen Beruf zu suchen.

Eines Tages verstarb der Inhaber des Freudenhauses und ein junger innovativer Mann nahm seinen Platz ein. Zu seinem Amtsantritt rief er die gesamte Belegschaft zusammen, um ihnen die neuen Prozessabläufe vorzustellen. Auch unserem Portier wollte er eine zusätzliche Aufgabe übertragen.

>>Bitte zähle unsere Gäste. Jeden fünften fragst Du nach seiner Zufriedenheit und ob er Verbesserungsvorschläge hat. Am Ende jeder Woche legst Du mir einen Bericht vor.<<

>>Aber ich kann weder Lesen noch Schreiben.<< entgegnete unser Portier entsetzt.

>>Dann wirst Du verstehen …<< begann der neue Inhaber

>>Bitte, bitte. Meine Familie arbeitet schon seit …<<

Doch der Inhaber lies ihn nicht ausreden.

>>Du wirst verstehen, dass ich für diese Aufgabe keinen extra Mitarbeiter einstellen kann. Noch kann ich von Dir verlangen, Lesen und Schreiben zu lernen. Ich werde Dir eine anständige Abfindung geben, mit der Du über die Runden kommst, bis du etwas Neues gefunden hast.<<

Betrübt ging unser Portier nach Hause. Was sollte er tun? Er erinnerte sich, dass er von Zeit zu Zeit Stühle, Betten und andere Möbelstücke im Freudenhaus repariert hatte. War etwas kaputt, schlug er einen Nagel hinein und es hielt wieder. Vielleicht könnte er sich ja als Handwerker durchschlagen?

Er suchte seine Wohnung nach Werkzeug ab. Doch bis auf ein paar rostige Nägel fand er nichts.

Schulterzuckend kam er zu der Einsicht, dass er einen Teil seiner Abfindung für neues Werkzeug ausgeben musste, wenn er als Handwerker arbeiten wollte. In seinem Dorf gab es allerdings keinen Eisenwarenhandel. So machte er sich mit seinem Maultier auf den 2 Tagesritt zur nächsten Stadt.

5 Tage später kam er mit einem gut sortierten Werkzeugkasten nach Hause. Kurz nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte, klopfte der Nachbar.

>>Entschuldige, hast Du einen Hammer?<<

>>Ja, ich habe gerade einen gekauft. Aber den brauche ich morgen zum arbeiten.<<

>>Keine Sorge, ich bringe ihn Dir gleich morgen früh zurück.<<

Pünktlich stand sein Nachbar am nächsten Morgen mit dem Hammer vor der Tür.

>>Ich bräuchte ihn noch etwas länger und möchte ihn Dir abkaufen. Ich weiß, Du brauchst ihn für die Arbeit und möchte Dich angemessen entlohnen. Ich gebe Dir den Preis für den Hammer und eine Entschädigung für Deine Reisezeit. Dann kannst Du los und Dir einen neuen kaufen. Ich selbst habe leider keine Zeit für die Reise.<<

Unser ehemaliger Portier dachte kurz nach und schlug ein.

Nur wenige Stunden später klopfte es erneut.

>>Ich habe gehört, Du hast Werkzeug gekauft? Ich bräuchte welches. Du bekommst von mir eine Entschädigung für Deine Reisezeit und ein bisschen was auf den Einkaufspreis oben drauf.<<

Unser ehemaliger Portier verkaufte dem Mann eine Zange und einen Schraubendreher. Danach machte sich unser frisch gebackener Werkzeughändler erneut auf die zweitägige Reise zum Eisenwarenhandel.

Dieses Mal kaufe er gleich mehrere Werkzeugkisten. Wenige Tage später hatte er auch diese verkauft. Anscheinend gab es eine rege Nachfrage nach Werkzeug. Kaum jemand war bereit, selbst die beschwerliche Reise auf sich zunehmen. Unser Werkzeughändler entschied sich Geschäftsräume anzumieten, welche er wenig später um Lagerräume erweiterte.

Es sprach sich in den umliegenden Dörfern herum, dass es einen neuen Eisenwarenhandel in der Nähe gab. Er verkaufte so viel, dass er sich nicht mehr selber auf die beschwerliche Reise machen musste, sondern seine Ware geliefert bekam. Und so wuchs und wuchs sein Geschäft …

Irgendwann stellte er sogar einen Schmied an. Von da an produzierte er seine Werkzeuge selbst.

Innerhalb weniger Jahre stampfte er einen florierenden Eisenwarenhandel aus dem Boden und wurde der erfolgreichste Unternehmer der Region. Er wurde so reich, dass er seinem Dorf eine neue Schule stiftete, damit alle Kinder Lesen und Schreiben und lernen konnten.

Zur Einweihungsfeier kamen zahllose Menschen. Als Höhepunkt bat der Bürgermeister unseren erfolgreichen Unternehmer feierlich, auf der ersten Seite des goldenen Buches des Dorfes, welches mittlerweile zur Stadt angewachsen war, seinen Namen und einen kurzen Eintrag zu hinterlassen.

>>Danke für diese Ehre. Aber ich kann weder Lesen noch Schreiben.<< sagte unser Unternehmer.

>>Erstaunlich. Sie haben in wenigen Jahren ein Industrieimperium geschaffen. Stellen Sie sich einmal vor, was sie alles hätten erreichen können, wenn Sie Lesen und Schreiben gelernt hätten.<< antwortete der Bürgermeister.

>>Das kann ich ihnen sagen. Ich wäre jetzt Portier im Freudenhaus …<<

Was würdest Du unserem jungen Mann vom Anfang raten? Soll er sein Studium beenden oder soll er einen anderen Weg einschlagen?

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Kommentare

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32 Kommentare

  1. Jan
    Reply Januar 17, 09:33 #1 Jan

    Hallo, natürlich ist Erfolg ohne Studium möglich. Ich habe auch einige Semester Physik studiert, ehe ich bemerkt habe, dass ich doch mehr der praktische Typ bin. Habe mich dann viel umgehört und informiert und kam an einen Betrieb, der mir die Möglichkeit einer verkürzten Mechatroniker-Ausbildung anbot. Aufgrund meiner guten Leistungen dürfte ich dann sogar später noch den Meister auf der Meisterschule bei http://www.fain.de/ draufsatteln – teilweise vom Chef finanziert. Heute habe ich einen Job der mich ausfüllt und glücklich macht und ich habe sogar Führungsverantwortung für ein kleines Team. Für mich war es im Nachhinein ein Glücksfall, das Studium abgebrochen zu haben.

    Gruss Jan

  2. Anna
    Reply Dezember 07, 21:06 #2 Anna

    Sehr geehrter Herr Christoph Geiler,

    vielen Dank für diesen interessanten Artikel!
    Bei weiteren Nachforschungen habe ich die von Ihnen im Artikel verwendete Parabel auch auf anderen Internetseiten finden können und musste leider feststellen, dass Sie die Quelle des Textes nicht angegeben haben.

    Unter http://www.kljb-muenster.de/Download/Impulse/der_portier_des_freudenhauses.pdf ist folgende Quelle angegeben:
    Aus: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte
    Ammann Verlag & Co. Zürich
    Autor: Jorge Bucay, Psychiater, Gestaltungstherapeut

    Unter http://lebenslilie.blogspot.com/2011/07/der-portier-des-freudenhauses.html ist folgende Quelle angegeben:
    Abgewandelte Nacherzählung von Jorge Bucay aus dem Talmud

    Bitte denken Sie, Herr Geiler, bei folgenden Beiträgen daran, falls Sie Inhalte verwenden, welche nicht von Ihnen erstellt wurden, die Quelle bzw. den Ursprung des Inhalts anzugeben.

    Vielen Dank,
    Ihre Anna

    • Finanzkoch
      Reply Dezember 07, 21:18 Finanzkoch Author

      Hallo Anna,

      die Quelle steht doch gleich in der Einleitung. Die Geschichte habe ich im Wartebereich unserer Hebamme gelesen und hier sinngemäß wiedergegeben.

      Herzliche Grüße aus Leipzig
      Christoph

      • Anna
        Reply Dezember 08, 21:25 Anna

        Sie haben recht! Ich bitte Sie, Herr Geiler, herzlichst um Verzeihung. In meiner Gewohnheit hatte ich die Quelle am Ende des Textes gesucht und sie deshalb oben nicht entdeckt.

        Herzliche Grüße, Anna

        • Finanzkoch
          Reply Dezember 11, 10:45 Finanzkoch Author

          Hallo Anna,

          kein Problem 🙂

          Liebe Grüße aus Leipzig
          Christoph

  3. Capri
    Reply Dezember 03, 14:07 #3 Capri

    Es stellt sich nicht die Frage nach Studium „Ja oder Nein“. Viel wichtiger sollten die Menschen das „Lernen“ lieben lernen! Und deswegen kann eine Ausbildung genauso erfolgreich und mit hohem Jahresgehalt enden. Gefragt ist, was die Wirtschaft sucht! Das bedeutet, jeder soll sich ständig wandeln können.

    Bullemie-Lernen bedeutet gleich 0 Erfolg. Es kann sich nicht niemand mehr auf Lorbeeren (Abschlüssen) ausruhen. Die Zeiten, dass irgendwelche Papierfetzen einen ewig Geld einbringen sind endgültig vorbei! Willkommen Globalisierung.

    Die Erfolge von Heute, sind Schnee von gestern. Jemand der sich Respekt für sein Diplom/Bachelor/Master oder Doktor erhofft….der kann ewig darauf warten. Wichtig ist, was praktisch gegenwärtig vorzeigbar ist.

    Kurzum, er soll das Studium abbrechen und etwas lernen, was Ihn beflügelt (intrinsische Motivation) & einen guten Lebensstandard einbringt.

    • Finanzkoch
      Reply Dezember 05, 08:56 Finanzkoch Author

      Hallo Capri,

      das möchte ich unterstreichen. In manchen Bereichen gibt einem nicht einmal ein Doktor-Titel eine Jobgarantie. Wer neben dem Studium keine praktischen Erfahrungen sammelt, hat es in weniger gefragten Bereichen schwer.

      Herzliche Grüße aus Leipzig
      Christoph

  4. Alexander Schmitt
    Reply Dezember 02, 22:49 #4 Alexander Schmitt

    Hallo Christoph,

    ich würde ihm raten, das Studium sofort zu beenden. Warum soll er noch mehr Zeit mit etwas verbringen, was ihm keinen Spaß macht? Um anschließend einen Job zu bekommen, der wieder etwas damit zu tun hat, was ihm keinen Spaß macht?

    Um auf den Titel zurückzukommen, was ist überhaupt Erfolg? Und warum sollte es mit dem Studium zu tun haben? Ich denke viel eher, dass die Anforderungen der Arbeitgeber ein Wahrscheinlichkeitsspiel ist, welches zum Vorteil des herrschenden Systems ist. Man verzichtet auf Geld, um sich weiterzubilden. Dann versucht man über einen besseren Job das ganze wieder reinzuholen. Am besten noch Master und Promotion hinterher, damit man noch mehr verdient, aber in kürzerer Zeit. Wenn das Gehalt dann nicht stimmt, einfach mehr Arbeiten und am besten eine Beförderung. Was muss, das muss. Aber in Wirklichkeit gibt man sein Leben aus der Hand und wird bestenfalls vermögend, aber nicht reich. Gut, die Vorstände ausgenommen, aber die Wahrscheinlichkeit ist verdammt gering.
    Ach so, am besten noch Familie und Eigenheim auf Kredit, fertig ist die Falle bis zur Rente. Es ist ein sicherer Weg in die Mittelmäßigkeit, aber keiner ins Glück.

    Das ist die zweite Begründung für meine Antwort. Das Studium ist eine Ausbildung zum denken, aber nicht alle, die Studiert haben, nutzen das auch. Erfolgreich sind am Ende die, die sich weiterbilden und nie stehen bleiben. Ob mit oder ohne Studium. Am Ende des Lebens sollte jeder glücklich und zufrieden sein, mit allem was er getan hat.

    Grüße, Alex

    PS: Andere Frage: Wenn Dir klar ist, dass eine Enscheidung falsch war, wie schnell solltest Du sie korrigieren? 😉 [So schnell wie möglich!]

    • Finanzkoch
      Reply Dezember 05, 09:08 Finanzkoch Author

      Hallo Alex,

      sehe ich ähnlich. 5 Jahre seines Lebens mit etwas zu verbringen, in der Hoffnung dafür mit einem angemessenen Job entschädigt zu werden? Ob das Sinn macht, muss jeder für sich entscheiden. Mein Weg ist es nicht. Wenn Studium – dann etwas wofür man brennt.

      Herzliche Grüße
      Christoph

  5. wedges
    Reply Dezember 02, 21:37 #5 wedges

    Geld verdient man durch arbeiten. Nur Häuptlinge und keine indianer, hebt den wert der Indianer.

    Die frage die sich mir eher stellt, ist: was ist Erfolg?

    • Finanzkoch
      Reply Dezember 05, 09:16 Finanzkoch Author

      Hallo wedges,

      was ist Erfolg? Ich dachte, die Frage kommt viel eher 🙂

      Eine allgemein gültige Antwort gibt es wohl nicht. Für mich bedeutet es:

      Selbstbestimmt zu leben.

      Was bedeutet es für dich?

      Herzliche Grüße aus Leipzig
      Christoph

  6. Finanzwesir
    Reply Dezember 02, 09:10 #6 Finanzwesir

    Hallo Finanzkoch,

    >“Was würdest Du unserem jungen Mann vom Anfang raten? Soll er sein Studium beenden oder soll er einen anderen Weg einschlagen?“

    Kommt darauf an. Wenn er im ersten Semester ist und feststellt: Das ist nichts für mich, dann würde ich sagen: Notbremse ziehen, aufhören, gründlich überlegen, was es denn sein soll und dann im nächsten Wintersemester loslegen.
    Dann ist 1 Jahr verloren, kleine Jugendsünde. Das macht nichts im Lebenslauf.

    Dann gibt es die Grauzone zweites und drittes Semester. Man kann aufhören, sollte es sich aber gut überlegen.
    Alles darüber ist wie im Restaurant den Teller fast leer essen und dann meckern, dass es nicht geschmeckt hat.
    Einfach unglaubwürdig.
    Entweder ich korrigiere eine Fehlentscheidung zügig oder ich beiße mich durch. So durchwurschteln und dann doch irgendwann aufgeben wirft ein ganz schlechtes Licht auf den Kandidaten.
    Grundsätzlich gilt: Einen Freischuß hat jeder. A nach 1 Semster abbrechen: Kein Problem, aber in B wird dann der Abschluß gemacht. Wer das nicht fertigbringt hat ganz schlechte Karten.
    Niemand braucht einen Mitarbeiter, der einfach aufhört, wenn’s mal kristisch wird.
    Hört zwar keiner gerne, aber letztendlich sind es die Sekudärtugenden Konsequenz und Durchaltevermögen, die man braucht um Erfolg zu haben.

    Als ich noch Leute eingestellt habe, wanderten alle, die zweimal abgebrochen hatten gleich auf den Absagestapel.

    Das hier gesagt gilt nur für abhängig Beschäftigte. Ein Selbständiger wird nach seinen Ergebnissen bezahlt. Wenn die Fliesen nachher dauerhaft und schön an der Wand kleben, ist es mir egal, ober der Fliesenleger Spucke oder Klebstoff genommen hat.

    Gruß
    Finanzwesir

    • Ex-Studentin
      Reply Dezember 02, 18:04 Ex-Studentin

      Ich kann die Aussage von Albert nur unterschreiben. Studieren kann fast jeder. Nur nicht alles. Teilweise habe ich Bewerber mit einer 4/5 in Mathe und Physik und 3 sozialen Praktika, die dann aber eine technische Ausbildung machen wollen, weil der Papa nun mal gesagt hat: „Lern was Ordentliches, damit du mal Geld verdienst.“ Man sollte seine Interessen und Stärken kennen lernen und nicht einfach das machen, was andere einem raten. Ein 17-Jähriger hat noch gute 50 Jahre Arbeit vor sich, da sollte der Beruf gut überlegt sein. Ich sehe da die magische 30 als Altersgrenze: Egal was du tust, sei vor 30 damit fertig. Als Frau möglichst früher. Wenn dann nämlich eine Familie ernährt werden muss, sollte ein solider Beruf da sein. Zudem kann nur der Karriere machen, der rechtzeitig die Grundsteine dafür setzt.

    • Finanzkoch
      Reply Dezember 05, 08:40 Finanzkoch Author

      Hallo Finanzwesir,

      danke für den Einblick – klingt ganz schön hart. Ich würde auf dem Absagestapel landen. Klar braucht man Kriterien, nachdem man Bewerbungen sortiert. Aber von einem Studienabbruch darauf zu schließen, dass derjenige aufgibt, wenn es kritisch wird? Ich weiß nicht …

      Viel nachdenklicher hat es mich gemacht, dass ich Studenten zu Hauf gesehen habe, die nur studiert haben, weil sie nicht wussten, was sie sonst mit sich anfangen sollen.

      Ich habe mehrere Studiengänge ausprobiert und am Ende doch etwas ganz anderes gemacht. Die Universitätszeit war trotzdem nicht verschwendet. Ich habe einige Menschen kennengelernt, die heute einen wichtigen Platz in meinem Leben einnehmen und ich habe herausgefunden, wo meine Reise hingehen soll.

      Viel wichtiger als das Studium an sich, ist für mich, was man nebenbei mit sich anstellt.

      Herzliche Grüße aus Leipzig
      Christoph

  7. Ex-Studentin
    Reply Dezember 02, 07:01 #7 Ex-Studentin

    Heutzutage wird Bildung immer wichtiger. Englisch im Kindergarten, viele Hausaufgaben in der Grundschule.. Nach der Ausbildung muss eine Weiterbildung oder das Studium folgen. Die Erwartungshaltung ist eine andere. Ich stelle bei uns die Studenten und Azubis ein. Viele haben ein 3,5er Abitur und ein abgebrochenes Studium in ihrem Lebenslauf.

    • Finanzkoch
      Reply Dezember 05, 08:47 Finanzkoch Author

      Hallo Jenny,

      bei Kindern wird es mit der Bildung oft übertrieben. Da bleibt die soziale Komponente und die Herausbildung motorischer Fähigkeiten teilweise auf der Strecke. Ich würde mein Kind lieber mit ein paar Freunden spielen schicken, als es zum Englisch – oder Klavierunterricht zu schicken. Eine Gratwanderung …

      Herzliche Grüße aus Leipzig
      Christoph

  8. Martin B.
    Reply November 29, 19:23 #8 Martin B.

    So schön die Geschichte auch ist, so erscheint sie mir doch eher wie eine Ausnahme denn die Regel. Mit mehr Bildung dürften die Chancen auf eine erfolgreiche Zukunft dennoch besser stehen. Klar kann mal jemand Glück haben, aber wie viele solcher Freudenhaus-Portiers die es nicht schaffen kämen denn auf den einen der es schafft? Realistisch betrachtet dürfte das wohl die Mehrheit sein – was sich aber zugegebenermaßen dann weniger für einen unterhaltsamen Blog-Post eignet… 😉

    Ich würde schon sagen, dass heutzutage mehr Bildungsabschlüsse gefordert werden. Auch wenn man hier sicher ebenfalls drüber streiten könnte ob hier von Seiten der Arbeitgeber tatsächlich mehr gefordert wird, oder die einfach nur eine gewissen „Anforderungsinflation“ im Bildungssystem ausgleichen wollen.

    Dazu fällt mir gerade wieder eine Geschichte ein:
    Ein Azubi soll eingestellt werden. Der Teamleiter legt als eine der Mindestanforderungen Abitur fest. Nachfrage eines aufmüpfigen Mitarbeiters (das war ich): „Dir ist schon klar, dass nicht mal mehr die Hälfte deines bestehenden Teams übrig bliebe, wenn man hier Abitur haben muss?“ Antwort war glaube ich irgendwas in der Art von „Das ist was anderes“.

    • Finanzkoch
      Reply Dezember 01, 09:13 Finanzkoch Author

      Hallo Martin,

      im Angestelltenverhältnis dürfte der Zusammenhang zwischen Bildung und erfolgreicher beruflicher Zukunft im großen und ganzen stimmen (Ausnahmen gibt es natürlich). Was ich bisher in meiner Selbständigkeit erlebe, ist anders. Hier ist es fast egal, ob man ein Studium hat oder nicht. Kompetenz ist wichtig, aber ob man dafür ein Zertifikat hat oder nicht, ist egal – und was man nicht kann … dafür kann man sich jemand suchen.

      „Das ist etwas anders …“ ist klar. Solche unsinnigen Entscheidungen sind vermutlich eher die Regel als die Ausnahme 🙁

      Herzliche Grüße aus Leipzig
      Christoph

  9. das Genusskonto
    Reply November 29, 06:49 #9 das Genusskonto

    Was fuer eine schöne Geschichte.
    Ich bin selber ohne Studium “ gross “ geworden und gehöre zu den so genannten Spätstartern. kein Bock auf Schule, kein Bock auf Studium, aber Bock auf Geld verdienen.
    In Leipzig geboren, ueber den Job quer durch die Republik gezogen, lebe ich heute mit anfang 40 in Duesseldorf und bin bei einem sechsstelligen Gehalt angekommen.
    Insofern braucht man nicht zwingend ein Studium..
    Wuerde ich mich selber einstellen? Nein, zumindest nicht wenn ich in Deutschland auf so wichtige Zertifikate achte:-))
    Angebot und Nachfrage regelt den Preis.
    Was ich ueber Leistung, Erfahrung, Image und Glück aufbauen konnte, kann ein Berufsstarter nicht anbieten, da zaehlt theoretische Erfahrung, also ein Studium.
    Es schadet also nichts, aber etwas zu tun, was man schon in jungen Jahren nicht will kann auf Dauer nicht gut gehen…..

    Beste Gruesse
    das Genusskonto

  10. Finanzielle Freiheit
    Reply November 28, 22:27 #10 Finanzielle Freiheit

    Erfolgreich sein kann man natürlich auch ohen Studium, das will uns ja die nette Geschichte des Freudenhaus-Portiers sagen. Die Frage ist allerdings in welchen Bereichen man erfolgreich sein will:
    1) Als Unternehmer – kein Studium erforderlich
    2) Als Handwerker – ja, ich bin davon überzeugt, dass ein geschickter Handwerker sehr erfolgreich sein kann – kein Studium erforderlich
    3) Gewisse Berufssparten, wie Investmentbanker, Wirtschaftsprüfer, Arzt und weitere meist gut bezahlte Berufe – hier ist wohl eine Studium erofderlich
    Gerade bei den Berufen des 3) besteht aber auch die Gefahr in einem unselbständigen Beschäftigungsverhältnis als einzige aktive Einkommensquelle verfangen zu bleiben.
    Zu aktiven und passiven Einkommensquellen lesen Sie mehr unter: https://meinefinanziellefreiheit.com/passive-einkommensquellen/
    Viele Grüße,
    FF

    • Finanzkoch
      Reply November 29, 13:16 Finanzkoch Author

      Hallo FF,

      ich denke auch, es hängt ganz davon ab, was man möchte. In einigen Berufen kommt man nicht drum herum … in anderen Bereichen kann ein Studium vielleicht nicht Schaden, aber es geht auch ohne.

      Liebe Grüße
      Christoph

  11. Hartmut
    Reply November 28, 21:00 #11 Hartmut

    Die Frage, die sich der junge Mann beantworten sollte, ist, ob er den Beruf, den er nach dem
    Abschluss des Studiums machen kann, machen möchte, bzw. ob es einen interessanten Beruf danach gibt.
    Wenn ja, dann muss er sich durch das Studium durchbeißen.
    In vielen Fächern hat die Arbeit des Studenten mit der Arbeit hinterher nicht viel gemeinsam.
    Wenn ihn aber auch die Berufsaussichten nicht reizen … gut überlegen und dann ggf. die Reißleine
    ziehen.

    Hartmut

  12. Dummerchen
    Reply November 28, 20:25 #12 Dummerchen

    Mein Rat: Mache das, was Dir Freude bereitet und achte darauf, dass Du damit Geld verdienen kannst. Ein Studium ist kein Erfolgsgarant, es kann nur bestimmte Türen leichter öffnen als ein niedrigerer Bildungsabschluss. Ob das wirklich die Türen sind, die man öffnen will, ist dann eine persönliche Frage. Gerade große Unternehmen sind mitunter recht Abschluss-fixiert. Mittelständler sind mitunter weniger „picky“, bezahlen zwar dann auch meist nicht so gut wie ein DAX-Unternehmen, bieten aber mitunter andere Vorzüge in bezug auf Breite des Tätigkeitsfelds oder Durchlässigkeit/Aufstieg innerhalb des Unternehmens.

    Auch ein Ausbildungsberuf kann sehr erfolgsversprechen (im monetären Sinne) sein. Ich (als leidlich handwerklich begabter Akademiker) muss wohl oder übel die Dienste von Handwerkern in Anspruch nehmen – und habe das Gefühl, dass diese nicht gerade am Hungertuch nagen. Der Handwerker bestimmt den Termin und legt den Lohn fest – ich „darf“ dann entsprechend anwesend sein und zahlen.

    Ganz generell halte ich die Freude am Beruf für wichtiger als die Reputation. Als Arzt oder Anwalt würde ich vermutlich ein höheres Ansehen haben als in meinem aktuellen Beruf – es würde mir aber zum einen nicht liegen, zum anderen vermutlich auch weniger Freude machen.

    Für den selbständigen Unternehmer ist ein Studium vermutlich am allerwenigsten wichtig. Wenn das Produkt oder die Dienstleistung stimmt, interessiert den Kunden wenig, ob da ein Techniker oder ein Master of Science am Werk war.

    Just my 2 cents
    Dummerchen

    • Finanzkoch
      Reply November 29, 13:27 Finanzkoch Author

      Hallo Dummerchen,

      mit den Handwerkern haben wir etwas gemeinsam … deswegen kommt ein eigenes Haus für mich auch eher nicht in Betracht.

      Die Frage ist ja auch immer: Wie definiert man für sich Erfolg?

      Will man in seinem Beruf aufgehen oder möchte man einfach so viel verdienen wie möglich?

      Liebe Grüße aus Leipzig
      Christoph

  13. Bankenmärchen
    Reply November 28, 18:32 #13 Bankenmärchen

    Eine schöne Geschichte! Grundsätzlich bin ich der Auffassung, dass man kein Studium als erfolgreicher Unternehmer braucht. Ich habe selber studiert und hätte auch ohne überleben können. Wichtig ist nicht was du hast, wichtig ist was du daraus machst. Mit Leidenschaft und Wille kann man jedes seiner Ziele erreichen – mit oder auch ohne Studium.

  14. Dominik - Finanziell Frei mit 30
    Reply November 28, 18:28 #14 Dominik - Finanziell Frei mit 30

    Eine schöne Geschichte.
    Heutzutage ist es wirklich so, dass mittlerweile jeder studiert und niemand mehr einen anderen ausgetreteneren Pfad bestreitet.
    Wenn wir uns die größten Unternehmer aller Zeiten anschauen, hatte die wenigsten eine besonders hohe universitäre Ausbildung. Viele haben für ihr Unternehmen auch ihr Studium aufgegeben, weil sie gemerkt haben, dass es sie nicht weiterbringt.
    Ich denke auch ohne eine „normales“ Studium kannst Du es weit bringen.

    Dafür musst du allerdings die Bereitschaft mitbringen viel selbst zu lernen, diszipliniert und hart an Deinen Projekten zu arbeiten, abseits von den normalen Wegen Dein Ding durchzuziehen und letztendlich durchzuhalten.

    Schöne Grüße
    Dominik (Student ;))

    • Dummerchen
      Reply November 28, 19:51 Dummerchen

      „Heutzutage ist es wirklich so, dass mittlerweile jeder studiert und niemand mehr einen anderen ausgetreteneren Pfad bestreitet.“

      Das nennt man eine Filterblase. Studenten treffen Studenten und denken, alle seinen Studenten…

      https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/BildungForschungKultur/Bildungsstand/Tabellen/Bildungsabschluss.html

      Ein Viertel studiert, ein viertel hat keinen Bildungsabschluss und rund 50% absolvieren eine Lehre/Ausbildung. Die Gesellschaft setzt sich anders zusammen als so mancher denkt. Mir war der Trugschluss auch lange nicht bewusst.

      Liebe Grüße
      Dummerchen

      • Finanzkoch
        Reply November 29, 12:59 Finanzkoch Author

        Hallo Dummerchen,

        die Filterblase bindet mir auch ständig einen Bären auf. Danke für den Hinweis 🙂

        Liebe Grüße aus Leipzig
        Christoph

      • Bankenmärchen
        Reply November 29, 16:51 Bankenmärchen

        Gefühlt wird das Studium immer inflationärer behandelt, während praxisorientierten Ausbildungsberufen regelmäßig die Azubis fehlen. Obwohl aus meiner Sicht eine Berufsausbildung durchaus ihre Vorteile hat. Ich möchte meine nicht mehr missen! 🙂 Ich würde sogar soweit gehen, dass mir die Ausbildung mehr gebracht hat, als das Studium.

      • Thomas
        Reply Dezember 02, 21:04 Thomas

        Die Aussage mag stimmen, die zitierte Statistik sagt allerdings wenig über die Situation der aktuellen Studentengeneration aus. Die Studienanfängerquote liegt seit Jahren über 50% eines Jahrgangs: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/72005/umfrage/entwicklung-der-studienanfaengerquote/

        „Jeder“ studiert also weiterhin nicht, wohl aber ein doppelt so großer Anteil eines Jahrgangs als in der Gesamtbevölkerung. Es ist also nicht nur die Filterblase, der Studentenanteil tatsächlich ist massiv gestiegen…

        • Finanzkoch
          Reply Dezember 05, 09:00 Finanzkoch Author

          Hallo Thomas,

          danke für die Aufklärung!

          Christoph

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