Gegenrede: Ich investiere kurz und risikoreich

Ein Gastbeitrag von Amadeus Wissing, als Antwort auf „Ich investiere: Unspektakulär und Langweilig“.

22.06.2015
finanzen.net meldet:

„Hoffnung auf Einigung um Athen – EZB weitet offenbar Nothilfe für griechische Banken weiter aus – Konzern XY wird Ziel von Übernahme“

Auch bei meiner Anlage-Strategie beeinflussen mich diese Meldungen nicht – zumindest nicht inhaltlich. Wie sehr sich meine Strategie dennoch von der des Chefkochs unterscheidet, erfahren Sie hier.



Gegenrede: Ich investiere kurz und risikoreich


Ich orientiere mich bei meinen Anlageentscheidungen an der Markttechnik, etabliert hat sich dafür der Begriff „Daytrading“.

Diese Form der Anlage unterstellt, dass Aktienkurse grundsätzlich nicht von Fundamentaldaten abhängig sind. Das wirkt auf den ersten Blick absurd, wird jedoch einleuchtender, wenn man sich verdeutlicht, wie ein Kurs überhaupt entsteht, nämlich ausschließlich durch Ordervolumen und -zusätze (Literaturempfehlung: „Das große Buch der Markttechnik“ von Michael Voigt).

Auf Grundlage dessen stelle ich folgende Überlegungen auf:

Ich kann nicht wissen 1. WARUM ein Marktteilnehmer eine Aktie kauft oder verkauft und 2. wie ein Marktteilnehmer auf eine bestimmte Meldung reagiert. Die Schlussfolgerung daraus ist, dass ich nicht versuche, eine Nachricht inhaltlich zu interpretieren (positive Nachrichten führen nicht zwingend zu steigenden Kursen). Mich interessiert nur der bisherige Chartverlauf und dass durch die Nachricht „Bewegung“ im Markt entstehen könnte.

Wie sieht nun konkret meine Anlage-Strategie aus?

Ich suche in den Chartverläufen (meistens im DAX oder in Währungspaaren) nach bestimmten Mustern und suche anhand dessen nach kurz- und mittelfristigen Trends. Die Tatsache, dass sich bestimmte Chartmuster wiederholen, ist vor allem in der Limit- und Stoppsetzung der Marktteilnehmer begründet (Bitte bedenken Sie hierbei, dass institutionelle Investoren einen erheblich höheren Anteil am Markt- und Handelsvolumen haben).

Wenn ich einen Trend erkannt zu haben glaube, warte ich auf vorher definierte Einstiegspunkte und versuche, bis zum Trendbruch investiert zu bleiben. Da ich nicht langfristig investiert sein möchte – da sonst die Volatilität zu hoch wäre – wähle ich als Instrumente hoch riskante Derivate, die bereits bei geringen Kursveränderungen eine hohe Rentabilität erzielen. In der Regel halte ich diese Derivate zwischen einer Minute und 3 Tagen in meinem Depot, eben solange bis der Trendbruch erfolgt und ich ausgestoppt werde.

Was ist meine Motivation?

Daytrading ist sehr risikoreich und genauso schnell wie man sich ein Vermögen aufbaut, kann man es auch wieder komplett verlieren. Ich bin in der mehr als glücklichen Situation, einen sicheren Job zu haben. Daher ist mir die Aussicht, heute aus 5 000 € – 10 000 € zu erzielen, lieber als die Aussicht, in 20 Jahren 25 000 € statt 20 000 € zu haben. Das höhere Risiko nehme ich dabei in Kauf.

Fazit

Spannender als Daytrading kann Investieren nicht sein. Ich würde mich freuen, wenn ich bei dem einen oder anderen Leser zumindest ein Interesse geweckt habe, sich näher damit zu beschäftigen. Dennoch würde ich Daytrading niemals uneingeschränkt weiterempfehlen.

Daytrading erfordert viel Wissen und Erfahrung, sowohl auf fachlicher als auch auf psychologischer Ebene. Gerade in der vermeintlich niedrigen Einstiegshürde liegt die große Gefahr – glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede.

Ihr Gastautor
Amadeus Wissing


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Kommentare

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1 Kommentar

  1. Der Privatier
    Reply Juli 03, 09:24 #1 Der Privatier

    Hallo Amadeus,

    auch an Dich meinen herzlichen Dank, dass Du an der Blogparade „Meine Strategie für die Kapitalanlage“ teilgenommen hast. Inzwischen gibt es Zusammenfassung aller Beiträge:

    http://der-privatier.com/ergebnisse-der-blogparade-meine-strategie-fuer-die-kapital-anlage/
    die ich wirklich jedem empfehlen möchte. Unbedingt lesen!

    Gruß, Der Privatier

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