Altersvorsorge

Wir wachsen auf, beginnen zu arbeiten und gehen in den Ruhestand. Für deine Altersvorsorge ausreichend finanzielle Mittel bereitzustellen, ist ein Prozess, für den du in den ersten beiden Phasen deines Lebens den Grundstein legst.

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Dabei gilt es, dir darüber klar zu werden, was Altersvorsorge für dich bedeutet.

Für welches Alter sorgst du vor und wie willst dann leben? Kannst du dir vorstellen, bis 67 und darüber hinaus zu arbeiten oder möchtest du die Option haben, eher in die Rente zu gehen? Willst du die Welt bereisen oder im Schrebergarten mit deinen Enkeln spielen?

Oder kannst du noch gar nicht greifen, was Altersvorsorge für dich bedeutet? Auch das ist eine wichtige Erkenntnis, denn dann ist Flexibilität das Gebot der Stunde.

Im Folgenden schauen wir uns an, wie du deine ominöse „Rentenlücke“ berechnest und welche Instrumente dir zur Verfügung stehen, um sie zu schließen.

Wenn du Unterstützung bei der Zielsetzung und Zielformulierung suchst, schau gern bei unserem Beitrag >Smarte Zielplanung: Wie du jedes Ziel erreichst vorbei.

Lebensphasen

Wie die passende Altersvorsorge für dich aussieht, hängt von deinem Lebensmodell ab und in welcher Lebensphase du dich befindest.

Bist du noch in der Ausbildung kann Flexibilität entscheidend sein, da der anstehende Lebensweg kaum absehbar ist.  Findest du dich einige Jahre mit einer Familie wieder und möchtest ein Haus bauen, brauchst du Eigenkapital, welches in diesem Moment nicht in einem starren Rentenvertrag gebunden sein sollte.

Prüfe Sparformen daher immer auf:

  1. Flexibilität & Verfügbarkeit
  2. Ertragschancen & Risiken
  3. Steuervorteile & Förderungen
  4. Insolvenzsicherheit
  5. Vor- und Nachteile etwaiger Garantien
  6. Umgang mit dem Langlebigkeitsrisiko?

Je nach Situation können verschiedene Punkte wichtig sein.

 

Planungshorizont

Wie alt wirst du? Eine exakte Antwort wäre ideal, um den Vorsorgebedarf zu bestimmen. Glücklicherweise wissen wir nicht, wann wir den Weg ins Jenseits antreten. Emotional wäre das Wissen darum sicher schwierig.

Dennoch müssen wir uns der Frage im Rahmen der Ruhestandsplanung annähern. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge hat dafür die Seite >Wie alt werde ich? ins Leben gerufen. Für mich (Mann, 89er Baujahr) wirft die Seite eine statistische Lebenserwartung von 94,6 Jahren aus. Die Seite ist ideal dafür, um ein Gefühl für Lebenserwartungen zu bekommen und wie der eigene Lebensstil diese beeinflusst.

Dabei solltest du dir bewusst machen, dass das Deutsche Institut für Altersvorsorge ein privatwirtschaftliches Unternehmen ist, das von der Deutschen Bank ins Leben gerufen wurde. Die Lebenserwartung, die auf der Seite ausgewiesen ist, ist daher als optimistisch zu bewerten. Die Privatwirtschaft hat ein Interesse daran, Rentenverträge an Mann und Frau zu bringen und arbeitet in der Regel mit vorsichtigen Sterbetafeln – was neben dem Eigeninteresse auch aufsichtsrechtliche Gründe hat.

Genauer mit Lebenserwartungen haben wir uns im Beitrag >Ruhestandsplanung in der Republik der Greise auseinandergesetzt.

Entscheidend ist letztlich, dass du für dich einen gangbaren Weg findest, um mit deinem Langlebigkeitsrisiko umzugehen. Was passiert, wenn du deutlich älter als der Durchschnitt wirst?

Rentenlücke

Sich einen Überblick über den Vorsorgebedarf zu machen, ist die Grundlage dafür, dass du von der Höhe her angemessene Lösungen wählst.

Das ist wie beim Essen: Wenn du weißt, dass ein kräftezehrender Marathon ansteht, kochst du eine größere Portion Nudeln. Ist ein Wellness-Tag geplant, kommst du mit weniger aus.

Die Rentenlücke beschreibt die Differenz zwischen deinen Rentenansprüchen und den voraussichtlichen Lebenshaltungskosten im Ruhestand.

Als erstes verschaffst du dir einen Überblick über deine Ausgaben und versuchst möglichst genau abzuschätzen, wie der Ruhestand dein Ausgabenniveau beeinflussen wird. Rechne großzügig. Zu glauben, dass im Ruhestand deutlich weniger Geld benötigt wird, kann trügerisch sein. Im Ruhestand hast du mehr Freizeit und die Ausgaben für Gesundheit werden Stück für Stück steigen.

Bist du Mitglied der Deutschen Rentenversicherung, suchst du dir als nächstes deine aktuelle Renteninformation heraus.

In der Renteninformation findest du in der Mitte rechts die Rente wegen voller Erwerbsminderung und die Altersrenten
Auszug aus der Renteninformation von Eva Musterfrau*

Die mittlere Zahl in der rechten Box ist dein bereits erworbener Anspruch auf Regelaltersrente, welche für jüngere Jahrgänge in der „Regel“ mit 67 Jahren beginnt.

Bei der unteren Zahl werden deine Einzahlungen der letzten fünf Kalenderjahre bis zum Renteneintritt hochgerechnet und zu den bereits erworbenen Ansprüchen addiert.

Nehmen wir an, du erreichst in 25 Jahren die Regelaltersgrenze und bei deiner Hochrechnung werden 2.000 Euro/Monat Rentenanspruch angegeben. Um die Nettorente zu ermitteln, müssen wir noch Steuern und Sozialabgaben abziehen.

  1. Kranken- und Pflegeversicherung schlagen mit knapp 11 Prozent zu Buche
  2. Für die Steuern nehmen wir fiktiv 9 Prozent an

Insgesamt ziehen wir runde 20 Prozent also 400 Euro von unserer Brutto-Rente ab und kommen auf 1.600 Euro, die uns jeden Monat zu Verfügung stehen.

Die Rentenlücke ergibt sich jetzt aus den 1.600 Euro/Monat Einnahmen und deinen ermittelten Ruhestandsausgaben von beispielsweise 2.000 Euro/Monat. Nach Adam Riese macht das 400 Euro/Monat.

Kommen wir noch zur Inflation. Zwar ist die Absenkung des >Rentenniveaus um gute 3 Prozent von 2021 bis 2030 beschlossene Sache, aber das die Rente einen Inflationsausgleich schafft, ist dennoch denkbar. Die Rentenentwicklung ist an die Lohnentwicklung gekoppelt. Steigen die Löhne wie in den letzten Jahren stärker als die Inflation, können Rentensteigerungen trotz sinkendem Rentenniveau die Inflation ausgleichen oder übertreffen.

Für unser Beispiel gehen wir davon aus, dass Rentensteigerungen und Inflation sich jeweils mit 2 Prozent pro Jahr die Wage halten. Dennoch beeinflusst die Inflation unsere Rechnung. Die 400 Euro/Monat Rentenlücke wächst in den nächsten 25 Jahren auf einen Nominalbetrag von 656,24 Euro an (kaufkraftbereinigt bleibt sie gleich).

Nehmen wir an, du wirst 95 Jahre alt und gehst mit 67 in Rente. Dann verbringst du 28 Jahre im Ruhestand. Um deine Rentenlücke zu schließen, benötigst du Kapital über 656 Euro X 28 Jahre X  12 Monate = 220.416 Euro.

Dabei gehen wir davon aus, dass dein Kapital im Ruhestand einen Inflationsausgleich schafft. Ansonsten wäre dein Kapitalbedarf höher.

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