Geld abheben im Ausland – dreister geht es kaum

Die letzten Tage habe ich mit meiner Freundin in Prag verbracht. Auf unserem Schlachtplan, an den wir uns minutiös gehalten haben, stand deftiges Essen, Entspannung und Sightseeing (in genau der Reihenfolge). Alles in allem, ein rundum gelungener Kurztrip in einer wunderschönen Metropole.

Dabei hätte meine Laune bereits in der Hotellobby einen Dämpfer bekommen können – und zwar beim Geld abheben mit meiner Kreditkarte.



Geld abheben im Ausland – dreister geht es kaum


Bis heute wehren sich die Tschechen erfolgreich gegen den Euro. Daher hieß es für mich, kaum dass wir im Hotel angekommen waren, Hirn anschmeißen und überlegen, wo wir Kronen herbekommen.

Bargeld wechseln, kam nicht in Frage. Denn spätestens seitdem ich auf dem Londoner Flughafen ausgenommen wurde wie die Weihnachtsgans Auguste, traue ich keiner noch so seriös wirkenden Wechselstube mehr. Damals rechnete die nette Dame mit einem gut dreißig Prozent schlechteren Wechselkurs.

Das freundliche Angebot des Concierge uns Geld zu tauschen, schlug ich also aus. Ich hatte mir fest vorgenommen, mit meiner Kreditkarte Geld abzuheben.

Zu meiner Freude barg der Eingangsbereich des Hotels noch einen Geldautomaten. Natürlich aus reinster Nächstenliebe … freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Euronet.

Der Spaß beginnt

Gutmütig schluckte der Automat meine Kreditkarte. Sprache? Deutsch – Was möchten Sie tun? Bargeldauszahlung – Welchen Betrag? 2600 Kronen – Zum Garantierten Wechselkurs oder Variabel? – Auf die Frage war ich nicht vorbereitet. Ich wollte zügig mein Geld und dachte mit der Wahl des Betrages hat sich das Ganze erledigt.

Gerade noch rechtzeitig schrillten in meinem Hinterkopf die Alarmglocken. Erst kürzlich hatte ich gelesen, dass bei direkter Umrechnung in die Landeswährung Mondpreise verlangt werden. Dabei ging es jedoch um das Zahlen mit Kreditkarte in einem Restaurant. Dass ich auch an einem Geldautomaten abgezockt werden sollte, konnte ich mir nicht vorstellen.

Trotzdem schaute ich noch einmal genau hin. Neben dem „Garantiert-Button“ waren noch klein 105,50 Euro ausgewiesen. Der Betrag sollte mir für 2600 Kronen in Rechnung gestellt werden. Das gab den Ausschlag.

Für die 2600 Kronen hatte ich keine 100 Euro eingeplant. Der Wechselkurs lag am Morgen noch bei 1:27. Nach kurzem Zögern entschied ich mich für das Risiko und wählte keinen garantierten Wechselkurs.

Sind Sie sich sicher?

Wer denkt, damit hatte es sich erledigt, irrt. Jetzt wurde es erst richtig dreist. Eine weitere Einstellung erschien. Oben stand in fetten Lettern: Sind sie sich sicher? Rechts unten erschien der bekannte „Garantiert-Button“, einladend mit leuchtendem Grün hinterlegt. Links unten befand sich in Alarm-Rot der „Variabel-Button“. Einziger Sinn war, mich von meiner Entscheidung abzubringen. In der Mehrzahl der Fälle dürfte das klappen. Auch ich war unsicher, doch ich blieb bei meiner Entscheidung und hielt es auch die nächsten Tage so bei.

Der Blick auf meine Kreditkartenabrechnung hat mir heute Recht gegeben. Meine Hausbank hat mir für die 2600 Kronen statt 105,50 Euro nur 97,10 Euro berechnet. Das sind acht Prozent Unterschied. Bei einem längeren Urlaub kann das richtig teuer werden.

Das i-Tüpfelchen der Show war übrigens die Schlusseinblendung. „Quittung“ war unten links rot hinterlegt und „keine Quittung“ erschien grün in der unteren rechten Ecke. Das ist in etwa so, als ob IKEA am Ausgang dafür werben würde, den Kassenbon zu entsorgen.

Fazit

Dreister geht es kaum. Die Menüführung der Geldautomaten ist darauf ausgerichtet, uns das Geld aus der Tasche zu ziehen. Hinter der direkten Umrechnung in die eigene Währung stecken miserable Wechselkurse und horrende Gebühren. Wer vorher von der Masche nichts gehört hat, tappt zwangsläufig in die Falle.

Beim Geld abheben im Ausland gilt:

Egal, wie schmackhaft dir der garantierte Wechselkurs gemacht wird, entscheide dich immer dagegen. Deine Hausbank wird den Betrag noch am selben Tag zum offiziellen Kurs umrechnen.

Einen ausführlichen Artikel zum Thema findest du auf Zeit-Online. Er hat den passenden Titel: Abzocke im Urlaub 

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Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

Bildquelle: © Marco2811 – fotolia

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Kommentare

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6 Kommentare

  1. Salva
    Reply Oktober 06, 12:29 #1 Salva

    Hey Christoph,

    ich bin schon sehr viel rum gereist und hab da schon einiges erlebt…. man muss wirklich aufpassen.

    Erst vor 2 Monaten war ich in Sansibar, wo ein Geldautomat meine Kreditkarte geschluckt hatte da er sich „aufgehängt“ hat. (Der lief noch auf Windows 98)

    Nachdem ich die Hotline angerufen hatte, wurde ich zum „Headquarter“ geschickt. Dort hab ich dann 4Stunden gewartet und konnte dann meine Karte zurück kaufen… (Servicegebühr)

    Kann ja mal passieren denkt man sich, oder? Naja, wir haben bestimmt 5 weitere Touristen getroffen die das selbe durchgemacht haben…. Zufall?

    Gruß
    Salva

  2. tomcah
    Reply September 17, 10:19 #2 tomcah

    sorry,aber das hätte dir als altem hasen nicht passieren dürfen…..ein geldautomat im hotel ist doch klar das hotel will auch noch was abhaben…..
    alle zocken ab,aber am besten immer zum automaten in der bank;-)
    habe neuerdings die fidor doppelkarte,alles in einer,mal schaun,was die so abzwacken.
    hg Tom

    • Finanzkoch
      Reply September 17, 10:34 Finanzkoch Author

      Hallo tomcah,

      mit meinen 26 Jahren zähle ich mich noch nicht zu den alten Hasen 🙂 und meine Reiseerfahrungen sind leider noch sehr beschränkt. Auch wenn ich daran arbeite, dass sich das ändert …

      Ich fand es einfach dreist, wie die Menüführung des Automaten aufgebaut war … wenn ich nicht kurz zuvor davon gelesen hätte, ich wäre vermutlich darauf reingefallen.

      Die Deutsche Bank arbeitet (zumindest in Polen) ebenfalls mit Euronet zusammen. Die Bank ist also genauso sicher, wie die Hotellobby. Da hilft nur: Augen auf im Geldverkehr …

      Herzliche Grüße
      Christoph

      • tomcash
        Reply September 18, 17:09 tomcash

        hi,ups wußte nicht,daß Du noch ein junger Hase bist ,und dann eigentlich auch noch ein Finanzküchenlehrling bist 😉
        sie wollen alle nur dein Bestes aber gibs ihnen bloß nicht !
        greets Tom

        • Finanzkoch
          Reply September 19, 20:01 Finanzkoch Author

          Hallo Tom,

          ich hatte nicht vor meine Freundin rauszurücken 🙂

          Spaß beiseite. Ich habe wieder etwas gelernt und werde es mir merken.

          Herzliche Grüße
          Christoph

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