Ist die Dividendenstrategie sinnvoll? Keine Antwort, aber eine Lösung

Es ist soweit, ich kapituliere. Eigentlich sollte hier ein epochaler Artikel über die Dividendenstrategie folgen. Doch daraus ist nichts geworden.

Was ist passiert?

Für die Recherche habe ich mich in zahlreiche Fachartikel und Blogs vertieft. Ein Beitrag ist schlauer als der andere. Doch am Ende zählt wie immer nur eins, die Fakten. Also was macht man(n)? Einen ähm … Naja, man(n) schaut, wer den Schöneren hat … In diesem Fall heißt das Chartvergleich. Bringen Dividendenaktien eine systematische Überrendite oder nicht? Die Antwort gibt’s im Artikel.



Ist die Dividendenstrategie sinnvoll? Keine Antwort, aber eine Lösung


Kaum eine Strategie ist so populär, wie die Dividendenstrategie. Sie huldigt den sogenannten Dividenden-Aristokraten. Das sind Unternehmen, die regelmäßig hohe Dividenden ausschütten und diese möglichst jährlich erhöhen. Von diesen Unternehmen erwartet sich der Dividenden-Investor eine systematische Überrendite. Zudem freut er sich über regelmäßige Zahlungseingänge im Depot.

An dieser Stelle sollten diverse Charts folgen, die die These der Überrendite untermauern oder untergraben. Ich habe mich dagegen entschieden.

Warum?

Dividendenstrategie: Die Wertentwicklungen der Vergangenheit sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Der Satz findet sich unter jedem Fondsporträt und unter jeder Werbung wieder. Charts spiegeln die Wertentwicklung der Vergangenheit wieder. Wenn ich damit Anlagestrategien vergleiche, projiziere ich vergangene Wertentwicklungen in die Zukunft.

Ich stelle mir die Frage, wie aussagekräftig solche Vergleiche sind. Und wenn sie aussagekräftig sind, wie lang muss die zugrunde liegende Zeitreihe sein? 20? 40? 100? Oder gar 500 Jahre?

Bevor diese Frage nicht geklärt ist, lohnt es sich nicht, verschiedene Strategien hinsichtlich einer Überrendite zu vergleichen.

Wenn Dividendenaktien in der Vergangenheit eine beeindruckende Performance hingelegt haben (oder eben auch nicht), muss sich das nicht wiederholen. Es kann sogar das Gegenteil der Fall sein.

Gehen wir davon aus, dass Regression zum Mittelwert existiert und alle Aktientypen im Mittel die gleiche Performance hinlegen. Dann ist es wahrscheinlich, dass die Aktien, die sich in den letzten Jahrzehnten besser entwickeln haben, in den nächsten Jahrzehnten schlechter abschneiden.

Welche Aktien sollen wir also wählen? Die Gruppe, die besser gelaufen ist? Oder die, die schlechter gelaufen ist?

Mit Blick auf die Vergangenheit, können wir schnell einem Trugschluss aufsitzen. In der Folge wählen wir systematisch die Aktien, die zukünftig eine niedrigere Renditeerwartung haben.

Es kommt darauf an, welche Menge an historischen Daten nötig ist, um sinnvolle Aussagen zu treffen. Zudem stellt sich die Frage, an was man glaubt. Existiert Regression zum Mittelwert? Dabei wird davon ausgegangen, dass sich eine Anlage langfristig ihrem historischen Mittel annähert.

Ich gestehe, dass ich auf die Frage, ob die Dividendenstrategie sinnvoll ist, keine analytisch fundierte Antwort habe. Für mich ist es fraglich, ob solche Analysen zulässig sind. Was denkst du?

Trotzdem habe ich eine Lösung gefunden. Ich habe mir die Frage gestellt:

Warum sollten Unternehmen, die ihre Gewinne ausschütten, statt sie zu reinvestieren, erfolgreicher sein?

Auf diese Frage fällt mir keine schlüssige Antwort ein. Solange das so bleibt, lasse ich die Finger von der Dividendenstrategie. Eine einfache Lösung für ein komplexes Problem.


Winning the Loser’s Game

Charles D. Ellis hat es in seinem Buch Winning the Loser’s Game auf den Punkt gebracht. An der Börse zu handeln, ist ein Spiel der Verlierer. Verlieren wirst du, wenn du einen entscheidenden Fehler machst. Ausschließlich auf Dividendenaktien zu setzen, könnte ein solcher Fehler sein.

Immer wenn jemand mit einer überzeugenden Strategie um die Ecke kommt, denke ich an die Truthahn-Illusion. Sie wird von Gerd Gigerenzer in dem Buch Risiko: Wie man die richtigen Entscheidungen trifft,  beschrieben.

Stell dir vor, ich bin ein Truthahn. Am ersten Tag kommt der Bauer. Ich weiß nicht, ob er mich schlachten oder füttern will. Ich habe Glück, er füttert mich. Am zweiten Tag bin ich wieder skeptisch, bekomme aber abermals mein Futter. So geht es bis zum hundertsten Tag. Wie wahrscheinlich ist es, dass ich wieder Futter bekomme?

Nach der Laplace Regel ist die Wahrscheinlichkeit = (n+1)/(n+2). Sie nimmt mit jedem Tag zu und beträgt am hundertsten Tag satte 99 Prozent.

Ich warte also entspannt auf meine Fütterung, da holt der Bauer sein Beil raus und straft mein Risikomodell lügen. Ich konnte nicht wissen, dass heute Thanksgiving ist.

Die Geschichte verdeutlicht den Unterschied zwischen Ungewissheit und Risiko. Der Verlauf des Aktienmarktes ist ungewiss. Ihn in Risikomodelle zu pressen geht zwangsläufig schief, denn ständig geschehen unvorhergesehene Ereignisse.

Meine Antwort auf Ungewissheit ist und bleibt die Diversifikation.

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

Bildquelle: © fotomek – fotolia

Artikel weiterempfehlen

Facebook
Google+
https://www.finanzkueche.de/ist-die-dividendenstrategie-sinnvoll/">
Twitter
SHARE
LinkedIn

Kommentare

Ihre Meinung ist mir wichtig

24 Kommentare

  1. Finanzielle Freiheit
    Reply Dezember 10, 20:47 #1 Finanzielle Freiheit

    Hallo Finanzkoch,

    In der Tat, ist das Für und Wider der Dividendenstrategie eine sehr kontroverse Fragestellung. Ich glaube, dass Du mit dem Verweis zur vergangenen Performance aber einen ganz wesentlichen Punkt herausgestrichen hast. Eine Outperformance in der Vergangenheit ist im Markt natürlich bekannt und muss (wenn man an effiziente Märkte glaubt) ja in den heutigen Kursen bereits eingepreist sein. Dadurch hätten Angebot und Nachfrage auch den künftigen Rendite-Vorteil ja bereits ausgelöscht. Dass weiteres irrationales Verhalten – kritisiere mal die Dividendenstrategie in einem der einschlägigen Foren 😉 – aber auch in Zukunft höhere Renditen abwerfen kann, ist aber nicht ganz so abwegig.

    Schau gern auch mal bei folgendem Artikel vorbei, der sich mit dieser Fragestellung beschäftigt: https://meinefinanziellefreiheit.com/2016/12/08/von-dividenden-juengern-die-sich-an-der-passiven-einkommensquellen-laben/

    Viele Grüße,
    FF

  2. Dare Mr. Market
    Reply Januar 13, 21:44 #2 Dare Mr. Market

    Hi Finanzkoch,
    ich muss leider einmal in die Kerbe „Dividendenaktien“ hauen ;). Dass eine Dividende den Wert der Investition erhöht, kann man ganz stark bezweifeln -> http://ht.ly/QmrAc. Das Geld wandert doch nur von einem Konto auf das andere und beide gehören dir! Wenn man nicht gerade auf die Liquidität angewiesen ist, dann ist das wenig sinnvoll. Ich hoffe, dass dir das etwas helfen kann =).
    Viele Grüße

    • Finanzkoch
      Reply Januar 14, 08:56 Finanzkoch Author

      Hallo Mr. Market,

      danke für den Artikel.

      But considering the accounting it is more than questionable to screen companies by dividends!

      Sehe ich auch so.

      Herzliche Grüße
      Christoph

  3. Chris
    Reply September 11, 16:19 #3 Chris

    Es gibt verschiedene Ansätze, wie Finanzakademiker versucht haben, die langfristige (Über)Performance von Dividendenwerten zu erklären. (Disclaimer, alles natürlich nicht der Weisheit letzter Schluss)

    -Psychologisch: Dividenden wirken als „Lockmittel“ für neue Aktionäre, bzw. als „Klebmittel“ um die alten Aktionäre länger bei der Stange zu halten. Das mag finanztechnisch sicher nicht die reine Rationalität sein (wie schon mehrfach angesprochen, sollte es ja prinzipiell keinen Unterschied machen ob der überschüssige Cash im Unternehmen(skurs) bleibt ode ausgeschüttet wird) aber Menschen sind halt keine perfekten Vernunftswesen, und fallen halt öfter als nicht auf die Attraktivität von regelmäßigen Zahlungsversprechen „rein“. Und wenn das halt eine genügend große Masse zu allen Zeiten tut, wirkt das natürlich kurs-stützend/steigernd.

    -„Qualitäts“-Selektion. Dividenden sind oft ein Merkmal für gestandene Unternehmen mit soliden, planbaren, profitablen Unternehmensergebnissen (klar, sonst könnten sie ja die Div nicht stabil zahlen). Wichtig natürlich ist das das kein Absolutum ist, nicht jedes Dividendenunternehmen ist automatisch „gut“, und nicht jeder Nichtzahler automatisch schlecht. Es ist zwar zu begrüßen, überhaupt einen Maßstab zu haben, aber Dividende sollte natürlich nicht als EINZIGES Kriterium zur Unternehmensanalyse/selektion genommen werden, da gibt es sicher bessere Bewertungskennzahlen.

    -„Value“-Selektion: Viele Erklärungsansätze gehen in die Richtung, das die Dividendenstrategie in Wahrheit nur eine verkappte Version der generellen Value-Strategie ist (von der ja auch langfristige Überperformance behauptet wird). Wer seine Aktien systematisch nach einer möglichst hohen Dividendenrendite („yield“) auswählt, der konzentriert sich im Umkehrschluss eher auf „günstige“ als auf „überbewertete“ Unternehmen. Das Verhältnis von Aktienkurs zu Fundamentalzahlen wirkt dabei vergleichbar wie mit anderen bekannten Kenngrößen wie P/E, P/B usw. Auch hier wieder muss gesagt werden, das natürlich Div-Rendite allein sicher nicht der beste Maßstab ist, aber wie gesagt immerhin noch besser als überhaupt keiner.

    Die im Artikel bereits angesprochene Zyklikalität der Performance existiert wirklich. Allerdings weniger zwischen Dividendenwerten und Nichtzahlern, sondern zwischen Value und Growth allgemein (genauso wie es auch eine Zyklikalität zwischen Large und Small gibt, etc.). Mal hat ein paar Jahre Value die Nase vorn, mal performen Growth-Unternehmen ein paar Jahre besser. Je nachdem, in welchem teil des generellen Marktzyklus man sich befindet. Die dauern ugf. so 4-8 Jahre, und auf solche Zeiträume lässt sich tatsächlich eine „Mean Regression“, also Rückkehr zum Mittelwert, beobachten, der dafür sorgt das sich die alten Über- und neuen Unterperformer abwechseln.

    Ob die Dividendenstrategie „sinnvoll“ ist… tja, kommt ganz darauf an was der Sinn, bzw, das Ziel, meines ganzen Investments allgemein ist ? (Genauso wie es auch generell überhaupt nicht DIE eine Dividendenstrategie gibt, sondern verschiedene Varianten). Das muss jeder für sich selbst und seine individuelle Situation entscheiden. Manche fühlen sich dabei wohl und gut aufgehoben (z.b. die Motivation, konkrete Zahlungen zu sehen, was einem hilft da auch langfristig konsequent dranzubleiben), andere brauchen das weniger bzw. legen auf andere Dinge wert. Faktoren wie Value oder Quality kann man z.b. mit anderen Auswahlkriterien besser direkt abbilden, und wer sich auf solche Überperformance-Wetten generell nicht einlassen möchte, der fährt mit dem marktbreiten Standartindex, in dem von allem ein bischen drin ist, sicher auch am ruhigsten.

  4. Barbaz
    Reply September 11, 13:26 #4 Barbaz

    Ich würde bei der Renditeprognose für Dividendentitel noch einen anderen Faktor berücksichtigen, der glaub ich bisher noch nicht angesprochen wurde: Angebot und Nachfrage.

    Wie viel Geld ein Unternehmen ausschütten kann ist unabhängig von seinem Aktienkurs. Das gleiche gilt für andere absolute Wertsteigerungen, wie Investitionen oder Innovationen.

    Vermutung: viele Anleger bevorzugen Dividendenaktien (nicht empirisch überprüft), wenige Anleger versuchen sie aktiv zu vermeiden. Ergo ist hier die Nachfrage größer, was schnell zu höheren Preisen und damit langfristig zu einer niedrigeren Rendite (relativ zum Wert) führt. (Außer natürlich man erwartet dass die Nachfrage von Dividendenaktien noch weiter steigt)

  5. Teilzeitinvestor
    Reply September 11, 09:59 #5 Teilzeitinvestor

    Was aus meiner Sicht für Dividendenaktien spricht: Es hat eine stark disziplinierende Wirkung auf die Unternehmensleitung, wenn jedes Jahr hartes Cash an die Aktionäre ausgeschüttet werden muss, statt nur den Unternehmenswert durch wilde Übernahmen, Luftbuchungen oder Bilanztricks vermeintlich zu steigern. Um wirklich über Jahre hinweg eine stabile Dividende zu zahlen (bzw. diese sogar regelmäßig zu steigern), brauchst du ein funktionierendes Geschäftsmodell.

    Und aus Investorensicht ist es sehr attraktiv, unabhängig vom stark steigenden oder fallenden Unternehmenswert, der nicht zuletzt auch von der allgemeinen Marktschwankung abhängt, eine halbwegs stabile Rendite in Form von Ausschüttungen zu erhalten. Das ist ja das Standardargument in den Dividendenblogs: dass z.b. beim letzten Crash der Markt um 50% und mehr eingebrochen ist, die Dividendenzahlungen vieler Blue Chips in dieser Zeit aber weitgehend stabil blieben.

    Wobei ich mit Dividendenaktien natürlich nicht windige High-Yielder meine, die aus der Substanz heraus kurzfristig hohe Summen ausschütten, sondern Unternehmen, die kontinuierlich über Jahre oder Jahrzehnte eine stabile Dividende zahlen. Das brauchen dann gar nicht 8 oder 10% zu sein, nachhaltige 2-3% sind da viel attraktiver.

  6. Investment Amad€
    Reply September 10, 08:29 #6 Investment Amad€

    Lieber Leser!
    Ob sich der Kurs von Dividendenaktien besser entwickelt als von Nicht-Dividendenaktien ist schwer zu beantworten. Jedoch bieten dir Dividenden eine gute Möglichkeit, um sich ein passives Einkommen zu generieren. Du kannst die Dividenden dann selbständig im nächsten Crash reinvestieren.
    Viel Erfolg!
    Dein Investment Amad€

  7. Jan
    Reply September 04, 14:50 #7 Jan

    Hallo,
    ein schöner Beitrag. Warum sollten Unternehmen Dividenden zahlen? Das ist eine gute Frage, dennoch denke ich, dass sich diese eben beantworten lässt. Schaut man sich die wirklich dicken Schiffe wie z.B. Coca Cola an so könnte ich mir vorstellen, dass nicht der gesamte Gewinn sinnvoll investiert werden kann. Sicher kann man weiter horizontal diversifizieren und in andere Branchen drängen, das ist aber nicht das Ziel.
    Irgendwann ist doch der Punkt erreicht, an dem der Markt gesättigt ist und sich das Wachstum verlangsamt. Die Kosten neue Kunden zu generieren steigen immer weiter, jeder zusätzliche Kunde kostet mehr Geld, sprich von jeder zusätzlich verkauften Flasche bleibt weniger über. Die Profitabilität sinkt. In diesem Moment macht es in meinen Augen, für ein Shareholder-orientiertes Unternehmen Sinn einen Teil auszuschütten und den Eigentümern die Chance zu geben sich selbst, weitere Anlagemöglichkeiten zu suchen.

    VG
    Jan

    • Finanzkoch
      Reply September 04, 16:29 Finanzkoch Author

      Hallo Jan,

      danke für die Ergänzung.

      „Irgendwann ist doch der Punkt erreicht, an dem der Markt gesättigt ist und sich das Wachstum verlangsamt […] Die Profitabilität sinkt. In diesem Moment macht es in meinen Augen, für ein Shareholder-orientiertes Unternehmen Sinn einen Teil auszuschütten“

      Das ist der Punkt. Daher meine Frage: Warum soll eine hohe Dividende ein Indikator für eine hohe Rendite sein?

      Klar, vielleicht kann man argumentieren, dass Dividenden auf gesunde Unternehmen hinweisen … Da kann man munter hin und her diskutieren. Am Ende bleibe ich immer ratlos zurück.

      Herzliche Grüße
      Christoph

    • Dummerchen
      Reply September 04, 18:35 Dummerchen

      „In diesem Moment macht es in meinen Augen, für ein Shareholder-orientiertes Unternehmen Sinn einen Teil auszuschütten und den Eigentümern die Chance zu geben sich selbst, weitere Anlagemöglichkeiten zu suchen.“

      Das ist ein Satz, den man so oder so ähnlich immer wieder bei dem Thema „ausschütten“ oder „thesaurieren“ liest. Aber ich verstehe ihn nicht und wäre über eine Erläuterung froh:

      Warum macht es aus Sicht des Unternehmens (nicht aus Sicht des Investors) Sinn, einen Teil des Unternehmensgeldes wegzugeben, damit dies ein Anleger entweder ins gleiche Unternehmen oder gar ins Konkurrenzunternehmen investieren kann? Das Geld ist aus Unternehmenssicht doch einfach weg.
      Klar, die Anleger freuen sich mitunter über die Dividende, aber ich denke, dass auch Apple-Anleger sich lange über die Aktie gefreut haben als noch nichts ausgeschüttet wurde. Über eine plausible Antwort – gerne für Dumme erklärt – würde ich mich freuen.

      Lieben Gruß
      Dummerchen

      • Jan
        Reply September 05, 09:17 Jan

        Naja ein Unternehmen ist ja, ähnlich wie auch ein Staat, kein Selbstzweck. Es gibt immer Eigentümer. Haben diese eine starke Position, als „Chef“ des Vorstandes dann werden die Interessen der Eigentümer ebenfalls berücksichtigt.
        @finanzkoch vielleicht sollte man definieren was die Dividendenstrategie ist. Für mich geht es eher um nachhaltige Dividenden die dann auf solide Unternehmen hinweisen. Ich brauche keine hohe Dividende. Sind die anderen Kriterien erfüllt reichen mir auch 2%

        VG Jan

        • Finanzkoch
          Reply September 05, 11:55 Finanzkoch Author

          Hallo Dummerchen, hallo Jan

          noch als Ergänzung:
          Den Aktionären gehört das Unternehmen. Damit haben sie schlicht und ergreifend Anspruch auf den erwirtschafteten Gewinn. Wenn der Vorstand das Geld anderweitig verschleudern würde, würde er nicht lange im Amt bleiben. Nicht immer gibt es sinnvolle Investitionsmöglichkeiten für ein Unternehmen.
          Wenn ein Unternehmen Cash horten würde, steigt die Eigenkapitalbasis. Damit sinkt die Eigenkapitalrentabilität und das sieht kein Eigentümer gerne.

          @Jan
          Dividendenstrategie heißt für mich, dass man die Dividende als Kennzahl zur Aktienanalyse heranzieht. Bedeutet, dass in das Depot die Aktien mit der höchsten Dividendenrendite wandern. Für mich ist nicht ersichtlich, warum Dividenden-Aktien mehr Rendite bringen sollen als beispielsweise Wachstumswerte.

          Herzliche Grüße
          Christoph

          • Dummerchen
            September 05, 14:40 Dummerchen

            „Wenn ein Unternehmen Cash horten würde, steigt die Eigenkapitalbasis. Damit sinkt die Eigenkapitalrentabilität und das sieht kein Eigentümer gerne.“
            Hmm, ich mag einfältig sein, aber wenn ich über 1000€ Eigenkapital verfüge und 10€ Gewinn erwirtschafte erziele ich nur eine Eigenkapitalrendite von 1%. Ist es demnach besser, wenn ich 500€ „verschenke“ und in der Folge immer noch 10€ erwirtschafte? Meine Eigenkapitalrendite wäre danach schließlich doppelt so hoch. Ich verstehe zwar, dass eine hohe Eigenkapitalrendite gut ist, aber mir wäre eine Erhöhung des Zählers wichtiger als eine Absenkung des Nenners.
            So richtig kapiere ich es immer noch nicht. Sorry.

          • Finanzkoch
            September 05, 15:33 Finanzkoch Author

            Um bei deinem Beispiel zu bleiben:
            Das Unternehmen schüttet 500 € aus und erwirtschaftet 10 € Gewinn mit den restlichen 500. Der absolute Gewinn bleibt gleich (für das Unternehmen). Dafür kannst du in der gleichen Zeit mit den 500 €, die du bekommen hast, shoppen gehen. Für unser Beispiel ist es aber besser, du investierst sie wieder und erwirtschaftest mit den 500 € zusätzlichen Gewinn. Damit erhöht sich der absolute Gewinn für dich. Du kannst also kein Interesse daran haben, dass das Unternehmen Geld hortet.

            Herzliche Grüße
            Christoph

          • Dummerchen
            September 06, 18:48 Dummerchen

            Ich fürchte, ich habe die Richtung meiner Frage nicht deutlich genug formuliert. Dass Ausschüttungen für den Investor erfreulich sind, leuchtet mir doch ein. In bin doch selber einer. Aber welchen Vorteil hat das Unternehmen, wenn es die o.g. 500€ nicht in der Kriegskasse behält, sondern „verschenkt“. Die 500€ sind weg und ich sehe keinen Nutzen für das Unternehmen. Es geht mir in meiner Frage nur um diesen Nutzen.

          • Finanzkoch
            September 07, 16:35 Finanzkoch Author

            Als Aktionär bist du Eigenkapitalgeber. Du möchtest dafür entschädigt werden, dass du jetzt auf Konsum verzichtest und dann noch für das unternehmerische Risiko, welches du jetzt trägst. Dem kommt das Unternehmen durch das Ausschütten einer Dividende nach. Würde es das nicht tun, wäre es auf Dauer für Eigenkapitalgeber nicht interessant.

            Du bist Langfristanleger. Stell dir vor, du möchtest deine Aktien niemals verkaufen. Du hältst die Aktien, bis das Unternehmen irgendwann pleite ist. Wenn das Unternehmen niemals eine Dividende ausgeschüttet hat, hast du 100 Prozent Verlust gemacht. Egal, ob das Unternehmen in der Zwischenzeit 100 Milliarden Euro Wert war.

            Sinn der Übung war zu zeigen, dass du als Aktionär ein Interesse daran hast, dass Dividenden ausgeschüttet werden. Natürlich in einem gesunden Maß. Dividenden aus der Unternehmenssubstanz verringern den zukünftigen Ertrag des Unternehmens.

            Stell dir jetzt vor, ein Unternehmen weigert sich seine Gewinne auszuschütten. Es türmt Milliarden an Gewinnen auf und beteiligt seine Aktionäre nicht daran. Gleichzeitig kann es das Geld nicht mehr so rentabel investieren, wie es seine Aktionäre gerne hätten …

            Bei der nächsten Hauptversammlung wird es einen Aufstand geben. Die Aktionäre sprechen dem Vorstand das Misstrauen aus und suchen sich ein neues Führungsteam. Apple hat sich z.B. jahrelang gegen Dividendenzahlungen gewehrt. Dann wurde der Druck der Aktionäre zu groß und jetzt gibt es eine Dividende.

            Kurz und knapp:
            Erst durch die Zahlung einer Dividende wird ein Unternehmen (ganz langfristig gesehen) für Eigenkapitalgeber (Aktionäre) interessant. Der Nutzen für das Unternehmens ist, dass es überhaupt erst Eigenkapital bekommt.

            Herzliche Grüße
            Christoph

          • Dummerchen
            September 07, 21:46 Dummerchen

            Ok, Dividenden sind also dazu da, die Meuterei auf der Bounty bei der Hauptversammlung zu verhindern. Das habe ich nun verstanden.

            „Der Nutzen für das Unternehmens ist, dass es überhaupt erst Eigenkapital bekommt.“
            glaube ich zwar nicht, denn mit der Erstemission der Aktie ist das Geld beim Unternehmen angekommen – danach wechselt die Aktie nur noch den Besitzer. Aber das spielt auch bei meiner Frage keine Rolle.

            Danke für die Geduld bei der Beantwortung meiner Frage.

          • Finanzkoch
            September 08, 00:14 Finanzkoch Author

            Die Dividenden sind letztendlich der verdiente Anteil am Gewinn des Unternehmens für die Eigentümer. Unternehmens-Nutzen und Aktionärs-Nutzen zu trennen ist schwierig. Das Unternehmen gehört den Aktionären zumindest zum Teil und damit muss es den Aktionären Nutzen stiften (z.B. Dividende).
            Ich hoffe, ich habe alle Klarheiten beseitigt … Falls nicht, kapituliere ich an dieser Stelle 🙂

          • Dummerchen
            September 08, 11:11 Dummerchen

            Ja, alle Klarheiten sind beseitigt ;-)! Es gibt keinen Grund zur Kapitulation.

            Die Frage, weshalb eine Dividendenstrategie (im Sinne von „hohe Dividende ist ein Qualitätsmerkmal und führt zu höherer Gesamtrendite“) dann tatsächlich sinnvoll ist, bleibt für mich damit zwar ungeklärt, aber damit sind wir wohl dann schon zu zweit.

          • Marco
            September 11, 20:17 Marco

            Hi Dummerchen,

            Ok, Dividenden sind also dazu da, die Meuterei auf der Bounty bei der Hauptversammlung zu verhindern. Das habe ich nun verstanden.

            Die Dividenden sind eher das Resultat eines ausgewachsenen und gut geführten Unternehmen. Die Meuterei bei beispielweise Apple ist meines Erachtens berechtigt. Sie hatten sehr viel in der Kasse und Innovationen lassen auch seit geraumer Zeit auf sich warten (auch wenn man angeblich daran arbeitet). Ich bin kein Experte für Hard- und Softwareentwicklung, aber wenn ich mir die Keynote vom 9.9.15 ansehe, wirkt Apple aktuell wie ein ausgewachsene Unternehmen, wo im Moment mehr gestärkt als gewachsen wird. Wäre ich Investor würde ich nun auch gerne meinen Anteil vom Gewinn bekommen.

            denn mit der Erstemission der Aktie ist das Geld beim Unternehmen angekommen – danach wechselt die Aktie nur noch den Besitzer. Aber das spielt auch bei meiner Frage keine Rolle.

            Du hast das Stichwort schon genannt: Erstemission.
            Der Aktienkurs spielt für das Unternehmen solange keine Rolle, bis es eine Kapitalerhöhung durchführen möchte. Ein gefragtes Unternehmen kann hierbei logischerweise ein höheres Agio verlangen, als ein weniger gefragtes Unternehmen.

            Die Frage, weshalb eine Dividendenstrategie (im Sinne von “hohe Dividende ist ein Qualitätsmerkmal und führt zu höherer Gesamtrendite”) dann tatsächlich sinnvoll ist, bleibt für mich damit zwar ungeklärt, aber damit sind wir wohl dann schon zu zweit.

            Davon gehen die wenigstens Dividendeninvestoren (in Bloggerkreisen) aus. Hier dient als Qualitätsmerkmal mehr die Kombination aus der Dividendenhistorie (je länger, desto besser), dem Dividendenwachstum (bevorzugt aus dem FCF; je stärker, desto besser) und der Ausschüttungsquote (je geringer, desto besser).

            Und um meine Meinung zum Beitragstitel beizusteuern:

            Ist die Dividendenstrategie sinnvoll?

            Man müsste die Frage vielleicht noch ergänzen um Für wen ….

            Ich verweise hierzu gerne auf meinen Lieblingsartikel zu diesem Thema. Ob es sich dabei um ein realistisches Ziel handelt, ist individuell zu klären. Aber ich sehe Dividenden (mit und aus der richtigen bzw. zu mir passenden Strategie) ebenfalls als Lifehack, der mir mehr Zeit für andere Dinge ermöglicht.

      • Oliver
        Reply September 11, 15:35 Oliver

        Ich kann dir das nur aus Unternehmersicht versuchen zu erklären, warum man nicht immer unbedingt das ganze Geld behalten muß. Um ein Unternehmen am laufen zu halten, kennt man (hoffentlich) seine monatlichen Kosten. Dazu kommen Neuinvestitionen, wenn man ein Wachstum erreichen möchte. Es ist natürlich nicht gesagt, dass man dieses damit auch tatsächlich erzielt. Wenn ein Unternehmen ein profitables Geschäftsfeld beliefert, so hat dieses i.d.R. eine gewisse Größe, die sich natürlich verändern kann. Dort agieren meistens mehrere Marktteilnehmer und es ist sehr teuer, neue Anteile zu gewinnen. Gerade bei großen Unternehmen handelt es sich um Geschäftsgebiete, die viel Umsatz & Deckungsbeitrag generieren, wobei die Verschiebungen zwischen den Marktteilnehmern häufig nicht sonderlich groß sind. Das gilt vor allem bei gesättigten Märkten und viele der etablierten Unternehmen machen dort ihre größten Umsätze/Gewinne. Die sind häufig so groß, dass es finanziell nicht sehr viel Sinn macht, darin sehr größe Investitionen zu machen, um noch mehr signifikante Erträge zu bekommen. Stichwort BCG-Matrix: Cash Cow. Man investiert nur das notwendigste und schöpft die Gewinne ab. Man kann sich jetzt z.B. als Unternehmen entscheiden, die Gewinne selber anzulegen bzw. in was anderes zu investieren oder eben zu einem Prozentsatz auszuschütten. Dem normalen Geschäftsgang beeinflusst das ncht wirklich. Viele Unternehmen vermeiden es zudem, zu viele Geschäftsgebiete aufzubauen, weil das nicht zu stemmen ist. Das heißt, man hat überschüssiges Geld, für das im Unternehmen keine sinnvolle Verwendung findet. Und dieses schüttet man eben aus. Procter & Gamble hat z.B. zu viele Geschäftsgebiete, deshalb verkaufen die einige ihrer Marken. Das machen sie, um aufgrund ihrer Erfahrungswerte und ihrer Ressourcen wieder besser handlungsfähig zu werden. Daraus wird ein Unternehmen entstehen, dass einfacher zu administrieren ist und dadurch gleichzeitig wieder profitabler wird. Durch diese maßnahmen werden durch die verbleibenden Marken (fast alles Cashcows) höhere Profite erzielt, die man wieder den Anteilseignern ausschütten kann. P&G kann es letztendlich egal sein, in was die Anteilseigner investieren. Ich hoffe, das es etwas verständlich ist.

        • Finanzkoch
          Reply September 11, 16:16 Finanzkoch Author

          Hallo Oliver,

          danke für die ausführliche und verständliche Erklärung.

          Genauso habe ich es auch gelernt. Es läuft darauf hinaus, dass ein Unternehmen sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren muss, wenn es langfristig erfolgreich sein will. Bedeutet, dass nicht jede Investition Sinn macht. Lieber eine Cash-Cow abschöpfen und Gewinne an die Aktionäre ausschütten, als Geld in unbekannten Geschäftsfeldern aufs Spiel zu setzen.

          Herzliche Grüße
          Christoph

  8. Finanzamt
    Reply September 04, 14:18 #8 Finanzamt

    Danke für den schicken Artikel, der mal ohne die üblichen Antworten (je nach Autor „Dividendenstrategie ist wegen historischer Werte super“ vs. „Warum ausschütten, was man auch fürs weitere Wachstum nutzen kann?“) auskommt.

    Neben Deiner „unbeantworteten Frage“ liegt die Wahrheit sicher auch ein Stück in der Zusammensetzung der dividendenstarken Unternehmensgruppen (vgl. z.B. Zusammensetzung entsprechender ETF). Die Größe und Branche der Firmen ist da eben auch ein Punkt, der dann wiederum dazu führt, dass sie sich evtl. in Boom- oder Crashzeiten anders entwickeln als der Rest des Marktes. Man hat dann halt eine entsprechende Über- und Untergewichtung im Depot, die sich je nach Börsenphase positiv oder negativ gegenüber dem Index zeigt.

    Da wir auf die mathematisch begründete Antwort, ob die Dividendenstrategie in Zukunft besser ist, wohl noch warten müssen, habe ich mich in meinem Depot für eine feige Mittelung entschieden. Halbe-halbe geht das Geld je in marktbreite und in Dividenden-ETF (bzw. habe ich die Anteile einzelner Länder entsprechend nachgerechnet, um in der Summe ausreichend diversifiziert zu bleiben).

    Bisher bin ich ganz zufrieden, aber ob ich besser gefahren wäre, wenn ich nur eins von beiden genommen hätte, weiß ich nicht – und will es eigentlich auch nicht wissen, weil es meinem passiven Invest-Ansatz entgegensteht. 😉

    Vielen Dank für Deine interessanten Beiträge!

    Viele Grüße,
    Finanzamt

    • Finanzkoch
      Reply September 04, 16:41 Finanzkoch Author

      Eine feige Mischung gefällt mir. Ähnlich sieht es in meinem Depot auch aus 🙂 Ob das ein Problem ist, welches die Mathematik lösen kann? Ich bin gespannt.

      Herzliche Grüße
      Christoph

      P.S. Danke für die warmen Worte. Jetzt muss meine Freundin meine gute Laune ertragen 🙂

Ihre Daten sind sicher! Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Mit * gekennzeichnete Daten sind Pflichtfelder.