Bargeldverbot: Nehmt uns unser Bargeld und ihr nehmt uns unsere Freiheit!

Ein gutes Jahr dürfte es jetzt her sein, dass ich das letzte Mal einen Artikel gelesen habe, in dem die Abschaffung des Bargeldes thematisiert wurde. Damals habe ich es für Spinnerei gehalten …

Heute sehe ich das anders. Es handelt sich nicht um Spinnerei. Da meinen es welche wirklich ernst!



Bargeldverbot: Nehmt uns unser Bargeld und ihr nehmt uns unsere Freiheit!


In der aktuellen Ausgabe (21/2105) des Spiegels, macht sich der „Wirtschaftsweise“ Peter Bofinger für die Abschaffung des Bargeldes stark.

Münzen und Bargeld hält er für einen „Anachronismus“. Die Abschaffung des Bargeldes „wäre jedenfalls ein gutes Thema für die Agenda des G-7-Gipfels in Elmau“, meint Herr Bofinger.

Eine bargeldlose Welt. Ein Traum aus Tausend und einer Nacht …

Die Vorteile wären nahezu grenzenlos. Wir müssten beim Einkaufen keine Zeit mehr mit der Suche nach Kleingeld verschwenden. Wenn wir das Haus verlassen, bräuchten wir uns nicht mehr vor Raubüberfällen zu fürchten. Die organisierte Kriminalität wäre am Ende!

Klingt nach dem Garten Eden. Am besten bringen wir gleich heute unsere letzten Taler zur Deutschen Bank (Achtung Ironie).

Immer wenn etwas zu schön klingt, um wahr zu sein, dann ist es das meistens nicht. So ist es auch hier.

Zeit sparen durch Kartenzahlung?

Das kann nur jemand behaupten, der nie kassiert hat. Natürlich gibt es Ausnahmen, wo jemand mit dreißig 1-Cent Münzen anrückt. Doch das ist eher die Ausnahme. In der Praxis brauche ich für eine Kartenabrechnung wesentlich länger, als jemanden bar abzukassieren. Das ist jedenfalls meine Erfahrung.

Keine Überfälle mehr?

Banken und Geschäfte haben sowieso nur noch geringe Barreserven da. Überfälle sind hier schon jetzt kaum noch attraktiv. Und wer sich auf der Straße um seine persönliche Sicherheit sorgt, sollte sich fragen ob es nicht wahrscheinlicher ist, dass ein Räuber auf das neue iPhone 6 scharf ist. Bargeld dürfte für diese Art der Übergriffe kaum der antreibende Faktor sein.

Die organisierte Kriminalität am Ende?

Wer daran glaubt, glaubt auch noch an den Weihnachtsmann. Dann wird der nette Dealer an der Ecke eben nicht mehr mit Geldscheinen, sondern mit einer Paysafecard bezahlt. Für größere Geschäfte lässt man ab sofort den Geldkoffer zu Hause und klemmt sich stattdessen den Goldbarren unter den Arm.

Fragen wir also: „Cui bono“ – Wem nützt es?

Wem sollen wir vertrauen? Den Banken. Was ist die größte Angst der Banken? Das wir unser Geld abheben (das ist nämlich real gar nicht da).

Bargeldverbot = Gefahr gebannt

Was haben wir gerade? Eine Schuldenkrise. Was würde die Politik am liebsten durchsetzen? Negativzinsen. Negativzinsen sind eine super Sache wenn man sich entschulden will. Ganz nebenbei kann man damit seine Bürger zum Konsum „zwingen“. Da stört es, dass wir unser Geld einfach abheben würden, wenn es Strafzinsen gäbe.

Bargeldverbot = Bahn frei für Negativzinsen

Abgesehen davon, würde ein Bargeldverbot zum gläsernen Bürger führen. Damit wäre auch unser letzter Einkauf registriert. Anonym Brötchen kaufen? Vergessen Sie es!

Für mich ist hier eine Grenze erreicht, denn meine Freiheit ist mir heilig.

Ich hoffe, dass wenn es soweit kommt, es noch ein oder zwei Politiker mit Rückgrat gibt, die die Zusammenhänge verstehen und sich tatsächlich als Volksvertreter sehen.

Ansonsten treffe ich Sie ja vielleicht zu einer friedlichen Demonstration vor dem Kanzleramt?

Ihr Finanzkoch
Christoph Geiler

Bildquelle: © Petra Fiedler – Fotolia.com

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Kommentare

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4 Kommentare

  1. Stefan
    Reply Mai 23, 21:06 #1 Stefan

    Ich denke es gibt noch einen weiteren negativen Aspekt hinzuzufügen: Transaktionskosten. PayPal und Kreditkartenfirmen machen es bereits heute vor: Bei jedem Geschäft verdient „die Bank“ kräftigt mit. Aktuell ist der Druck auf Geschäfte und Online Händler noch groß genug, so dass sie die Transaktionskosten selbst tragen, weil sonst nicht mehr oder nur noch Bar eingekauft wird. Wenn wir nicht mehr Bar bezahlen können, dann werden diese Transaktionskosten generell auf den Kunden umgelegt.

    Wird das Bargeld tatsächlich abgeschafft, dann denke ich, dass langfristig der Tauschhandel mit Waren wieder zunehmen wird. Auf dem Schwarzmarkt sowieso und auch im kleinen. Denn wenn wir auch nur die Schwiegermutter bitten ein Brot vom Bäcker mitzubringen, zahlen wir zwei Mal: Einmal die Transaktionskosten für den Kauf beim Bäcker und dann nochmal die Überweisungskosten an die Schwiegermutter. Da tausche ich doch lieber ein Brot gegen drei Stück Butter, die ich beim letzten Einkauf mitgebracht habe – ganz transaktionskosten-frei.

    • Finanzkoch
      Reply Mai 26, 08:11 Finanzkoch Author

      Hallo Stefan,

      an die Gebühren habe ich noch gar nicht gedacht … danke für diese Ergänzung.

      liebe Grüße
      Finanzkoch

  2. Claudius
    Reply Mai 22, 14:50 #2 Claudius

    Ich lese und schaue so gut wie keine Nachrichten. Wenn Ich keine Blogs lesen würde, wäre die Forderung von Herrn Bofinger also an mir vorbeigegangen. Wäre das für mich schlimm? Ich denke nicht. Nur weil irgendwer irgendwas fordert, bedeutet das noch lange nicht, dass es auch gemacht wird. Ich glaube nicht an ein Verbot von Bargeld in den nächsten 100 Jahren. Die Vorteile sind einfach zu gering und die negativen Nebeneffekte zu groß.
    Glauben Sie daran, dass der Vorschlag von Herrn Bofinger in der Politik ernst diskutiert wird? Ich kenne die Faktenlage dazu leider nicht.
    Gruß,

    Claudius

    • Finanzkoch
      Reply Mai 22, 15:14 Finanzkoch Author

      Hallo Claudius,

      ich glaube wirklich, dass uns so eine Diskussion bevorsteht. Peter Bofinger ist Mitglied des Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Der Rat ist ein „Gremium der wirtschaftswissenschaftlichen Politikberatung“.
      ( http://www.sachverstaendigenrat-wirtschaft.de/ziele.html )

      Als sogenannter „Wirtschaftsweiser“ hat Peter Bofinger also durchaus erheblichen Einfluss.

      Wenn man wissen will, was uns bevorsteht, lohnt sich ein Blick auf unsere europäischen Nachbarn.
      In Dänemark, Griechenland, Portugal, Spanien, Belgien und Italien ist der Bargeldverkehr bereits erheblich eingeschränkt worden.
      In Griechenland liegt der Maximalbetrag für Bargeldzahlungen bald bei nur noch bei 70 €.

      liebe Grüße
      Finanzkoch

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