Wie ich die IHK-Prüfung zur Versicherungsfachfrau geschafft habe: Ein Rezept

„Sie schauen so skeptisch?! …Sie haben bestanden!“
Ein Stein fiel mir vom Herzen. Meine erste mündliche Prüfung seit vielen Jahren! Noch etwas benommen nahm ich das vorläufige „Zeugnis“ entgegen und verließ nach einem kurzen und weitaus angenehmeren Gespräch mit den Prüfern den Seminarraum und das Gebäude der IHK.

Vor einem Jahr beschloss ich, Finanzberaterin zu werden. Mir war klar, dass ich mit diesem Berufswechsel nicht nur viel praktische Erfahrungen benötigte, sondern auch theoretisches Wissen und formelle Qualifikationen.

Eine dieser Qualifikationen ist die der Versicherungsfachfrau. Und dafür musste ich eine >Sachkundeprüfung bei der IHK bestehen. Was ich für die Vorbereitung gebraucht habe, welche Materialien und Kosten alles erforderte und was als nächstes kommt – darüber berichte ich im folgenden Artikel.

Eine Frau lernt vor ihrem Laptop für die IHK-Prüfung zur Versicherungsfachfrau und beißt auf ihren Stift

Was macht man als Versicherungsfachfrau?

Als Versicherungsfachfrau hat man verschiedene Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Ich selbst möchte im Rahmen der Finanzplanung Versicherungsberatung durchführen können. Wer sich für die Versicherungsberatung entscheidet, wird ausschließlich durch die Beratungsdienstleistung vergütet, die die Kunden direkt bezahlen.

Daneben gibt es die Möglichkeit als >Versicherungsvertreter oder -makler tätig zu sein. Versicherungsvertreter arbeiten meist für ein Versicherungsunternehmen und werden auch von diesen für die Vermittlung von Versicherungen vergütet.

Versicherungsmakler arbeiten im Auftrag der Kunden. Die Vergütung erfolgt über Provisionen von den jeweiligen Versicherungsunternehmen. Einige Versicherungsmakler arbeiten daneben bereits auf Honorarbasis, das heißt, die Kunden sehen sofort wie viel sie für die Dienstleistung zahlen.

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es?

Der bisher übliche Weg, um sich als Versicherungsfachfrau zu qualifizieren, läuft über die IHK-Sachkundeprüfung. Durch das Absolvieren einer mehrstündigen schriftlichen und einer anschließenden mündlichen Prüfung erhält man die Erlaubnis, sich als Versicherungsfachfrau registrieren und arbeiten zu können.

Die Vorbereitung auf die Prüfungen kann individuell gestaltet werden. Es gibt keine fest vorgeschriebenen Pflichtveranstaltungen. Ein Teil der Auszubildenden sucht sich einen Online- oder Präsenzkurs, ein anderer Teil arbeitet mit schriftlichen Vorbereitungskursen, die man als Skripte kaufen kann. Ich selbst habe mich für letztere Variante entschieden, da ich es flexibler in meinen Alltag integrieren konnte. Dazu später mehr.

Die Sachkundeprüfung zur Versicherungsfachfrau ist daneben auch Teil des Ausbildungsberufs „Kauffrau für Versicherung und Finanzen“. Dabei handelt es sich um eine klassische duale Ausbildung, bei der auch Kenntnisse über betriebliches Rechnungswesen, Kommunikation und Wirtschaftslehre vermittelt werden. Während der Ausbildung spezialisiert man sich auf einen der beiden Bereiche und erhält nach insgesamt 3 Jahren den Abschluss.

Wie viel kostet die Qualifikation?

Die Kosten teilen sich auf Vorbereitung und Prüfung auf.
Für die Vorbereitung variiert die Höhe der Kosten je nach Weiterbildungsformat. Grundsätzlich empfehle ich die Anschaffung des Proximusbedingungswerk. Der Bildungsverband bietet das Buch für 14 Euro an (Ebook 9,50 Euro). Es handelt sich dabei um die Versicherungsbedingungen eine fiktiven Versicherungsunternehmens, die den Grundbaustein der Vorbereitung bilden.

Für den Schriftlichen Vorbereitungskurs haben wir inklusive Übungsaufgaben 397 Euro ausgegeben. Wie ich mit den Skripten der >Wiprax GmbH gearbeitet habe, erkläre ich weiter unten.
Online- und Präsenzseminare kosten im Schnitt 1.500 Euro. Das >Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft BWV e.V. bietet hier deutschlandweit Seminare an.
Daneben gibt es zahlreiche weitere Anbieter.

Auch bei der Prüfungsanmeldung muss man mit Kosten rechnen. Für die schriftliche und die mündliche sind dies insgesamt 345 Euro (Stand 2022). Dies beinhaltet eine Wiederholungsprüfung.
Wer diese Weiterbildung im Rahmen des aktuellen Jobs durchführt, hat gute Chancen, dass der Arbeitgeber die Kosten übernimmt.

Am Anfang steht die Motivation

Nachdem ich alle Formalitäten geklärt hatte und die Skripte in Händen hielt, ging es nun an die Vorbereitung der Lernphase. Durch die Erfahrungen, die ich bisher mit Prüfungen gemacht habe (und das waren nicht wenig), habe ich für mich eine Strategie entwickelt, die mit der Motivation beginnt.

Viele Jahre wusste ich nie wirklich, was ich wollte. Ich hangelte mich von einem befristeten Job zum nächsten und war ständig damit beschäftigt, Bewerbungen zu schreiben. In Bewerbungsschreiben geht es nicht nur darum, warum man besonders geeignet für eine Stelle ist, sondern auch, warum man diese Stelle überhaupt ausfüllen will. Doch mit jedem Schreiben war das für mich immer weniger deutlich. Ich wusste, dass es Zeit war, mir externe Hilfe zu suchen.

Ein Jobcoaching kann ich jeder empfehlen, die mit ihrer beruflichen Situation unzufrieden ist. Die Coachin, die ich fand, war mir auf Anhieb sympathisch und wir arbeiteten sehr intensiv an dem, was ich habe und dem, was ich wollte. Dabei ging es nicht nur um meine Stärken; mir wurde auch klar, wie ich arbeiten wollte und welche Rolle ich einnehmen möchte.

Nachdem ich die Werkzeuge hatte, mit denen ich mich aktiver auf die Suche nach einem erfüllenden Job machen konnte, stand die Frage nach dem Berufsfeld im Raum.

Im Laufe meines ersten Studiums hatte ich bereits angefangen, mich aus Interesse mit wirtschaftlichen Themen auseinanderzusetzen. Zwei Jahre nach meinem Abschluss begann ich ein Fernstudium für einen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften – ohne konkretes Ziel, eher aus Freude am Lernen. Der Schritt in die Finanzbranche war nicht weit. Und als ich schließlich die Finanzküche fand und Christoph mir die Chance bot, mich beruflich und persönlich weiter zu entwickeln, stand nicht nur das Ziel fest, auch der Weg dahin wurde klarer.

Zu wissen, was man will, bildet einen Teil der Motivation. Der andere ist, zu wissen, warum man es will.

Und dieser Teil hat mit der Finanzkrise 2008 zu tun. Als Studentin bekam ich mit, wie die Krise sich ausweitete und auf die Realwirtschaft übersprang. Die Auswirkungen waren allgegenwärtig und ich verstand nur langsam, was passiert war. Ich wollte aber nicht nur verstehen, ich wollte auch etwas ändern. Die Finanzbranche muss nachhaltiger werden und es hat sich bereits einiges getan – aber noch nicht genug.

Und das treibt mich an. Ich möchte anderen helfen, zu verstehen und sie dabei unterstützen, informierte Entscheidungen zu treffen, um auf lange Sicht gut leben zu können.

Ein Schritt dahin ist die Qualifizierung zur Versicherungsfachfrau. Und dafür brauche ich die IHK-Prüfung zur Fachfrau für Versicherungsvermittlung.

Die >Motivation für die Prüfung war klar. Doch sie allein brachte mich nicht durch die Lernphase und ich konnte mich auch nicht darauf verlassen, stets motiviert zu sein. Zwei Dinge, die daher für mich besonders wichtig sind, sind ein gutes Zeitmanagement und ein passender Lernplan.

Auswendiglernen ist nicht mein Ding

So viel steht fest. Die Zeiten, in denen ich mir einen Berg an Fakten in kürzester Zeit aneignen konnte, sind lang vorbei. Viel habe ich mir im Nachhinein nicht gemerkt.

Jeder Mensch hat einen eigenen Lernstil, der von Vorlieben, Denkfähigkeiten und Lernsituationen beeinflusst wird. Ich bevorzuge zum Beispiel, mich erst allein mit dem Stoff grob vertraut zu machen. Andere hören lieber einen Vortrag dazu oder erschließen sich gemeinsam in einer Gruppe das Thema.

Schritt eins war, die Skripte für die Qualifikation als Versicherungsfachfrau durchzulesen und mir einen Überblick über das Gebiet zu verschaffen. Dafür habe ich die Vorbereitungskurse von >Wiprax verwendet. Dieser Anbieter verkauft unterschiedliche Pakete zur Vorbereitung auf ausgewählte IHK-Prüfungen. Ich habe mich für das Komplettpaket für 397 Euro entschieden, das mich sowohl auf die schriftliche als auch auf die mündliche Prüfung vorbereitet hat.

Das Skript enthielt auch einige gute Tipps zum Lernen, die ich umgesetzt habe: Vor dem Lesen solle man bereits überlegen, was man schon alles zum Thema weiß oder welche Fragen man hat. Nach dem Lesen könne man überlegen, was besonders überraschend war oder warum etwas so ist wie es ist.

Diese Tipps unterstützen das >aktive Erinnern. Im Gegensatz zum Merken durch ständiges Wiederholen, versuche ich mich bewusst an etwas Gelesenes zu erinnern. Das ist ein wenig anstrengender, aber aus meiner Erfahrung kann ich mir Sachen so besser merken.

Sich Fakten zu merken, ist aber nur die halbe Miete. Mindestens genauso wichtig ist für mich, den Stoff zu verstehen.

Immerhin möchte ich als Versicherungsfachfrau Menschen dazu beraten. Das heißt, ich möchte das Gelernte auf unterschiedliche Situationen anwenden. Zu Bestandsversicherungen zu beraten oder einzuschätzen, welche Versicherungen nötig oder unnötig sind, gehört zur Arbeit der Finanzberaterin und muss immer im Kontext der Bedürfnisse der Mandanten gesehen werden. Auswendiggelerntes hilft da nur begrenzt weiter.

Nachdem ich die Skripte gelesen und mir Notizen gemacht habe, bin ich dazu übergegangen, mein Verständnis mit Übungsfragen zu testen.

Der Wiprax Vorbereitungskurs für die Qualifikation als Versicherungsfachfrau enthielt fünf Klausuren mit beispielhaften Übungsfragen. Wie in der richtigen Prüfung konnte ich anhand von knapp 120 Multiple-Choice-Fragen, die alle Prüfungsbereiche umfassten, munter drauf los üben. Je nach Fragetyp waren eine oder mehrere Antworten richtig. Auch ein Lösungsbogen war mit dabei, der zu vielen Fragen hilfreiche Bemerkungen bereit hielt.

Hier ging es mir um Qualität statt Quantität. Mein Ziel war nicht, viele Fragen in kürzester Zeit zu beantworten. Wenn ich etwas nicht verstanden habe, zog ich die Skripte wieder zu Rate oder recherchierte im Internet.

Gerade bei Versicherungssparten, mit denen ich im Arbeitsalltag nichts zu tun habe (KFZ-Versicherungen, Gebäudeversicherungen), fehlte mir ein Grundverständnis. Da half mir eine kurze Recherche weiter, um Beispiele zu finden, die das Thema anschaulich wiedergeben oder um Zusammenhänge zu erkennen.

Wer lieber in Gruppen lernt, kann spezielle Lehrgänge besuchen. Anbieter wie das >Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) e.V. oder die >Akademie für Finanzberatung AG bieten verschiedene digitale oder Präsenzformate, die einen umfassend auf die Prüfung vorbereiten.

Auch wenn man seinen Lernstil gefunden und an die Situation angepasst hat, können Lernphasen sehr stressig werden, vor allem wenn man dies berufsbegleitend macht. Darum war für mich ein gutes Zeitmanagement genauso wichtig wie das tatsächliche Lernen.

Struktur, Struktur, Struktur

Es gibt unzählige Tipps und Methoden, die ein optimales Zeitmanagement ermöglichen. Je nachdem welche dieser Methoden zu einem passt, kann das sehr hilfreich sein.

Für eine spezielle Methode habe ich mich nicht entschieden. Aufgrund meiner Erfahrung und dem, was ich über mich selbst weiß, war das wichtigste für mich, Strukturen zu schaffen – in diesem Fall zeitliche Strukturen.

Dafür habe ich mir einen Überblick über die Themengebiete und die verbleibende Zeit bis zur Prüfung verschafft. Pro Woche habe ich mir vorgenommen, ein Themengebiet durchzuarbeiten, um anschließend genügend Zeit für die Übungsaufgaben zu haben. Insgesamt habe ich knapp vier Monate vor der Prüfung mit den Vorbereitungen begonnen. Für die nächste Prüfung werde ich ein wenig früher anfangen.

Auch die angebotenen Kurse und Lernempfehlungen für die Prüfung zur Versicherungsfachfrau bewegen sich zwischen vier bis sechs Monaten. Gerade wer sich nicht extra Urlaub für eine intensive Vorbereitung nehmen kann, sollte mehr Zeit einplanen.

Dann ging es an die Tagesplanung

Ich lerne lieber frühs und vormittags als abends nach der Arbeit. Also musste ich mir meinen Tag so einteilen, dass ich früher aufstand und später zur Arbeit ging. Auch am Wochenende habe ich mir frühs Zeit genommen, die Skripte durchzugehen. In meinen Terminkalender habe ich die Zeiten geblockt und notiert, was genau ich schaffen möchte.

Als der Plan stand, war die Motivation auch nicht mehr so wichtig.

Ich musste nicht täglich mit mir selbst verhandeln, warum ich heute was mache. Ein Blick in den Kalender genügte und gab mir die Verbindlichkeit, die ich benötigt habe. Die Tage und Wochen bis zur Prüfung hatten Struktur und mein Stresspegel war ausgeglichen.

Der Mensch ist keine Maschine

Und deshalb ist Zeitmanagement nur halb so gut, wenn wir nicht auf unsere Bedürfnisse achten. Es gab Tage, an denen ging das Lernen schlechter, das Lesen langsamer. Es kam vor, dass Termine meinen Wochenplan umwarfen oder ich krank war und eine ganze Woche gar nicht lernen konnte.

Daher hatte ich mir bei der Planung pro Woche genügend Pufferzeit eingeplant und mir die Zeiten und Themen so eingeteilt, dass mir immer ein wenig Flexibilität blieb.

Außerdem waren Pausen sehr wichtig. Ich wollte auch mal ein ganzes Wochenende nichts tun und mich erholen. Die einzelnen Lernblöcke hatte ich so geplant, dass ich zwischendrin und danach genügend Pausen hatte, um den Stoff zu verarbeiten und nicht zum nächsten Termin hetzen musste.

Die Planung von Pausen hat mir zudem geholfen, Ablenkungen während des Lernens zu vermeiden.

Für Handy und Alltag hatte ich Zeit eingeplant.

Was sonst noch wichtig war

Am besten kann ich lernen und mir Dinge merken, wenn ich mein Stresslevel niedrig halte. Neben Zeitmanagement und Lernstrategien gibt es ein paar Sachen, die ich in solchen Phasen früher gern vernachlässigt habe.

Dazu gehören Bewegung und Ernährung. Meinen lernbedingt erhöhten Zuckerkonsum versuchte ich mit ausgewogener Ernährung auszugleichen. Für Kochen habe ich während dieser Phasen keine Nerven, also suchte ich einfache schnelle Rezepte, die die Nährstoffe enthalten, die ich brauche und mich satt machen. Lange Spaziergänge halfen mir, den Kopf frei zu bekommen.

Ebenso wichtig sind soziale Kontakte. Freunde treffen, sich über Probleme auszutauschen oder einfach nur gemeinsam Spaß zu haben, gab mir Kraft und Ansporn, weiter zu machen.

Und dann kam die Nervosität

Ein paar Tage vor der schriftlichen Prüfung zur Versicherungsfachfrau ging es los. Ich schlief nicht mehr so gut, machte mehr Fehler bei den Übungsaufgaben und war oft angespannt. Ich hatte mir für die letzte Phase vor den Prüfungen frei genommen, um mich intensiv vorbereiten zu können. Leider bedeutete das auch, dass ich mehr Zeit hatte, um mir Gedanken zur Prüfung und den Ergebnissen machen zu können.

Früher habe ich versucht, gegen die Nervosität anzukämpfen. Mit dem Ergebnis, dass ich nur noch nervöser wurde. Was ich seitdem gelernt habe und was mir diesmal half, war, die Nervosität zu akzeptieren. Sie war ein Zeichen, dass es mir wichtig ist, durch die Prüfung zu kommen. Sie darf existieren und mich daran erinnern.

Wie die Sachkundeprüfung zur Fachfrau für Versicherungsvermittlung ablief

Am Tag der schriftlichen Prüfung zur Versicherungsfachfrau musste ich früher als sonst aufstehen, zwang mich zu frühstücken, schnappte mir eine Flasche Wasser und ging los.

Insgesamt ging sie drei Stunden mit einer Pause zwischendurch. Durch die Probeklausuren aus den Skripten war ich auf die Art der Fragestellung gut vorbereitet. Neben den Multiple-Choice-Fragen gab es auch einige offene Fragen, bei denen Zahlen eingetragen werden mussten. Daher durften wir auch einen Taschenrechner benutzen.

Der erste Teil der Prüfung behandelte die Vorsorgeversicherungen wie Lebensversicherung, Kranken- und Unfallversicherung. Im zweiten Teil ging es um die Sachversicherungen (Haftpflicht, Hausrat, KFZ).

Und noch eine Stunde später wusste ich, dass ich bestanden hatte und am nächsten Tag in die mündliche Prüfung durfte.

Ich war für den frühen Nachmittag vorgesehen. Kurz nach meiner Ankunft erhielt ich meinen Fallbericht und hatte 20 Minuten Zeit, mich auf das simulierte Beratungsgespräch vorzubereiten. Dafür durften wir auch eigene Unterlagen mitnehmen, die wir ins Beratungsgespräch einflechten konnten. Dazu gehörte die Erstinformation, die Datenschutzerklärung, Dokumentationsunterlagen und ebenfalls ein Taschenrechner. Hier ging es darum, zu zeigen, dass man fähig ist einen Kunden rechtskonform, umfassend und individuell zu beraten.

Bei der Anmeldung hatte ich für die mündliche Prüfung das Thema Vorsorgeversicherungen gewählt. Das Beratungsgespräch lief 20 bis 25 Minuten. Nachdem ich die Formalitäten geklärt hatte, ging ich an die inhaltliche Beratung. Nachdem ich die Lebenssituation und Bedürfnisse meiner Kundin kannte, entschied ich, dass der Bereich Risikovorsorge Priorität hatte. Ich achtete darauf, meine Ausführungen zu strukturieren und meine Entscheidungen gut zu begründen. Irgendwann stoppten die Prüfer das Gespräch und zogen sich zur Bewertung zurück.

Und dann war auch diese Prüfung bestanden. Die Prüfer gratulierten mir und übergaben mir ein vorläufiges Zertifikat. Nun konnte ich mich offiziell als Versicherungsfachfrau bezeichnen.

Ich war sehr stolz auf mich und finde, Erfolge sollte man auch feiern.

Und das tat ich.

Was hätte ich anders gemacht?

In den Tagen danach, als die Freude über den Erfolg langsam verblasste, dachte ich über die Prüfungsphase, die Nervosität und Anspannung nach. Ich war ein wenig überrascht von der Heftigkeit meiner Nervosität und fragte mich, was der Grund gewesen sein könnte.

Bezüglich des Lernstoffs war ich vor der Prüfung zur Versicherungsfachfrau sehr unsicher. Mir fehlte der praktische Bezug und die Erfahrungen, die ich erst in den kommenden Monaten machen würde. Was mir geholfen hätte und was ich mir für die nächste Prüfung vornehmen werde, ist den Stoff mit Fachkollegen zu besprechen. Im Austausch Verständnisprobleme lösen oder Inhalte anderen Personen zu erklären, waren für mich immer gute Möglichkeiten, das Thema zu verinnerlichen und Wissen abrufbereit zu haben.

Endlich Versicherungsfachfrau – und jetzt?

Die Prüfung zur Versicherungsfachfrau beziehungsweise zur Fachfrau Versicherungsvermittlung ist nun geschafft. Doch sie ist nur ein Teil meiner theoretischen Ausbildung. Als nächstes werde ich mich auf die Prüfung zur Finanzanlagenfachfrau vorbereiten, damit ich bald Mandantinnen und Mandanten zu Anlagestrategien beraten kann.

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Doch bei diesen Prüfungen wird es nicht bleiben. Ein Grund, warum ich mich für den Beruf der Finanzberaterin entschieden haben, war, dass es immer neues zu lernen gibt. Die Welt der Finanzen steht nie still. Ständig kommt neues Wissen dazu, wird altes abgelöst oder erweitert. Um die bestmögliche Beratung bieten zu können, werde ich mich auch nach allen Prüfungen weiterbilden.

Daneben ist Praxiserfahrung unerlässlich. Gewonnenes Wissen anzuwenden und Gespräche zu üben, gehören genauso dazu wie Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen.

Das Rezept meines kleinen Erfolges

Da wir uns in der Finanzküche befinden, dachte ich mir, ich nenne es so. Es ist kein kompliziertes Rezept, doch das Ergebnis bedeutete für mich ein Erfolgsgericht. Und so geht es:

Man nehme eine Prise Motivation, mixt diese mit 100 Gramm Lernvorlieben, das passende Lernformat mit den richtigen Materialien und 200 Gramm Zeitmanagement, wirft ein wenig Praxis und Fachaustausch hinein. Die gesamte Masse kommt nun auf das Blech der Selbstkenntnis und wird im Backofen bei 20 Grad Lerntemperatur gut durchgebacken. Am Ende garniert man alles mit ein wenig Selbstlob.

Sich selbst zu kennen, ist bei jeder Herausforderung wichtig. Wenn wir wissen, was uns antreibt, wie wir uns in bestimmten Situationen verhalten und wie wir auch in schwierigen Zeiten vorankommen, können wir die entsprechenden Werkzeuge wählen und das erreichen, was wir uns vorgenommen haben.

Für mich war es wichtig, Strukturen und Verbindlichkeiten zu schaffen, die mich auch in Zeiten mangelnder Motivation am Ball hielten. Zu wissen, wie, wo und wann ich gern lerne, war genauso hilfreich wie auf meinen Körper zu hören, wenn er mich um eine Pause bat.

Und schließlich die Selbstreflexion: noch einmal darüber nachzudenken, was gut oder weniger gut lief, hilft mir, mich noch besser auf die nächste Herausforderung vorbereiten zu können und um beim nächsten Mal vielleicht ein bisschen weniger nervös zu sein.

Portrait vom Autor dieses Artikels
Über Birgit Hünniger

Ich bin angehende Finanzberaterin und unterstütze die Finanzküche bei ihrer operativen und visionären Arbeit. Meine Aufgabenbereiche sind die Vor- und Nachbereitung von Beratungsgesprächen, sowie die Erstellung von Beiträgen für Blog und Newsletter.