So findest du den perfekten Einstiegszeitpunkt in den Aktienmarkt

Aktienmärkte steigen und Aktienmärkte fallen. Im Idealfall investierst du, wenn die Märkte am Boden liegen und nimmst den darauffolgenden Aufschwung mit. Ist der Zenit erreicht, verkaufst du. Ganz einfach …



So findest du den perfekten Einstiegszeitpunkt in den Aktienmarkt


Dabei gibt es ein Problem:

Market-Timing funktioniert nicht, da ist sich die Finanzmarktforschung einig. Bedeutet:

Wir können nicht in die Zukunft schauen. Ob Aktienmärkte morgen steigen oder fallen, wissen wir nicht.

Was wir wissen, ist, dass Aktienmärkte sich langfristig positiv entwickeln. Sie unterliegen einem positiven Drift. So haben US-Aktien von 1928 bis 2015 im Schnitt 3,1 Basispunkte pro Handelstag zugelegt (entspricht 0,031 Prozent).

 

Der richtige Zeitpunkt

Die beiden Feststellungen:

  • Wir können nicht in die Zukunft schauen
  • Die Aktienmärkte unterliegen einem positiven Drift

bilden die Grundlage dafür, den richtigen Einstiegszeitpunkt zu finden. Legen wir nur diese beiden Annahmen zugrunde, ist der perfekte Investitionszeitpunkt: Heute.

Je eher du investierst, desto länger ist dein Kapital dem positiven Trend der Aktienmärkte ausgesetzt.

Das mag unbefriedigend sein … schließlich kann es passieren, dass du heute investierst und morgen 10 Prozent minus einfährst. Die typische Reaktion ist:

So ein Mist. Hätte ich einen Tag gewartet! (oder eine Woche, einen Monat …)

Solche Gefühle sind verständlich, führen aber in die Irre. Wenn wir Anlageentscheidungen treffen, treffen wir sie unter Risiko. Noch besser ausgedrückt: Wir treffen sie unter Ungewissheit. Wäre es anders, gäbe es keine Renditen. Deine Entscheidung wird nicht falsch, nur weil sich das Risiko zu einem für dich ungünstigen Zeitpunkt materialisiert hat. Ebenso wenig solltest du dich als cleveren Strategen feiern lassen, wenn du investierst und Tag darauf dein Depot durch die Decke geht. Hier spielt Fortuna ihre Streiche.

 

Kontrollverlust

Als Baby registrieren wir, dass unsere Mutter uns stillt, wenn wir schreien. In der Schule merken wir, dass wir bessere Noten schreiben, wenn wir lernen. Im Beruf verdienen wir mehr, wenn wir uns anstrengen. Überall in unserem Leben üben wir Kontrolle aus.

Dieses Verhalten projizieren wir auch auf unsere Anlageentscheidungen. Wir greifen nach jedem Strohhalm, der uns Kontrolle über unsere Geldanlage verspricht. Wir unterliegen der Kontrollillusion. Das nutzt die Finanzbranche seit Jahrzehnten erfolgreich aus und verkauft eine Investmentstory nach der anderen. Die Folge ist ein teures Hin und Her der Anleger …

Doch die Kapitalmärte lassen sich von uns nicht kontrollieren. Investieren wir, setzen wir uns ihrer Willkür aus. Das gilt es zu akzeptieren und dafür werden wir auch langfristig mit Rendite entlohnt.

 

Eine zusätzliche Entscheidungshilfe gibt es dann doch …

Bisher können wir festhalten:

Der richtige Einstiegszeitpunkt ist heute.

Was ist aber, wenn ich eine größere Summe investieren möchte? Ist es vielleicht sinnvoller, nach und nach einzusteigen?

Hier landen wir beim Cost-Average-Effekt. Für die Einmalanlage gilt:

  • Sie hat die höchste Renditeerwartung
  • Sie landet im Schnitt weniger häufig im Minus
  • Landet die Einmalanlage im Minus, ist das Minus im Schnitt größer
  • Insgesamt steigt die Volatilität

Teilen wir die Summe in mehrere Tranchen auf und investieren sie über einen längeren Zeitraum, gilt:

  • Wir haben eine geringere Renditeerwartung
  • Wir landen häufiger im Minus als bei der Einmalanlage
  • Das Minus ist dafür im Schnitt weniger groß
  • Insgesamt sinkt die Volatilität

 

Resümee

Die Zukunft lässt sich nicht vorhersagen. Grundsätzlich gilt:

Je eher wir mit dem Investieren beginnen, desto länger können wir vom positiven Drift der Aktienmärkte profitieren.

Möchtest du eine größere Summe anlegen, kann eine Einmalanlage ebenso sinnvoll sein wie eine Anlage in mehreren Tranchen. Das hängt von deinen persönlichen Vorlieben ab.

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Dein Finanzkoch
Christoph Geiler

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Kommentare

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12 Kommentare

  1. Meine Finanzielle Freiheit
    Reply November 30, 14:35 #1 Meine Finanzielle Freiheit

    Hallo Christoph,

    Da hast Du es kurz und knapp auf den Punkt gebracht. Ich finde es auch vermessen, dass der richtige Einstiegszeitpunkt durch Chart-Technik, Fudamentalanalyse udgl. vorhergesagt werden soll. Da es keine verlässliche Information über die tatsächliche Über-/Unterbewertung des Markets gibt und wann diese korrigiert werden soll, ist in der Tat HEUTE der richtige Einstiegszeitpunkt.

    Die Aussage zum Cost Averaging ist mE damit völlig konsistent, denn auch beim regelmäßigen Investment weiß man nicht, wann denn monatlich/quartärlich der richtige Einstiegszeitpunkt ist. Siehe dazu auch folgenden Artikel: https://meinefinanziellefreiheit.com/2016/11/17/investieren-mit-dem-durchschnitt-der-cost-average-effekt/

    Viele Grüße,
    FF

  2. Alexander Schmitt
    Reply November 26, 17:39 #2 Alexander Schmitt

    Hallo Christoph,

    stimmt genau. Zu den Wahrscheinlichkeiten für den Dow, Zeitreihe über 100 Jahre, gewinnt die Einmalanlage in ungefähr 2/3 der Fälle gegenüber dem Sparplan, den Knackpunkt macht der Zins der Alternativanlage. Variationen beim Sparplan, bspw. verdoppelt bei Kursrückgang um x% hilft nichts.

    In beiden Fällen aber gilt, was ist der Anlagehorizont, soll wieder entspart werden und vor allem, wie viel Verlust kann dazwischen getragen/ausgehalten werden. Ich finde der wirklich große Vorteil an Sparplänen ist der Gewöhnungseffekt an Kursschwankungen, denn bei 100.000 € in Aktien mal an einem Tag 2.000 € oder mehr zu verlieren ist nicht schön und 10.000 € hinten zu liegen auch nicht.

    Grüße, Alex

    • Finanzkoch
      Reply November 27, 11:26 Finanzkoch Author

      Hallo Alex,

      danke für deine Ergänzung. Stimmt, psychologisch kann der Gewöhungseffekt sehr wertvoll sein. Lieber langsam rantasten, als die eigene Risikobereitschaft zu überschätzen.

      Liebe Grüße aus Leipzig
      Christoph

  3. Bankenmärchen.de
    Reply November 21, 15:30 #3 Bankenmärchen.de

    Der Artikel enthält eine super klare Botschaft. Wenn nicht heute, wann dann? Insbesondere junge Menschen müssen (!) heute, hier und jetzt mit dem Sparen und investieren anfangen. Die Zeit und der Zinseszins sind ihre größten Verbündeten. Und dabei sollte der Fokus auf einer ganz klaren und einfachen Strategie beruhen. Zwei/Drei ETFs reichen, um die ganze Welt abzudecken. Konsequent bespart, kann man sich so über die Zeit ein Vermögen aufbauen.

  4. Vermögensanleger
    Reply November 17, 20:36 #4 Vermögensanleger

    Hi Christoph,

    besten Dank für deinen Artikel.

    Du magst nicht Unrecht haben mit deiner Entscheidung, die schwierigste Frage bei der Geldanlage vereinfacht darzustellen. Ich denke, man kann sagen, je länger ich Zeit habe (Anlagehorizont) desto unwichtiger ist es den richtigen Einstiegszeitpunkt zu finden. Deswegen sehe ich das Problem ganz entspannt.

    Ich bin grundsätzlich langfristig orientiert, versuche trotzdem einen guten Zeitpunkt zu finden, muss mich aber nicht ärgern, wenn ich ihn nicht erwische.

    Bei der Entscheidung für den richtigen Zeitpunkt, versuche ich niedrige Kaufkurse zu erwischen, die in der Vergangenheit selten erreicht wurden. So entsteht eine statistisch höhere Wahrscheinlichkeit, dass die Kurse steigen. Wenn ich dauerhaft mehr Chancen als Risiko habe, dann werde ich bei mehr Investitionen einen guten Einstieg finden, als einen schlechten.

    Es gibt viele gute Ansätze. Man sollte sich nur für einen enrscheiden und diesem auch treu bleiben. Klar muss uns allen nur sein, dass man den perfekten Einstiegszeitpunkt nicht erwischen wird.

    Schöne Grüße
    Marco

    • Finanzkoch
      Reply November 19, 10:37 Finanzkoch Author

      Hallo Marco,

      man kann natürlich versuchen, einen „guten“ Einstiegspunkt zu finden – aber oft wird es bei einem Versuch bleiben. Ob Mehrwert generiert werden kann, wenn man schaut, wie sich die Märkte gerade entwickeln und danach seine Einstiegspunkte wählt, bezweifle ich. Dafür gibt es in der Forschung keinerlei Belege. Daher glaube ich nicht, dass ich den Sachverhalt vereinfacht dargestellt habe. Ich bin überzeugt, dass man mehr nicht wissen muss und trotzdem alles richtig macht. Ich investiere Geld, wenn es da ist und die Sache hat sich für mich erledigt.

      Liebe Grüße aus Leipzig
      Christoph

  5. Boris
    Reply November 17, 19:47 #5 Boris

    Das ist mal wieder so ein einfach verständlicher Text, der in einen schönen Goldrahmen eingefügt und jedem beharrlichen deutschen Sparbuchsparer über’s Bett gehängt gehört. Vielleicht lernen sie es ja so…

    • Finanzkoch
      Reply November 19, 10:26 Finanzkoch Author

      Hallo Boris,

      ein seltsamer Gedanke, dass sich jemand einen Artikel von mir im Goldrahmen übers Bett hängt … aber wenn es hilft 🙂

      Herzliche Grüße aus Leipzig
      Christoph

  6. Joerg
    Reply November 17, 09:35 #6 Joerg

    Fuer die meisten Leser ist das voellig OK und ein guter Plan.
    Allerdings, ist es nicht eine Vereinfachung? und gilt hier nicht ein bisschen: Auf „komplexe Fragen gibt’s keine einfachen Antworten“?
    Fuer mich persoenlich war es bisher ein guter Weg, bei Rueckschlaegen (gemessen vom Top in %) oder auch mit Bollinger-Baendern, Abstaenden von gleitenden Durchschnitten oder weiteren Indikatoren (Sentiment) Ueber- und Untertreibungsphasen mit weniger oder mehr Investitionen zu begegnen (nicht all meine Liqui wird sofort investiert).
    In einem Markt, der nur stetig steigen wuerde, waere es immer am besten gleich zu investieren.
    In einem Markt der stark schwankt, vielleicht nicht?
    Persoenliche Vorraussetzungen das zu nutzen sind eine starke Konditionierung („Kaufen wenn die Kanonen Donnern“, die technische Umsetzung (schnell handeln, Limits einrichten, uebergangsweise Lombardkredit nutzen? etc) und eine gewisse Informiertheit (Verfolgen der Maerkte, wann ist eher uebertrieben, wann eher untertrieben?) und gewachsene Erfahrung. Zumindest ein hobby-maessiges Interesse.
    Ob / wieviel dabei herausspringt ist von vielem abhaengig. Wenn man zB im Mrz 2003 oder Mrz 2009 eine Erbschaft anlegen konnte, ist man uneinholbar vorne … Wenn man bei langfristig angespartem Vermoegen 3-5% der Summe in ein 10-20% Schnaeppchen investiert, macht es den Kohl nicht fett … Pflegt hoechstens das Ego 🙂
    Das Risiko etwas falsch zu machen ist fuer die meisten Anleger vermutlich groesser, als wie ein Krokodil ewig zu warten, bis sich endlich ein Fisch zwischen die Kiefer verirrt und dann zuzuschnappen?
    Also verhungert nicht bis dahin 🙂 und spart monatlich.

    • Finanzkoch
      Reply November 19, 10:42 Finanzkoch Author

      Hallo Joerg,

      das Problem dabei:

      Woher weißt du, dass die Kurse noch einmal niedriger sein werden als heute? Und wenn du dir sicher bist, dass irgendwann die Kanonen donnern, müsstest du dann nicht aus dem Markt aussteigen und darauf warten?

      Für mich sind hier so viele unlösbare Fragen, die Kaffeesatzleserei erfordern, dass ich nicht glaube, dass der Artikel eine Vereinfachung ist – er beinhaltet einfach alles was man meiner Meinung nach wissen muss.

      Liebe Grüße aus Leipzig
      Christoph

  7. Dummerchen
    Reply November 16, 23:05 #7 Dummerchen

    Kurz, knapp und auf den Punkt gebracht. Sehr guter Artikel.

    Liebe Grüße
    Dummerchen

    • Finanzkoch
      Reply November 19, 10:29 Finanzkoch Author

      Hallo Dummerchen,

      danke für dein Lob 🙂 Heute hat man als Blogger ja schon fast ein schlechtes Gewissen, wenn man weniger als 1000 Wörter pro Artikel veröffentlicht …

      Liebe Grüße aus Leipzig
      Christoph

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