Der Garantiezins bleibt

Seit dieser Woche ist klar: Der Garantiezins bleibt. Die Branche hat ihr Baby erfolgreich verteidigt. Damit findet eine sinnlose Debatte ihr vorläufiges Ende.

Ein Kommentar.



Der Garantiezins bleibt


Der Garantiezins ist ein schlechter Witz

In den letzten Tagen und Wochen wurde viel über den Garantiezins diskutiert. Eine überflüssige Debatte, welche eines unserer liebsten Kinder betrifft. Die Kapitallebensversicherung. Millionenfach abgeschlossen. Millionenfach hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Denn die garantierte Verzinsung gibt es nur auf den Sparanteil der Versicherungsprämien. Wie hoch der ist? Das weiß niemand so genau.

Bevor Geld im Spartopf ankommt, gehen Verwaltungskosten und Kosten für die Risikoabsicherung ab. Was nicht weiter schlimm wäre, wenn die Kunden die Aufteilung ihrer Gelder nachvollziehen könnten. Aber im Umgang mit den Beiträgen sind die Lebensversicherer genauso transparent wie eine Betonmauer. So fließen jeden Monat Unsummen in eine Blackbox. Die Dummen sind am Ende die Kunden.

Wie dem auch sei:
Es ist amtlich. Der Garantiezins, der eigentlich Höchstrechnungszins heißt, bleibt unverändert bei 1,25 Prozent – vorerst. Der Marketinggag geht damit in die nächste Runde. Die Antwort auf die Frage, auf was es die 1,25 Prozent eigentlich gibt, werden die Versicherer weiterhin schuldig bleiben.

Gut zu wissen:
Der Höchstrechnungszins gibt an, wie hoch die Garantiezusagen der Versicherer maximal ausfallen dürfen. Niemand hätte die Versicherer bei einer Abschaffung des Höchstrechnungszins daran gehindert, weiterhin mit einem Garantiezins zu arbeiten. Warum also der Widerstand seitens der Versicherer?

 

Die eierlegende Wollmilchsau ist gescheitert

Die Kapitallebensversicherung ist ein grandioses Beispiel dafür, dass eierlegende Wollmilchsäue zum Scheitern verurteilt sind. Zwischenzeitlich wurden Kunden mit Zinsversprechen über 4 Prozent geködert. Heute drohen die Versicherer an diesem Versprechen zu ersticken.

Aus aufsichtsrechtlichen Gründen sind die Lebensversicherer dazu gezwungen, einen Großteil ihrer Kundengelder in „sicheren“ Staatsanleihen zu platzieren. Beim besten Willen sind in diesem Bereich keine 4 Prozent mehr zu verdienen. Auch die neuen Regelungen, die 2016 unter Solvency II in Kraft treten, werden die Lage nicht verbessern.

Noch haben die Versicherer einige hoch verzinste Anleihen aus „besseren“ Tagen in den Büchern. Doch die Zinszusatzreserve sorgt dafür, dass diese eher früher als später aus den Büchern verschwinden werden. Die Reserve zwingt die Versicherer dazu für ihre hohen Zinsversprechen Rückstellungen zu bilden, damit diese langfristig abgesichert sind. Diese Rückstellungen stemmen die Versicherer, indem sie die Kursgewinne ihrer alten gut verzinsten Anleihen realisieren. Das konterkariert den ursprünglichen Gedanken der Zinszusatzreserve für langfristige Stabilität zu sorgen. Bis 2020 werden etwa 100 Milliarden Euro in die Zinszusatzreserve fließen. Eine utopische Summe.

Zum Vergleich: Das Eigenkapital der gesamten Branche beträgt etwa 1/10tel davon.


Und die Moral von der Geschicht?

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Unternehmen die Zinszusatzreserve nicht mehr bedienen können. Klar, man wird eine Regelung finden, mit der sich die Versicherer retten können. Doch für mich sind das alles Taschenspielertricks. Frohen Mutes wird Geld von links nach rechts gebucht … Und am Ende werden vermutlich selbst die wertlosen Garantieversprechen gebrochen. Zur Erinnerung:

Kein Mensch weiß, auf was es die Garantie überhaupt gibt.

Am Ende steht für mich die Erkenntnis, dass es absolute Sicherheit bei der Geldanlage nicht gibt. Wer sie sucht, holt sich Gewissheit ins Haus. Die Gewissheit am Ende sein Sparziel zu verfehlen. Für viele ist das Sparziel die Existenzsicherung im Alter.

Damit sprechen wir von der Sicherheit im Alter auf finanzielle Hilfen angewiesen zu sein. Eine Sicherheit auf die ich gerne verzichte.

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Passend dazu: Garantien in der Altersvorsorge können sechsstelligen Eurobetrag kosten

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

Bildquelle: © Masson – fotolia

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Kommentare

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4 Kommentare

  1. Michael
    Reply Dezember 22, 18:59 #1 Michael

    Hallo lieber Finanzkoch,

    also eine Garantie auszugeben ist ja schon eine sehr riskante Sache. Genau weil die Lebensversicherer in sichere Anlagen investieren müssen, also z.B. Deutsche Staatsanleihen, empfinde ich die Wortwahl „Garantie“ falsch. Wer kann sich den noch daran erinnern, dass Deutschland in den letzten 200 Jahren öfter Pleite gegangen ist als Griechenland?!

    Jetzt sollte man den Teufel nicht an die Wand malen, aber das Wissen dazu ist, glaube ich, schon wichtig. Da schließe ich mich Dr. Nawatzki an und nehme mein finanzielles Schicksal selber in die Hand ;-).

    Leider hast du auch mit dem Auto und Co. recht. Sobald sich Vermögen bildet, haben so manche Leute das ganz dringende Bedürfnis sich ein neues Auto zu kaufen… naja, das einzige was unbegrenzt ist, ist das Bedürfnis des Menschen.

    Beste Grüße,
    Michael

    • Finanzkoch
      Reply Dezember 23, 05:38 Finanzkoch Author

      Hallo Michael,

      schöner Satz:
      „Das einzige was unbegrenzt ist, ist das Bedürfnis des Menschen.“

      Wobei ich mir auch gern etwas leiste. Aber manchmal ist ein wenig Schutz vor sich selbst (beispielsweise in Form einer unflexiblen Rentenversicherung) nicht schlecht.

      Herzliche Grüße
      Christoph

  2. Dr. Jürgen Nawatzki
    Reply Dezember 21, 09:59 #2 Dr. Jürgen Nawatzki

    Hallo Christoph,

    ich bin auch der Meinung, dass die klassische Kapital-Lebensversicherung praktisch tot ist. Ein geringer Garantie-Zins und hohe Abschluss- und Verwaltungskosten machen dieses Produkt völlig uninteressant. Hinzu kommt die mangelnde Flexibilität von Versicherungsprodukten als Sparform.

    Im Vergleich dazu ist ein ETF-Sparplan sehr flexibel, kostengünstig und transparent. Wer einen hohen Anteil an Aktien-ETFs in sein Portfolio packt, wird zudem aller Wahrscheinlichkeit nach eine wesentlich höhere Rendite als 1,25 Prozent erhalten – und zwar auf seinen gesamten Sparbeitrag. Risikoprämien in Form von Todesfallschutz gibt es hier nicht un die Verwaltungsgebühren sind im Vergleich zu Lebensversicherungen verschwindend gering.

    Es gibt also echte Alternativen zum ehemaligen Lieblingsprodukt der Deutschen für die Altersvorsorge!

    Viele Grüße

    Jürgen

    • Finanzkoch
      Reply Dezember 21, 11:12 Finanzkoch Author

      Hallo Jürgen,

      wobei die mangelnde Flexibilität kein Nachteil sein muss. Der ETF-Sparplan läuft immer mal wieder Gefahr, einem Auto oder anderen Dingen zum Opfer zu fallen 🙂
      Versicherungsmantel mit Steuervorteil und ETF-Sparplan müssen sich nicht ausschließen. Das ist aber Geschmackssache.

      Liebe Grüße
      Christoph

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