Investmentfonds: Warum viele Köche dir fast immer die Rendite verhageln

Investierst du in Investmentfonds? Ja? Nein? Schau mal in deiner privaten Rentenversicherung nach. Fondsgebunden? Also doch …

Dann ist dieser Artikel für dich.

Zum Einstieg habe ich eine kleine Anekdote. Vermutlich ist dir schon ähnliches passiert.

Als ich vor einiger Zeit für meine Familie kochte, bat ich meine Mutter die Kartoffeln anzusetzen. Gesagt getan.

Als die Kartoffeln kochten, gab ich ordentlich Salz hinzu. Was ich nicht wusste:

Meine Mutter salzt das Wasser bevor es kocht …

Die Kartoffeln schmeckten furchtbar.

Köche, die sich nicht absprechen, vergeigen ein Menü eben fast immer. Warum soll das bei Fondsmanagern anders sein?



Investmentfonds: Warum viele Köche dir fast immer die Rendite verhageln


Bevor wir starten, möchte ich darauf hinweisen, dass ich mich mit diesem Artikel auf dünnem Eis bewege. Die folgenden Überlegungen entspringen zu 100 Prozent eigenen Gedankengängen. Es gibt etliche in der Finanzbranche, die einen anderen Standpunkt vertreten.

Meine Behauptung:

Mehr als ein Investmentfonds gleicher Gattung ist schädlich für das Depot.

Was meine ich mit Gattung?

  • Aktienfonds,
  • Mischfonds,
  • Rentenfonds (Anleihen),
  • Rohstofffonds,
  • und Geldmarktfonds

bilden je eine Gattung.

Zudem können wir Themenfonds unterscheiden. Ein Fonds kann sich beispielsweise auf ein bestimmtes Land konzentrieren.

Warum ist es schädlich, mehrere Fonds gleicher Gattung zu kaufen?

Das Ziel, mit der Wahl mehrerer Investmentfonds, ist die Diversifikation. Was diversifizieren wir?

 

1. Die Asset-Klassen

Wir holen einen Aktienfonds, einen Anleihefonds und einen Rohstofffonds in unser Depot.

 

2.  Branchen- und Länder-Risiken

Wir kaufen Fonds, die auf verschiedene Themengebiete und/oder Länder spezialisiert sind.

 

3. Das Manager-Risiko

Viele Fonds bedeuten viele Manager, die sich um unser Geld kümmern.

 

Klingt soweit alles ganz gut. Ist es das auch?

Risiko auf mehrere Asset-Klassen zu verteilen, macht Sinn. Optimaler Weise steigen Rohstoffe im Wert, wenn Aktien fallen und umgekehrt. So senken wir das Gesamt-Risiko. Bei Anleihen ist es das gleiche Spiel.

Was ist mit Punkt 2?

Ein Depot aus einzelnen Themenfonds kann funktionieren. Dabei ist es wichtig, dass sich die Anlagegebiete nicht überschneiden. So kann unser USA-Fonds die Verluste eines Russland-Fonds ausgleichen.

Kommen wir zu Punkt 3.

Mit vielen Managern sinkt unser Risiko, dass das gesamte Geld von einem schlechten Manager betreut wird. Tolle Sache?

Stopp.

Umgekehrt bedeutet das, wir haben vermutlich nicht nur gute Manager angeheuert. Am Ende läuft es auf Durchschnittsbildung hinaus.

Wer von uns bezahlt für Durchschnitt?

Denken wir zurück an die versalzenen Kartoffeln. Was war der Fehler? Fehlende Kommunikation mit meiner Mutter.

Fondsmanager stimmen sich auch nicht ab!

Unser Ziel ist es, unser gesamtes Vermögen so effizient wie möglich anzulegen. Wenn wir es auf verschiedene Fonds aufteilen, ist das nicht mehr möglich.

Gehen wir verschiedene Beispiele durch:

 

1. Wir haben mehrere global agierende Aktienfonds im Depot

Manager 1 legt den Schwerpunkt auf die USA. Manager 2 findet die USA blöd und investiert vor allem in China und Europa. Der Dritte im Bunde investiert mal hier und mal da nach dem Gießkannenprinzip.

Erkennst du hier noch eine sinnvolle Gesamt-Strategie? Wer hat Recht? Einer untergräbt die Entscheidungen des anderen. Es macht keinen Sinn.

Was bei Aktienfonds harmlos erscheint, wird bei Mischfonds kritischer.

 

2. Wir haben mehrere global agierende Mischfonds im Depot

Jetzt haben die Manager freie Hand. Sie können Anlageklassen frei gewichten. Mal haben sie mehr Anleihen, mal mehr Aktien im Depot. Wieder weiß keiner, was der andere gerade macht. Erhöht Fonds 1 seine Aktienquote, senkt Fonds 2 sie vielleicht gerade.

Eine vernünftige Risikoallokation unseres Gesamtvermögens ist nicht möglich.

So können wir das Spielchen bei allen Fonds weiterspinnen, die sich in ihrem Anlageuniversum überschneiden. Ein Fondsmanager spuckt dem anderen in die Suppe.

Wer jetzt laut schreit:

So ein Unsinn, ich schaue einfach auf die Korrelationstabellen! (Korrelation von null bedeutet, dass Fonds sich unabhängig voneinander bewegen. Kleiner null, dass ein Fonds steigt, wenn der andere fällt. Größer null, dass beide zusammen steigen oder fallen.)

Den frage ich:

Was sagen Korrelationstabellen über die Zukunft aus?

Wir sprechen über aktiv verwaltete Fonds, die sich in ihrer Zusammensetzung ständig ändern. Ein Blick in die Vergangenheit bringt uns nicht weiter. Wenn ein Fonds morgen seine Strategie ändert, ist die Tabelle hinfällig.

 

Fazit:

Wenn du aktiv investiert, suche dir den Fondsmanager deines Vertrauens. Bei mehr als einem Manager riskierst du, dass einer die Entscheidungen des anderen untergräbt.

Für jeden Themenbereich einen „Profi“ zu suchen, kann Sinn machen. Damit steigt aber das Risiko, einen schlechten Manager auszuwählen. Die Folge ist Durchschnittsbildung.

Kurz um. Ich denke:

Mehr als ein Investmentfonds gleicher Gattung ist schädlich für das Depot.

Was denkst du?

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

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Bildquelle: © Cartoonresource – fotolia

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Kommentare

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9 Kommentare

  1. frosch
    Reply Juli 10, 17:09 #1 frosch

    Hallo Christoph!
    Wie wäre es denn mit folgender Vorgehensweise:
    Ich schaue mir einen aktiven Fonds an, und boebachte ihn über mindestens 2 Hausse- und 2 Baissephasen innerhalb einer Peergroup. Wenn über diese Zeit der Manager auch noch der gleiche geblieben ist, habe ich einen guten gefunden. Was meinst Du?
    Oder mach es Dir leichter und folge der Devise von Deutschlands Dachfondspionier Nr.1: „Ich investiere nicht in Fonds, sondern in Fondsmanager“. Schließlich erfährt er aufgrund persönlicher Beziehungen als erster, wenn der leitende Manager das (Fonds-) Schiff verlässt.

    • Finanzkoch
      Reply Juli 11, 09:06 Finanzkoch Author

      Hallo Frosch,

      die Auswahl anhand des Managers zu treffen, ist eine gute Option. Schließlich ist er für die Entscheidungen zuständig.
      Die Frage ist, wie viele Fonds finde ich, die über mehr als 10-15 Jahre vom gleichen Manager betreut werden. Vielleicht wurde in der Zwischenzeit das Team dahinter ausgewechselt? Welcher Zeitraum ist für eine Vergangenheitsbetrachtung aussagefähig? Ist Vergangenheitsbetrachtung überhaupt aussagefähig?

      Fragen über Fragen 🙂

      Man kann vergangene Renditen komplett ausblenden und nur auf Ausbildung und Anlagephilosophie des Fondsmanagers schauen. Die Frage ist ob mir das als Anleger möglich ist.

      Wenn ich mir einen Fonds aussuchen muss, schaue ich auf die Kosten, auf die vergangene Rendite, auf die Volatilität und auf den Manager. Ganz wichtig ist natürlich das Anlageuniversum.

      Herzliche Grüße
      Christoph

  2. Finanzwesir
    Reply Juli 10, 10:37 #2 Finanzwesir

    Hallo Finanzkoch,
    ich finde Deine Gedanken absolut nachvollziehbar. Wenn ich baue habe ich auch nur einen Handwerker pro Gewerk. Ich habe einen Elektriker und lasse nicht zwei die Strippen ziehen. Das gibt nur Chaos.

    Aber während ich mich beim Elektriker auf Referenzen verlassen kann (zufriedene Kunden in der Vergangenheit erhöhen die Chance, den richtigen Kabelmann zu engagieren), kann ich das bei Fonds-Managern nicht.
    Ich setze deshalb auf billigen Durchschnitt (aka passiv investieren).

    Gruß
    Finanzwesir

    • Finanzkoch
      Reply Juli 10, 13:23 Finanzkoch Author

      Hallo Finanzwesir,

      genau wie Tobi schon angemerkt hat:

      „Wie erkenne ich einen guten Fondsmanager?“

      Ich denke die meisten Fondsmanager sind gut. Einer meiner letzten Newsletter hatte die Überschrift: „Warum Fondsmanager das Opfer ihrer Genialität sind“

      Mein Fazit daraus:

      „Effiziente Märkte sind ein Beleg für die Fähigkeiten der Manager und ihrer Teams. Es ist eine unglückliche Fügung für sie, dass man durch sie den Markt kaum noch schlägt.

      Fondsmanager haben einen großen Anteil daran, dass passive Anlagestrategien funktionieren.“

      Herzliche Grüße
      Christoph

  3. TobiB
    Reply Juli 09, 10:29 #3 TobiB

    Ich würde dir zustimmen, überdiversizifierung bringt nur Durchschnittsbildung – dann kann man sich auch einen Indexfonds ohne Manager kaufen und die Gebühr sparen. Die wichtigere Frage wäre aber: wie erkenne ich einen guten Fondsmanager? Also insbesondere einen, der das Geld nicht nur im Aufwärtstrend der letzten 3 Jahre (was man ja gut vergleichen kann), sondern auch im nächsten Abschwung gut verwaltet? Ich finde das letztlich extrem schwierig, und da mir direktes Anlegen mehr Spaß macht spar ich mir Fonds einfach komplett.

    • Finanzkoch
      Reply Juli 09, 16:21 Finanzkoch Author

      Hallo Tobi,

      genau das ist der Punkt.
      Wenn ich mehrere Fondsmanager beschäftige, weil ich Angst habe, dass einer seine Arbeit nicht macht, kann ich gleich den Index kaufen.

      Herzliche Grüße
      Christoph

  4. Claudius
    Reply Juli 03, 10:32 #4 Claudius

    Hey Christoph,

    schöner Artikel. Ich persönlich investiere zwar nicht in aktive Fonds, kann deinen Gedankengang aber nachvollziehen.
    Was hältst du denn persönlich von den genannten privaten Rentenversicherungen?

    Gruß,

    Claudius

    • Finanzkoch
      Reply Juli 03, 15:36 Finanzkoch Author

      Hallo Claudius,

      ich bevorzuge physische ETFs.

      Zur Frage:
      Kurz und knackig;)

      Pauschal zu beantworten, ist sie nicht. Folgendes gilt nur für mich:

      Garantie-Produkte fasse ich nicht an. Durch die niedrigen Zinsen wird der Aktienanteil so niedrig, dass ein vernünftiger Vermögensaufbau nicht funktionieren kann.

      Fondspolicen ohne Garantie kommen für mich auch nicht in Frage. Es gibt zwar schon Gesellschaften (z.B. myIndex von InterRisk), die ihre Verwaltungskosten auf ein vernünftiges Maß eingedampft haben, trotzdem gibt es verschiedene Probleme:

      1. Dein Geld geht in die Insolvenzmasse des Versicherers
      2. Du bist von der Fonds/ETF-Auswahl des Anbieters abhängig
      3. In jedem Fall Verlust von Flexibilität
      4. Kosten (auf null werden sie nie sinken)

      Eine steuerliche Begünstigung kann das für mich nicht aufwiegen.

      Folgendes führt die Branche für Rentenversicherungen ins Feld:

      Wer selber spart, stirbt entweder als reicher junger Mann oder als armer alter Mann in der Suppenküche.

      Das halte ich für Augenwischerei.

      Wenn ich Angst habe, dass am Ende des Geldes noch Leben übrig ist, hindert mich nichts daran, bei Rentenbeginn eine Versicherung gegen Einmalbetrag abzuschließen.

      Für geförderte Produkte mag das schon wieder anders aussehen.

      Herzliche Grüße
      Christoph

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