Du lebst nur einmal

Abends mit Freunden in einen Club, mit der Partnerin entspannt ins Restaurant oder fremde Länder bereisen – all das kostet Geld, bringt aber tonnenweise Freude und Erfahrung. Klar kann man auch zu Hause mit seinen Freunden kochen oder in den Schwarzwald fahren … aber ab und zu muss man einfach raus und salopp gesagt:

Die Sau rauslassen.

Ich bereue keinen einzigen feucht fröhlichen Abend meiner Studienzeit und kann verstehen, wenn du dir statt einem Fahrrad einen Sportwagen zulegst. Wobei du gerade bei letzterem schauen solltest, dass du dich nicht bis zur Halskrause verschuldest.

Jeder ist anders und jeder muss selbst wissen, was ihn glücklich macht. Daher kommt es mir befremdlich vor, wenn ich auf einigen Finanzblogs von Konsumidioten lese – vor allem, weil gerade Aktionäre am meisten vom Konsum profitieren. Wenn niemand den „Plunder“ kauft, den Unternehmen produzieren, gibt es weder Dividendenausschüttungen noch Kursgewinne. Wer in Aktien investiert, sollte sich freuen, wenn der Einzelhandel brummt und nicht mit Steinen werfen.

 

Morgen kann alles vorbei sein

Wir leben in einer Gegenwart mit einer ungewissen Zukunft. Morgen kann mich der Blitz treffen und mich auf die Reise nach Walhalla schicken. Das ganze Sparen und Investieren wäre für die Katz gewesen …

Ich achte bei meinem Sparverhalten darauf, dass ich mich wohl fühle. Ich möchte nicht den Eindruck haben, zu verzichten. Wozu auch? Ich will mich nicht auf die faule Haut legen, wenn mein Depot groß genug ist. Mein Beruf ist Berufung. Das habe ich mir über Jahre aufgebaut und das will ich möglichst lange genießen.

Wenn Du beruflich unzufrieden bist und noch nicht zu alt für Neues, ist es besser, du richtest dich beruflich neu aus, anstatt zwei Jahrzehnte lang zu Sparen wie ein Verrückter, um zehn Jahre eher in Ruhestand gehen zu können.

 

Finanzielle Freiheit ist eine Teilmenge der Freiheit

Es ist Unsinn, zu glauben, Geld würde freimachen. Ich habe unzählige Verpflichtungen, die nichts mit Geld zu tun haben. Wenn meine Familie Hilfe braucht, helfe ich. Meine Partnerin hat Wünsche und Bedürfnisse, auf die ich Rücksicht nehme …

Ich lebe mit anderen Menschen in Wechselbeziehungen und werde niemals die Freiheit haben, zu tun und zu lassen, was ich möchte.

Aber:

Ich habe mich bewusst dafür entschieden, abhängig zu sein. Mein Lohn: Gemeinsam mehr Glück erfahren und gemeinsam Größeres schaffen, als mir das allein möglich wäre …

 

Es kommt auf die Definition von Freiheit an

Ein Depot, aus dem ich meinen Lebensstandard finanzieren kann, habe ich (noch) nicht. Ich bin abhängig davon, Geld zu verdienen. Solange ich einen Kopf und zwei Hände habe, ist das kein Problem – denn ich kann entscheiden, wie ich Geld verdiene …

Und das ist Freiheit: Wählen zu können.

Mit einem dicken Bankkonto erreichst du keine Freiheit. Freiheit erlangst du, wenn du den Mut aufbringst, von deinen Wahlmöglichkeiten Gebrauch zu machen.

Du brauchst Mut, um:

  • Beruflich neue Wege einzuschlagen
  • Dich von einem Partner zu trennen, der dich unglücklich macht
  • Eine Familie zu gründen

Und vor allem brauchst du Mut, um dir zu erlauben, zu scheitern.

 

Lebe

Deine Zeit ist kostbar. Nutze sie so, dass es sich richtig anfühlt.

Verbiege dich nicht, weil andere es erwarten. Bringe den Mut auf, du zu sein und du wirst frei sein, lange bevor du eine imaginäre finanzielle Freiheit erreicht hast.

Oder wie Jorge Bucay in einem seiner Bücher in etwa schrieb:

Es war ein trauriger Tag, an dem du in den Spiegel blicktest und nicht mehr sagtest:

„Ich bin.“ Sondern:

„Ich sollte sein.“

Dein Finanzkoch
Christoph Geiler [wysija_form id=“8″]

Portrait vom Autor dieses Artikels
Über Christoph Geiler

Als Finanzberater bin ich auf die Themen Finanzplanung, Geldanlage und Altersvorsorge spezialisiert. Als Finanzkoch bin ich konzeptionell tätig und erstelle Inhalte. In meiner Freizeit schwinge ich gern den Kochlöffel, treibe Sport und spiele mit meinem Sohn.