ETFs sind nur das Werkzeug

Der Handwerker hat seine Hämmer, der Koch seine Messer und der Anleger seine ETFs. Nun ist ein Koch mit einem guten Messer nicht gleich ein guter Koch. Genauso wenig ist ein Anleger, der die besten ETFs einsetzt gleich ein erfolgreicher Börsianer. Die Frage ist, wie wird ein Werkzeug eingesetzt und welchen Zweck soll es erfüllen? Bevor das nicht geklärt ist, erübrigen sich alle weiteren Überlegungen.

Lieber lasse ich mich von einem guten Koch mit stumpfen Messer bekochen, als von einem schlechten Koch mit scharfen Messer. Der gute Koch weiß genau, was zu tun ist, um ein schmackhaftes Menü zu zaubern.

Genauso stellt sich die Situation für den Anleger dar. Die Wahl des richtigen Werkzeugs steht ganz am Ende der Überlegungen.



ETFs sind nur das Werkzeug


Was will ich erreichen?

Wir haben gelernt in Produkten zu denken. Wenn wir etwas sehen, dass uns gefällt, kaufen wir es.

Das neueste iPhone? Gekauft! Fingerabdrucksensor wollte ich schon immer haben …
Die leckeren Überraschungsei-Weihnachtsmänner vorne an der Supermarktkasse? Gekauft! Das ich noch vor 10 Sekunden gar keinen Bock auf Schokolade hatte? Egal …
Der neueste ETF mit nur 0,001 Prozent Verwaltungskosten? Gekauft! Schließlich kann ich mit ETFs nichts verkehrt machen …

Bei solchen Entscheidungen verlieren wir immer wieder den Blick für das Wesentliche. Vielleicht erfüllt ein Smartphone, das weit weniger als das iPhone kostet, denselben Zweck? Vielleicht aber auch nicht. Wenn das Smartphone Ausdruck eines gewissen Status sein soll, dann ist Apple die richtige Wahl. Daher ist es sinnvoll, sich über Sinn und Nutzen einer Anschaffung Gedanken zu machen. Im Zentrum steht die Frage:

Was will ich erreichen und wie kann mir ein konkretes Produkt dabei helfen?

Das gilt auch und vor allem im Bereich der Geldanlage.

 

Stolpersteine

Die finanziellen Herausforderungen vor denen wir heute stehen, sind enorm. Die paritätische Rentenfinanzierung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist längst Geschichte und die Absenkung des Rentenniveaus beschlossene Sache.

Gleichzeitig haben wir im Schnitt weniger Kinder. Das bedeutet, dass im Alter kaum Familienmitglieder da sind, die uns helfen können.
Andersherum müssen unsere Kinder eine größere Last stemmen, wenn sie sich um uns kümmern. Ob sie wollen oder nicht, stehen sie dafür mit ihrem Vermögen ein. Geregelt ist das in §1601 BGB.

Verwandte in gerader Linie sind verpflichtet, einander Unterhalt zu gewähren.

Auch die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung werden regelmäßig zusammengestrichen. Damit bleibt jedem Einzelnen nichts anderes übrig, als sich mittel- und langfristig auf weniger Sozialstaat einzustellen. Dabei können sich ganz individuell verschiedene Fragen stellen. Zum Beispiel:

  • Wie kann ich meine Kinder schützen?
  • Was passiert, wenn ich meiner Arbeit nicht mehr nachgehen kann?
  • Lieber heute gut Leben als morgen?
  • Wann möchte ich in Rente gehen?
  • Möchte ich Wohneigentum?
  • Wie wichtig ist mir das Reisen?
  • Wo soll es beruflich hingehen?

Dabei ist klar, dass nicht das ganze Leben vorausgeplant werden kann. Aber einige dieser Fragen zu klären und Ziele zu definieren, ist durchaus sinnvoll …

Was nützt es mir heute in den besten ETF auf den MSCI World zu investieren, wenn ich in 4 Jahren ein Haus kaufen möchte? Falls es dumm läuft, sind die Aktienmärkte just in dem Moment im Keller, in dem ich das Geld brauche.

Was bringt es mir jeden Monat ein paar Euro vom Mund abzusparen und zu investieren, wenn ich später eh nur Grundsicherung bekomme? Dann lohnt sich weder Riester noch ein Aktien-ETF.

Das beste Werkzeug verfehlt seine Wirkung, wenn es in der falschen Situation zum Einsatz kommt.


Kochmesser oder Schälmesser?

Wenn ein Koch weiß, welches Gericht er zaubern möchte, überlegt er sich, welche Hilfsmittel er braucht. Muss er Kartoffeln schälen oder Fleisch schneiden? Je nachdem wird ein kleines Schälmesser oder ein großes Kochmesser zum Einsatz kommen.
Ähnliche Überlegungen stellen sich für Anleger, wenn das Anlageziel klar ist. Jetzt heißt es Risikoneigung abschätzen, Anlagehorizont definieren und Anlagestrategie festlegen. Der Zeitpunkt für konkrete Produktfragen ist erreicht. Zum Beispiel:

  • Brauche ich einen Anleihe-ETF,
  • einen Aktien-ETF
  • oder beides?
  • Möchte ich in Rohstoffe investieren?
  • In welche Regionen möchte ich investieren?

Wer diesen Schritt zu früh geht, riskiert mehr Probleme zu erzeugen, als zu lösen.

 

Fazit

Ein ETF ist ein interessantes Werkzeug, um eine gefundene Lösung umzusetzen. Nicht mehr und nicht weniger.
Viel entscheidender als die Wahl des Werkzeuges ist es, im Vorfeld die richtigen Fragen zu stellen und zu beantworten. Ein guter Koch besorgt sich seine Zutaten auch erst, wenn er weiß, was er kochen möchte.

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

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Wenn du mehr über ETFs erfahren möchtest, schau hin und wieder hier in der Finanzküche vorbei. Sie sind in nächster Zeit das Schwerpunktthema.

Bildquelle: © lukasok – fotolia

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