Gier: Wer alles haben will, verliert oft alles

„Gier ist gut“. Das sagt Gordon Gekko alias Michael Douglas in dem legendären Streifen Wall Street.

Ich glaube, bei der Geldanlage richtet sie mehr Schaden an als dass sie nutzt. Warum, zeigt die Geschichte vom goldenen Ei.



Gier: Wer alles haben will, verliert oft alles


Das goldene Ei

Es war einmal ein armer Bauer und seine Frau. Ihr Hof gab gerade genug her, um die Beiden zu ernähren. Doch das machte ihnen nichts. Sie liebten sich und waren das karge Leben seit ihrer Kindheit gewohnt.

Ein Winter war besonders hart. Der Wind pfiff, die Äste zitterten und es war bitterkalt. Sie litten entsetzlichen Hunger. So entschloss sich der Bauer, in der Stunde größter Not, die Henne zu schlachten.

Als er zur Tat schreiten wollte, vernahm er etwas Sonderbares. Unter der Henne schimmerte es.

>>Ein goldenes Ei!<<, rief der Bauer entzückt. Am nächsten Tag machte er sich auf in die Stadt und tauschte das goldene Ei gegen Essen und warme Felle ein.

Der Bauer kümmerte sich gut um die Henne, welche ihm jede Woche mit einem goldenen Ei bedachte. So kam es, dass er es zu einigem Wohlstand schaffte.

Doch nach einiger Zeit reichte dem Bauern und seiner Frau das Leben auf dem Land nicht mehr. Sie verkauften den Hof und zogen in die Stadt – die Henne bekam einen Ehrenplatz.

Das Leben in der Stadt war gänzlich anderer Gestalt. Jeder zeigte was er hat. So auch der Bauer und seine Frau. Kein Kleid war zu teuer – kein Wein war zu gut.

Die Beiden wurden immer gieriger. Ein goldenes Ei die Woche? Da geht doch mehr, dachte sich der Bauer und gab der Henne die doppelte Portion zu Fressen und zu Trinken. Doch die stellte sich stur und blieb dabei – ein goldenes Ei die Woche. So fasste der Bauer einen Plan und schlachtete die Henne. Warum warten, wenn er sich die Eier gleich aus dem Bauch holen konnte?

Doch als er den Leib der Henne öffnete, fand er alles so vor, wie es sich für eine Henne gehörte. Von goldenen Eiern fand er keine Spur. So schnell wie der Wohlstand gekommen war, verschwand er wieder. Niedergeschlagen kehrten sie zurück auf ihren alten Hof. Alles war wie früher – doch an das alte Leben gewöhnen konnten sie sich nicht mehr. Das Glück in ihren Herzen war verloren.

Die Geschichte ist dem Gedicht Das Huhn mit den goldenen Eiern von Jean de Lafontaine nachempfunden. Sie zeigt:

 

Gier ist ein schlechter Ratgeber.

Der Bauer und die Bäuerin sind der Gier verfallen. Ihr Blick war auf das goldene Ei fixiert. Die Henne haben sie völlig vergessen …

Bei der Geldanlage ist Gier ein Begleiter, von dem wir uns trennen müssen. Sonst treffen wir Entscheidungen, die wir später bereuen. Ein Beispiel ist die Risikoausrichtung der Geldanlage. Überschätzt du deine Risikotoleranz, verkaufst du bei einem Crash deine Investments womöglich vorzeitig. Damit tust du dir keinen Gefallen. Eine anschließende Erholung der Märkte wirst du verpassen.

Die Aussicht nach hohen Renditen ist verlockend – doch sie kann in die Irre führen. Der Sirenengesang zieht ahnungslose Seemänner an, um sie ins Verderben zu stürzen. Die Gier zieht ahnungslose Anleger an, um sie ins Verderben zu stürzen.

Was Orpheus seine Leier war um den Sirenengesang zu übertönen, ist bei mir ein Zitat von William Bernstein um meiner Gier Einhalt zu gebieten.

Der Sinn von Investieren bei Privatanlegern ist nicht die Rendite zu optimieren und reich zu werden. Der Sinn ist, nicht arm zu sterben.

William Bernstein (Neurologe und Finanzbuchautor)

In Lafontaines Gedicht heißt es dazu:

Wer alles haben will, verliert oft alles.

Und ich denke, er hat damit recht.

 

Auf einen weiteren Aspekt der Geschichte möchte ich noch eingehen:

Das Streben nach Reichtum ist der falsche Weg zum Glück

Anfangs waren der Bauer und die Bäuerin zufrieden. Als sie begannen, sich über äußere Dinge wie edle Kleider und teuren Wein zu definieren, begann ihr Lebensglück zu schwinden. Ihres plötzlichen Reichtums beraubt, konnten sie sich nicht mehr an den einfachen Dingen des Lebens erfreuen. Der alte Hof war ihnen nicht mehr gut genug.

Ein minimalistisches Leben liegt mir persönlich fern. Aber das Streben nach Reichtum ist der falsche Weg zum Glück. Mit Geld können wir unser Leben angenehmer gestalten. Es ermöglicht mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, oder teuren Hobbys nachzugehen. Aber irgendwann ist Schluss. Ab etwa 60.000 Euro Jahreseinkommen stagniert die Glückszunahme (das wollen zumindest amerikanische Glücksforscher herausgefunden haben).

Die Million muss es also nicht sein. Eine solide finanzielle Basis reicht aus. Womit sich der Kreis schließt und wir wieder bei William Bernstein sind:

Der Sinn von Investieren bei Privatanlegern ist nicht die Rendite zu optimieren und reich zu werden. Der Sinn ist, nicht arm zu sterben.

Geld ist nur Mittel zum Zweck. Im Vordergrund sollten immer unsere Beziehungen zu anderen Menschen stehen.

 

Wie gehst du mit Gier um? Was denkst du, gibt es eine finanzielle Glücksgrenze?

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Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

Bildquelle: © psdesign1 – fotolia

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Kommentare

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18 Kommentare

  1. Philipp ( Weg zum Reichtum )
    Reply Februar 13, 00:26 #1 Philipp ( Weg zum Reichtum )

    Hi Christoph,

    diese Geschichte ist ein wahrer „Evergreen“ und du hast recht übertriebene Gier ist schädlich, ich denke aber auch unterdrückte Gier ist schädlich, denn dann würde man als Oma Krabulke enden, die ihr erspartes im Strumpf unterm Kopfkissen hat oder aber man würde einfach alles verprassen, wie die Bauern die ihre Eier immer verscherbelten.
    Eine Frage habe ich aber dennoch, ein Koch der keine Gans braten will, du bist doch nicht etwa Vegetarier ;D

    Gruß Philipp

    • Finanzkoch
      Reply Februar 13, 08:46 Finanzkoch Author

      Hallo Philipp,

      eine Gans, die goldene Eier legt, kommt mir nicht auf den Tisch – ansonsten kommt in meine Pfanne so ziemlich alles, was man brutzeln kann 😉

      Liebe Grüße
      Christoph

  2. Christina Baier
    Reply Februar 12, 00:28 #2 Christina Baier

    Hallo Christoph,

    ein toller Artikel! Deine Fragen wollte auch ich gerne beantworten. Am Ende wurde es statt eines Kommentars ein ganzer Blogpost 🙂 http://christinabaieronline.com/bist-du-gluecklich/

    VG, Christina

    • Finanzkoch
      Reply Februar 12, 13:01 Finanzkoch Author

      Hallo Christina,

      was für eine Antwort 🙂 Es ist ein tolles Gefühl, solche Gedanken angestoßen zu haben.

      Liebe Grüße
      Christoph

  3. Christo
    Reply Februar 10, 09:55 #3 Christo

    Hallo,

    aus der Geschichte lernt man doch eher: Man soll seine goldene Gans, die goldene Eier legt, nicht schlachten ;-).

    Das Thema: Streben nach mehr – und umgehen mit dem Risiko ist da schon was anderes. Ist das „Streben nach mehr“ etwas schlechtes? Dieses Streben ist in uns verankert, denn es bringt uns dazu uns weiterzuentwickeln.

    Meine persönliche Meinung ist, dass wir leider oftmals durch negative Glaubenssätze behindert werden, uns weiter zu entwickeln. Ich persönlich bin beispielsweise erstaunt, dass in vielen Finanzblogs ETFs soweit oben stehen. Sie haben zwar ein geringes Risiko, aber auch eine in meinen Augen zu geringe Rendite.

    Ist das nun Gier? Ich denke, das ist eine recht subjektive Einschätzung. Wenn ich beispielsweise sage, dass ich das Ziel von 12 % Rendite im Jahr habe, würden mich andere komisch angucken und mich als gierig bezeichnen, andere würden mich komisch angucken und meinen, ob das nicht etwas wenig wäre ;-).

    Ich glaube dieser Satz: „Wer alles haben will, verliert oft alles“ eher ein hindernder Glaubenssatz ist. Wer alles haben will, sollte sich einen guten Plan machen und dann ein Schritt nach dem anderen.

    Was wichtig ist, dass man – ob gierig oder nicht – sich klug verhalten sollte: Risikomanagement. Hätte sich der Besitzer der goldenen Henne sich darüber Gedanken gemacht, hätte er die Henne wahrscheinlich nicht geschlachtet :-). Ach und Risikomanagement bedeutet nicht, dass man keine Risiken eingeht, sondern man geht überlegte Risiken ein.

    Glück durch Geld? Geld in meinen Augen macht nicht glücklich. Geld kann mir den Weg bereiten, glücklich zu werden. Freiheit das zu tun, was ich gerne will. Sicherheit, dass ich meinen Lebensstil halten oder verbessern kann. Die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung.

    Viele Grüße
    Christo

    • Finanzkoch
      Reply Februar 10, 10:33 Finanzkoch Author

      Hallo Christo,

      entscheidend ist der richtige Umgang mit den eigenen Emotionen. Wenn Gier zu irrationalen Entscheidungen führt, ist sie hinderlich – man kann sie aber auch als positiven Antrieb verwenden.

      Ich persönlich bin beispielsweise erstaunt, dass in vielen Finanzblogs ETFs soweit oben stehen. Sie haben zwar ein geringes Risiko, aber auch eine in meinen Augen zu geringe Rendite.

      Das ist, wie du gleich ein Stück weiter unten schreibst, sehr subjektiv. Ich glaube 99 Prozent aller Anleger ständen mit einer langfristigen Buy-and-Hold-Strategie mit günstigen ETFs deutlich besser da als jetzt.

      Die Renditeerwartungen sind natürlich unterschiedlich. Aber ich glaube wer das Ziel hat „reich“ zu werden, sollte sich selbstständig machen und ein Geschäft aufbauen, dass den Menschen einen Mehrwert bringt. Dann kommt das Geld schon von alleine.
      Wer langfristig Renditen oberhalb der 10 Prozent haben will, geht ein hohes Risiko ein … das muss man sich leisten können und wollen. Ich glaube aber an dieser Stelle, dass die Kapitalmärkte nicht der richtige Platz für solche Ambitionen sind (meine persönliche Meinung) … da bieten sich eher Geschicklichkeitsspiele wie Poker an.

      Ach und Risikomanagement bedeutet nicht, dass man keine Risiken eingeht, sondern man geht überlegte Risiken ein.

      Sehe ich auch so.

      Liebe Grüße
      Christoph

  4. Philipp von Investment Amad€
    Reply Februar 09, 22:57 #4 Philipp von Investment Amad€

    Hallo Christoph!

    Der Artikel ist dir wieder einmal sehr gut gelungen. Ich bewundere nach wie vor deine Storytelling Skills.

    Zum Artikel: Gier ist leider eine unserer 6 Grundemotionen. Und ist deshalb auch sehr stark vertreten.

    Für viele Menschen stellt es ein Problem dar, zufrieden zu sein. Und gleichzeitig für ihre Ziele zu kämpfen.

    MFG Philipp

    • Finanzkoch
      Reply Februar 10, 08:49 Finanzkoch Author

      Hallo Philipp,

      danke für das Lob.

      Für viele Menschen stellt es ein Problem dar, zufrieden zu sein. Und gleichzeitig für ihre Ziele zu kämpfen.

      Ich bin erst zufrieden, seitdem ich für meine Ziele kämpfe 🙂

      Liebe Grüße
      Christoph

  5. Lothar
    Reply Februar 09, 13:09 #5 Lothar

    Nette Geschichte, die zeigt: Emotionen sind oft stärker als der Verstand. In jedem Fall aber schneller. Bevor wir unseren Verstand einschalten (kostet Energie), haben wir emotional längst entschieden.
    Geld löst besonders viele Emotionen aus (Projektion, Prägung in der Kindheit, abstrakt).
    Mein Rezept: Coaching
    Wer seine Beziehung zu Geld klärt, wer sich seiner Glaubenssätze und der Kraft der Emotionen bewusst ist, der kann eine Strategie entwickeln, damit positiv umzugehen. Nicht Emotionen bekämpfen, sondern Bewusstsein, Achtsamkeit und ein paar einfache Grundregeln (z.B. Risikostreuung). So kann man Emotionen positiv nutzen und der Gier (und dem Gegenstück, der Angst) nicht das Feld überlassen.

    Herzliche Grüße
    Lothar

    • Finanzkoch
      Reply Februar 09, 17:26 Finanzkoch Author

      Hallo Lothar,

      das Herz hat seine Gründe, von denen der Verstand nichts weiß.

      Toll, dass du bei deiner täglichen Arbeit einen Fokus auf Emotionen legst. Das kommt leider oft viel zu kurz – womit Ärger vorprogrammiert ist, wenn etwas nicht läuft wie gedacht.

      Liebe Grüße
      Christoph

  6. Chris
    Reply Februar 09, 13:03 #6 Chris

    Hm… wo fängt „Gier“ an, und wo hört vernünftig-gesundes Profitstreben auf ?
    Da ist auch immer ne Menge Ansichtssache im Spiel. Für einige Bekannte ist zum Beispiel alles was mit der Börse zu tun hat Teufelszeug, und weil ich nicht brav beim Sparbuch bleibe bin ich anscheinend schon ein gieriger Spekulant (selbst wenn ich nur total langweiliges ETF B&H betreibe).

    „Ab etwa 60.000 Euro Jahreseinkommen stagniert die Glückszunahme (das wollen zumindest amerikanische Glücksforscher herausgefunden haben).“

    Diminishing Returns, eben. Schmeckt der 2000€ Wein wirklich hundertmal besser als die 20€ Flasche, oder macht er hundertmal glücklicher ? Ich glaube nicht 😉
    Viele Leute mit 60.000€ und mehr Jahreseinkommen, haben komischerweise auch meist schnell wieder Ausgaben in genau der gleichen Höhe (die Ansprüche wachsen mit, man will ja schließlich auch „standesgemäß“ leben), so dass am Ende praktisch auch nicht viel mehr übrigbleibt. Auch wenn ich Glück nicht primär vom Faktor Geld her definieren würde (es ist nur Mittel zum Zweck), ist „finanzieller Spielraum“ (also Überschüsse zu erwirtschaften) schon etwas, was einem mehr Kontrolle&Selbstbestimmtheit geben kann und damit zur Zufriedenheit beiträgt.

    „Bei der Geldanlage ist Gier ein Begleiter, von dem wir uns trennen müssen. Sonst treffen wir Entscheidungen, die wir später bereuen. Ein Beispiel ist die Risikoausrichtung der Geldanlage. Überschätzt du deine Risikotoleranz, verkaufst du bei einem Crash deine Investments womöglich vorzeitig. Damit tust du dir keinen Gefallen. Eine anschließende Erholung der Märkte wirst du verpassen.“

    Naja, professionelle Trader die auch wirklich mit Plan (bzgl Positions- und Moneymanagement) an ihre Sache herangehen, haben auch schon bevor sie überhaupt Kapital platzieren einen „Exit“ definiert (ie. wo ist das Ausstiegssignal wenn sich der Trade nicht so wie erwartet entwickelt, und wieviel Kapital bin ich bereit dafür zu riskieren falls ich mich doch irrte). Ich weiß ja (mal wieder 😉 ) nicht ob es das ist, was du meinst, aber aus meiner Erfahrung sind nicht die „riskanten“ Geschäfte an sich das Problem, sondern die Unfähigkeit vieler Menschen, Fehler einzugestehen (und dann z.b. viel zu lange emotional-irrational an Loserpositionen festzuhalten, oder sogar noch draufzulegen).

    • Finanzkoch
      Reply Februar 09, 17:47 Finanzkoch Author

      Hallo Chris,

      ich glaube ein gewisses Maß an Gier muss nicht schlecht sein. Entscheidend ist der gesunde Umgang mit ihr. Dann kann sie in (wie du es nennst) gesundes Profitstreben münden.

      Viele Leute mit 60.000€ und mehr Jahreseinkommen, haben komischerweise auch meist schnell wieder Ausgaben in genau der gleichen Höhe (die Ansprüche wachsen mit, man will ja schließlich auch „standesgemäß“ leben), so dass am Ende praktisch auch nicht viel mehr übrigbleibt.

      In solchen Fällen kommen dann vermutlich Verlustängste ins Spiel – die Angst vor dem sozialen Abstieg, wenn es beruflich nicht mehr rund läuft. Finanzielle Spielräume sind ja nicht vorhanden. In der Folge arbeiten sie noch härter und das private Glück bleibt auf der Strecke. (aber hier spekuliert nur der Hobbypsychologe in mir …)

      ist „finanzieller Spielraum“ (also Überschüsse zu erwirtschaften) schon etwas, was einem mehr Kontrolle&Selbstbestimmtheit geben kann und damit zur Zufriedenheit beiträgt.

      Sehe ich auch so.

      Professionelle Trader meine ich nicht 🙂 Ziel muss es für den Otto-Normal-Privatanleger (Menschen wie mich) sein, eine Strategie zu entwickeln, die nicht vorzeitig aufgegeben werden muss, weil einen die Verluste nachts nicht mehr schlafen lassen … wenn am Tiefpunkt verkauft wird, ist das Kind in den Brunnen gefallen. (Ich denke nicht, dass Market Timing funktioniert und man im Crash verkaufen sollte, daher bringt ein vorher definierter Exit-Point keinen Mehrwert.)

      Liebe Grüße
      Christoph

      • Chris
        Reply Februar 10, 02:30 Chris

        „ich glaube ein gewisses Maß an Gier muss nicht schlecht sein. Entscheidend ist der gesunde Umgang mit ihr. Dann kann sie in (wie du es nennst) gesundes Profitstreben münden.“

        Sicherlich. Ich meinte damit auch dass (der Unterschied zwischen) „Gier“ und „gesundem Streben“ eine höchst individuelle Sache ist. Was wir bei anderen als Gier empfinden, ist für die vielleicht völlig normal und problemlos. Genauso wie auch andere bei uns vielleicht manches als gierig empfinden, wir aber eigentlich nicht unzufrieden damit sind.
        Es ist schwer (und eigentlich auch ziemlich müßig, man kanns ja eh nicht beeinflussen) da über andere urteilen zu wollen… ist es doch oftmals schon schwierig genug sich selbst richtig einzuschätzen 😉

        „In solchen Fällen kommen dann vermutlich Verlustängste ins Spiel – die Angst vor dem sozialen Abstieg, wenn es beruflich nicht mehr rund läuft. “

        Naja, ich reagiere auf meine „Verlustängste“ eher damit dass ich darauf achte, Überschüsse zu erwirtschaften, Rücklagen zu bilden und vernünftige Investitionen zu tätigen – und eben nicht mein Geld für irgendwelchen Lifestyle-Firlefanz auszugeben.
        Aber das ist halt auch, wie oben, eine individuelle Einstellungssache. Mir persönlich würde der Gedanke, ständig nur am finanziellen Limit zu operieren nur um mir die Bude mit schönen Spielsachen vollzustellen, nicht gefallen. Andere sind da sicher etwas hedonistischer veranlagt und denken eher „Ersparnisse kann man doch eh nicht mit ins Grab nehmen, also will ich wenigstens im Leben noch ordentlich Spaß gehabt haben“. Kann ich zu gewissen Maßen ja auch nachvollziehen, bin ja auch kein totaler Asket. Gesunde Balance ist da wichtig, muss jeder selbst finden, nur habe ich in meinem Bekanntenkreis auch schon einige Negativbeispiele (Überschuldung für Konsum) gesehen, das schreckt auch gut ab 🙂

        Man kann ja übrigens auch von Crashs noch profitieren (oder sich zumindest davor etwas schützen), ohne seine eigenen Aktienpositionen gleich verkaufen zu müssen. Hatte mich vor ein paar Wochen noch mit ein paar Puts eingedeckt, die die Verluste meiner ETFs etwas abgefedert haben. Sollte es noch weiter runtergehen, werden die Gewinne daraus dann eben wieder in noch mehr (jetzt günstigere) ETF-Anteile gesteckt (um so an einer späteren Erholung irgendwann auch wieder verstärkt teilhaben zu können). Sollten die Börsen nun doch wieder nach oben drehen und neue Hochs erklettern, auch gut, macht mein Portfolio ja sowieso Gewinn (abzüglich der paar Prozent „Versicherungsprämie“ die ich für die dann ungenutzen Optionen ausgab, aber das ist nicht viel und bezahl ich gern). Kann man immer mal machen, man gibt halt in „guten Zeiten“ ein paar Prozent Rendite dafür ab, wird aber in schlechten Zeiten wieder mehr als entschädigt dafür und kann so über die Jahre seine ETFs weiter günstig aufstocken.
        Ob das jetzt schon „Market-Timing“ und nichts für den Otto-Normal-Anleger ist, muss jeder für sich selbst entscheiden, jedenfalls bleibt das Kern-Portfolio davon unberührt ja weiter buy&hold. 😉

        • Finanzkoch
          Reply Februar 10, 08:44 Finanzkoch Author

          Ich finde es auch legitim, sich für Konsum statt Sparen zu entscheiden – solange man sich dann nicht irgendwann beschwert, dass das Geld nicht reicht. Dafür hat man vorher „gut gelebt“. Der Sparer geht dafür das „Risiko eines frühen Todes ein“. Schön blöd, wenn du bis 50 sparsam warst und eine kleines Vermögen aufgebaut hast, nur um dann vorzeitig ins Gras zu beißen. Deswegen sehe ich das wie du … Die gesunde Mitte ist entscheidend und die ist „höchst individuell“.

          Für mich persönlich sind Absicherungen des Depots nichts (Überraschung … 😉 ). Die Emittenten wollen mit den Dingern Geld verdienen und das machen sie auch. Von mir bekommen sie das Geld nicht. Sind ja wie du sagst eine Art Versicherung (jedenfalls können sie als solche eingesetzt werden) und bei Versicherungen gilt für mich der Grundsatz: Setze ich nur dort ein, wo ich existenzielle Risiken sehe.

          Die Schwankungen meines Depots sind für mich nicht existenziell. Wenn sie es wären, würde ich den risikobehafteten Anteil meines Portfolios senken. Aber auch hier gilt, wie du geschrieben hast:

          Ob das jetzt schon „Market-Timing“ und nichts für den Otto-Normal-Anleger ist, muss jeder für sich selbst entscheiden

          Herzliche Grüße
          Christoph

          • Chris
            Februar 10, 23:17 Chris

            „Ich finde es auch legitim, sich für Konsum statt Sparen zu entscheiden – solange man sich dann nicht irgendwann beschwert, dass das Geld nicht reicht.“

            Natürlich beschweren sich die Leute noch, was denkst du denn ? 😀 Ist doch schon gleich ihre zweite Lieblingsbeschäftigung: #1 Geld ausgeben, #2 sich beschweren, dass man komischerweise irgendwie nie Geld hat. Hmmm, wie das wohl kommt ? Da muss man sich manchmal echt die Zunge verkneifen, keine ungebetenen Finanzratschläge auszuteilen. Macht man sich ja nicht sehr beliebt damit (Finanzratschläge holen sie sich ja auch, wenn überhaupt, lieber noch von ihrem Bank“berater“). Achja und Schuld daran, dass man kein Geld hat, ist dann natürlich nieee das eigene Konsumverhalten, sondern immer irgendwelche „anderen“ (ewiger Favorit: der böse Staat, ich geh ja nur noch für die verdammten Steuern arbeiten, und überhaupt und sowieso…. ) 😉

            Wenn ich jedesmal nen Euro dafür bekäme, mir in ner Gesprächsrunde solche Stammtisch-Argumentationen anzuhören, müsste ich auch nicht mehr arbeiten ^^

            „Der Sparer geht dafür das „Risiko eines frühen Todes ein“. Schön blöd, wenn du bis 50 sparsam warst und eine kleines Vermögen aufgebaut hast, nur um dann vorzeitig ins Gras zu beißen.“

            Gibt ja auch Leute, die wollen noch was für ihre Nachwelt vererben. Sollte ich mit 50 sterben, dann wenigstens mit der Gewissheit, dass meine Kinder es einmal besser haben werden als ich. Ist auch ein gutes und motivierendes Gefühl 🙂

            „Die Emittenten wollen mit den Dingern Geld verdienen und das machen sie auch.“

            Stimmt, deswegen benutze ich auch keine Optionsscheine, sondern Optionen. Da pfuscht mir auch keine Bank mehr in den Kursen mit rum.

          • Finanzkoch
            Februar 12, 13:06 Finanzkoch Author

            Hallo Chris,

            na klar, ich beschwere mich auch manchmal 🙂 Ich glaube, dass ist menschlich …

            Den Kindern etwas zu hinterlassen, ist eine schöne Motivation. Aber verwöhn sie nicht zu sehr 😉

            Liebe Grüße
            Christoph

  7. Alexander@klarplus
    Reply Februar 09, 13:03 #7 Alexander@klarplus

    Hallo Christoph,
    ja, die Sache mit dem Glück und dem Einkommen. „Ab etwa 60.000 Euro Jahreseinkommen stagniert die Glückszunahme (das wollen zumindest amerikanische Glücksforscher herausgefunden haben).“ Das klingt ja erstmal danach, dass mehr Einkommen nicht mehr Glück bringt.
    Andere Professoren haben das ein bisschen modifiziert, was ich für noch ein bisschen plausibler halte: Geld macht per se immer zufriedener. (http://www.wiwo.de/erfolg/trends/gluecksforschung-geld-macht-immer-gluecklich/12347196.html) Allerdings nimmt der Zeitaufwand für die entsprechenden Einkommen zu. Die fehlende Zeit für andere Dinge als Arbeiten wird dann als Glücksmindernd empfunden.
    Kurz gesagt: Ohne Schweiss keinen Preis. Jeder muss für sich selbst rausfinden, welches „Schweiss/Preis“-Verhältnis zu einem passt.
    Gruß
    Alexander

    • Finanzkoch
      Reply Februar 09, 17:19 Finanzkoch Author

      Hallo Alexander,

      interessanter Artikel. (Ich durfte Herrn Raffelhüschen schon einmal live erleben. Seine Vorträge sind sehr unterhaltsam.) Ich denke, bei vielen spielen ab einem gewissen Vermögen auch Verlustängste eine Rolle.

      Allerdings nimmt der Zeitaufwand für die entsprechenden Einkommen zu. Die fehlende Zeit für andere Dinge als Arbeiten wird dann als Glücksmindernd empfunden.
      Kurz gesagt: Ohne Schweiss keinen Preis. Jeder muss für sich selbst rausfinden, welches „Schweiss/Preis“-Verhältnis zu einem passt.

      Sehe ich auch so. Wobei ich massig Menschen kenne, die einen extrem hohen Zeitaufwand für die Arbeit haben und trotzdem wenig verdienen. Mit dem Mindestlohn kommt man eben nicht weit …

      Herzliche Grüße
      Christoph

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