Ein Volk voller Schafe? – Bildungssystem kritisch gedacht

Diesmal finde ich mich etwas abseits der Finanzbranche wieder und möchte mich mit unserem Bildungssystem auseinandersetzen.

In den vielen Jahren, die ich unser Bildungssystem nun schon durchlaufe, gab es immer einen Grundtenor:

„Wenn du gut in der Schule bist, kannst du studieren. Wenn du das Studium erfolgreich abschließt, bekommst du einen guten (gut bezahlten) Job und hast dann im Alter ein sorgenfreies Leben.“



Ein Volk voller Schafe? – Bildungssystem kritisch gedacht


Das deckt sich dann auch mit dem Wunsch nach Sicherheit, den viele Eltern für ihre Kinder hegen. Unser gesamtes Bildungssystem ist darauf ausgerichtet, aus uns perfekt funktionierende Arbeiterbienen zu machen. Der perfekte Lebenslauf sieht dann auch wie folgt aus:

  • Abitur mit 18
  • Ein Jahr Ausland
  • Spätestens mit 25 das Studium beendet
  • Danach Beginn der Tätigkeit für einen großen Konzern
  • Aufstieg der Karriereleiter
  • Anfang 30 das erste und letzte Kind
  • Mit 67 Ruhestand

Für freie Entfaltung ist kaum noch Platz in unserer Gesellschaft.
Wer ein Studium absolviert, weil es ihm Spaß macht und nicht weil er sich damit für einen Job bewerben will, wird schief angeschaut. Wer ein Unternehmen gründet und gegen die Wand fährt, wird belächelt. So wundert es mich nicht, dass die meisten meiner Kommilitonen nach ihrem Studium vor allem einen gut bezahlten Job möchten, welcher am besten noch für die nächsten 40 Jahre Sicherheit garantiert.
Sich auszuprobieren und eigene Wege zu gehen, steht äußerst selten auf der Agenda. Wir sind halt einfach die Summe unserer Erfahrungen.

An dem Wunsch nach Sicherheit ist doch aber nichts auszusetzen, oder?

Ich sage doch. Wenn er massenhaft verbreitet ist, ist er hochgradig gefährlich. Wer soll denn die gewünschte Sicherheit schaffen, wenn niemand mehr etwas riskiert? Jede Schafsherde braucht schließlich einen Hirten, der ihr den Weg zeigt.
Wenn niemand mehr bereit ist, ein unternehmerisches Risiko einzugehen, wird es in Zukunft auch keine sicheren Jobs mehr geben. In einer so schnelllebigen und sich ständig verändernden Weltwirtschaft werden wir nicht konkurrenzfähig bleiben. Am Ende folgt aus dem Wunsch nach Sicherheit das genaue Gegenteil und von Deutschland als Wirtschaftsmotor Europas, wird man nur noch in Geschichtsbüchern schreiben.

Ich hoffe, dass man in Zukunft wieder dazu übergeht, junge Menschen zum selbständigen Denken zu ermuntern. Es muss wieder selbstverständlich werden, Pfade abseits jeder Norm zu beschreiten.
Räumen Sie sich selbst und Ihren Kindern Raum zum Scheitern ein.

Ihr Finanzkoch
Christoph Geiler

Fotoquelle: ©jodie777 – Fotolia.com

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Kommentare

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3 Kommentare

  1. Homo fenerari
    Reply Juni 17, 12:41 #1 Homo fenerari

    Dazu gab es mal ein Sprichwort:

    „Wer für etwas mehr Sicherheit einen Teil seiner Freihei opfert,
    endet immer in Unfreiheit,
    und somit in der größten Unsicherheit die es gibt“

    …oder so änlich 🙂

    • Homo fenerari
      Reply Juni 17, 12:44 Homo fenerari

      „Wer die Sicherheit der Freiheit vorzieht, wird immer in der Unfreiheit landen – und damit in der schlimmsten Unsicherheit, die dem Menschen widerfahren kann.“ — Roland Baader

      • Finanzkoch
        Reply Juni 18, 15:27 Finanzkoch Author

        Das bringt es auf den Punkt.

        Viele Grüße
        Finanzkoch

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